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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-23 · 47 (23.11.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
47 (23.11.1870)
Date
1870-11-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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m 47. -1870. t Jahrgang. Wochen-Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. -rschedtt lebt* Mittwoch. frtil vterteljähtttch 90 CUbtrgreW«. fftt M( bretspatttge PeMzeU« «fen bmn Raum IV» «gr. 8mnO»orti$*r UMttnr mb Herausgeber Rabbiner Dr. A. Trenenfels in Stettin. Breslau. 28. November 1870. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Poftanstalten. fufmitn»Annaß«« I« der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutlch) in Breslau. Anhalt. Leitender Artikel: ic»dl«„« odUgal Kriegs-Rachrichten. Fentlleton: Iuanita. Der gute Loa. Bericht« »nd Lorrespanbenzen: Deutschland; Stettin. Berlin. Berlin. >u» Süddeutschland. Oesterreich: Wien, vermischte «nb n«n«ft« gtachrichte«: Berlin. Danzjg. KSuigsderg. Sailingeu. Wien. Semberg. »«sterdam. Lamdrit-ge. Siam. Liter«turßericht. Aut Mähren. Vakanzen »Liste. Inserate. Modi«»»« obligei .... 10. November 1870. 2. ES ist etwaS mehr als ein Jahr verstrichen, seit Crömteux in Berlin eine Versammlung der Alliance JSraelite Universelle veranstaltet hat, um unter der begeisterten Zustimmung der An» ««sendm Zwecke und Ziele dieser für daS Gesammtwohl JSraelS, für Förderung der wahrm Cultur, der Freiheit und de« Rechts segensreich wirkenden Vereinigung auSeinanderzusetzm und für frfrfrifr, aniihd ch, dm t Mittapnle Jyr 9h4m »Lande der Denker* zu werben. Wer hätte damals an de» Gegensatz von Paris und Berlin, wer an den Kampf gedacht, der nun feit Monaten wüthet «nd dessen Ende noch nicht abzu» sehm ist, «er daran, daß. fett Wochen jegliche Verbindung mit Paris abgefchnttten ist N2 fKl totr pH — und daß die Alliance demnach fakttfch, wenn auch nicht formell, aufgelöst, mindesten» in ihrem Bestände schwer bedroht, ihr Bestand in Frage gestellt ist? Aber der Krieg wird ein End« nehmen, Gott gebe ein baldige- und glückliche-, da» wahrm Fried« und nicht dm fort» dauernden Kriegszustand bringt. ES liegt nicht im Charakter dedentfchm Volk», im Haffe zu verharren, sich lange der ehr» ltchm unparteiisch« Anerkennung de» Gutm auch am feindlich« Volke, am »Erbfeinde*, zu verschließ«. Dann wird die Er» kenntniß sich Bahn brechen, daß doch nicht nur Unheil und Verderben, Sittenlosigkett und Lüge von dem »modern« Babel* anSgegangm ist, sonde« auch die Initiative zu vielem Gutm, der Anstoß zu manchem wahrer. Fortschritt. Aber «aS lie^' zunächst vor un«? — Wie auch der Friede laut« möge, da» ist ziemlich gewiß, offmkundig, daß die Macht und damit der Einfluß Frankreich» auf lange, wenn nicht auf immer gebrochm ist, daß Jahrzehnte darauf hingehm werden, «m die inner« Schädm dort zu heil«, daß alle Energie, alle Liebe und Opferfähigkett aller feiner Bewohner vollauf zu thun Hab« wttd» die Wund« zu heil«, die dem eigmm Lande ge» fchlag« find, und daß daher auch die dorttgm Jod« kein« Ueberschuß von Kraft und Mitteln zur Hilfe und zum Best« ihrer auSwättigm GlaubenSbrüdvc werden verwenden können. Ohnedies wird vorauSfichttich ein sehr großer Theil der franzö» fischm Juden mtt dem Elsaß zu Deutschland komm« — hoffentlich ohne Einbuße an Recht« — so daß schon numerisch die französisch« Judm Acht mehr in der Lage sein werdm, ein« bestimmend« Einfluß zu üb«; abgesehm davon, daß die wesentliche Ledmtung der Alliance in dem preitige de» französischen Namens bestand, dm Frankceich jetzt so th«er bezahl« muß, der aber, hinter der Alliance stehend, in Rumänien, im Orient und anderSwo für die armen, verfolgt« Judm Wunder gethaa hat. Dmsschland ist der Erb«, allerdings nicht der lachmde Erbe, de» ftanzösischm Ruhme» und EinfluOeS. Ein Wott Deutsch» land» wiegt jetzt schwer in der Wagschale; seine Macht wird überall anerkannt, sein Einfluß muß ein fast unbegrmzter werdm. Wird da- Wott zu Gunst« der leidend« Judm gesprochm -dia Wacht Och für di« Untndrückten .»txxmbtn, der Einfluß sich für die verfolgt« geltmd mach«? Werdm unsere ltttmdm Staatsmänner, wird vor all« »der Manu de» Jahrhundert»' die civilifatorifche Aufgabe — nicht die falsche, die der Franzosen Verderb« gewesm — sondern die wahre, die ihr ewiger Ruhm sein wird — da« Eintreten für GlaubmSfteiheit und da» Bekämpf« der Barbarei dm Händ« mtnehmm, die durch »deutsche Hiebe* machlloS zewordm sind, und sie mtt dmtscher Macht, Thatkraft und Umsicht gtttend machen? Doch mtt dm Groß« Hab« wir hier nicht zu red«; aber werden di« deutschen Juden einsehen, daß eS ihre hellige Pflicht ist, dm Judm auf dem wett« Erdmruud Ersatz zu gebm für da», waS ihn« gmommm Word« ist, die Lücke auSzufüllen, welche durch daS Eingeh« oder die Lähmung der Alliance JSraelite Universelle mtstehm muß? Werdm sich dmtsche Judm find«, welch« Crö» mieux und seine Genoss« ersetz«, gleich dies« den Muth und die ÜeberzeugungStreue Hab«, um Alle», waS sie an Ehre und Anfehm besitz«, für ihre leidend« GlaukenSbrüder zu verwendm? alle», waS sie an Einfluß auf die Groß« und Mächtig« durch Geist und Talmt sich erworbm, für die Abwendung jeder Schmach, für die Lösung aller Kcttm, für die Bestrafung jede» Frevel« gegen ihre GlaubmSgmoffen zettend zu mach«? alle», waS sie durch Wohlstand und Bildung sich errunz«, in dem Dimst der Liebe, zur Milderung der Noth, zur Bekämpfung der Unwiff«heit zu verwmdm? Auf Dmtfchland blickt jetzt die Welt; vor deutscher Kraft und dmtschem Muth, vor deutscher Bildung und dmtscher Ausdauer neigt sie bewundernd da» Haupt. Solche Ehre, solcher Ruhm, solcher Adel legt Pflichten auf; solche Macht, solcher Einfluß darf für da» Gute nicht unbenutzt bleibe». Möchtm wir deutschen Judm zeig«, daß wir ein vollgemessenes Theil jener deutsch« Eigmschastm und Vorzüge besitzen, indem wlr dieselben zu Gunst« unserer Glaubensbrüder verwmd« und

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