Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
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392 Bericht' und Correspondenzen. Deutschland. Are»!«», 21. November. Heute feierte hier emeS der geachtetsten Mitglieder der iSrael. Gemeinde, Herr Julius Haber, mit seiner würdige» Gattin daS goldene Ehejubiläum. Obgleich eS der Wunsch deS g.ess« Paares war, diesen Tag im engsten Familienkreise still zu verleben, gaben die Gefühle der Liebe und Verehrung doch Aula' zu vielen Ovationen. Bei dem Besuch der Synagoge zum rvnff ®tbett fand der Gefeierte dieselbe ihm zu Ehren auf daS Herrlichste erleuchtet und wie an hohen Festtag« geschmückt. Im Laufe des Tage« überbrachte« dann verschiedene Deputationen die innigsten Glückwünsche, und vielfache Beweise der Liebe »iS Achtung von nah und fern gaben ein beredtes Zeugniß der Hochachtung, deren sich daS würdige Paar erfreut. Auch Sem »ardirector vr. Frankel, sowie die beiden Gemeinde-Rabbiner, l)r. JoÄ und Tiktin, brachten dem Jubelpaar ihren Glückwm'ch dar. Merkt», im Norember. Am 16. d. MtS. feierte hier Herr vr. K. Lebrecht seinen 70. Geburtstag. Ter gelehrte Orientalist, in Bayern geboren, studirte unter GeseniuS in Halle und war bis 1840 Lehrer am hiesigen Seminar unter Leitung deS vr.Zunz. 3m 3ahre 1856 wwde die alte Veitel-Heine-Ephraimsche Stiftung (Beth hamidrasch) durch die Bemühungen deS verstorbenen vr. 3- Rubo reorgaaifirt*) und in eine wissenschaftliche Lehranstalt für Talmud, jüdische Literatur und die damit verknüpfte semitische Philologie für Studirende an der Universität ohne Unterschied deS Glaubens, unter Fernhaltunz jeder exclusiven dogmatisch« Richtung, umgewandelt, und Lebrecht als Hauptlehrer angestellt. Sem erster Bericht nebst wissenschaftlich« Abhandlung« von ihm und sein« Eollegm vr. Haarbrücker und Steinschneider erschi« 18 i?. — Lebrechts Artikel in der groß« Encyclopädie von Ersch m;b Gruber, seine Abhandlung« und Kritik« u. a. in dm Berliner Jahrbüchern, in Lehmanns Magazin und *) Nachdem fie, wie wir vor emiger Zeit errvähm haben, auf eine nicht näher zu bezeichnend« Leise ihrer urlnudlichen Bestimmung gänzlich entfremdet worden war. (dled. d. Jtr. Wach.) in dm erst« Zeitung« der Hauptstadt (auch der Bosstschm) «1t der Ehiffre F. L. unterzeichnet, sowie die begonnene erste Ausgabe des Talmudt-xteS, Hab« feit 80 Jahr« Lebrecht'S Stamm in weite Kreise getragen, sein« Bemühung« für die Stellung der Lehrer in der jüdisch« Gemeinde ihm Anerkennung im Kreise seiner Eollegm erttorben; sein freies offenes Eintreten für Gewissensfreiheit ihm Freunde — und Feinde zugezogm; körperliche Leid« feiner Persönlichkeit eine schüchterne Bescheidenheit und den Hang nach stiller Zurückgezogenheit ausgeprägt. Letztere» und die allgemeinen Zeitverhältnisse warm bestimmmd für die einfache Jubelfeier, zu der sich Lehrer und Schüler der Anstalt (zum Thell auS Ungarn, Rußland, Hamburg, New-Bork u. f. w.), Dirigmtm und Lehrer der jüdisch« Gemeindeschulm und andere Freunde de» Gefeiert« versammelt halt«. <». Z.) -F- Werk», 25. November. (Orig -Corresp.) Ein interessantes Gegenstück zu der Art und Weise, in welcher der Herr CultuSminister sich bereit erklärt hat, die Seelsorge der jüdisch« Soldat« im Feld,: zu erlauben, sowie zu der bedächtig«, Monate in Anspruch nehmmden Ueberlegung und Berathung dieser Angelezmheit, bietet der Brief deS kathol. Feldbischof» NamSzenowSky an dm Bischof von Genf, nach welchem schon am 17. Sept. der Kriegsminister dm am 14. gestellt« Antrag genehmigt hat, daß 10 kath. Geistliche zur Pastorirung der KriegSgefangmm angestellt würdm! Man nimmt also mehr Bedacht auf die KriegSgefangm« als auf die eigenen Soldaten — find ja jme katholisch, diese aber nur Juden. chrfnrt, 2. November. Im hoh« Greismaster nach verdienstvoller, ansprrchSloser Laufbahn starb gestern unser Ehr«» kürzer, der Professor vr. Ephraim Salomon Unger. Augehörig der erst« jüdisch« Familie, welch« hier, und zwar im Jahre 1810, ein Niederlassung»- und Bürgerrecht erlangte, mtfalrete der Berstorbme die Wirksamkeit eine» ganz« Leben» in hiesiger Stadt und größteatheilS für dieselbe. Seine Dienste leistete er der Wiffmschast im allgemeinen, der Schule, der Stadtgemeinde, der Judmgemeinde und manchem Bürgerkreise. Al» Autorität im Gebiete der Mathematik schon im Jugmdalter gewürdigt, wurde ihm durch Diplom vom 20. September 1810 die Doctorwürde verliehen; er wirkt« zunächst al» Schriftsteller und al» nando und Juanita l ich langer Trennung im Sprechzimmer deS Kloster» gegmüber st:ndm. Sie hattm sich feit jenem dmkwürdigm Abend, an 'em Fernando zur Versammlung der Ma» rann« nach »den Rrinm« gegang« war, nicht wiedergesehm. Beim erst« Blick, dm fie wechselt«, konnte Jeder auf dem Antlitz deS Andem die Furch« lefm, die die schweren Leid« der letzt« Wochm darauf zurückgelaffen hattm. Juanita war bleich und abgespannt, nur in ihr« Augen glänzte die Freude; Fernandos Züge Haina ein« wild«, fieberhaften Ausdruck, der eine Folge der Rache; läne war, dm« er fortwährend nachbrütete. — Trotz ihres Mut >rs war Juanita beim Anblick deS jung« Mannes in Thränev auSzebrochm; dieser hatte sich über daS Sprechgitter, welche' fie trennte, hinweggeschwungm, und bald lag« Beide in stummer Umarmung. Indessen bezwc ng Juanita ihre gewaltige Aufregung; fie '.patte Fernando nicht zum Wein« Herberuf«, fie mußte ihn von der Gefahr in Kenn miß setz«. Sie hatte eS d irchgesetzt, daß ihre Zusammmkunst mit dem jung« Manne unter vier Äug« stattfand. Niemand befaud sich daher im Sprechzimmer; aber Beide ahnt«, daß fie belauscht würden. »Entferne Dich,' begann mdlich da» junge Mädchen mit kesser Stimme, »ent erne Dich, mein lieber Femando, eine große Gefahr bedroht Dich!« — »Du weißt e» also?« antwortete dieser. »Ja, ich weiß alle»,« erwiderte fie; »mir ist Alles klar...« »Aber Du...« »Ich — ich bin stark und muthig, übrig«» kannst Du jetzt gar nicht» thun; resse ab, Frankreich ist nicht weit, vielleicht werdm wir unS wiederseh«; aber wenn Du hier bleibst, bist Du verlor«...« »Ich werde abreifm.... O mein Gott, warum muß ich Dich so dm Händm Deiner Feinde überlass«!« »Gott ist mtt mir .... ich fürchte nicht» ....« eatgegnete da» junge Mädch«, um dem Geliebt« eine Hoffnung zu er» ösfum, die fie selbst keineswegs theilm konnte. Fernando antwortete nicht, und ihre Thränm floss« von Neuem. So verharrt« fie einige Zeit sprachlos; nur ihre Blicke begegnet« sich; aber alle ihre Gedankm, alle ihre Licke lag in dies« Blicke». Endlich wurdm fie von einem knarrend« Geräusch aufgestört; die Thür öffnete sich und die Superioriu trat ein. »Adi«,« sagte Juanita und legte ein« Finger auf dm Mund. »Auf Wiedersehm,« wickerholte Fernando und wandte sich zur Thür. Zum letzt« Mal fiel sein liebender Blick auf Juanita. Daun stürzte er gebrochmm Herzen» hinau». Er mssernte sich auü dem Kloster und sah sich plötzlich vor der Stadt, er waßte nicht wie. Lange irrte er in der Wildniß de» Gckirge« umher, außer sich vor Schmerz und Wnth, und von der heftigste» Verzweiflung gepeinigt. Iirssitz«,,