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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-23 · 47 (23.11.1870) · p. Seite 382

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
47 (23.11.1870)
Date
1870-11-23
Page
Seite 382 (sequence 2)
Language
German
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882 auf deutschem Boden jetzt einen »Allgemeinen israelitischen Verein* nach dem Vorbilde der Alliance stiften! — lieber daS Wie? in einem späteren Artikel, wenn der Gedanke Anklanz findet. « * « Ohne den Erörterungen des Herrn LerfafferS vorgreifen oder fie durchkreuzen zu wollen, möchte» wir doch einige kurze vorläufige Bemerkung hiuzufüzen. Der Fortbestand der All. JSr. Univ. hat untere Gedanken schon beim AaSbruch deS Krieges beschäftigt (s. unser Blatt vom 27. Juli, G. 259 a). Zum Glück war der weitaus größte Theil der Beiträge pro 1870 biS zum Kriege bereits eingezahlt worden, mit den Beiträgen pro 1871 hat eS keine Eile, mit Gottes Hülse werden wir biS dahin Frieden haben. Aber werden wir dann die Alliance nach Deutschland verpflanzen können? Sie hatte eben, als daS Unheil hereinbrach, festen Fuß gefaßt, sie hatte in der ganzen Welt ihre Anhänger, Beisteuernde und Comit<-'S; werden die Juden deS Auslandes, die Gebenden wie die Empfangenden, sich unS anschließen, unS anvertrauen? Sollte sich nicht die bisherige Alliance erhalten lasten? Wir meinen natürlich nach dem Kriege rP"K. Wir müssen, fall«; es sonst zweckmäßig scheint, den Muth haben, wieder mit Paris anzuknüpfen und osten erklären: sobald der Kriegszustand beendet ist, kennen wir in Angelegenheiten der Humanität, deS Rechtsschutz«» und der Förderung von Freiheit und Bildung keine Deutschen und keine Franzosen, sondern nur Menschen, und in speciell jüdischen Dingen nur Juden.*) Da jedoch DeustchlantS Einfluß sich so sehr vergrößert, und der Schwerpunkt der Macht sich verschoben l«t, so werden die deutschen Eabinette zum Eintreten für die Sache Unterdrückter veranlaßt werdm und die deustchen Judm sich röhren müsse«, *) -I,c tttzlöuysagte erst letzthin, er sei zu befürchten, »daß bei dem tiefgehenden Rat onalhaffe zwischen Deutsche» und Franzosen, den Jahrzehnt» tan« schwinden mache» werden, von einem einträchtige» Zasamme»- gehe» der jüd. >ngeh,irigeu der kriegführenden Mächte so bald nicht di« Red« sei» wird.« Aber da» darf nicht sei», und die Delicateffe, die Moral gebieten, daß der Obsiegende di« entgegenkommenxu Schrine thne! darin wird de« Herrn Verfasser jeder beipflkchte» müssen! Aber, wenn auch die ineisten Franzosen von ihrer Eitttkeit nicht lassen wollen, so werde» doch wohl Crömieux und seine Freunde — »ach dem Kriege — nicht so verblendet sein» die gänzlich veränderte politssche Situation zu verkennen, fie werden, wie schon im vor. I., unS gern die Hand bieten und aus eine Aenderung der Organisation eingehen. Soll aber der Eentralfitz »ach Deutschland verlegt werden» so gilt 'eß vor Alle« die rechten Männer zu finden, Männer von Kopf und Herz, von jüdischer Gesinnung, die sich über alle religiösen Parteifragen erhebt, Männer, deren Namen in der weite» Welt bekannt find, und die mit der Regierung Fühlung haben (ohne daß sie darum »ministeriell* sein müssen — daS ist Crömieux auch nicht gewesen), Männer — oder einen Mann, der für sich und durch sich eine Macht und ein Schiboleth repräsentirt. Roch einmal: auf alle Fälle muß diese Angelegenheit inS Auge gefaßt, Schritte müssen vorbereitet werden, die deutschen Judm müssen fortan mehr thun, als bloS zahlen! Bedenkm wir, daß die All. JSr. Univ. die größte und imposanteste Schöpfung ist, welche Juden seit 1800 Jahren inS Leben gerufe» haben! Daß sie in Frankreich entstanden ist, gehört der Geschichte an; daß sie von deutsch-französischen Judm in» Leben gerufen wurde (dmn nicht Crömieux, der Südfranzose, ist der Gründer, sondem junge Franzosen meist deutscher Abkunft!), ist ein bedeutsamer Fingerzeig! Kriegs -Nachrichten. Bon «semen Kreuzen für Judm haben wir in dieser Woche nichts erfahren, dafür nmnen wir zwei jüdische Damm, welche sich in dem ihn« zustehenden Wirkungskreise ausgezeichnet haben. »I. Ehr.* berichtet von einer Wittwe, Fra« Hyman» au» Amsterdam, welche sich einem SanitätScorp». daS zuerst in Saarbrücken stand, anschloß und wegm ihrer vorzüglichen Dimste von Feuilleton. A u a n i ta. (FmUsetzuug.) 12. Femando war nach seiner Freisprechung auS dem Gefängnisse mtlaffm worrm, in welchem er von dm graufamm Schicksalsfchlägm, die cie Seinm getroffm hattm, Kunde erhaltm hatte; trotzdem kannte er nur ungmau dm Stand der Dinge, dmn durch die widersprechenden Berichte und die gewöhnlichm Uebertteibungm der Erzähler warm die Thatfachm ungemein mtstellt worden. Sein erster Gang nach der Entlassung auS der Manifestacion hatte natürlich Diego» Hau» zum Ziele; er traf daselbst ganz fremde Gestaltm. Selbst Jago und Josefa warm mtfernt wordm. Herr von Tueno theilte dem jungm Manne kurz und bündig mit, daß kein RechtStttel extstire, kraft dessm er einm Anspmch an Diego» Hinterlassenschaft erheben könne, daß r sich höchsten» die ihm persönlich gehörmdm Gegmstände aneignm dürfe. , Nichtsdestoweniger', setzte er Hinz«, »hat man e» für billig gefundm, Euch eine gewisse Summe zum Entgelt für die g leisteten Dimste zu bewilligm, und wenn Ihr wollt, könnt Ihr dieselbe sofort beim Notar erheben.* Diese» Verfahrm war dem Vormund vom Grafm von Ramira vorgeschriebe« wordm; dadurch sollt« der Gerechttgkeit und Billigkett zugleich Rechnung getragen werdm. Der Graf fürchtete auch, wem er Femando aller Mittel beraubte, dm jungm Mann zu erbtttem, und er hatte Ursache genug, bei nächster Gelegenheit wieder feine kühne und sichere Hand zu fürchtm, die für seinm Sohn und seine eigmm so lange gehegtm Pläne so verhängnißvoll hätte wwdm könnm. Femando sthlte sich trotz seine» Muthe» dm kaltm Wort« de» Herm von Tueno gegenüber, die unbmgfam warm, wie da» Gesetz, auf da» fie sich stützt«, vollständig ohnmächtig. Roch mehr mußte e» ihn aufbringm, daß diese Worte mtt dem Phlegma und in dem belehrmdm To«, der dem Vormund« Juantta» eigm war, vorgettagm wurdm. Der junge Mann hatte also da» Hau» Diego», in Wahrheit sein Vaterhau», verlass«, da» Hau», in welchem ihm so lange da« Glück gelächett hatte. Jetzt warm alle lebte Bieben daran» verschwunden, und er hatte nicht einmal mehr da» Recht, e» zu betretm. Von dort begab er sich in da» Ursulinerin««-Kloster und verlangte Juanita zu sprechm; aber fein Versuch hatte nicht dm mindestm Erfolg; dafür hatte die Superiort« längst gesorgt. Al» er im Gefängniß war, seufzte er oft bet dem Gednnk« an Juanita» Unglück, weil er oußer Stand« war, ihr zu Hülfe zu eilm; jetzt war er ftei, und doch wußte er kein Mittel, die Geliebte zu rettm. Femando kehtte demnach in die Stadt zurück, er ging 1« traurige Lettachtungm versunkm umher und überlegte, welche Maßregeln nun zu ergreifm seien. > Al» er um eine Ecke bog, zupfte ihn ein Vorübergehender unmerklich am Gewände. Femando erhob da» Haupt. Der Man», der ihn berührt hatte, trtkg da» Kleid der Dominikaner.

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