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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-16 · 46 (16.11.1870) · p. Seite 374

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
46 (16.11.1870)
Date
1870-11-16
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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374 mmg nach andren Richtung« abgeleitet. Preise ich darum den Jndrffermti-mu»? Gwiß nicht, ich spreche au», wa» faktisch vorliegt, leugne aber auch nicht, daß ich e» nicht für gut halte, wenn die religiös« oder qaMi religiös« Frag« alle- Inter» effe absorbir«. Ja der That ist, wenn ich recht sehe, fett ein paar Monat« ein Stillstand eingetret« (die Zeit de- Tischri ausgenommen, der überall religiöse- Leb« weckt) und dann irre ich gewiß nicht, w«n ich dieder durch d« Krieg abgelmktm Aufmerksamkeit zuschreibe. Aber warum red« wir nur von dm Extrem«? Sollte denn dir Mehrheit, wenigst«» die der leitend«, tonangebmdm Elemente, r^cht auch in Ungarn auS dmjeaizm besteh«, welche wirklich« Fortschritt, Bildung, Anschluß an die modern« Cultur» bestrebungm wollm, ohne darum die ebmso berechtigte Forderung der Anhänglichkeit av die väterliche Religion hintaazusetzm? Sollt« diese Elemente nicht im Stande fein, dm Zufammmstoß der Extreme zu hindern, oder dessen Gewalt zu brech«? Hier kommt aber eia weiterer Umstand in Betracht. Ein Zufammmstoß wird um so heftiger, je schneller die Gegmstände sich auf» und gegeneinander beweg«. Dieist iu llnga« der Fall. Der Ueberganz und Durchgang, der sich iu Deutschland während eine» Jahrhur dert» vollzog« hat, ist dort in etwa zwei Jahrzehnt« vor sich xegaagm. Er war schroff und jäh. Auch dieSseit» hat e- Männer gegebm, die Mendelssohn- Libelüber» sepung verketzert Hab« (sie stammt« indeß fast inSgesammt auS Pol«), die gegm wodmre Bildung, «odeme Tracht, gegm »falsche Lock«', Stiefel am Sabbat u. dgl. geeifert Hab« — sie sind längst zur Ruhe gegangen. ES hat nach ihn« Männer gegebm, welche gegm oeutsche Predigt, Chorgesang, UuiverfitätS» studim der RabbinatS-Taudidatm geeifert Hab« — auch sie find zu dm Bäte« versammelt. Jetzt handelt esich wesentlich um Wesentliche- —. (Beirere Erörterung gehört nicht iuhiesen Brief, ich will nicht deutsche Berhältuiffe schildem.) Bei Ihne» aber, daist klar» wog« alle diese Gegensätze noch heute untereinander, leb« die Vertreter aller jmer Anschauung« »ebm einander. Der Uebergang ist schroff. Und nun ein Weitere-. Ich schreibe Ihn« öffentlich, daherauch off«. Bei Ihn« regier« noch zu sehr persönliche, klein» liche, der Religion ganz fremde Motive. Wir kenn« da» recht gut; eist bet unS, «ammtlich in dm kleiner« Gemeind«, einfv auch nicht ander» gewesm. Wa» da zwei Leute beim Bieh» oder Wollhandel, bei Prozeffm, Stmerftagm und Famllimereig» niffm mit einander »vorgehabt* hattm, da» wurde in die Synagoge hinein» und am liebst« in ihr auSgetragm Der Vorsteher».! deffm Macht nur in der Synagoge zur Geltung komm« konnte, i wollte sie dort wmigstm» üb«, feine persönlich« Freund« pro» > tegtrm, seine Feinde chikanirm, sein« »Kopf* durchsetz«. Ganz.! besonder» wollte er sich gem auf die Behördm stützen und zeig«, , wie viel er »da ob«' gelte und vermöge. Sehr menschliche Schwäch« in der That! Orthodoxie und Reform aber gab« nur Aushängeschild und Vorwand ab. Nun, ich habe so manchevon dm ungarisch« Skandalgeschichtm geles«, e» ist ganz dasselbe, wa» wir auS älterer Zeit kennen. Eine Geschichte statt vieler; sie hat ja wohl in Schütt Szerdahely gespielt. S» bestand dort ritt alter Gebrauch, dem zufolge al» p*TTK nur ein -Mi»Betitelter aufgerufm werdm sollte. Der Vorsteher will diese» Herkommm, welche-, zwar nicht heilig aber auch unschuldig ist, brech«, er kommt extta zu diesem Zwecke zum Frühgotte-» dimst (nssvn), dm er sonst gar nicht besucht, und läßt ein« Nicht»12ll aufrufea. Widersetzlichkeit, Skandal, Faustkampf. Wa» für andere Motive Unnm da vorgelegm Hab« alpersönliche» verächtliche, ayarbW Dem soll nun durch Statut« vorgebmgt werdm?. Bei bösem Will« und Rohheit — in Frack oder Schübbez — nie! Oder soll der Schulchan aruch daverhinde«? Feuilleton. Itttttit». (Fortsetzung.) Euriquez hatte bisher immer feine Zuneigung für Diego «ad die Seinigm sorgfältig geheim gehalten; er hatte sogar eine gewisse Gereizthett ihm gegenüber an dm Tag gckegt, und schützte dabei ein« alt« rererbl« Familimhaß vor, deffm Ursache in einer von ihm selbst erfmldmm Geschichte lag. Er hatte bet der Ermordung Diego» nicht versäumt, von Rmem seiner Abneigung gegm dm Berblichmm Ausdruck zu gebm; und al» iu der Alja» feria iu Gegmwatt der Inquisitor« alle Anwesend« da» tra» gische Geschick de» Ermordet« bedauert«, hatte er nur dies« Worte de« Mttleid« für Diego gesund«: »Welche» Unglück, ohne Trost durch die heilizm Saerammte gestorbm zu fein!* Indessen befand sich Juanita fortwährend im Ursulinerinnm» Kloster, und nicht» schim ihre große Unruhe und die Befürchtungen, denn sie sich nicht erwehr« konnte, zu rechtfertigen. Die Superiorin zeigte fich für sie voller Wohlwollen uud wahr» hast mütterlicher Liebe; aber Juanita hatte e» gelernt, dem äußmn Schein zu mißkau«, und die Ereignisse sollt« nur zu sehr ihre Dermuthungm bestätig«. Ungefähr vierzehn Tage «ach ihrem Eintritt bet d« Ursu» linerinum hörte Juantta, daß Fermmdo endlich vor seine Richter gefordert Word« sei, und daß der Gerichtshof ihn von der An» klage de» Morde», die gegm ihn erhob« war, freigesprochen habe. Diese Nachricht, welch« die Supertorin selbst Juantta mit» cheitte, warf zuerst wieder ein« schwach« Hoffnungsschimmer iu die von tiefem Schrierz umdüsterte Seele de» jung« Mädchen«. Femando war frei, uud sie durste ihn vielleicht bald wieder» sehm; wen» fie auch vorläufig noch nicht an diese- Glück dml« konnte, so gewährte e» ihr wenigsten» ein« groß« Trost in ihrerjetzig« Lage; fie hatte nun wieder ein« wahr« Beschützer, ein« aufrichttgm und tr« ergebenen Freund. Aber die Tage verging« und Fernando kam nicht. Juantta konnte fich diese» Zaudem nicht erklär«; und doh konnte fie Femando nicht die Schuld daran zuschretbm, denn fiekannte zu gmau die Gefühle, die er für fie im Herz« ttug. Da» junge Mädchm wandte fich deshalb an die Eupertori» und bat sie» ihr eine Unterredung mtt Femando im Sprechzimmer de- Kloster» zu gestatt«. - Bei dieser Litte nahm die Superiorin eine sehr ernste Mime an und in noch emsterem Tone antwortete fie Juantta, daß e» nicht so ohne Wettere» von ihr allein abhänge, die Einwilligung, zur Unterredung zu gebm. »Wmn Du dm jung« Man» durchaus fprechm willst,* setzte fie hinzu, »so bedarf e» dazu der Zustimmung de» Bormund«?, dm Dir da» Gericht in Deinem eigen« Interesse gegebm hat.' Diese Antwort war gerade nicht dazu geeignet, da» junge Mädchm zu bemhigm; aber fie suchte da» unsägliche Gefühl de» Schrecken», da» fich ihrer bet dm Wert« der Supertorin bemächtigt hatte, in der Tiefe ihre» Herzen» zu verbergm, und verlangte ihr« Vormund zu sprechen. Herr von Tueno kam also in'» Kloster. E» war ei« dürrer, ttockmer uud durchtriebener Mensch» dem die Pfiffigkett auf dem Gefichte lag Er behandelte da» junge Mädchen mtt einer gewiss« Herablassung di« sie «starr» machte; trotzdem setzte fie ihm ihre Wünsch« mtt möglichst« Ruhe auseinander. »Ich möchte Femando spreche»,* sagte fie. »Welch« Femando?* antwortet« Herr von Tqpw, al» ob « «och nie etwa» von einem Mensch« diese» Na««» gehött hätte.

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