Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- Seite 411 (sequence 5)
- Language
- German
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411 «Agr», ßkch dies»1 ist — m&crM gesagt — eine auffallend« Erscheinung, daß trotz aller Aufreizung der Katholik« durch di« Geistlichkeit gegen die Ketzer die Protestautm des Elsaß, di« doch mit Deutschland durch so viele Vaud« zusammmhängm, fanatischer gegm «u» gestimmt stad, all die Katholiken. Ei» gebildeter Jude aus Straß bürg, der Deutschlaad ganz gut keuat »ad t» Preußen Lavenoaadte hat, antwortete mir, all ich seine Besorgnisse zerstreuen wollte mrd ihm versicherte, daß es bei uns auch nicht so arg fei: daß die Juden, dt« es in Deutschland im öffentlichen Leben zu etwas gebracht, doch fast durchgängig getaufte Juden seien. Bon diese« verwerflich« Mittel, es zu etwa» zu bringen, wolle «an 1» Frankreich nicht» wtffm; di« Laufe an» Eigeuuutz oder Ehrgeiz, überhaupt die Taufe, komm« im Elsaß seit« vor, uud da» sei et» Hauptbewei«, daß «au tu Frankretch freier sei. Stünden, «einte er, di« Elsaß- Lothringer Judm auf de« hoh« Standpunkte der Bildung deutscher Juden, die ganze Welt stünde ihn« off« ohne die Laufe. Trotzdem sie au Btldnug wie a» Zahl tief hinter den deutsch« Juda zurücksteh«, so habe e» doch eine verhältnißmäßig wett größer« Zahl «ngetauster Judm tu Frankreich zu hohe» «ad geachtet« Stellung«, zu bedeutend« Slam« gebracht, wie die Herr« Goudchaux, Erömteux, Frank, Eerf-Beer, Javal, Löou Gozlan, Halövy «. f. w. beweisen; ja selbst deutsche Juden, wie z. B. Herr Munck, hätten sich in Frankreich, obwohl Fremd«, Stellung« errungen, zu denen sie in ihrer Hetmath nie gekommen wäre». Da» seiner Zett viel besprochene Lreid-a der Herr« Abbö's Ratitbonne, da» «it so großer Geschicklichkett in Seme gesetzt ward«, sei, ttotz aller vortheile, die et» Anschluß an sie «ad ihre Gerte gebracht hätte, tat Äsaß spurlos vorübergegangen. und di« Lbbö'« Bauer und He imaa, die ihre Lorbeer« »icht schlaf« ließen, sei« deutsche Juden, vewet» genug, daß die französisch« Jud«, obwohl w«iger gebildet al» dt« deutsch«, mehr Rau« zu einer würdig« Existenz besäß« »nd solcher verwerflich« Mittel, um sich eine Stellung zu machen uud Einfluß zu gewinn«, nicht bedürfen. Der Grund davon liege in dm freiheitlich« Tradttion« und dem GleichheÜsgefühl, auf welche beide man leider unter deutscher Herrschaft nicht hoff« könne.* Kriegs-Nachrichten. Eiu Freund schrieb «n» dieser Tage: »Da» Benehmm der ftanzöfisch« Judm gegm unsere jüdisch« Soldat« ist u,ir von verschtedmstm Seit« und zwar direct dmch die betreffmdm Soldat« selbst al» ein höchst freundliche» bezeichnet Word«, insbesondere gilt die» von dm Judm zu Nancy und Dersaille»; an letzterem Orte hat sich besonder» der dorttge Rabb. Weill um unser« Soldat« sehr verdimt gemacht, er hat sehr viel« zu N"1 Frettische und gute Verpflegung verschafft und namentlich an zn eia« sehr feierlichen Sottesdtmst in der dorttgm Synagoge (die durchaus nicht zerstört ist; der in derselbm stattgehabte Kampf scheint auch eia« Mythe zu sei») veranstaltet, an dem mehr al» 100 jüdische Soldat« theilgenommen; dieselbm könnm nicht genug Rühm«» von seiner predigt mach«. — Sin Stabsarzt schreibt dieser ^'Lage hierher, daß er in Nogent beim Eintritt in sei» Quartier vom Wtrth au die Thür geführt und auf di« Mesusa hingewiesm wurde mtt der Frage: Auch "w 'S? Und al» er die» bejahte, wurde er mit all« möglich« Aufmerksamkeit« bedacht «nd reichlich für die Weiterreise versorgt * Die Bericht« widersprechen einander in der That oft seltsam. Gerade von Lersatlle» «nd vom Jo« Kippur hat eiu Brief im »Israel.* bittere Klag« über da» gehässige und roh« Bmehm« der dortig« Judm gebracht. Bon Slancy wiederum hat ein junger jüdischer Arzt geschrieben, daß er dort am Jo« Kippur di« Synagoge besucht habe, aber mtt so mißtrauischen und feindselig» Mim« betrachtet word« sei, daß er sich schr unbehaglich gefühlt habe. So mag e» denn unter dm ftanzöfisch« Judm fanattsche Deutschmhaffer geben, die diese« Haffe jede» andere Gefühl opfern, und andere, welche zwischm dem Man»^ im Soldatenrock und dem Mmschm» zwischen dem Kriegsfetade «ad dem Glauben»- geuoffm zu unterscheid« wissen. Wir wollm annehmm, daß diese die Mehrzahl und jene nur dt« Ausnahmm bilden. Die Sammlung« t» London für Straßburg find in einer der letzt« Numme« de» »Jew. Ehron.* auf 80 L. Gt. beziffert. Ein vallonbri^ der »N. Fr. Pr.* au» pari» vom IS. Slov. sagt: »Sin gewiß nicht vorherzesehener Uebelstand der Belagemag giebt sich in der Schwierigkeit kund, die Israelit« mtt einem dm Vorschrift« ihrer Religion entsprechend« Fletsch zu versehen, so lang« man überhaupt noch Fletsch hat. Die Regierung hat augeordnel, daß in benjenigm Stadtthetlm, wo sehr viele Judm wohnen, z. B. im Maral», eia verhältnißmäßtger Theil de» Schlachtvieh,» nach jüdisch« Vorschrift« vom Leb« zum Tode gebracht »erde. E< ist die» in so außerordentlicher Zeit gewiß ein aaerkmnmswerthe» Opfer, welche» der Achtung vor einzeln« Eonfesstoam gebracht wird.* Wir Hab« Sehnliche« (in Nr. 40) au» Metz berichtet. Mehrere Leser Hab« di« Möglichkeit bezweifelt uud geglaubt, e» habe wohl »Koscher-Cheval* gegebm; die Sache ist un» jedoch von zwei Metzer jüd. Gefangenen genau übereinstimmend erzählt word«, «nd können diese Leute um so gmauer unterrichtet sein, da der ein« au» Metz selbst, der ander; au» einem ganz nahe gelegm« Dorfe gebürtig ist. Natürlich konnte solche» Fleisch nur al» besonderer keckerbiffm für Sketche da sein. Einer von jm« Soldat« erzählt, daß er mtt noch eine« Cameradm am erst« Lage Suckoth bet dem Grand-Rabbi eingeladm gewefm sei; er nannte di« Gerichte, au» dm« die Mahlzett bestand«, ein einzige» Stückchen Fletsch sei zum Schluffe aufgetrager. word«, da aber die Soldat« sich geweigert davon zu uehmm und der Wtrth c» auch nicht allein verzehren wollte, so sei e» aufqehobm word«, und man habe halb wehmüthig halb festlich froh ~rw pfaion anzestimmt. »Jew. R-c.* berichtet, daß die Synagoge in Verdun bei dem Bombardement gänzlich zerstört word« sei. In Brüssel aagdaaflt« Pariser erzähle», daß di« Ckrsnm Jarne» Rothschild (die Frau de« vor einigen Monaten verstorbene») am 30. Oct »sa einer Bande Herum gleicher an den Pariser Barrieren beinahe umgebiacht worden »»re. Dieselbe war am genannten Lage »ach Boulogue (am «und« de» Bonlognrr «äwchen») gefahren, wo sie et» Schl,» besitzt, um der in diesem von ihr errichtete» Ambulanz einen Besnch abznstatte». «l» st« wieder »ach Pari» zonUttehr-n wollt«, wart»« st« von einer wachenden, »ngesLhr »0 Strolch« starte» Band« umringt, die Lodeedrohunge» gegen sie aulstiest. Fra» ». Rachschild sagt« sich aber schnell, trat den wüthende» muchig ent. gegen »nd hielt ein« so beredt« Ansprache an sie, das bitte st« wegeu ihre» Auftretenam Verzeihung baten, ihr eine Ovation drrbrachte» und st« bi» »ach Part» znrllckbegleitete». damit iln kein weiterer Unfall zustoße. Fra» ,. Rochschild (sie ist di« Lachter de« rriener Rochschil», war die Richte ihre« Manne» und ist ungttihr bb Jahre alt) ist ein« sehr «UdthLtige Fra». — Berichte und 6!orrespondenzm. Deutschland. Ktettin, 8. December. vt» heut ist auf unser« Eingabe an da» Eultnö-Ministerinm (Nr. 47) noch kein Bescheid erfolgt. Mehrere groß« Zeitung« haben mzwischm von der Sachlage Notiz geaommea. Wir sind abrr auch von mehrerm höchst achtbar« Setten aufgefordert word«, die Aagelegmheit dmch eine Petition oder durch veranlaffrmg einer Interpellation an dm Reichstag zu bring«. Aber algeseh« davon, daß die Sitzung« höchst wahrsäeinltch sehr bald geschloffen werd«, auch durch die bekannt« Vorlagen von unermeßlicher Wichtigkeit hinlänglich ans-