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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-11-09 · 45 (9.11.1870) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ni 4L. -1870. t.Achrga«g. Wochen-Zchrift für die religiöse« ««d sociale« Z«teresse« des J«de«th»ms. -»scheint leben Mittwoch. Preis vierteljährlich 20 Vilbergivschen. -nserttanaGeSiihr ffa Hc dreispaltige Petitgeile oder derer Nan» Verantwortlicher RMkn nnb H«an»geb« Rabbiner Dr. JU fymuitfet* in Stettin. Breslau, 9. November 1870. Z» beziehen durch alle vnchhandlnnge» und Pvstanstalten. -»chralen-chnrahnre 1« der Schletter'sche» vnchhandlnng (H. Slntsch in Brei lau. Inhal«. Leitende Artikel: Die nngartschen Wirren. Der Feldgottegdienft a» verslhnnngatage vor Metz. (Gchlnh.) gnanita. Berichte nutz Tarrespanbenzen: Dentschland: vreslrn. «vlberg. ««den. Königsberg. Königsberg. Oesterreich; Wien. Znaim. Werwtfchte nnd neneche Nachrichten: Breslan. Hannover. Wien. Wien. Prag. Galizien. Ferrara. Holland. Liter«tnrdreicht. Waranzen»Liste, ^sustevate. Die «ugarischey Wirre«. (Brief an eine» Lorrespondenten.) Sie rufe» mir zu, daß ich doch endlich einmal von dem Hchauplatze de« blnttge» Kriege« «eg den Blick aus die Stätte Ihrer Reltgtonökämpfe »enden solle. Sie werfen mir vor, oder lassen e« wenigst«« durchbltöen, daß ich in dem ungarisch« Streite etue eigmthtmltche, der Mtßd«tu»g »»«gesetzte Neutralität d«bacht« zu «oll« scheine, eine Art englischer tzteutralttät, fit alle Gemeinde»Einrichtung« maßgebend sein und bleib« *fc« «ch erst dtt ßkoagüßflutttt »«ff« zugeführe h-b»» «ß«, «de, »iM «lstWfprech«, sa-httwn ^e^egeenda« Statut mm die >nticongreßpartet begütig« zu woll« scheine. Solch« Vorwurf, solche« OTTO' muß ich freilich fem zu halt« trachtm und meine etgme Ansicht «m-fpreche». Ob ich damit mtschied« genug in die Lctton trete, ob ich e» nicht mtt beidm Partei« verderbe und alle vor d« Kopf stobest Wir werdm fehm. Um wa« handelt e« sich d«n eigmtlich drüben? Um »Tongreßstatut' oder »autonome« OrgantfationSstatut'? Nein! Da« find nur die beiderseitig« Fahnm; tu der That streitet «au um diese ebensowenig, wie man im deutsch-französisch« Kriege um Schwarzweißroth und Blauwetßroth kämpft. ES war die« auch der Grund, der mich verhindert hat meinersett« ein Gutachten über die Eongreßstatutm abzugebm, und ei war dasselbe bei einigen »einer Freunde der Fall. (Daß ich dazu noch ein persönliche«, auf Pietät und Jor. D. 242, 2 begründete« Motiv hatte, wissm Sie bereit«.) Hab« doch fast Alle, welche Gutachtm für die C.-Stat. abgegebm haben» damtt begann«, daß sie eigmtlich gar nicht wüßten, wa« man mtt der Anfrage wolle, und wie sie die Sache aagreifm sollt«. Und wa« sagen die Andern, welche gegen die C.-St. gefchrteb« Hab«? Sag« sie wirklich, daß diese »neue reltgionögefährliche Lehr« enthalten.' und daß diejenig«, welche sie an- »ehmm, »damtt al« au« dem bestehend« Judmthume auözettetm zu betracht« sind'? Sie dmkm nicht daran! Sie sag« erst«», daß manche Paragraph« nicht» tauge«. Da« räumt am Ende wohl jeder et»; von dm Verfassern der Gutachtm für die C.-S1. Hab« mehrere t« entschiede» betont; ein Mmschmwerk entgeht dem Tadel nie. Sie sag« zwettm«: mehrere Paragraph« find gefährlich, e« kann vermittelst derselben die Majorität die Minorität unterdrück«, chikantn», Gewissenszwang üben. Also die E.-S1. gleich« einem Messer, mau kann damtt schneid«! Sind Heu» die »ugarsschm Judm Kinder, den« mau kein Messer in die Hand geben darf? »Wa« Messer!' sag« die Andern, Mt» Schwert geben wir ihn« in die Hand, uns zu tödtm." »UnDW Wen denn? Die Gutachtm red« immer nur von der orthodoxen Minorttät, die von der ueologen Majorttät unterdrückt »erd« könne und mtt Hülfe der Statut« e» werden solle. Wenn aber nun der umgekehtte Fall »vrläze? — Die H sagen inigesammt, e« fehle eia Haupt« und Grundparagraph, welcher besag« solle, daß die Vorschrift« de« Dchulchaa aruchv wesentlich nicht« etnzuweud«. Da» ist ehrlich gesproch«! So spricht z. B. Herr vr. Adler iu London e« kurz und bündig aut; nicht wie etwa sein Nam««vetter in Aschaffmburg, der dabei große Phras« von »8iberali«mu«' macht.") Wie reimt sich denn auch da» zusammm? Wer da behaupte», der Schulchan arvch stelle e« jedem in einem Otte wohnenden Juden frei, sich von der Gemeinde zu traut« oder ihr nicht beizurretm, an dm Last« der Gemeinde mttzuttagm, zu dm Synagogen-, Schul- und Rttuöbedürfnissm betzustmem oder nicht, wer da in einem Athem von Schnlchan aruch und ReligionSftciheit (im moderne» Sinne) redet, der lügt! lügt—oder er müßte denn dm Schulchan aruch nicht kenn«, nicht lesm könnm, dann rede er aber nicht mtt. Oder bedeutet Religionsfreiheit etwa: »ich darf nicht angehaltm werdm, zu einer Institution zu bezahl«, mit der ich nicht vollständig einverstaadm bin, finde e« aber ganz in der Ordnung, daß andere Judm gezwungm «erd«, meine religiös« Bedürfnisse mtt zu bestrettm'? Der Schulchan aruch kennt wahrlich solch« Unsinn, solche Widersprüche nicht; er sagt: jeder, auch der Kinderlose, muß zur Erhaltung der OrtSschule beittag« (und so bestimm« e» ja auch alle deutsch« Gesetzgebung«), jeder muß zur Erbauung und Erhattung der Synagoge, zur Besoldung der Fuuctlouäre «. f. w. u. s. w. beistmem; er sagt: »vom 1. Aw an darf nicht geschlachtet werdm' — daß diejenig«, welche sonach wider Will« die »neu« Tage' halt« müffm, über Gewissenszwang klag« könnten, fällt dem Schulchan aruch gar nicht odr. Da» Programm der Schulchan-aruch. Religionsfreiheit«-Phrüfmdrescher aber lautet: §. 1. Jeder Jude darf durchweg uach seiner Ansicht und frei« Uebe^euguug Handel»; *) Derselbe Herr perhorrescirt auch ganz und Gar den Knfbntf ^«saisch > rabbinisch". Ob er «nse«enter»etse auch nicht »ehr bei Drwmn-en Sdergl. den Snibnuf bunv rwo rro Gebraucht nnb statt dessen own rro st, wissen wir nicht.

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