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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-12-14 · 50 (14.12.1870) · p. Seite 412

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
Seite 412 (sequence 6)
Language
German
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412 gtfftfltfhib, daß also rin« Petition gar «ich! vwbrzm Sprache ko»»« könnte, eine Interpellation aber auch schwerlich irgend ei» Resultat Hab« würde, ist e« auch nicht Ls«r, Sach«, die vom Reffortminister noch gar nicht beschiedm find» an die Volks- Vertretung« zu bring«. Wir «erd« gleichwohl höchstens nur noch 8 Tage auf Bescheid wart« unb dann dt« Sache höher hinauf verfolg«, wo — wie wir zu "soff« wohl Ursache Hab« — weitaus günstigere Ansicht« herrsch« als im Eabinett« des Her« v. Möhler. Zum Bergleiche dime übrigens 8olg«dc». Hiesige Zeitung« berichtet« dieser Lage, daß für die protestantisch« französische» Gefangmm ein Geistlicher etagetroff« sei, um ihn« Gottrsdt«st und Predigt in ihrer Sprache zu halt« Die Zahl der Protestant« unter d« Kriegsgefangenen ist verhält»,ßmäßig sehr gering. Aber noch mehr! E« existtrt hier seit »ralter Zett eia« sranzöfisch-reformirte Gemeinde, der« Pastor« französisch bet« und predig« könn«. Sollt« sie sich geweigert Hab«, ihr« speciellm Glaubensgenossen» dm Landslent« ihrer Vorfahr«, d« Liebesdienst zu erweis«? Nicht wohl glaublich. Ob nun der hierher Berufene oder Gesendete sein« Dienst unentgeltlich und so, daß »dem MllttärfiScus keinerlei Rost« erwachs«,' versehe» mag? Wir wiff« eS nicht — aber unsere Leser glaub« es wohl so w«ig wie wir. Unsere jüdisch« Soldat« aber lieg« jetzt im Jnnem Frankreichs, wo es aus weste Streck« weder jüdische Gemeind« w'ch Synagogm, weder Borbeter noch Rabbiner giebt, es wäre ihn« wohl gar sehr darum zu thuu, auch einmal-doch wozu hier klag«! J. HserN», 25. November. (Orig.-Corresp. Verspätet.) Dieser Tage erhielt ein hiesiger Arzt die lltachricht, daß im Garnison-Lazareth ein schwer verwundeter jüd. Soldat, Namens Rothgießer, liege, deffm Familie bittere Noth leide. Ich übernahm dm Auftrag, dem MitleidmSwetthm eine kleine Gabe pt Überbringer«. Leider war derselbe schon auS dem Lazareth entlass« und in die Heimath geschickt worden. Vom Ober-Inspectvr aber erfuhr ich aus Grund eines amtlich« Protokolls über dmselbm FolgmdeS. Rothgießer (aus dem Pofensch« gebüttig) hat schon dm mexicauifchm Feldzug als Freiwilliger mttgemacht. Mit einem ftauzös. Ordm für persönliche Tapferkett decorirt, kehrte er in seine Heimath zurück, verhestathete sich, etablstte sich alS Schneidermeister in Ostrowo und ward beim AuSbruch d«S ftauzöfischm Krieges als Reservist inS 59. Jnf.-Regt. eingestellt. Bei Sedan ward er verwundet, kämpfte aber muthig weiter. Do. erblickt er dm Fahaeattäger eine» Turko-RegimeatS, stürzte sich auf ihn und entriß ihm di wüthmdem Einzelkampfe die Fahne, der« Fetz« er seinem Regimeute überbrachte. Kurz darauf ward er von einem MunstionSwagm überfahr«, verlor daS rechte Auge und erlitt eine Verletzung deS Schädel taocheoS, so daß er sein Gewerbe nicht «ehr wstd auSübm können. Nach mehrwöchentlicher Behandlung ist er als Invalide mtlaffm worden. Zu Hause aber verlang« eine Fra» und mehrere Kinder nach Lror, und die 5 Thlr., die der tapfere Mann alS Pmfioa möglicherweise erhalt« wstd, schütz« sie ebenso wenig vor Hunger wie daS eiserne Kreuz, daS ihm bestimmt ist. Sn gute Mmsch« ergeht die Bitte, dem wackem unglücklich« Manne in seiner Noth beizufteh«. (Adr.: JuliuS Rothgießer, Schneidermeister, früher Füsilier im 59. Jnf^Regt., in Ostrowo.) Die Expedition und Redactton dieser Zeitung werdm zur Empfangnahme milder Gab« gewiß gem berett sein. (Selbstverständlich! Red.) Vielleicht steuert auch der tapfere Pietsch ein« Thest deS Honorars bei, daS er durch sein« Schmähung« auf da« unkriegerische Bolk der Judm erwarb« hat. J. frfuxt, im Rovbr. (Ong^Eorresp.) Der Unteroffizier Libo, JSraeltt von hier, hat daS eiserne Kreuz erhalten. Die Nebmumstäude mög« immerhin deS Erzählen» werch fein. Der alte Bibo, eine hier sehr bekaunte nud beliebte Persö»stchtttt, «rhickt »ach der Schlacht von Wörth die Nachricht, daß sei» Soh» Nathan gefall» sei. Jetzt verläßt chn sein sonst nie zu «rschöpfender Humor und in seinem Schmerze, dm er über dich« Nachricht empfindet, wmdet er sich an d« Geistlich« der Gemettchc «st > der «nfruge, ob er der Nachricht Glaub« schmk« und d« bei dem Tode eines Kinde« üblich« Tranerreremmim oblieg« soll«. Der Geistliche erklärte chm jedoch, daß diese» so lauge unterbl«»« müsse, bis die Todesnachricht sich officieü bestätigt Hab» «erde. Gleichzeitig riech er dem alt« Bibo, sich an dm botreffmde Regiment um Auskuust zu wenden, was denn auch geschah, und das hatte znr Folge, daß der Todtgeglaubte selbst schrieb, er sei gesund und habe auf die Franzos« wacker losgeschlag». Seitdem hat unser Unteroffizier tu d» bedeutendst« Schlacht« tapfer mitgefocht«. Ei» Brief, datttt Lersailles, d» 17.Octbr, bringt dem Mt« die frohe Nachricht, daß sei» Soh» mit de« eisern« Kreuze decorirt sei.— Ein späterer Brief, datttt Liroflay, dm 31. Oct., zeigt uns, daß unser Krieger auch das Herz auf der recht« Stelle hat, dm» er beschreibt die Seme, welch« der vefchl» daß St. Eloud der Erde gleichgemacht «erd« sclltt, herbeiführte, wie folgt: »Beim Anblicke dieser Seme weint« wir, »nd was «ich betrifft, so versetzte ich «ich im Geiste tu «eine Famüte, um die Schwere des Ereignisse« zu empfind«—— Bor mir vorbei «urd« einige Habseligkettm gefahrm, theils auf Maulchiereu, theilS auf Wag«, von Männern gezog«. Dann brachte ei» Wag« die Kirchmutmsilim. Jetzt kam« die Hetaurchslos«, an ihrer Spitz« der altersgraue Geistliche ein jeder sei» Bündel auf dem Röcken ttageud. Herzzerreißend war der Anblick, wie die Mütter die Kinder an ihr Herz preßt« und u«hmuthSvoll zurücksahm auf die Heimath, au« welcher nunmehr die Flamm« züngelt«.' ' -e- Abuigaßerg l. Ffr., 5. Der. (Origiual-Eorresp. Be, gl. Nr. 45.) Die Leser dieses Blattes werdm sich erinnern, daß in dem Nothjahre 1867 die Vorstände mehrerer klein« Provinziql- Gemeindm sich zu einem sogmanntm »jüd. Emttal-HllfScomttä für Ostpreußm' vereinigt hattm, dem so bettächtliche Geldmittel zufloffm, daß ein Capttal von ca. 5009 Thlru. erübrigt wmde. I» einer am 4. August 1868 in Schippenbetl stattgehablm General-Bersammlung, zu der sämmttiche Gemeind« Ostpreußen« außer Königsberg") eingeladm und 29 derselbm vertrrl« waxm, wurde »ach Ablehnung deS ProjecteS eines Lehrerseminar« und einer PmfiouSkaffe für jüdffche Ährer der Beschluß gefaßt, obige Summe zm Gründung eine» Waismhause» zu verwmdiu. Dagegm war eine Einigung über dm Sitz diese« künftig» Waisenhauses nicht zu erzielen. Die Schtppeabeller Eomttö- Mitglieder verlangt« al« Lohn für ihre Verdienste diese Ehre für sich, wa« aber in Rücksicht auf die Unbedeutendheit der dortig« Gemeinde (5—6 Mitglieder) und auf dm Mangel einer höher« Schule in dieser Stadt von all« Settm bckämpft und statt deffm die Gymuafialstädte, Rastenburg resp. Lyck in Vorschlag gebracht wurden. Der Anttag, diese Gelder einfach dem Königsberg« Waismhause zu überweis« und dm Anschluß der Provinzial- Gemeiudm an jme berettfeftbestehmde «nd segensreich wirkende Anstalt zu bewttkm, wmde abgelehnt, 1) well da» Köntgsbergrr Waisenhaus bereit« eine für die Verhältnisse der Provinz nicht berechnete Organisation besitze; 2) well dasselbe bisher keine Waismkiader au« der Provinz adoptttt, hauptsächlich aber 3) well der Vorstand der dottig« Gemeinde dem HllfScomttö frühem *) Der Äöni**bft9ft vorstmd ha«» verschiedene, »nftagen yyjütti* da» hiesige Provinzial-Lowits, da» jede» jüdische »es, ch berücksichtigt nud selbst eia« rituelle volttkkch« eingerichtet, gegen die von Schippenbetl au» erhobenen Borwürse vertheidigt — dafür wurden Seiten» de» jüdische» lkeatral-lkomite« di« Armen lttniglberg» principiell von jeder Unterstützung »»«geschloffen.

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