Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- Seite 376 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Vorstellung beim Prinzen Ludwig. Er war sehr freundlich, erkundigte sich »ach Namen, Geburtsort k. und gab Jedem von unS die Hand/ — Der Dritte ist der Corporal im 14. bayerisch« Infanterie-Regiment Raphael Fried a«S Nürnberg. Derselbe, ein Sohn deS verstarb«« Lehrers Fried daselbst, erhielt die Auszeichnung wegen seiner hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Sedan. — Ehrend gedenken wir auch deS Gefreiten Karfuukelsteia auS Beuthm OS., der am 30. Octbr. bei Le Bourget den Heldentod fand, als er an deS gefallenen Fahnenträgers Stelle freiwillig zetteten war. K. hatte schon vor Metz das Eiserne Kreuz erhallen. Der , Israeli: * veröffentlicht nach dem .Hebrew' eine .Verlustliste jüdiscker Soldaten im preußischen Heere'. Da dieses Verzttchniß ossmbar nur in der Weise entstanden ist, daß man auS den Verlustliste« diejenigen Namen auSgezogen hat, welche vermuthen lassen, daß der« Träger Jude» find, so ist nicht abzusehen, waS damü gewonnen sein sollte. Wie will eine Reaktion, und gar die eines amerikanisch« Blatte-, ermitteln, ob z. B. der .Gefrette Daniel Stein avL Brusmfelde, Kreis Greifeuhagm', Jude ist?! Hier, in Stettin, wäre efür diese» Fall möglich, aber doch erst durch Erkmidigungm, und so für jed« Regierungsbezirk in der in unserm Blatte wiederholt empfohlen« Weise; solche incomplete und überccmplete List« find nur dem Zwecke hinderlich. — Die, wie unfern Lesern bekannt, ganz unmäßig übertriebme Zeitungsnachricht über d« »Jom Kippur vor Metz 1870' ist in einem Berliner Matte gar verfifizirt. Die Verse find nicht übel, aber daS Ganze ist ein Phantafiestück, sowohl die »1200 an der Zahl', wie die gesammte Schilderung d«S Gottesdienste-; »einOmed ward errichtet, auf einem groß« Stein; ein Hügel für die Thora, er sollt' die Lad« sein' u.s. w. Wer begreift nicht, daß solche Ueberschwäuglichkeitm und Apo» theosm gefährlich find, daß man von Sellm unserer nimmer rastend« Widersacher in fünf, zehn oder zwanzig Jahr« solche Gedichte hervorsuch«, lächcttich mach« und die Opfer, welche die Judm im Kriege gebracht Hab«, in Abrede stell« oder auf ein Minimum reducttm wird? Auch während de- Krieges schläft da- RischuS nicht. Die »Schles. Ztg.' *) bringt im Feuilleton vom 4. d . M. ei» .Kriegsbild' von 8. Pietsch, woriu über die sich auf dem Kriegsschauplatz bewegend« jüdisch« Kauflmtt, Lieferant« u. s. w. in der allergemeiost« Weise (& la .Unser Verkehr') gesprochen wttd. Dabei ist auch von dem .nicht kriegerisch«, nicht müüärifchm' Jud«volke die Rede. Wir verweis« auf ein Inserat im vorig« Blatte. Mit AuSzügm wollm wtt unsere Spalt« nicht besudeln, noch weniger dagegen schreib«, al«r wtt bittm die Leser, dm Schlachtfeldbur,mler L. Pietsch (Maler) dm im Felde stehen» dm Judm zu fignalifireu. ES wttd sich wohl ein jüdischer Wehrmann finden, der aus dm Klotz dm richttg« Keil setzt, so jmer in sein« Bereich kommt. Off« gesagt ist eine »treffende und schlagend«' Autwott dtt einzige, dtt solchem Gelichter gebühtt. Bon unsem französischen GlaubenSgenoffm erfahr« wtt jetzt sehr wmig. Unter dm »ach Mainz gebracht« 2400 Gefangen« an- Schlettstadt befind« fich 120 JSraelüm. Dieerklärt fich wohl, wenn man annimmt, daß diese Gesang«« der Mobil» oder Nationalgarde anzehörm, in welcher die Jud« nach Berhältniß der S« elenzahl verttetm sei» müffm. Daß in der Linie nur sehr wenige gedient haben, ist bei dem LoSkauffystem natürlich. Ein au» Metz dttfer Tage hierher gebrachter und von dott gebürtiger jütischer KrttgSgefangmer erzählt u»S, daß »tt Leid« der dottig« Judm während der Belagerung erttäglich gewesm find. ES ist auch bis zum Ende immer noch Koscherfleisch zu Hab« ge vesm, wenn auch zu enorm« Preis« Ein *) Dieselbe entschuldigt in einer später» -lummer di« Ausnahme de« Artikel« damit, daß sie deuselbeu nicht gelesen. (An«. d. Larrect.) ESrog ist frellich nicht nach Metz gekommen, sonst ist der GotteS» dttast ohne Störung gehallm ward« »Jew. Record' bringt eine bewegte Schilderung de» Elend-, in welchem fich viele au- Frankreich »ach England geflüchtete Judm befinden. E» ist auch sehr natürlich, daß fich unter dies« viele befind«, der« Mittel nicht weit reich«, «ad die gleichwohl nur durch dtt äußerst« Noth dahin gebracht werd« köu» nm, um Hülse zu bitt« .Jew. Rec.' appellitt an da« Herz, der mglischm Glaubensgenossen. Hoff« wir, daß eS nicht uu» gehött bleibe._ Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. n. Zßerki», 6. November. (Ottg-Eorr.) Der Gewaltakt de» Vorstände«, die Kanzel der all« Synagoge dem Rabbiner vr. Geiger zu ibergeb«, ttotz de« grell« Widerspruches, in welchem er zu ihr steht, hat jüngst« Sonaabmd zu einem betrübmdm Skandal geführt. In dem Mommte, al« eb« vr. Geiger die Stuf« zur heiligen Lad« bettet« wollte, erschallte eine Stimme au» der Mitte der Gemeinde, laut rufend: »Meine Herr«, dieser Mann ist nicht würdig, hier zu stehen; wtt Hab« eb« gehött, wtt Gott Abraham daS Gebot der Beschaeiduug al« f ewiges Bundeszeichen für seine Nachkommm verkündtt, wollm Stt nun dies« Mann, dies« Lmgner, der auch Abraham heißte der in seiner eigmm Familtt zugegebm, daß keine Miloh stattgesund«, die Kanzel besteig« lass«?' Wirre furchtbare Störung! Der Schreier wttd herauSgebracht, ohne daß «man feine Rufe hindem konate. Er rief, er wolle nur sein« Protest verkünd« und werde daun gern hinan»- geh«*) — Eie dürfm fich nicht wundem, wenn man bald hier von häufig« Fäll« der Verweigerung der Beschneidung hör« wttd. DaS jetzt zur Oeffmtlichkett gelangte Beispiel deofficttllm Rabbiner« reizt zur Nachahmung. Wenn Herr vr. Geiger »ttklich noch Anfpmch macht, dem Bunde drS JudeathumS, nicht bloSdem Stamme der Judm auzugehörm, so muß er sein« Standpunkt zur LeschneidungSftage öffmttich ohne Rückhalt darlegm. AndemfallS wttd man ihn als 021 «'vno, wenn fich jetzt die Fälle der Nicht-Lefchueidung hier mehr« sollt«, off« bqeichn« müssm. E Kamöurg, 31. Oktober. (Orig.-Corresp.) Sen» ich in meinem jüngst« Schreib« Ihn« von der Entstehung eine» RetigtonS - CursuS für Mädchm berichttt, so hatte ich nicht er» watttt, daß ein so lange hier fehlende» Institut, schon so bald nachdem eia erste« im Entsteh« ist, ein zweite» Hervorrufe« würde: auch der Ober-Rabbiner Stem hier beabsichtigt eine RtttgtouSfchnle für iSr. Mädchm zu begründ« und fordett er iu einem Cttmlatt zu Meldung« auf. Auch dtt Töchterschule deS Herm vr. Moritz Katzmstein wttd ihr« Religionsunterricht «weite« Unsere feit dem 1. Januar 1868 verändert« Gemetndeverhältaiffe, dtt fich «nter Auderm dadurch auSzetchneu, daß der CultuS eine selbständige Verwaltung hat, zeig« bet Gelegmhett« so manche Lücke, die dann nicht ohne klein« Eonflitte auSzufüllm ist. Eine kritische Frage der Att ist jetzt von Sett« d«S CultuS-VorstandeS bei dm Behördm zur Sprache gttracht. Es handelt fich um die Verwaltung der Legate de« im Jahre 1842 verstorben« Jsaac Hartvig. Dm größer« Theil fttue« Nachlassebestimmt« er zu mtldthätigm Zweck«, unter dm« viele cultueller Natur. Da« Bermögm soll btt der Gemeinde belegt werd« und zu Vermaltem deflelbm hat er dm Rabbiner, dm ältest« Eaffirer der Gemeinde und dm ältest« Cultu»- ») Sie wtt HSrru, ist der Urheber der Akaudalseeae al« ei» qreatttscher ^pf i» Berti» Monat (Aed.) *' J