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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-30 · 48 (30.11.1870) · p. Seite 394

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
Seite 394 (sequence 6)
Language
German
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894 rief diese» Sommer I. M. 8tse feine Getreu» »ach Clevelaud zur Revifio» de« Miohag Amerika zusammen. Wa» da« ist, besagt et» hier o"t gehörter Der«: »Mai tatet , «i»le dort Mb a viele da Unb Maat da« m Mlnhag Xtanico.« De« Weitere» ha ja Ihr Herr Eorrespondent W. darüber Bericht erstattet. S >ch Beendigung der Elevelaud-Eonferenz kurzer heftiger Streit; k rz wegen der große» Hitze und de« gleich au»- brechendm trauSak antischea Krieges, heftig — «eil die Herren eben nicht fein find. Einm Augenblick fchim es, als müffe Wife vollständig die Flagge streichen, alles schien sich treulos von ihm wenden zu wollen, selbst seine Hectorß; aber Wife besitzt eine gewisse Eigenschaft, die sich nicht eioschachtem läßt. So erging denn kurz vor der Feiertag« ein Aufruf in seinem zweisprachig« Doppelorgane: , Ziuladung zur Fortsetzung der Confermz tu New-Bork.' E folgte auf dem Fuße eine gehamischte Erklämag von neun Rabbiuea (Adler, Einhorn, Hirsch «. s. w.), besagend, daß sie mit Wise, seinem Thun und Treib«, seinem Minhag America rc. rc. nichts zu schaff« Hab« wollt«, denn Wise habe durch seine Manöver dar Werk der Einigung in der Reform zu störer versucht. Sie müssen diese Sach« überseh« Hab«, wei! Sie nichts davon erwähnt habe». (Keineswegs — wir hatten aber an ciSatlautischm Kriegsbericht« eb« vollauf. Red.) Trotzdem ist die Eoufermz zu Stande gekomm«, aber Wsse hat nicht zräsidirt, auch nicht dominirt, er ist zieutlich .abgefall«'. El ist eb« bei uns anders, denn drübm. Bei mch stteü« Reformer und Orthodoxe, hier streit« nur die erster«, wer am iveitestm hinaus reformtr« will, die audem geh« mhig ihre. WegeS. Soll ich Ihn« mm zuerst die Theilaehmer nenn« und ein wenig skizziren? ES find nur wmige darunter, die man in Deutschland kmnt-(Wir lass« die persönlichen — Notiz« weg. Red.) Indem ich fortsahrm will, erhalte ich d« ,Jew. Mess.' von gestem und finde in demselb« ein vollstä idige« Sitzung-Protokoll. Doch macht mich da» nicht irre, ich erzähle weiter, denn den ganz« Bericht würde» Sie ja doch nicht gebrauch« könnm, er würde ja eine» Ihrer Blätter vollständig full«. (Schluß folgt.) Vermischte und neueste Nachrichtm. Fürth. Die ISraelttm Berolzheimer und Liefer find zu Assessor«, Mohr und Morgmstem zu ErgänzungSrichtem am hiesig« Handelsgericht emannt. Ein Fortschritt allerdings, aber die» find nur kmmnuugm zu unbesoldet« Ehrmstellm. Bi» jetzt ist noch k«: besoldeter jüdischer Richter in Bayern angestellt. («. Z. d. I.) Trplitz. Der in weit« Kreis« bekannte und von zahllos« Badegäst« sehr geehrte Hofrath vr. SchmelkeS, Gründer de» hiesig« jüdischen Hospital», ist in Juterlakm gestorb«. Er hat übrig«» auch in der Medizin. Wissmschast einm wohlbegründet« Ruf mrorbm. In Horowitz werdm wieder Judmhetzen arrangirt; die dortige BezirkShauptmannschast confiScirte 300 gegmIudm hetzmde Drohbroschür«. (Tel. d. Pr.) Ofe». Uc!«r die hiesige Lande-»Jrrmanstalt berichtet die .Wimer Mediz. iSochmschrist' unter Anderem wie folgt: »Roch wollen wir nichr unerwähnt lass«, wie die religiöse Gleichberechtigung in diese,a ttanrig« Hause beachtet wird. Nebm der kathol. Kapelle, velche sich einfach, aber sehr würdig repräsmtirt, befdtdet sich da« Protest. BethauS und ein jüdsscher Tempel; diese volle Gleichberechtigung geht so weit, daß kei» Seelsorger irgend «tuer Religion im Hause wohnt, well man auch iu dieser Beziehung keine Religion b«orzugm will.' (Ar Pr«f« giebt e» auch für die unglücklich« jüdssch« Jnsass« jener tlnstaltm kei« Berücksichtigung. — Nebna« .geduldet', »etter »icht«.) Lz«r»»»1tz. Dt» .Presse' berichtet ausführlich über dir hier stattgehabte «tvtltrauung, die erste .Notheivtlehe', »eiche tu der Bukowina gefchloss« wordm ist. Die Getraut« »arm beide jüd. Religio«, da» Ehehtudemiß bestand dari», daß die Frau von ihre« in der Moldau «ohnmd» Manne zwar gerichtlich, aber nicht rituell durch tu geschieden wordm war. — Ei» .Reform-Rabbiner' ist also tu fraglicher Gegend nicht vor. Hand«. Der Rabbiner zu Ezernowitz ist aller Wahrscheiulichkett nach strmg orthodox — ob nun wohl gewisse .orthodoxe' Organ» ihn für dies« Fall vemntwortltch mache» werden, wie sie -» überall und für alle« Ungesetzliche da thun, wo ei» nicht zu ihrer Partei gerechneter Rabbiner sein« Sitz hat?! Warschau. Hiesige Zeitung« bericht«, daß der unlängst im Kreise Noworadom verstorbme Gutsbesitzer K. Tyschkewttfch 20,000 Rubel zu Stipmdim für Zögling« einer der hierortigm Hochschul«, ohne Unterschied de» ReligtonS-LekmntniffeS und de» Stande», hinterlaffm hat. Tourt. Dmssche Zeitung« meid«, daß Erümieux ein» Verordnung erlass« habe, dmch welche die Wahl der Groß« und der Gemeinde-Rabbiner n« geregelt wird. — Ungeachtet der witzig fein follmdm Einkleidung ist die Nachricht an sich wohl glaubwürdig, wir find demnach auf dm nmm Wahlmodu» umsomehr gespannt, da di« Verordnung wohl in Kraft bleiben dürste. Zn Betreff der Freilassung de» auf der Insel Oleron ge» fang« gehalten« Schriftsteller» Theodor Fontane berichtet di» .Kreuz-Ztg.', daß dieselbe auf Befchl Crömieux' «folgt sei, an dm sich Prof. Lazaru», ein Freund Fontane», durch Vermittelung de» schweizerischen BundeSpräfidmtm deSweg« gewandt hatte. Uv». Hcte Mt Freilassung bt» seiner Zeit gewaltsam -»taust« and sein« Litern eatrdseueu Joseph (vtaaislaas) Eota — vgl. Kt. 45 gegen Ende — liegt jetzt eia ausführlicher Bericht in »Ebne. Israel.» nach der »Opiniane« vor. Wie wir vermachet hatten, steht in demselben nicht» von de» Sensation»-Schilderungen, welche andere Blätter gegeben hatten. >af Aarufeu der virttrc war alebald Befehl gegeben worden, den Cnotet au» seinem Kloster pi entlassen, e» bedurfte jedoch energischer Maßregeln seit«» de» Ritter« Lipori, um die« zu bewerkstelligen, da di« Klerisei ihre Beat» nicht fahr« zu aff« gedachte. Mau wollte dm Knaben verkleidet au« Rom bringen, um ihn in einem iu Süditalira gelegeaea Kloster verschwind« zu laffeu. E« wuLre jedoch rechtzeitig verhindert, und der Knabe ist mit sei»«» Mutter nach Livnru» gegangen. Kr ist bei den erst« Unterredung« mit ihr verstvtst geblieben; »hoff« wir« — sagt dir »Opioioae- (kein jüdisch« Blatt) — »daß da« Beispiel der Brüder, da« thätige Leb« und die freie Lust iha au« einem Automaten wieder in einen Meuscheu verwandeln wird.» Ueber deu Leidensgefährten oder Vorgänger To?»«, Edgar Mortara, liegt uns eine längere Lorrespoudenz de« ,^aily Telegraph" vor. Auch diesem Jüngling (Pins «ach dem Papste genannt) ist auf Regieruugtbefehl freier Verkehr gestattet Word« und er hat aut seinem Vater einige Besprechung« gehicht, di« ihn al» durchgebildrleu Zbgling der Jesuiten erkenn» lassen, — was bei der lang« Zeit, die er seit früher Kindheit unter ihr« Händen verlebt hat, gar nicht anders erwartet wertet konnte. Er sprach mit dem Vater ganz freundlich, lud ihn ein mit ihm in Kloster zn speis«, was abgelehut «arde. antwortet« aber auf de« Vater» Einladung, mit ihm und zur väterlichen Religion zurückzukehrr», ausweichend. Da der Vater obrigkeitlich« Hilf« nicht auruseu wollte, so kehrte er vorläufig nach Hanse zurück. Wenige Dag« nachher erhielt er von seinem Sohn« ein« Brief an» — Brüssel, welcher besagte, daß Edgar-Pius sich iu Rom nicht mehr sicher gefühlt habe utd daher mit seiner hohen Beschützer Seuehmigang uach Belgien eutflohc-n sei. Wir setzen statt weiterer Bemerkung« tet Schluß de« Artikel« in „Daily Del." hierher; ,D«i feierlicher Gelegenheit ercheilte Pin« dem jung» Mortara sein« Segen und sprach dabei: „Figlio mio, qoaato mi «oet«!“ (O mein Sohn, wie theuer kommst Du mir za stehml) Piu« IX. hat taaiit das Factum anerkannt, daß di« Entführung de« jungen Mortara, welche Earopa in Entrüstung »ersetzt hat (and wobei da« berühmt an» Verhängnis!»»» geworden« No» pewrannu gesprochen ward«), «in, der Stütz« seine» woltlichen Throne» erschüttert hm." L«»ter b«ry. Der Mayor Henry Hart (ISraeltt) ist einstimmig wieder erwählt worden. (Der Fall kommt tu England. l

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