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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-21 · 51 (21.12.1870) · p. Seite 416

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
Seite 416 (sequence 2)
Language
German
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416 ganz vom jüdischen Leben loSgesagt haben. .Ausreden find wohlfeil wie Brombeer«' Wir wolle« unsere Kinder der Freude nicht berauben, heißt eS, eS ist ja nichts Böse», im Gegentheil, eS ist so .gemüthlich', warum sollen die Kleinen mit Neid und Betrübniß auf ihre Mitschüler blick«? Sie g«irm sich, wenn fie gefragt werdm, waS sie zu Weihnacht« bekomm« Hab«, sie soll« ja Judm sein und bleib«, aber warum soll« wir ihn« so frühe dm Nachtheil fühlbar mach«?-Oder mau sagt noch einfacher: Wir selbst Hab« nicht» mit der Sache zu thun, die Magd hat ihn« d« Baum geputzt, sie ist ja Christin, warum ihr da» wehr«? Der WeihnachtSbaum ist, wma irgmd etwas, ChukkaS hagoi, nicht-jüdischer ReligionSzebrauch, also verboten. Aber damit komm« wir bei dieser Klaffe nicht weiter. Einmal hält fie sich überhaupt nicht so strmge au die Thora, daß fie sich ihrem AuSspruch ohne Weitere» unterwerfe. Dann wird man unS sag«: ,E» ist ja gar n'chtS Christliches, die gebildeten Christ« glaub« ja selbst an dm Gottessohn so wenig wie wir, e» ist einfach ein Kinderfeste Oder m>n hat gelef«, daß der WeihnachtSbaum gar nicht auS dem Christenthum, sende« auS dem altgermaniscben Heidmthum stamme. »Nun, dann ist» ein heidnischer Gebrauch, dm ihr um so wmiger—.* »Ach,' unterbricht man unS, was gehen unS die altieutfchen Götter an? unsere Kinder werdm doch keine Heid« werdm!' WaS habm wir also diesen gutmüthizm, zemüthlichm Lmtm hauptsächlich entzezmzuhaltm? Die Weihnachtsfeier ist gemüthlich; der Eifer, mit dem die Familimglieder einander zu erfreum bemüht sind, die Treue, mit der die Frau für den Mann und beide für die Kinder in nächtlicher Weise arbeitm, mit der die Armen fich'S am Munde abdarbm, um auch ihrm Klein« zum Feste eine Bescheerung zu gebm, die Liebe, mit der Wohlhabmde dm ärmer« Mitmensch« eine WeihnachtSgabe in'S Hau» senden, das AlleS hat sehr viel Ansprechende», ErhebmdeS, wer wollte da» auch nur im Mindesten in Abrede stellen! Da lesm wir, wie der Aufruf ergeht, dm Kriege« in Feindesland und ihrm Frauen und Kindern und dm Waisen der Gefall«« daheim eine WeihaachtSfreude zu bereit«; wir find überzmgt, daß der Aufmf in Million« Herz« Widerhall findet «ad — wir nehmen au» alledem ein« vollwichtig« Beweis für die Macht dev religiöse» Elemente» im Mmfchaberzm, den» auch die nichtgläubig« Christ« appellir« an die ihn« selbst nicht-bedeutende religiöse Seite de» Feste» und räum« damit, wider Will«, ein, daß ein religiös geweihete» Gefühl doch noch eine ganz andere Kraft hat als die bloße Humanität. Wir brauch« »an kaum zu sag«, daß für d« Judm der religiöse Gedanke beim Weihnacht-feste ganz fehlt, währmd der »gebildete, aufgeklärt«' Christ doch «migsten» im Chrfftenthum die Bollendung der Humanität fieht und feine Idee von Christu» und deffm »Geburt»« fest' damit irgmdwie in Verbindung bringt. Aber die Sache har et« Aber, welche» für jeden Dmkmdm die religiöse Seite de» Feste» und seiner Bescheerung — und ein religiöse» Fest soll et doch fein — höchst bedenklich macht, ja fie zerstört. Die Christen find mtweder christgläubig, oder fie find et nicht. Die erster« frier: Weihnachten al» Christi Geburt. Nu« steht aber unwiderleglich fest und ist allgemein zugestand«, daß da» Datum de» 25. December ein rein willkürliche» ist und nicht die mindeste historische Beglaubigung hat. Man muß also gefliffmtlich die Augm verschließ«, um am „heilig« Abmd" in weihevoller Stimmung die Geburt de» Heiland» zu begehen. Wir leg« dabei auf die bereit» erwähnte, obgleich auch hinlänglich bewies««, Ableitung der Weihnachtsfeier aus dem altgermanischen Heidmthum kein Gewicht, denn die gläubigen Kreise bestreiten die». Aber ebm diese Kreise redm nun ihrm Kinde« recht eifrig und eindringlich von dem Christkinde, welche» ihn« die Gab« bescheert, lehr« fie ihre „Wünsche" an dasselbe richtm, erzähl« salbungsvoll rührende Geschichtm von Er» hö«ng solcher gläubigen Bittm; glaub« sie dmn etwa, daß die Kinder daran glaub« können, sobald fie Halbweg» zu Verstand, kommen? Gewiß nicht! Nun daun kann e» doch nicht» Ber» kehrteres geben, al» wenn die Religion dm Kinde« zuerst iu Gestalt von Kindermärchm mtgegmtritt, Märchm, welche die Kinder selbst bald oi» solche erkmn«, da» weihevollste Fest der Feuilleton. - u a n i t o. (Fortlepmig.) 15. Die Schergen der Inquisition hattm Juanita in die Aljaferia geführt, wo sie die Wächter in einem der zahlreich« tief« Dettieße unterbracht«. Da» war« furchtbare unterirdische Kerker, die ungefähr acht Fuß hoch und ebmso breit warm, so daß man kaum aufrecht in ihn« stehm konnte. Der Bod« war naß und schlüpfrig, die Feuchtigkeit sickerte von all« vier Dändm herunter; nur eine einzige «ge Oeffnung war in die Mauer gebrochen; rin durchdringender mephitischer Gmich erfüllte dm mg« Raum, der nimialS mit frischer Luft und dem Sonnenlicht in Berührung komm« konnte. Da» junge Mädchm wich bei ihrem Eintritt erschreckt, mit dem Au»d«ck de» Abschme», ein« Schritt zurück. Die Wächter hielt« diese unwillkürliche Bewegung für ein» wahnsinnig« Fluchtversuch und der eine von ihn« stieß da» arme Mädchm mit rauher Hand in die dumpfe Höhle, währertd der Schließer mit dem Finger auf ewige Bretter hiawie», die rin« Fuß hoch über dem Foßbod« angebracht und mit einer halbverwesten Strohmatte bedeckt warm: da» war die Lagerstätte, da» Krankenbett der Gesang««. Dann schlug der Schließer heftig die Thür zu und Juauita befand sich allem in der Dunkelheit. Die verdorbme Luft d«S GefängniffeS beklemmte fie, und dieFmchtigkeit ihre» Aufenthalt»- otte» durchschauerte sie fieberhaft; der krampfhafte Muth, der sie bisher aufrecht gehalten hatte, verließ fie nun; fie konute sich kaum zu der hölzern« Pritsche, die nun ihr stete» Lager sei» sollte, hinschlepp«; sie lauert« sich auf der halbverfaultm Matte zusammm und verfiel in eium von schrecklich« Träum« beunruhigt« Halbschlaf. So erwattete sie dm TageSanbmch. Web, die Sonne hatte noch niemals ihrm Sttahl in diese» düstere T'auergrmach fall« lass«; nur ein zwrifelhafte« Dämmerlicht verk ündete Juayita, daß der Tag begann« Hab« müsse. Sie blieb in ihre stumme Apathie versunk«, bi» da» Klirr« eine» Schlüffelbunde» sie au» ihrm «Udm Träum« erweckte. In dem Halbdunkel, da» jetzt im Gefängniß herrschte, sah sie plötzlich ein« der Inquisitor« vor sich, nebm ihm stand ei» anderer Mönch, deffm Gesicht fie nicht erblick« konnte; hinter ihn« trat« zwei kurze, untersetzte Gestalt« ein, die fie mtt dumm«, stier« Blick« anglotzt«. E» war« zwei Henker»- knechte de» hriligm Officium». Der Gefangenenwärter beschloß dm Zug. Juanita überlief e» katt. ' .Protokollführer,' sagt« der Inquisitor, indem er sich zu seinem Begleiter wandte, »schreibt gmau di« Antwort« auf» die un» diese Ketzerin gebm wird. Wie ist H>ein Name?' fragte er daun Juanita. Diese erhob die Augm zu de« Manne, der fie verhörte. E» war eine kalte, undurchdringliche Gestalt mit fanattfchem Ausdruck. »Ich heiße Juanita,' antwortet« fie.

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