Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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S61 HÄrätsch« Gebet« beibehalt« «üff«, so war «» hier in Krankreich a« Jo« Kipp« der Fall. — I» Seda», einer Stadt von 15—20,000 Einwohner», hauptsächlich Lnchfabrikarrten, «ohne» nicht viele Jude» und habe» dieselben nur einen größer« Raum, der al» Synagoge dient, in eine« Hauser ob Eigenthm» der Gemeind« oder von derselb« gepachtet, weiß ich nicht. Durch eine Barriere ist die Mäuuerfyuagoge von der der Frau« getrennt, welche aber nicht wie bei un« am m »nb 3"» weiß« Kleider auleg« Bon d« Männe« halt« nur wenige ein Sargenet an. Im llebrigen wurde der Gottesdienst ganz wie bei uuS abgehalt«, nur daß der Chasan mitunter eiuige andere Nigunim saug. Interessant war et aber mit anzusehm, al», wa» in Sedan noch der Fall ist, die Wizwot verkauft wurdm. Wir ftugm an, ob wir, pr«ßische «ad bayerische jüdische Soldat«, mitbietm dürften, wat bereitwillig zugesagt wurde. Die Mizwo» erreichten hohe Preise, bi» 2V Franc», und ich habe mir Hastora für 25 Franc» ersteigert und noch für 20 Franc» Mischebeirach mach« lass«. Und mit welcher Kraft habe ich die Hastora gesagt — mit Schofar-Stimme. — Nach Musaph wurde eine Stunde Pause gemacht. Angenehm war e», wie ich Abend» von sechs Gemeindemitgliedern zu Tische gebeten wurde; ich ging mit Her« Bernard» der au» Pol« nach Frankreich vor einer Reihe von Jahren gekommm ist und hier Aufseher über die Schlächterei ist, bei dem ich auch 2PV gegessen hatte, zum Abendbrot. Ueberhaupt hat Herr Bernard sich sehr nett gegm die jüdisch« Preußen gezeigt; so hat er über ,Y~) drei Soldat« beköstigt, und al» ich gegm 1U vor 6 Uhr hin kam, warm drei jüdische Soldatm auch wieder dort zu Tische. Ebmso am Schlußabmd. Ebmso ist zu erwähnm der Pame» von Sedan, Herr Salomon, der am in seinem Hause Minjan mach« »ad al» Borbeter ein« unserer (Soldaten fungirm ließ.' Herr Salomon hatte mich auch zu Tisch gebet«, ich konnte aber Herrn Bernard nicht absagm und werde bei meiner Wiederherkunft mein« Fehler durch ein« Besuch gut zu mach« such«. — Die Sttmmung der Juden überhaupt ist sehr patriotisch. Sie sag«: Nom Tontonf payer beanconp, beanconp, trös beanconp; mai* c4der Alsace et Lorraine — jamais — jamaie! Ich glaube, e» geht dmselbm aber mit ihrem jamais wie Rouher mit seinem jamais in Betteff Rom'». — Im Lazareth zu Douchery war ein jüdischer Vice-Wachtmeister, Silberstein, gestorbm, für welch« Herr Bemard schon alle» auf dem GotteSacker bereit gemacht hatte, al» der Bater deffelbm eiuttas «ad die Leich« mit sich nahm. Bon Straßburg lesm wir in einem jüdischm Blatte, daß di« dortige Synagoge bei dem Bourbardemmt sehr gelittm habe; wir habm nach dem Berichte eine» Augenzeugm, welcher am Suckoth dort dem GotteSdimft beigewohnt hat, berichtet, daß die Beschädigungm uabedeutmd seien. Dagezm schreibt der dortige Rabbiner, Herr Aron, in einem vom , Israel it' mitgetheiltm Briefe: „Leider haben die Israelit« Sttaßburg» in hoher Proportion die Leidm der Belagerung materiell und geistig gefühlt; eine große Zahl sonst vermöglicher Leute ist an dm Bettelstab getrieben. Mehrere Familimhäupter find umgekommm, besonder» viele vor einig« Wochm erst verheirathete habm ihre Wittwm und viele Andere noch 3 bi» 5 Waismkiuder zurückgelaffm. Ja dm erst« Tag« de» Bombardement» floss« die Unterstützung« der Reich« reichlich, aoer Gotte» unergründlicher Rathschluß ließ ein« groß« Theil derselb« unsere Stadt verlass« und bet d« Ander« BOn;o nor» rbo. Die Unterstützungen, welch« uv» bi» jetzt von einig« unserer auswärtig« Glaubmögmoss« zugekomm« find, bestand« in baarem Gelde, den» an Lebensmitteln und KleiduugSstückm war kein Mangel hier und d« Arm« ist auch mit Geldekgab« am Best« geholfen.' Wir stimmen» in Rücksicht ans diese Angabe», der Ausforderung de» Her« vr. Lehman« und unsere» geehrt« Freunde» in Hamburg (f. uni« Corresp.) bei, und bittm Anterstitznnge» für die Inden in Straßdnrg (dm« sich gewiß bald die in Metz al» ebensall» hilfsbedürftig hinprgefell« «erd«) zu sammeln und an Arnonld Aron, Grand Rabbi» in Sttaßburg, zu send«, sind auch unsererseits bereit, Beittäge entgegmznaehmm und zu veröffentlichen. womit untm ein kleiner Anfang für hmte. Englische Blätter, zumal die »Time»', bericht« über eine Rede, welch« Crömieux nmlich in Tour» gehaltm, in der er zur Versöhnlichkeit und zum Zusammmgeh« der Republikaner mtt dm Imperialisten und Legittmistm gemahnt hat. „Time»' setzt hinzu: „Solche praktisch« Lebensweisheit ist eine Perle, welche nicht in einer Woche, nicht in einem Monat gesund« wird und leider keine hervorragmde Eigmschast de» stanzöfischm Charakter» zu sein scheint-Crömieux soll seine Zuhörer nicht überzeugt habm, aber seine Gründe werdm unbefangmm Beobachte« ttesstich erscheinen.' „Daily Telegraph' sagt: „Der Pattiottsmu» diese» Staatsmannes sttmmt trefflich zu dem erleuchteten Liberalismus seiner Ansichten. Die republikanische Versammlung drang stürmisch auf Absetzung aller Ex-Imperialist«, der Juftizminister Crömieux ttotzte dem Strom der BolkSmeinung -er scheint seinen LandSleutm und sein« College« in erleuchteter Toleranz voraus zu sein.' — Wir habm ix deutsch« Zeitungen über dies« Zwischmfall nicht» gelesm; wir registtttm ihn hier — wir haben un» am Ende doch unsere» GlaubmSgmoffm nicht zu schämen. Berichte und Correspondenzm. Deutschland. Stettin» 26. Oktober. Unsere Leser werdm un» da» Zeuguiß nicht versag«, daß wir die „Wochmschrift' noch nie dazu gebraucht habm, um über unsere Person, amtliche Thätigkeit u.s.w. Berichte zu veröffmttichm. Ein hämischer Attikel „ans Stettin' in der letztm Nr. de» „JSraeltt' nöthigt un» jedoch von hier zu berichtm, e» gilt nicht unsere Person, pudern die Gemeinde. Von allem gehässig« Beiwerk einer-, von jeder persönlich« Entgegnung andrerseits absehend, erzähl« wir nur kurz, wa» zur Sache gehört. Die hiesige Garnison, welche jetzt au» meist au» der Provinz Pos« recruttttm Ersatzbataillon« besteht, zählte schon im August über 60. seit dem September aber eine immer steigende Zahl von jüdischm-Soldaten, jetzt etwa 180. In früher« Zeit« halt« wtt der« hier 15—20 durchschnittlich, großentheil» einheimische oder so fituirt, daß sie keinerlei Unterstützung bezehrtm.. Die wmizm, welche fteim Koscherttsch verlangt«, erhieltm ihn H^eitwilligst in einzelnm Familim; e» bedurfte dazu keiner besonderen Veranstaltungen. Seit Ende August sind Beittäge gesammelt wordm und erhalt« 50—60 Soldatm, fast sämmtlich Familienväter, ganz freien MittazStisch, andere, Unverhettathete, angemeffme Geld-Unterstützung al» Tisch-Zuschuß, je von 10 zu 10 Tagen. Daß dazu bedeutende Summm verwmdet wordm Md, wird jeder berechn« könnm; sie wurdm bereitwilligst gespendet, ebmsowohl von solch«, welche für sich die Speisegesetze beobachten, «kb von solchen, die da» nicht thun. Bon dem, wa» wir selbst'dazu gethau, und wie wir mit recht viel persönlicher Bemühwch^n Soldat«, besonder» dm zahlreich« Handwerkern^/ für Sabbat Befreiung von Arbett in Fried«»- und KriegSzeit« zu erwirk« streb«, red« wir nicht; di« Leutt »iss» e», find dafür nicht undankbar — und weiter braucht e» ninnand speeiell zu wissen.