Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
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M7 Mw* Hamburg «. s.». Mf jüdisch« Gtzwuasiast» längst «tcht halb so *id Hebrätsch bam, dl die Eongreßstatutm verschreiben. (*m Mit) . (Das uns foebm zugeheude »traditionelle Judenthum' vom 28. Oktober kommt noch einmal auf unsere Bemerkung über Religionsfreiheit in Ungar» (in Nr. 41—42 d. Bl.) zurück. Die Sach« liegt nunmehr einfach so: Wir behaupte», die Art von Religionsfreiheit, welche die Orthodoxe» in Ungarn anstreben, fei «in bedenkliches Experiment. Das ,1rad. Jud.' behauptet, wir «üffen den versuch wagen, und er wird gelingen. Darüber kan» nun nm die Zukunft entscheiden, und da wir gewiß ins» gesammt wünschen, daß das Judmthum in Ungarn uud in allen -ändern auder kritischen Periode der Gegenwart »»geschädigt, «eugestärft, hervorgehen möge, so wäre ein weiteres Streiten offenbar unnütz. Wir weise« schließlich nur den olroulu, ritioin» zurück, der uns vorzeworfen wird. Wir haben gesagt, Religionsfreiheit sei nur da unbedenklich, wo das Volk im politische« Lebe« sich bereits an Seifgovernmert gewöhnt habe. Das heißt also doch nicht: nicht eher in« Wasser gehen, bis man schwimmen kann?!) Per Zel-gottesdieuft am Versöhnungstage im Lager vor Metz. (Schlnd.) Niemand, der die Gemüih-verfaffung der israeltt. Soldaten i« Krieg« au« eigener Erfahrung kennen gelernt, wird die Dringlichkeit der Anstellung von jüdischen Feldgeistlichen bestreiten können. Es fehlt fteilich nicht an solchen, deren religiöser In« differentismus oder gar Scher«, sich als Jude öffentlich zu bekunde», selbst von dem Erust« des Krieges »tcht überwunden ist; allein diese bilden eine verschwindende Minderzahl, di« große Mehrzahl der isr. Soldaten ist voller Sehnsucht «ach religtöser jut Seit« gewesen. Einen Augenblick hatte st« die kalte und thelluahmlose Gestalt des Mönches Enriquez wohl bemerkt; der Domtntkaner hatte ihr ein fast unmerkltches Zeichen gegeben: er hatte verstohlen einen Finger auf den Mund gelegt, dann war er verschwunden. Aber wodurch vermochte er ihr in der Lage, in der sie sich befand, z» helfen k Sr hatte kein« Ahnung davon, was sie zu erwarten hatte, welche Gefahr,;» sie bedrohte«, und was au« ihr «erdeu mußte. Uebrtgens hatte sie «it der Inquisition nicht« zu schaffen, «ud nur i» diesem Fall« hatte sie auf eine Hülfe seinerseits rechnen können. Enriquez war der Entwickelung dieses trüben und blutigen Dramas, da» mit dem Duell zwischen Alonzo uud Fernando seinen Anfang genommen und vorläufig in der Ermordung Diegos sein Ende gefunden hatte, mit wachsender Aufmerksamkeit gefolgt. Er suchte dieses Thaos, an dem sich sei« Scharfsinn oft vergeblich abmühte, mit aller Macht zu durchschauen; aber trotz einiger dunkel gebliebenen Punkte ahnte der Mönch nichts von der großen und sogm doppelte« Gefahr, die über dem Haupte der Tochter seines unglücklichen Freundes schwebte. Et» Umstand hatte ihn namentlich sehr überrascht. Für ihn waren dt« Absicht« des Grafen von Ramira schon lange kein Geheimuiß mehr. In den geheimen Unterredungen mit Diego hatte er von dem Hetrathsanerbieten des Grafen und von dem abschlägigen Bescheid«, der ihm zu Thell geworden war, Kenntntß erhalte». Der Graf hatte dt« Meuchelmörder des arme» Freundes gemiethet, daran zweifelt, Enriquez nicht; die Ernennung Tuenos, dessen Beziehung« zu Ramira n genau kannte, zum Vormund Juanttas »nt der Eintritt der letzteren 1» das Ursnüneriunen-Kloster befestigte» ihn 1» seiner Ansicht. Sticht» war klarer als das. Der beinahe völlig ruiuirt« Graf ttachtete Einwirkung; sie besitze» Gebetbüch«, Zizis »ud Tephili», Und diejenige», welch« solcher ermangeln» äußer» «in bkennendes Verlang m nach denselben. Der religiöse Ginn und das Bedürfuiß nach richtiger Leitung ist unbedingt i» großer Tief« verbanden. Die nicht zu leugnende Schwierigkett, welch« in de« Umstand« liegt, daß di« isr. Soldaten in den Regimentern zerstreut find, spricht nüht für di« Uumögltchkett, vielmehr für die noch größere Nothweubigkeit der fixe» Abstellung von jüdischen Feldgeistliche». Das Bedürfniß sowohl als auch die Möglichkett einer geistliche» Thätigkett in der Armee beweist meine von Gr. Excelleuz dem General v. Manteuffel dankbar angenommene Sendung und HA AuSführuag derselben, wenn sie auch nur auf einen Thril HH Soldaten sich erstrecken konnte. Daß es mtt nicht gelungen Di sämmtliche in der Belagerungsarmee vor Metz zerstreuM Israeliten zu einem gemeinschaftlichen Gottesdieuste zu vereinen, lag wesentlich nur in der Spannung deS Augenblicks, wo fortwährend Gefechte bevorstanden, weshalb auch unvorhergesehen» Dislokationen vorgenommen werden mußte»; Umstände, die selbst auf dem Kriegsschauplatz« nicht die Regel bilden. Aber die Zerstreuung der isr. Soldaten in dem 12 Meilen umfassenden Lager vor Metz war allerdings für mich ein mächtige» Hinderniß, aber auch nur für mich, weil ich für unfern Zweck völlig unvorbereitete Verhältnisse vorgesunde», da bei meiner Ankunft in St. Barbe und Olgy selbst die Zahl der vorhandenen jüdische« Soldaten erst zu ermitteln gewesen. Ein im Lager fest angestellter tsrael. Feldgeistlicher würde mtt Leichtigkeit in der Lage sein, die Verhältnisse sich zeittg zurechtzulegen und tu verschieden« Zeiten mtt verschiedenen Abtheilungen an verschiedenen Orten gottesdienstliche Versammlungen zu veranstalten. Im Uebrigen besteht ja die Wirksamkeit de» Feldgeistlichen nicht ledigltch in der Abhaltung von gemeinschaftlichen Gottesdiensten, sondern vorzüglich auch 1» der Einwttkung auf den Einzelne« durch ersprießliche Zusprache »ach Juantta» vermögen und suchte sich desselben zu bemächtige». Aber die Inquisition gelüstete ebenfalls nach denselben Gütern. Warum hatte sich also das heilige Officium, dessen Macht un-' geheuer groß und dessm Hand überall im Spie!« war, sich nicht in die Angelegenheit gemischt? Warum hatte es ruhig ge» schehm lassm, daß der Freund des Grafm von Ramira Herr über das vermögen und die Zukunft Juanitas wurde, obgleich diese beiden Männer seine erbittertstm Feinde warm und obgleich das heilige Officium selber diese einttäzltchm vesitzungm verlangte? Die Inquisition handelte aber niemals ohne feste Beweggründe; der Mönch nahm eine solche Stellung ei», daß er das gmau wiffm mußte. Es mußte demnach einen gutm Grund habm, weshalb sie in dieser Angelegmheit eine solche neuttale Stellung einnahm; uud der klare verstand des Mönche» kam bald auf die richtige Spur. Wmn man Zuanitas vermögen habe» wollte, mußte man sie vernichten, der Ketzerei anklagm und verurtheüm lassen; und wenn die Inquisition diese Güter, das Ziel der eigen« langjährig« Wünsche, ungestört in dm Händen des Graf« von Ramira ließ, so war der Grund nnr der, daß sie ihn selber mtt in dm Abgrund stürz« wollte, de» er unter dm Füßm des unglücklichen jung« Mädchens eröffnet«. Das war für Enriquez di« »tnzige befriedigmde Erklärung über das absonderliche Gebühren der Jnqutfitoren; je mehr er darüber nachdachte, desto mehr erschim sie ihm gerechtfertigt; »nd in der Ueiierzeugung, daß Juantta sicherlich seiner Hülfe bedürsm werde, arbeitete er fleißiger an dm Vorbereitung« zu seiner eigen« Flucht, an die er, wie wtt wissen, schon lange dacht«; und bet der er zugleich seine Schutzbefohlene rett« wollt«. Dettletz», sckgt.)