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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. Seite 369

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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>)•' Am jüngst» Hofchana Nabbe fnb hier die fdtae Frier ei»tt jüdische» Birgersnblläum« statt, da» für Colberg et» um so größere» Jntereffe hatte, al» die Nestor« «ttfrxvr jüdisch» Bürger auch gleichzeitig die Gründer der hiesig« Gemeinde ge» »es«, weil bi» zum Jahre 1815 die Niederlassung von Juden in Colberg nicht gestattet «cir. Herr Lotterie-Einnehmer S. L. Meyer, «in Ehrenmann, schwor am 16. Oktober 1826 sein« Bürgereid, und so wurde er am letzt« 1"N von dm Spitz« der . städtischen BehSrdm zu dies«, Ereignisse beglückwünscht. Die Gemeinde betheiligte sich an dieser Feier durch eine Deputation von Repräsentant«, und de, Rabbiner »ahm am VV Veranlassung, den Ehren» Grei» in der Predigt vor versammelter Gemeinde zu feie«. — Herr ®. 8. Meyer hat in Anbetracht seiner vielfach« Verdienste um die Gemeinde schon vor Jahr« von derselben da» Diplom einet Ehr«-Vorsteher» und Gemeinde- Aeltest« erhalt«. — -w- Kmtze», im Oktober. (Orig.-Eorresp.) Auch in dm n«m preußischen Provinz« heg« wir Judm Hoffnung« oder fromme Wünsche — wie feil ich'» nennen? Doch da “TTD pH btntrh wird nomen ja nicht zum omen — in Bezug auf eine Amderung de» von der Regierung un» gegmüber beobachtet« Verfahr«», al» einer Frucht de» blutig« Kriege«. Ueberrafchm dürfte e» Sie, die Altpreuße«, allerdtng», wenn Sie vemehm«, dah wir, die anscheinend bester Gestellt«, — wir, der« Ge» metndeverhältniste staatlich geregelt sind, ein Rückgleitm in da» Chao», wie e» bei Ihn« herrscht, durchaus nicht al» einen Rück« stritt dem Statt» quo gegenüber bettacht«. Ja, wir achtet« d« Verlust der Bortheile und Vorzüge unserer Jnftituttonm nicht, wem, wir nur frei wird« von dm Hemmung« und Oue- «lei«, welche nicht in den Gesetz«, sonde« in der Halbheit und Lässigkeit ihrer Auöführung begründet find. Da» preußische (traditionell gewordme) Nichtachte» und wohl auch Mißachtm de« Judmthum» und der Jud« verttägt sich nun einmal nicht mtt der hannoversch« Juden-Ordnung, bringt vielmehr Widersprüche und Unzuttäglichkeitm an all« End«. Nur wenige Beispiele von unwichttgerm und auch bedmtmderm Borkommniffm dieser Art: Nicht wahr? jeder Landpfarrer ist unsem Behördm eine »Ehrwürd«'! Der Landrabbiner dagegm ist und bleibt, wie jeder Schuster, eine »Wohlgebor«'l »Der Rabbiner ist nicht Geistlicher/ Zugegeben; we-halb aber erkmnm jme Herr« dm Unterschied zwisch« Judmthum und Christmthum nur da an, wo diese Erkenntniß eine Kränkung oder mindest«» eine Geringschätzung de» erster« in sich schließt? Wie paßt diese scharfe Unterscheidung zu der Gleichstellung de» "VDD DP mit dem «ft« Weihnachtstage, mit welcher — wie mir an« BrcSlau mit* getheilt wird — der dortige lZommandant 'e» mottvirte, daß sechs > jüdische Einjährige an diesem Feste Post« steh« mußt«? — Auch die Portofreiheit für Dienstsachen wurde von den prmßischm Behördm sofort dm Landrabbine« «tzogm, und selbst die Dienst-Freimarken, welche jede» Amt, ja jeder Magistrat hat, ihnen nicht bewilligt. Vielmehr ward ihn« aufgegebm, da» verauslagte Porto dm Gemeind« zur Rechnung zu stell«! Wie aber kommen denn diese dazu, für Lehrerstreitigkeite» und ähnliche Dinge zu zahl«? In «nse« Gesetz« ist der Landrabbiner ebm Staat»beamter — die preußische Landdrostei jedoch erkennt ihn nur al» Gemeindebeamten an und fordert dennoch dieselbm Dimstleistungm von ihm, die nur von einem StaatSbeamtm ohne Anstoß und ohne Emiedrigung geleistet werdm könnm. Auch nach anderer Sette hin zeig« sich die Widersprüche, in welche die Halbheit unsere Behördm verstrickt. Al» der verstorbme Landrabbtner von Ostfrie-land sich für etgme Kost« ein« Adjunctm »ahm, wnrde die hiesige Gr» m ein de zu einer Abstimmung in Pleno veranlaßt, ob der ihr — beiläufig gesagt — fast noch ganz unbekannte Mau» tapb romo sei. Nach dem Zeit desselben Landrabbin« aber stellt die Landdrostei zu Aurich ohne Befragen, ja wider Will« der Ge- «eind« dm Oberlehrer der Gemeinde Aurich, vr. Kroner, al» Rabbiuat-verweser an und decretttt ihm 300 Thlr. Gehalt au» dem Gemeindescckel! — Auch die Frage über die Besetzung der erledigt« Landrabbinate wird durch die rein formale Beibehaltung unserer Gesetz« aä ealeuäas graecai vertagt. Die Landdrosteim Hab« zwar die resp. Hauptgemeindm zur Ausstellung der Candidatmlisten aufgefordert. Damit glauben sie ihre Pflicht nun ganz und voll gethan und abgethan zu haben. Die bettef» fmdm Vorstände aber vermein«, daß e» damit, da »die Hannoversche Judm-Grsetzgebung d« iavto eigentlich nicht mehr besteht', gar keine Eile habe, ja daß ein solche» Borgehm wohl gar nicht mehr gesetzlich gebot« sei. — Ich mag nicht in Detaü» eiugehm, sonst ließ« sich die Prob« in» Unendliche häuf«. Sie werd« e» wohl schon begreiflich find«, dah wir müde sind» un» hmte sttetcheln und morgm prügeln zu laff«, und daß nur in einer confequmt« Nichtbeachtung von Settm der Regierung dm Beginn de» wahr« Selfgovemements und folglich einen Fort* schritt gegmüber dem jetzigen Zwitterzustande mit Freud« begrüß« würdm. Im Jnnem unserer Judmheit steht e» ebmfall« nicht allzu ttöstlich au». Jüdische» Wiff«?—?— Jüdische» Leb«? Auch damtt geht'» stark bcrgabwärt». Al» Symptom betrachte ich z. B. die Ungmirtheit, mit der (nach dem Ablebm de» Laad* rabbinm) ein ehemal. Lehrer in Dornum sich durch ein« Unberufmen mtt einer kinderlos« Wittwe ohne vorhergehmde Bollziehung der rorbn trauen ließ, obfchon ihm da» Ungesetzliche eine» solch« Borgeh«» bekannt war! Sie klagen über die Ihn« aufgezwungme Civilehe — hier, bei un», hat die jüdische Trauung noch staatliche Geltung. Da heißt'S also wieder: Hic Rhodas, hie salta! Wird der vorliegende Fall polizeilich al» »wilde Ehe' behandelt werden? Um mit etwa» Ertteulichem zu schließen, laff« Sie mich de» mannhaft« Auftret«» eine» hiesig« jüdisch« Arztes» de» vr. Nord«, gegmüber dem widrig« Gebahrm christlicher Hyperorthodoxie ehrmd gedmkm. Im hiesig« städttschm Krankenhause, deffm Arzt vr. N. ist, werdm zur Zeit auch verwundete gepflegt. Da hat nun ei» Pastor loci im Verein mit dm Diakonisfinn« ftomme Bücher besorgt — Lesfing ward einer freundlich« Geberin al» ungeeignet mtt Protest zurückgesandt — und fleißig fing« und bet« last«. Da» itt noch allmfall» zu versteh«. Aber »dm gut« und dm schlecht« Thatm soll Lohn und Sttafe nicht mtrathm' meinte der Herr Pastor, und so erhielten die eifrig Singenden und Betenden gute, die An* der« schlechtere Kost und Bewirthungl Solchem Unwes« hat vr. N. gründlich gestmert, indem er mit acht ostfriesischer Offenhett dm Her« Pastor au» dem Krankmhause hinau»comp!immtirte. Hoffmtlich für immer! -e- Kä«igs)erg, 81. Oktober. (Orig^Correfp.) Da» hiesige iSraelüifche Waismhau», unter der Zahl der jüdisch« Waisenhäuser Deutschlands vielleicht da» jüngste — e» wurde 1862 ge-. gründet — dürfte nichtsdestoweniger bald in der Lage sein, in die Reihe der größer«, bestfundirt« Anstalten dieser Art einzutreten. Ursprünglich auf ein nicht sehr beträchtliche- Legat al» GründunzScapital anzewiefm, besitzt die Anstalt gezmwärtig bereit» ein eigmeS Grundstück und ein Vermögen von circa 17,000Thl«., währmd die fteiwilligen JahrrSbeittäge die Summe von lOOVTHlr«. erreich«. Hiedurch ist e» möglich gewordm, die Zahl der Zöglinge allmählig auf zwölf zu erhöh«, die unter der Leitung eine» Hausvater» sorgfälttge Pflege und Erziehung genieß«, währmd sie ihre Au-biltung in d« hiesig« Sffmt. ltch« Schul« erhalt«. Die Erziehung ist selbstverständlich die einer religiösm jüdisch« Famüte. Dagegm war e» bi» hmte nicht möglich gewesen, die Wohlthatm der Anstatt auch auf weiblich« Waism auözudehnm,

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