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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-16 · 46 (16.11.1870) · p. Seite 378

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
46 (16.11.1870)
Date
1870-11-16
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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378 Oesterreich. £mtn$, 7. NovTmber. Danme, nun sanctiouirte Lemberg» Gemeindestatut mit seiner Bestimmung» welche die Zahl der für di; Gemeinde-Vertretung zu wählenden Jüraelttm beschränkt, verstößt gegen unsere eine Gleichstellung proclamirenden Grundgesetz«. Man bereitet daher von freisinniger Seit« eine Klage beim Reichsgericht vor. (R. ft. Pr.) 1. ß»t Atetzer-Angar«, 30. Oktober. (Orig.-Eorresp.) Bei un< herrscht vor der Hand Windstille. Nur zuweilen schwebt ein ungalante« Lüftchen über unseren Häuslern, wenn der gut« „JSraeltta Közlöoy' oder da« »eubefiederte »trad. Jud.' etwa« allzukühn seine Schwingen regt. Nu: vereinzelt ziehet an un« noch ein ftostiger Hiäch vorüber, der hergeweht kommt au« der Kanzlet de« Schomrü-hadath, oder dem Hirschler'jchm Bureau, und weckt in un« trübe, unerfteuliche Reminiseeuzen an die „Sturm- und Drangperiode' de« ungarischen JudmthumeS. — Sonst aber sind wir ruhig. Friedlich sitzen die Einen unter dem paragravhenbelaubten Congrehbaume und genießen die Früchte ihre« Wühlen«; friedlich decretiren die Anderen den „Gruppen', sich bald zu Gemeinde» zu constituiren, und der kampfgeübte, südlich rührige ungarische Jude, der nicht mit den Einen noch mit den Andern gehen mag» kann ein lebhaft sich geltend machende- Gähnen kaum unterdrücken. So sieht'« nach Innen au«. — Nach Außen nehmen wir noch immer eine nicht zu unterschätzende, erfreuliche Stellung eia, wa« bei den von dm Judm auSzehmdm Eultur-Beftrebuugm, bei dem dm Judm eigmm Drang zur Bildung wohl leicht zu begreifm ist. Im Landtage sitzm zwei jüdisch« Deputirt«, die vermöge ihrer Jntellizmz und ihre« Character« eine bedeutmde Stellung im Hause einnehmen. Wir habm jüdische Beamten bei dm Ministerim und aaderSwo. Die höheren und niederen Schulm habm ein bedmtmde« Contiugmt jüd. Schüler aufzuweisen, die an Intelligenz und Wiffm ihrm nichtjüdischm Mitschülern wett vorau« find. (Siehe vor. Nr. Red.) Großbritannien. Land«». Die „Eich Preß' veröffmrlicht eine Reihe vc« Artikeln über „City preacherS,' die Prediger der Hauptstadt. Der Dritte der Reihe ist dem Oherrabbiner gewidmet. Nach einer von Unzmauigketten strotzenden Beschreibung eine« Besuche« in de: großen Synagoge an einem Sabbat fährt der Berichterstatter fort: „Rach dem Gebete für dl« Königin und die königliche Familie hielt Dt. Adler, vor der Lade stehend, seine Predigt. Er steht jetzt in einem ehrwürdigm Alter, aber er predigt mtt bemerkm-werther Lebhaftigkeit und Kraft. E: ist ein gebormer Hannoveraner, aber nun schon 25 Jahre Ober- Rabbiner von Großbritannien. (Folgm Angaben über die Geschichte seiner Wahl und die Personm seiner damaligm Mitbewerber, sowie ziemlich abgeschmackte Data oder Fikta über Sevhardim und Asch'masim.) Mitunter hat sein fmriger Emst un» befähigt, un« lebhaft dt« Kraft und da« Fmer zu vergegmwärttgm, mtt dem einer der altm Prophe»cn seine „Last de« GotteSworteS' in Zettm socialer Entartung und nattonaler Erniedrigung ausgesprochen habm mag.* c»u» -Ja». Ree.«) Serbien. Hßek§r«tz- Die serbischen Judm, vertretm durch die Repräsmtantm der hiesigm Gemeinde, Hab« an die Regentschaft eine Petttio» gerichtet, in welcher sie um Aushebung der Restriktiv« Gesetze von 1350 und 1801 nachsuchm, kraft welcher e« ihnm untersagt ist im Jnnem de« Lande« sich niederzulassm und dort Handel und Gewerbe zu treiben. Unter Fürst Milosch warm dt- Judm vollständig gleichgestellt und erst der Regierungswechsel von 1842 beraubte sie de« Domizllrechte«, doch wagte die Regieruug da« Dekret von 1850 weder zu veröffentlichm noch in die Gesetzsammlung de« FürstmthumS aufzunehmen. HandeUueid und nicht Religionthaß sind der Gmnd dieser Dekrete. Da um» die Familie Obrmoplc« stet« human gesinnt war, so wird auch von d» jetzig« Regmtschast daffelbe erhofft, umsomehr al« der Fortbestand dieser Ausnahmegesetze der Eonstttutton widerspricht. Den» „nach dem Worttaute und de« Geiste unserer Constitution genieß« wir alle bürgerlichen und politischen Rechte; wir stad Wähler und wählbar, und desimungeachtet giebt e« ein Gesetz, weiche« un« verbietet unserm Aufenthalt ander«»» al« in Belgrad zu nehmm. In Gemäßheit drr Verordnung der hohm fürstlichen Regmtschast vom 20. Januar d. I. find wir zum Militärdienste verpflichtet, und somtt ist der letzte Unterschied» welcher noch zwischen dm J-raelitm und dm übrigen Etnwohnem Serbien« bestand, gänzlich geschwunden. Demgemäß ist unsere Assimilation vervollständigt, da wir dem Staate gegmüber ganz dieselben Pflichten haben al« unsere übrig« Mitbürger. Sollt« aber nicht dieselben Pflicht« auch dieselb« Rechte und Privllegtm zur natürlichen Folge habm?' Vermischte und neueste Nachrichten. Alt»»». Da» Destamen« der am 2. Oktober hierselbst verstorben» Fron Friederike vou Hall«, des Her« I. A. »o» Halle Witwe, enthält folgend« Legat« zu Gosst« hiesiger milder Stiftungen: l00,000 Ml. B. für die I. «. v. Hallefche-Stistua-, 5000 «k. v. für die Mädchenschule der israelitisch« Gemeinde, 5000 «RI«. für die israelitisch« Mädchenschule M, 1796, 5000 Mi. B. fax da» Panlinensiist (Maiseohans ftlr Israel Mädchen), 500J Ml. v. für die israel. Freischnle, «00 Mt. v. ftlr das «r-nt-nha»« der dentsch-israel. Gemeind«, 1000 Ml. B. für die allgemein« Armenaastalt, 1000 Ml. B. für di« Daobstommm-AaftaÜ für Hamborg und da» hambnr» gische Gebiet, 10 v Mk. «. für dir Blindm-Aostalt von 183 », 500 Mt B. für da» Pestalozzi-Stift, 500 Mt. B. für d« Verein zur Vertheilong da» Feuern»- an israelttych« Arm«. 500 Mt. V. für d« verein der jung« israel. Armenfrennde zur Vrrtheilnng von Brot und Supp«, 500 Mt. V» für de» Stipeudien-Berei» für israel. Stndireud«, 500 Mk. B. für die Edieard Kley-Stiftoug, 500 Ml. V. für das Pa»ls«-Etist und außerdem eine Reihe von Legat« für Verwandte und Freund« der verstorben«. Di« Erblasserin bestimmt ferner» dasi anch der Rest des Rachlaffes au die I. T. von Haile- Stiftnng fall«. Dies« •»■ der Legatori» im Jahr« 1868 gm Vakakti an ihre» verstorben« Man» mit ei«« Capital von 50,000 Ml. V. mk jetzt mit einem Legat von lMM) Ml. V. bedacht« Stiftnng ha» d« Zweck» hio» sig« Ciawohnr« ohne Unterschied der Confessio«, welch« »in« Mieth« van 300 Mt. v. jährlich zahl«, zinsfreie Vorschüsse z» gewähre». (Res.) Schwert» (Mecklenburg), gwtfch« der jüdisch« n»d der tarhGIsch» Gemeind« in Schwerin «är« bald Competmzftreitigkeitm weg« eines wdt« Franzos« «^gebrochen. Der Man» starb im kazarrth, die jüd. Gemeind« reclamirte ihn als ein« Glanbensgenofs« und es «nrde ihr ohne Schwlirigleit« nachgegeb«. Kau» war er beerdigt, so kam» di« Katholik« »nd wirs« nach, dasi der Man» die Sterbe - Sakrament« von ihre« Geistlich« erhalt« habe und zu ihrer Kirche übergetret» sei. Da der Man», es war ei» französischer Gensd'ar«, »orr « d« schwarz« Blatte« gestört« war, so wurde di« Sache kurz erledigt an» die Israelit« behielt» ihn. Jetzt find anch di« Orthodog« in schwerer Verlegenheit, »eil «in Andersgläubiger ans ihre« Friedhof roh«, und deren« ihr« Eifer. — Paris. Die franzsf. Akademie der Inschrift» hat in ihrer vihnng vom 26. »ognst «itgetheilt, daß di« Regierung ans Mnnsch der Akadimte Her« Viktor Gnäri», der »ach Palästina «tsendet wnrde, «ine »tfprochend« Geldzolag« zur verfügnng gestellt habe, damit es ihm msglich werden je« Feld ge biete i« Ramm Frankreich» z» erwerbm, dir »ebm der alt« jüdisch« Stadt Modi» lieg«, in welcher er das Grab der Makkabäer wieder- «nfgefonden und mit Sicherheit nachgewieft» Hab« will, weg» der Zuverlässigkeit der Beweise de» Her« G. wdd man Räheres abwartm and für jetzt sich gednkd« mäff«. Liverpool. Der Zweigveret» der AlUanee I. U. hat dnrch Bermittrlnug de» Gesandt« in Florenz, Vir A. Paget, «im Petition an lwnig New» Emannel gerichtet, dahi» gehend, daß Edgar Mort«a ein« Znsammenfnnft mit seine» Vater gestattet werde. Der Gesaadtr antwortet, daß er di« Bittschrift übergeb» »nd di« best» Znsichemngm erhalt« habe. Mir habe» in einem Blatt« gelesen, daß dem Mansch« bereit» entsprochen sei, doch steht Genauer«« wohl erst zn erwart«, da di« Antwort des englisch» GesändMn erst vom 26.V.M. batikt ist. «», Jernsale» wird der Do» de« ,-lehrt« mk für nwhlthätige Zwecke »ielsach thätig gewesen» R. Mose» Sach« gemeldet.

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