Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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899 «A Rvseschai an* Fvetmohl, Wffcm di» einzige Stütze seiner EftfM ->!-' ".-lir' «r.».«1 n. -: J' . j > 1 Aber auch anderem Verdienste fckrd Krone k Au« Maan» tzei« wird dem ,3«t.* geschrieben: 1 „®fto dem 5. August wirken die Herr» Jakob and Leopold Mayer strUvMg t» yiestgm ZeughaX-Latarech, erster er il» Proviant*Verwalter, letzterer all Han»- «ad »stchenmetfter. (M diese ia dieser Zeit grthan, ist dar»» erstchtüch, »aß ale MecvnvalelceWw», di» «tlaff» warben. Daultsbrtes« oa diese»» fead», in de»» st» d» Herr» Mayer »ast «tt ihr« Lebenlrettern dauleu. Seit dem S. September Hab» ste 206 Hafte* uad Lyphnskranke, ,u dm« sich »ft kein bezahlter Wärter findet, bedient. Sie kommen manchmal 3—t Lage und Nichte nicht an« den Neidern und zn ihrer Familie. Am TOoj* Jvm-Kippnr fahre» fir, ehe ste etwa» aß», dirert in» öazareth p ihr» Krank». U ist rtihrend, nrit «elchei Liebe diese an ihr» wirte» hingen. Und die« Alle« thn» ste nnmtgrltlich nnd freiwillig, »hur daß fi« doch dabei dm tiglichm Gottesdienst versimnev." Ueber französische Befangene berichtet ein Torresp. au« Erfurt: »Am zweitm Lage NI nach Beendigung de« Gottesdienste« kam 1« aller Hast «in Zuave zu mir uad rief uutrr lebhafter Gestikulirung: Je «ui» Imälite, Schema Ji«rael u. s. w. und so »ehrmal hintereinander. Tr verstand kein Wort deutsch und war sichtlich erfteut, al« ich ihn in seiner Sprach« anredete. Aus mein Befragen, warum er denn nicht vor den Feiertagen ge» komm«, da ja im Lager die Mtttheiluug gemacht worden war, erwidert« er, daß ihm davon nicht« bekannt geworden, er auch nicht gewußt habe, daß hier «ine jüd. Gemeinde sei. Ich behielt ihn Mittag bei mir, und um mich zu überzeugen, daß er wirklich W 13 sei, legte ich ihm «in hebr. Gebetbuch vor; aber da sah e« traurig au«, er konnte nur stümperhaft einig« Worte zusammenbringen. Er eutschuldigte sich, daß seine Eltern ihm frühzeitig abgestorben seien und er nur wenig Gelegenheit hatte dt« Schule zu besuche». Rach seiner Au«fage ist er au« Bordeaux» wo eine groß« Gemeind« und eine prachtvolle Synagoge sei. Dieselbe Erscheinung siel mir gestern wieder auf bei zwei Gefangen», die erst vorige Woche unter den Metzer Eapitulanten hi« etntrafen; sie besuchten Freitag Abend die Synagoge und d« Eine von ihn« war rop mein Tischgast; er versteht eben« fall» kein deutsche« Wort, ist ab« auch nicht im Stande hebräisch zu beten und nur auf den Der« Schema Ji-rael beschränkt.') , Lelläufig erzählt dafelbe Eorresp. von de» Begräbnisse eine« Turko» Offizier«, eine« Muhammedaner«. Die Eeremenien sollen lebhaft an jüdisch« Lrau«gebräuche und die Gesänge an Synagogen »Melodien erinnern. Die Leiche wurde ohne Sarg, nur in Leinen gehüllt, in die Gruft gesenkt, welche vorher mit vier Brettern aukgelegt war, uad darüber wurde eia Brett gelegt. Bekanntlich wird bei den Juden in Polen,c. noch so verfahren, hier und da sogar auch noch in den angrenzenden deutschen Ortschaften. Die »R. Fr. Pr.' vom 27. Rov enthält rinm ausführlichen Artikel üb« »die französischen Juden', au« dem wir im nächsten Blatte noch einige Auszüge bringen ««de». Er sagt un« im Allgemeinen nicht« Reue«, denn daß die französischen Juden, d. h. die in Elsaß und Lothringen, sehr gut ftanzösisch gesinnt find und einer Einverleibung in Preußen mit tiefem Unmuth entgezensehen, wissen wir; eS ist auch gar nicht ander« möglich. Wir erfahr« jedoch, daß die Juden e« nicht bei bloßen Sympathien und fruchtlosen Besorgnissen bewenden lassen, son» dern auch zu dm Waffen gegriffm habm und unter dm Kämpfe«, sowohl Mobilgarden wie Fretcorp«, stark vertreten sind. Wir theilm daher für heute ein hierauf bezügliche« Bruchstück mit, die Geschichte deS Feiwisch (phöbu«) Lion — von der freilich der Erzähl« selbst nicht airgeben kann, wie viel Wahrheit und wie viel Sage in derselbm steckt. „Frlwtsch Lion hatte von der Pike an in Afrika gedient nnd e« bi« »nm Ltentenant gebracht. KrankheU und dt« Sehnsucht nach der Hetwath bewogen ihn ,u qnittiren. nnd da « für den Handel verdorben war nnd in fein« Jugend al« Bachnr etwa« gelernt hatte, ließ « stch in einer kleinen Gemeinde bei Hagenau al« Lehr« und al« «in» Ar» Netnen Gemeinde-Habbiner« nieder. In dieser Stellung wirkt« er fett vielen Jahren, al« ihn di« erste Niederlage der fronpififcheu Armee bei Wörth, die er nicht verwinde» konnte, seine« friedlichen Sernft wieder entriß. Sr war damaU tief in den Fünfzigern, wenn nicht drüber hinan«. Sr steckte stch als» in sein« alte Lieutenant«-Uniform, sam- *) Sehnliche« hat unser Sorresp. an» Pose» in Nr. 41—4L berichtet. al« unbeugsam, und e« gebe kein Mittel, ihn auf die Dauer zu täuschm. Eine- Tage« ttat die Supertorin noch grhetmnihvoller al« gewöhnlich in Juantta« Kerker; sie war nicht allein: Alonzo be» -lettete sie. Der junge Mann wollte selber Juantta btttm, dm Wünsch« ihre« Vormundes nachzugrbm, uad sich nicht weiter un» nöthigm Leid« auSznfetzm. Daunglückliche junge Mädchm antwortete ihm stolz, daß kein Mmsch in der Wett im Staude sein werde ste ihr« Gefühl« untrm zu machen. Die Schmerzm und Entbehrungen halt« ihr« Muth nicht gebrochen. Alonzo war von solcher Energie bet so großem Unglück ttef gerührt, »ad obwohl er sich durch die hartnäckige Weigerung de« ftmgm Mädchm« in seiner Eigmliebe tief verletzt sah, konnte er doch nicht umhin ihre unerschütterliche Ausdauer zu bewundern. Alonzo war zwar leichtsinnig, «Üel und eingebildet, aber fein Herz war nicht schlecht; ohne Zweifel wollte er, ebmfo wie sei» Vater, alle« Mögliche aufbteten, um dt« finanztellm Verhältnisse seine« Hause« wieder in Ordnung zu bring«; ater er verfolgte dies» Plan nicht «tt einer solch« impertinent« Ausdauer, wie der Graf, oder gar mtt der Gefühllofigkett feine« Werkzeuge«, de« Herrn von Sumo. Die von dem Letzter«» in Anwendung gebracht« Gewaltmittel widerstrebt« «amentttch dem angeboren« Edelmuth de« jung« Manne«, und so vergaß er ganz dm Eigen« sin» de« jung« Mädchm«, die soeben erfahrm« schroffe Zurücksetzung, setum etgmm Haß gegm dm vorgezogmen Rebmbuhler, uad dachte nur an da» Bild de« Elend«, dar sich sein« Blick« hier im Gefängnisse darboi. Er erging sich deshalb in heftig« AuSdrückm über d« Vormund Juantta« und die unglaubliche Härte, die au« fein« grausamen Anordnung« hervortrat; er beklagte sich bet der Supertorin darirber, daß sie thn nicht über die Vorgänge in Kmntniß gesetzt 'habe, und schwor, dies« Aufmthalt de« Schreck«- nm in Begleiturg Juantta« verlass« zu wollm. Die Superiorin gerieth durch dies« rdle Aufwallung ihre» Reff« in großo Verlegenheit. Dm» gab sie sein« Wünschen nicht nach, so crmpromittirte sie stch Juantta gegmüber in der einmal angmominmm Protector-Rolle, und folgte ste seiner Aufforderung, so setzte sie sich jedmfall« dem Zorne de« Her« von Tumo au«. Al« sie aber dm Umstand in Erwägung zog, daß Juantta sich durch ihre Freilassung Alonzo zu Dank verpflichtet fühl« »erde, nnd daß hieraus vielleicht ein nme« Gefühl bet ihr erwachs« könm, entschloß st» sich kurz uad erfüllte sofort die Bitte ihre- Reffe». Juantta verließ ihr Gefängniß, und die Superiorin behandette sie wieder, wie früher, mit aller nur dmkbarm Aufmerksamkeit. Aber Herr von Lumo, der jetzt die ihm zugefallene Rolle emst zu nehm« anfiag, fühlte sich dmch dm »nbesiegbarm Widerstand seine« Mündels persönlich beleidigt. Ai« er «un gar erfuhr, wa« Alonzo ohne sein Borwissen zu thun gewagt hatte, »ot er außer sich vor Duth. Er warf der Superiorin vor, daß sie sich von eine« jung« Starr« beeinfluss« lass«, anstatt dem Rath« emster und erfahr«»» Männer «u folg«, daß sie da-