Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- Seite 366 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935227--0481-5370187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
366 § 2. Jeder Jude muß sich strmg »ach dem Gchulcha» aruch richte»! — Aber ich schweife ab, ich wollt« nicht über die Covgreß. statutea und die beiden Gutachtmhefte rede», sonder» die ungarischen Wirren vom deutsch, jüdische» Gesichtspunkte beleuchten. Die bei Ihn« einander bekämpfend« Partei« Hab« wir in D«tschland auch, m Streitigkeit« fehlt eS nicht, der Ruf nach Trennung der Gemeind« ist auch bei und laut geworden, und sie ist an einig« Ort« bereits vollzog«; trotzdem kenn« wir solche Kämpfe nicht, und die Waffm, welch« hier gebraucht Mrdm, find nicht so mttraill«s«. oder kartätschmühlmhast, ^M bei Ihnen- Und dazu kommt noch, daß (so viel ich irgend ^M) di« Neologte, welche bei Ihne« die Erbitterung der ^^«odoxm erregt, laugst nicht so wett geht wie bei unS. Eia r Marischer .Laie' ist hier zu Lande noch ein ziemlich gelehtter Wann (Lamdan), und ein ungarischer .Neoloze' (Poschea) — i» groß« Durchschnitt meine ich — wäre bei «uS noch et» .Mommer'. Nehmen wtt als Beispiel die CultuSreform, welche ckD schließlich überall zuerst die Geister aufeinaaderplatz« macht. Ich habe dem GotteSdtmst im Pester .CultuStempel' beigewohnt. Da ist allerdings eine Orgel; bei dem wohlbesetzt«, wohlgeschult«, trefflich« Chor höchst überflüssig, aber auch w«iz ficka bemerklich machend; da find einige Gebete (für d« Reg«. t<Mu. s. w.) in ungarischer Sprache, von den« aug«sch«inltch dreMehrzahl der Anvesmd« nicht mehr verstand, als ich; da» für find manche Piutim abgeschasst, von den« die große Meng« auch nie mehr verstand« hat, als von dm magyarisch« Gebet«. Au dm r6en "yv Kern der Gebete, an die Fassung (9333) derselb.» ist nicht gerühtt worden. E« ist also — abgesehm von der Orgel — dasselbe, wa« der sei. I>r. Sach» in Berlin eingerichtet hatte. Man hat allerdings auch ihn s. Z. deshalb augegrisfm; er hat damal« einem Freund« di« neu« Cultutordnung. M l , : J.i V. gezeigt, und al» dieser alle« höchst «verfänglich fand, schmerzlich bewegt au«gerufm: .ja, und dar»« Mäh» und Mörder!' Aber »te wird sei» fllndmk« jetzt -segnet j«d gefeiert,*) wie wattg' würde irgend jemand t» Berlin an Trennung beatm, toern «an bei Sach«' Reform« steh« geblieb« und wen» da« Rabbinat in seine« Geiste wieder besetzt Word« wäre. Woran liegt e« also, daß bet 3ha« schon da« »Bild der Mögltchkett' so gewaltig« Stnrm erregt? Die Congreßstatut«. sagt man, bergm Hintetthürm und Fallen, da« »strmg auf dem Bodm der mosaisch-rabbinischm Lehre Steh«' ist nicht ernst gemeint, die zu gründende Rabbinerschule wttd Neologm bild«, da» Schiedsgericht wttd au» Neologm bestehen» «an wttd alle möglich« und unmöglich« Reform« per m^Jora beschließ« und un» aufnöthigm u. s. w. Woher dm« diese« Verdächttgm der Absicht«, diese« nomt Und wenn wtt nun ein« Blick auf die da» Schulwes» betreffmd« Bestimmung« de« Congreßstatut« werfm, so muss« wtt gesteh«, daß jeder Rabbiner in Deutschland, die orthodoxe» st« nicht au«genomm«, sich glücklich preis« würde, wenn er in seiner Gemeinde dm Unterricht im Hebräisch« so weit bring« könnte, wie er dott für Elemmtar» und höhere Schul« al« .Minimum' vorgeschrieben ist. Gleicht dieser eine Umstand nicht viele» au»? Ist der religiöse Unterricht der Jugend nicht da« Wefmtlichfte, beruht auf ihm nicht die Zukunft? <U ist zwar in dem Gutachten der Herr« Ettltnger, Sie« «. a. gesagt, daß da« von dem Congreßstatut bestimntte Maaß de« Hebräisch« durchaus nicht genüge; wtt aber find pofifiv überzmgt, daß in •) M »acht Md freilich einen seltsam« Lindruch wen» man sich erinnert» mit weiche» Hahn srliher der ^Jeschnrun" tider vr. Vach« ße» sprach« hatl Feuilleton. 3 u « n i t 0. (Fortsetzung.) Bier Männer mtt einem Leichnam auf dm Schulte« kam« auf dtt halbgeöffnete Thür zu; ttotz de« Blute« und Schlamme«, mtt dem die Kleider de« Ermordet« bedeckt war«, erkannte ihn Juanita genau wieder: e» warm dtt Kleider ihre» Vater». Sie wankte und mußte sich an dtt Wand lehn«, um nicht hinter» rück» zu fall«. Ein« Augmblick suchte ste d« ungeheure» Schmerz, der sie erfaßt hatte, zu überwind«; durch die Größe ihre» Unglücke« wurde ihr Muth gestählt, und in ihr« Augm blitzte eine finstere Entschlossenheit. Aber al» sie anstatt der lttbm edlm Gestalt de« so zättlich geliebt« Bater», statt de« Antlitze«, in dem sich so viel Lttbe, Hingebung und Seelengröße vereinigt«, dtt unförmliche Maffe blutiger Fleischreste erblickte, schwand« dem arm« Mädchm di« ebm »och so stark« Sinne; ihr Bus« hob sich mühsam, glühende Thränm perlt« auf ihr« Wangen; sie stieß ein« durchdringenden Schrei au» und sank ohnmächtig neben der Leiche nieder. » » » Während man sich in Saragossa nur mtt dem ttagisch« End« de« unglücklichen Diego beschäftigte, «erfolgte der Graf von Ramira lebhaft dtt Au«füh«ng seine« Plane«, an dessen voll, ständigem Geling« er nun nicht «ehr zweifelte. In der Thal stand Juanita jetzt allein da: ihr Later war todt, wtt «an allgemein überzmgt war; Feraando saß im Gefängniß, man konnte da« junge Mädchm nicht sich selbst Überlaffe», und da« Gericht mußte für sie nothwmdiger Weife eia« Vormund wähl«, der dm Auftrag hatte über fie zu »ach« und ihr« Güter zu ver. waltm. Der Graf hatte die« Amt nicht für sich selbst verlangl, , au» Furcht, sein« Plan mtt eigmer Hand zu zerstör«, indem er stch selbst zu sehr Pret« gab; er hätte sogar riökirt, die ver» aatwortlichkett für dm an Juanita» Vater begangen« Mmchel. mord aüf sich zu lad«. Aber Ramtta hatte in Saragoffa viele mächttg« Freund«. Al» glühmder Verteidiger der »Fuero»' und Privittgim der aragonischm Gerichtshöfe wußte er, daß er bet gewiss« Gelegmheitm auf die Gefälligkeit der Richter rech, nm konnte, und so gelang e« ihm ohne Schwierigkeit durchzu» j fetze», daß einer seiner intimst« Freunde, Tueno, eia Abgeord« neter Aragonim«, zum Vormund Juanita« «mannt wmde, ohne , daß er stch off« in die Sache zu misch« brauchte. Al« Feind! der Inquisition und al« erbitterter Gegner der Abstchtm de« König» und de» Helligen Officium«, war Tumo dem Graf« > durchaus ergebm und handelte nm nach deffm Will«. Die | erste Sorge de« nm ernannt« Vormunde« war et also, da«! junge Mädchm im Ursulinerinnenkloster unterzubrtngen, dessen Superiortn, wie bereit» erwähnt, die Schwester de« Graf« war. Ja dm erst« Tag« ihre» Gchmerze» war die arme Jua» ntta unempfindlich geg« Alle», tief erschüttert von so hart« Gchtcksallschlägen, und hatte daher Alle» mtt stch mach« lass«, oh« ihr« Will« zu äußern. In ihrer stumm« Niedergeschlagmhett fühlte fie sich durch die lttbevoll« Sorgfalt, dtt die Su> periorin de» Ursulinerin»«»Kloster» für fie an dm Tag legt», wunderbar erleichtett und getröstet, Aber al» der Schmerz »ach und »ach mllder wurde, all ihre Trauer allmählig einer ruhig« Ueberleguug wich, fing fie an über dtt Lage nachzudmkm, in welch« fie durch diese trüb« Ereignisse versetzt war. Nammüich wurde da» arme Kind durch dtt Abgeschlossenheit, in der sie sich sah, auf» ttefste beängstigt. In ihrer Etnsamkett und unter all« dm schmerzlich« Sin» drück«, dtt auf fie ein stürmt«, wm ihr kein ttnztger Frmnd