Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
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375 <Ir gilbt freilich treffliche und ausreichend« Vorschrift» über di« Heilighaltung deS Gotteshaus«» uud »erbietet fttmgstm» jede Gutwdhung, aber diese Paragraphen stehen gerade für viele Orthodoxe nur auf dem Papier. Zum Schluß Hab« ich immer noch zwei Umstände anzuführm. Zu Ungarn gilt e» ein Baad zu zerreißen, eine gewisse hergebrachte Verbindung der uozarrschen Juden, welche in Deutschland nie existirt hat. Natürlich muß die Anstrengung de» Zerreißen- und de» Erhaltenwollenzu heftigen Kämpfen führen. Endlich der vielleicht erheblichste und schwierigste Punkt: in Ungam handelt e» sich um Geld, um zwei Millionen, eine gewaltige Summe! Die Einm wollen sie haben, die Andern nicht lassen. Geld verbittert, vergiftet, entwürdigt jeden Streit, ,e» -reinigt Bastarde' und verunreinigt Edelste». E» kann eine Sache nicht rein, Db6, geführt werden, sobald Geldftagen sich «inmischen. Sehen Sie, in Deusschland müssen die orthodoxen «der Reform -Separatgemeindm zur Gesammtgemeinde beisteuern. Sie thua e» ungern, möchten die Last loswerden, aber diese Geldfrage ist noch «irgend» in dm Vordergrund getretm! Sollm Sie nun die zwei Millionm fahrm lassen?! Solch »ärrischm Rath zu gebm fällt rnir gar nicht ei«. So habe ich ellso gar nicht» gesagt, habe immer nur getadelt ohne etwa» Vernünftige» vorschlagm zu könnm? Ich weiß um ein»: vertragt euch! Und wenn es gar nicht ander» angeht, wmn eure .Hirt»' nicht aufhören wollen zu streite«, so setzt euch auseinander, wie Abraham und Lot, aber daun auch mit Abraham- Sinn und Wort: »Laß nun weiter kein» Streit sei« und laß «n» Brüder bleiben!' Wollt' ihr von dm Christ» lern», daß es tu einer Religion zwei Confesfioom gebm könne, so lernt «uch Brat? D’jpino da» Gute uud sehet, dich zwei Confessio«» sehr wohl in Fried» mit einander leb» könum. Und »och ein» mal die zwei Million»—! Abraham hat nicht gesagt, daß er Lot da» ganze Land überlass» wolle; aber er hat auch nicht be hauptet, vorgegeb», daß er mit Lot ein» Religion» streit") führe wo e» sich nur um gute Weide handelte. So theilt euch darek ftiedlich, brüderlich; wo steht denn zu les», daß Abraham dazu d» Stuhlrichter angeruf» habe?! Kriegs-Nachrichtm. Auszeichnungen durch Verleihung de» Eise»» Kreuze» find weiter nachbmanntm Israelit» zu Theii gewordm: Dem vr. moä. Zülzer» Privatdocmtm an der Berliner Universität. Gust. Bial au» Schweidnitz, vor dem Kriege Commi» in Offmbach, diente in der großherz. Hess. Division, schreibt au» Gorze, 16. October, au einen Freund: .Meine gestrige Karte hoffe in Deinem Besitz und wirst Du daran» ersehen hoben, daß ich durch Gotte» Hilfe eine der größt» militärischen Ehren erhalt» habe, da» .Eiserne Kreuz II. Klasse'. E» ist die» für mich, wie Du Dir leicht dmkm kannst, eine Auszeichnung, die unschätzbar ist; um so mehr, da sie bei der Vettheilung dmch dm Brigade-Commandeur mir für »persönliche Tapferkeit und Umsicht in schwierigen Lag»' ertheilt wurde, «a» bei dm Ander» nicht der Fall war. Die Ueberreichung geschah in feierlicher Weise durch dm Brigade-Commandmr mit Stab und d» Regiments-Offizieren. Nachmittag» gratulirten natürlich di« Kamerad» der Compagnie, auch fämmtliche Offiziere. Soebm, d. h. vor einer Stunde, war •) Der Midrasch will allekdiag» wiffen, daß e« sich um die religiS«- stmiche Frage der SiechtmLßigkeit de« Besitze» geha-rdek» habe. Jener Zweivkilliaueu-Foud» aber ist aa» dem Schweiß uud »lut aller uugarischeu Jude« gusammeagepreßt, der ßirchwtitel aller u demselben iß »»bestreitbar. Di« MaaUtrt« aber, vo» deueu derMidrasch spricht, kürmten allerdiug» urauche« lästerlich Schimpseude» nicht schade». .Femando, mein» BräutixMM,' mtgegnete Juanita, .de» selben, für d» mich mein seliger Vater schon in meiner Jugend bestimmt hat.' »Ach so!' erwiderte der Vormund. ,G» ist wohl möglich, daß Euer Vater dmch irgend du Borurtheil, welche» durch nichtgerechtfertigt wird, daran gedacht hat, Euch «st einem Manne «hne Geburt uud Vermög» zu verbinden; er war Euer Vater und hatte da» Recht, über Eure Hand »ach seinem Gutdüukm zu verfüg», obgleich er meiner Ansicht nach in diesem Falle Unrecht hatte; ich aber habe alt Vormund die Pflicht, über Euere Interest» und Euere Zukunft zu wach», uud ich «erd«, mich bemüh», für Euch ein» Gatt» zu finden, der Eure» Ramm» uud Stande» würdiger ist, al» dieser obscme Mmsch.' Diese in dnmt trockene», befehlend» Tone gesprochen» Worte ttafm da» arme Mädchm wie ein Blitz au» heiterem Fimmel; ihr war Alle» auf eininal klar. Unwillen, Furcht und Zo» erfüllt» abwechselnd ihre «Seele; indeffw hatte die «uthige und edle Jungfta» ein» zu stark» Charakter, um ihkerr heftig» Gmpfindungen durch leere Worte Lust zu machen. Sie gab deshalb Her» von Tumo gar keine Antwort, aber in ihrem Jnae» hatte sie dm Kampf, dm man ihr tu so roher Weife anbot, bereit» ausgenommen, und sie leistete sich selbst dm feierlich» Eid, niemals «nd unter keiner Bedingung zurückzuweichm. Aber da« unglückliche Mädchm hatte zahlreich«, «tt großer Kunst in'» Werk gefetzt» Kämpf» zu begegnen. Während ihr ihr Vormund anzeigte, daß au ihre Verbindung »tt Feruando nicht «ehr zu denk» fei, hatte die Superiorin de» Kloster» im Aufträge ihre» Bruder», de» Graf» von Ramtra, die Aufgabe übernommen, sie nach und «ach an die Idee der Ehe «Ü Alonzo zu gewöhn«. Ohm da» Betrag» de« Her» von Tumo im Geringsten zu verurtheil«, fand die Eupertortu, wie sie sagt«, darin ei« unverzeihlich« Strenge, daß der Vormund ihr jede Zufammmkunft mit Femando verbiet» wollte. Eie erzählte Zuanita zu gldcher Zeit von dem allgemein» Mitleid, der» Gegenstand sie in ihrem Unglück sei, und vergaß nicht bd jeder Gelegmhett hinzuzufügen, daß sich unter dm Person», die sich mtt der größt» Wärme für sie tuteresfittm, namentlich auch ihr Reffe Alonzo befände. Wenn Juanita nicht schon hinlänglich alle die dmdm Jn» triguen, der» Opfer sie war, durchschaut hätte, so hättm diese Wotte, die absichtlich so häufig wiederholt wurden» genügt, sie über die Ursache ihre» fganzm Unglück» aufzuklären. Die fort» währmdm Lobreden auf Alonzo, dessm Ramm di«! Supertorin mit großer Geschicklichkeit in alle ihre Unterhaltung» zu verstecht» verstand,] könnt» sie Über die Pläne ihrer Gegner nicht lange im Zwdfd lassen. Um aber ihre Machinationen nicht ganz klar zu leg« und Juautta einm nmm Beweis ihrer Aufrichtigkctr zu liefe», sprach die Superiodn auch sehr häufig mtt dem jung» Mädchm über Femando, wie sie selbst den hart» Schlag, der ihn so plötzlich treffe, von Herz» bedaure, uud wie sehr sie sich dmch sein doppelte» Unglück gerührt fühle. Sie gef... sich auch dadn, cS Juanita öfter» tu Erinnerung zu bring», wie ttamig uud be» mittrideu-werth Femando» Lage durch Diego« Tod gewordm sd; sie zdgte dadmch, wie sie meinte, da» Interesse, da» sie für alle diejenigen empfand, die de« jung» Mädchen «äh« stand»; aber tu Wirklichkeit wollte sie Juantta mtmuthigen, indem sie sie auf da» Unglück und di« Ohnmacht de» einzig» Mmsch« htnwie», auf d» sie hätte rechum können, und der dt« Absicht gehabt hätte ihr Beschützer zu werde«. AMsetzm, ftlgt.)