Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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m 51. -1870. 1. Jahrgang. MMen-Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthnms. Erscheint jeden Mittwoch. Preis vierteljährlich 20 Silbergroschen. -»serttsnsGeSühr fta Mt dreispaltige Petitzeile ober deren Nanm IV» ««r. Verantwortlicher Nedattenr und Heransgeber Rabbic.-r vr. A. %xtutnftte in Stettin. Breslau, 21. December 1870. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postaastallen. Kuserale» - Annah«« in de» Lchletter'scheu Buchhandlung (H. Skntsch) in Breslau. Inhalt. 'Leitender Artikel: Lhauucka uad Weihnacht«». Krieg«.«achrichte«. Feuilleton: Iuanita. ,'(Forts.) lverichte und Torrespondenzen: Deutschland: Berlin, «olberg. Dltrlhei« a. d. H. Hamburg. «oatgsbrrg t.Pr. Schönebeck. Oesterreich: Wien, »u» Salizien. Vermischte und nenest« Nachrichten: »ns de« «lsag. Petersburg, «ellingtou. Lhieag». Literatnrbrricht. vriestasten. Vaeauzen-Ltste. Inserate. An Unsere Aerre» Aöonnentev! -WW Mit dem 1. Januar 1871 beginnt daS I. Quartal des zweiten Jahrgangs der *“* Israelitische» Wochenschrift. ’! Indem wir um baldmöglichst« Einsendung aller noch restirenden AbonnementSbcträge recht dringend ersuchen, ImhIm. Noä». ytfpM^r dost wir vom nächsten Ms die „Wochenschrift" nur auf ausdrückliches Verlangen direct per Krenzcouvert — und zwar zum Preise von 3 Thlr. 10 Sgr. pro Anno für die deutschen und österreichischen Lande — «xpediren werden. ( Durch die Post bezogene Exemplare kosten quartaliter nach wie vor 80 Sgr. Breslau. Die Expedition. Schketter'fche AnchßondümsK. Stntsch). Chanucka «nd Weihnachten. 8m füufundzwanzigstm d. Mt-..— nicht KiSlew, sondern December — wird in vielen, sehr vielm jüdischen Häusern, be» sonder! det nördlichen und mittleren Deutschlands, der WeihnachtSbanm aagezündet werden, die Kinder werden ihre Bescheerung erhalte«, sie sehen schon heute dem .heiligen 86mb* (oder wie der provinzielle Ausdruck sonst lautet) ebenso sehnlich und froh ent» gegen wie ihre christliche» Altersgenossen. Geschähe da» nur in solchen Häusern, in denen jüdische Sitte, jüdische» Gesetz und Lebe» längst gefliffentlich der Bergeffmhett preisgegeben sind, und in denen der Weihnachtsbaum da» Chanuckalicht ganz und gar verdeängt hat, so wäre darüber hier nicht viel zu sagen. Immerhin könnte man den Leuten zurufen: »Wie kommt ihr zu« Ehriftbaum?!' — aber da all ihr Thun Nachahmung ist, so kann mau sich darüber nicht sehr wundern; eher darüber, daß Christen, besonder» gffiobige, nicht dagegen demonstrireu, daß die .Läugner de» fleischgewordeuen Gotte»' da» Fest seiner Geburt «nd dessen Bräuche mitseiernd entweihen — aber da» Proselytenmacher liegt jenen zu ttef im Blute, fie freuen sich wohl der .wider Willen dargebrachten Huldigung' und hoffen, daß die Kinder dereinst die Feier ,im Glauben' mitbegehen werden. Und daß derartige Juden die Lichter unsere» Weihefeste» nicht anzünden, ist vollend» natürlich. Wie sollten sie denn da» Andenken der Männer feiern, welche ihr Leben für da» jüdische Gesetz hiugegeben und diejenigen bekämpft haben, welche in ihrer eigenen Mitte sprachen: »Laßt un» un» anschließen dm Völkern um un» her, denn fett wir un» von ihnm abgesondert habm, habm un» viele Leidm bettoffen!' (1. Makk. 1, 11.) Da wäre e» ja höchst thöricht, dm <Hseg,.der strmggläubigm und starr» köpfigm Makkabäer zu feiem, denn wa» diese damal» bekämpft, wird ja von jenen Juden hmt üngestrckttk "» * E» predigm fteilich am Chanucka über und für da» Fest «nd e» eifem wohl gegm dm WeibnachtSbaum in Juden Häusern auch solche, welche sonst durchaus auf dem Standpunkte derjmigm stehm, welche in dm Tagm de» Antiochu» ein .dem Zeitgeist angemesime» Judenthum' herstellm und da» .Ceremonial-Gesetz für obsolet erklären' wolltm. Do» gemahnt denn durchau» an die Charakterlosigkeit, welche in Deutschland sich mit derSt.Heima- Medaille schmückte! Man spricht bann auch nicht von dem Kampfe für da» GotteSgesetz, sondern von dm Waffenthaten der Makkabäer, von einem Kriege für de» Lande» Freiheit, man redet auch wohl von GewissenSfteiheit, für welche die Makkabäer gestrittm; denn fie sind zwar eigmtlich Thorm gewefm, indem fie sich dem Zeitgeiste widersetztm, aber immerhin mußte Antiochu» auch den .Formgläubigm' die Freiheit lassm, ihrer Ueberzeugung zu lebm — obgleich man, wo e» angeht, die heutigen Formgläubigen innerhalb der Gemeinde recht gern der Mehrheit unterjocht. E» ist daher auch ganz natürlich, daß solch« Predigt di-: Chanuckaseier nicht wieder belebm kann; dm» wa» soll da» Ge» dächtniß an etam vor Jahrtausenden gefühttm Kampf für die Freiheit Judäa», welche längst wieder untergegangm? Uad im Grunde, wa» hat Antiochu» ander» gewollt, al» die Stochudm zu einer damal» zeitgemäßm Reform ihre» religiöfm Lebm» zu , führen? Freilich geschah da» etwa» derb und übermäßig mergifch — aber da» lag doch auch ganz im Geiste der damaligen Zeit, und Immerhin sind die Makkabäer Ouerköpfe gewesen, die sich dm wohlgemeintm Jntmtionm der Regierung, welche eine Amalgamirung der Juden mit dm ReichSbürgem herbeiführen wollte, «idersetzt habm Aber der DeihnachtSbaum erscheint auch recht häufig neben de» Chanuckalichte, a^ch ür-svlchm Häusern, die sich keineSweg»