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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-30 · 48 (30.11.1870) · p. Seite 393

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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808 Doceut au der hiesige» Universität. Nach der« Aufhebung erhielt er de» Auftrag, Vorträge für hiesige Offiziere zu halt«. Schau «ährend dieser Periode über»ahm er seit de» Jahre 1820 «tu Lehramt au öffentlichen Schule«. Tr erkannte da» Bedürfnis hier «ine Realschule errichtet zu sehe«. Al» di« städtisch«» Behörde» weg« mangelnder Geldmittel mit der Errichtung einer solch« zögert«, schritt 0r. llnger selbst, uad lediglich an» eigen« Mittel», z» der« Errichtung; unter seiner Directto» wuchs in dm Jahr« 1884—1844 eine Privat-Realschule zu einer lebm»- kräftig« Anstalt heran. Diese so begründete und bewährte Anstatt bot er sodann der Stadtgemeinde an, obwohl er hierbei weg« seiner Religion da» Opfer zu bring« hatte, auf die femere Direktion verzichtm zu müff«. Diesem Anerbierm folgte noch im Jahre 1844 die Gründung der städtisch« Realschule. Mit schlichtem Sinne, nur von Liebe zur Sach« beseelt, »ahm 0r. ll. eine einfache Lehrerstelle au dieser Anstalt an, in welcher er treu und segensreich ausharrte, bi» er im Jahre 1862, im Alter von 75 Jahr«, sich nicht mehr die .straft zutraute, daS Amt eine« mathematisch« Lehrer« zu bekleid«. — Neben seiner BerufSthäsigkeit widmete er sich gem und eifrig dm Eommunalintereffm. Lange Jahre war er ein sehr thättge» Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Seine GlaubmSgenoffm vereinigte er zu einem festen, für sie und für die Sladtgemeiude nützlich« Verbände. Er führte die hiesige Synagogeagemeinde in« Leben, indem er für die hier lebend« Jude» im Jahre 1811 da« Syndikat übemahm uad da« Vorsteheramt derselben bi« zum Jahre - 1835 führte. Sein öffentliche« und häusliche« Leb« und Wirk«, von dm Stadtbehördm geehrt durch Verleihung de« Ehrmbürgerrecht« bei der Feier seine» fünfzigjährigen Doctor- Jubiläum«, wird in der Bürgerschaft unvergeffm bleib«, wir ruf« ihm — so schließt der Magistrat der Stadt — die wärmste Anerkennung nach. (Magd. Z.) X Au» Ktiddeutstßlaud, 16. November. (Orig.^crresp.) Am letztverflossm« Donnerstag brachte die »Franks. Ztg.' ein« Artikel der Wimer »Presse' zum Abdruck, der ein« detaillirtm Bericht über dm hinlänglich bekannt« Vorfall in der Heidereutergaffen-Synagoge zu Berli« zum Inhalt hatte. Der Berichterstatter der »Presse' hat offmbar vom Hörensagen nacherzähtt, uad dem Gehört«, seiner wahrscheinlich« Gewohnheit gemäß, poettsche Zuthatm, die bei solch« Bericht« von sehr zweifelhaftemWetthe sind, beigefügt, denn Geiger wird indem erwähnt« Arttkel mehrmal» al« »gret«' bezeichnet, wa« bekanntlich nicht der Fall ist. Auch wird der Vorgang, al» in der »prächtigen Synagoge der Oranimburgerstraße' stattgefundm, mttgetheitt, wa» ebmfall« nicht der Fall gewesm. Hierauf bat der Advoeat vr. B. Geiger in Frankfurt au die Redaktion der »Franks. Ztg.' unter dem 13. d. M. folgend« Brief gerichtet: »Tie habm i» Ihre« geschätzt«! Blatte do» eine« t» der Synagoge zu Berli» gegen mei»ea Vater gerichtet,» Hxcrß gesprochen. «t» solcher hat allerdiag», Mn auch bei Weite» »icht i» de» Umfang«, wie die »Presse« berichtete, stattgesuade». Rur gegen zwei UmftLad» muß ich a»«- brtlcklich Venvahrnag emlegen. E« ist durch«,» «nwahr, baß mein Vater sich entschrMgen» von «ine« bellogeulwertbe» Familienonglttik gesprochen, oder gor sei»« Lag« mit der Cü's, >aro»'« oder David'» vergliche» HIN». Ui»e vatschnwignag war bei der allgemeine» (?) «ntriiswog gege» de» Rahesttrer dnrcha n» Überflüssig? Meine Schwester — sei« zwei Jahre« derheirnthet — besitzt »ine» Sohn. Ich liebe di« Ssfrntlich« v«ha»dl»»g von Fa»iilie»->rig«lege«hriteo incht, ^er nachde» die sinnntliche» (?) ZeiNwge» diese» «Vebsawe» vorsail «»«gebeutet (wo»»?) ank — |«m groß« Dheile »h»e e« zu wolle» — verdlchtignnge» (?) gege» Glieder oKiact Familie i» de« betr. Artikel »»tergelaask» sind, holte ich e« fitr «ei»e Pflicht, ^ig» Rotize» zur <l»r»»g(?) de» Sachverhalt« aazagebe». Ob Herr Lach»«»» »ich« i» eine» »ufale (^«r besser gesagt Rückfälle) von Geistesstlrnag (ckok) gehnaltel» ha», k»»» ich »attwKch »icht wisse».» Ich will diese» Schreib« nicht weiter analystrm, soudem blo» auf da» Farblos» uud Unjüdische deflelbm kurz Hinweis«. Der Herr Advocat hält «» also für eine »Verdächtigung* seine» Vater«, der sich fett dreißig und mehr Jahr« Rabbiner nennt, daß er sich irgendwie deSwegm entschuldigt habm könnte, daß sein Enkel in Bielefeld eia ist!! Der Sohn wird den Later und die »Familien-Angelegenheit' jedmfall« bester al« jeder Fremde kenn«, und wir wollm dann» von dieser »Verwahrung' de« Sohne» hier gm, Notiz nehm«, uud gedmkm, bei paffmder Gelegmhett, »och hie und da darauf zurückzukommm. — Da» aber da« Platdirm de» Herrn Advocat« für die That» fache, daß seine Schwester nur eine» uubeschnittmm Sohn habe, bedmtm soll, und wie dadurch da« Gravirmde der gegm dm Großvater erhobmrn und von der »allgemeinstm Entrüstung' begleitet« Anklage gemlldert wird? ist mir vollständig uabegreiflich. Im Uebrizm wird die ganze Angelegmheit von dem Berliner Rabbinersohne mtt einer zwischm dm Zeüm genau zu lesend« Verächtlichkeit behandelt, al« ob e« sich um die Lösung de« wichtigen Problem« handelte: ob Sauregurkmfalat auch Compot heiße, - Meiner letzt« Correspondenz muß ich eine kleine Berichti» gung folg« last«. Der im hiesig« Lazarethe befindliche jüdische Soldat, mtt dem ich heute nochmal« in verschied«« Angelegmhettm Rücksprache gepflogen, theilte mtt mtt, daß ich ihn jüngst mißverstand«, uad daß er und seine jüdisch« Cameradm in der Eompagnie nicht einmal auf 3VP durch d« Eompagniechef, sondern durch einen Brief von Haufe, dm der Eine von ihnen kurz vor diesem hettigm Tage erhielt, von dem »ahm Bevorftehm diese« i» Kenntniß gesetzt wordm, daß sie von d« Neujahr»tagm keine Ahnung hattm, und am BersöhnungStage nur deshalb »kein« Dienst zu thun braucht«', wett sie »auf Feldwache' sich befand«, wobei man »nicht« Wetter al« sich still zu verhalt«' nöthig habe. Da» war dtt Jom Kippur-Feier der meist« jüdischen Soldat« vor Metz, dtt nicht dem Gottesdienste de« vr. Blummstein anzuwoham Gelegmhett hattm; viel schlimmer noch, da sehr Biele, ohne Ahnung von dem Eingetretmsei» diese» Tage«, ihn ohne ihr Wiffm in einer Weste entweiht«, die sie sonst bestimmt Unterlast« hätte». — Alaliev. Aldre«z, 14. Oktober. Die »Gaz. ufsic.' veröffentlicht folgende« Dekret vom 13. d. M.: »Wir Victor Emanuel rc. Auf Vortrag unsere« Siegelbewahrer« rc. verordn«: Art. 1. In Rom und dm römisch« Provinz« hör« alle Ungleichheit«'zwischm dm Bürge« in Beziehung auf den Genuß und die Ausübung der bürgerlich« und polttifchm Rechte uud dtt Befähigung zu öffmtlichm Aemtem, welcherlei Glaub« jene auch bekenn« mög«, auf. Art. 2. Alle Gesetze und Verordnung«, welche diesem Dekret zuwiderlaufen, sind abgeschafft; dasselbe tritt unmittelbar mit seiner Leröffmtlichung in Kraft. Diese» Decret soll mit dem StaatSfiegel versehm werdm rc. Amerika. -i- Aew-'Derk, 6. November. (Orig.-Corr.) Stoff genug für ein« lang« Brief, wenn ich Jhnm über dtt neueste, allerneueste Rabbiner-Eonferenz, welche hier »getagt' hat, bericht« will. Hot sie doch acht Tage, vickelioot vom 25. Oct. bi» zum 1. d. M. mit einander — ja wa«? berathm? geftrittm? Ich habe eine Idee, daß Stt da« selbst «icht besttmmm könnm, wenn Stt alle» gettsm habm «erd« Uad wollm Stt, oder wollm Ihre Leser denn alle« lesen? Aber ich ftage, «ährend eigmtlich da« Frag« nach de« »Waü giebt» drübm Rme»?' an Ihn« ist. Also dtt Geschichte selbst und zuvor dtt Vorgeschichte. Nachdem vor «ine« Jahr dtt »Philadelphta-Eonfermz' berathm.

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