Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- Seite 354 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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854 geschossen worden trab gelangte am 80. September in einem Essmbahn-Krankenwag« nach Berlin. Schon nnttrwegs waren wiederholt starte Blutung« und Etternngssttber eingetreten, welch« immer zunehmend sein Leben bedroht«. Deshalb ward am 1. Oktober die Imputation vollzog«. Doch die sorgsamste Pflege vermochte ihn nicht zu rett«. Er erlag dem Eilerungsfieber am 8. Oktober. Ihre Majestät die Königin hatte ihn eines Tages besucht und auf seinem Schmerzenslager getröstet. Die Leiche ward mit all« militärisch« Ehr« auf dem Garnison-Kirchhofe betgesetzt. Erst nach viel« Berathung« hat die Berliner Gemeinde die Ausgrabung und Beisetzung auf dem Q^itr TO beschloss«. /dJÜrt D. chtztße«, 10. Oktober. (Origiual-Corresp.) In einig« jüdisch« Zeitschrift« circulirt die Nachricht, daß 50 ftanzöfische Gefangme mos. GlaubraS mtt einer Bedeckung von Soldat« derfelb« Confeffion zu dm hoh« Feiertag« von Wittmberg nach Dessau gegangm wärm, um daselbst dem Gottesdienste beizuwohnm. Daran knüpft« sich dann äußerst erbaulich« Expektorationen. Die Berliner hättm diegehört und dm Dächte« wie Gesang«« durch eine sofort veranstaltete Sammlung eine ansehnliche Summe übermittelt, um ihn« die Feiertagsfrmde auch durch äußeres Behazm zu erhöh«. Ein zweiter Berliner Korrespondent der »A. Z. d. IV knüpft daran eine weitergehmde Betrachtung, wie nothwendig die Beibehaltung der hebräisch« Gebete schon um solcher seltmm Ereignisse will« wäre. — Alles recht schön, aber — die ganz; Geschichte ist rein erfund«. Ein dmtscher Soldat mos. Confeffion zeigte sich in der hiesig« Synagoge, auch wohl einer oder zwei in Dessau» aber von französisch« Gesang«« war, wie mir mehrere zuverlässige Lmte aus Dessau versichert«, kein Einziger zu seh«. Ich erlaube mir noch einige Worte zu dieser Berichtigung. Dies« Nachricht verdankt wahrscheinlich ihre Entstehung dem währmd des Kriegezu Tage tretend« Bestreb« der jüd. Blätter, möglichst viel über jüdische Soldat« zu bericht«. Und wenn auch bedeutmdere Auszeichnung« und Zeichm hervorragmder Tüchtigkeit und Tapferkett von Seit« unserer GlaubmSgmoss« dahin gehör«, so müßte doch nicht auf jede unwichtige Nachricht Gewicht gelegt werden. Daß wir mtt verhältnißmäßig gleicher Theilnahme und Kraftanstrmgung bei diesem Kriege «gagirt find, versteht sich bei der allgemein« Wehrpflicht und bei solcher Disciplin von selbst. Wtt werdm mit der Betonung solcher Besonderhettm, namentlich wmn sie Wetter nichts auSdrück«, al» daß auch dieser oder jmer GlaubmSgmoffe dm Ehrentod auf dem Schlachtfelde starb, dm Judenfeind« nicht dm Mund schließen. Diese Art von Anklägem will oft das Klarste nicht seh«, und wmn sie auch glücklicher Weise ein Borurtheil überwand« hat, so find« sich in Eiseammzer und ähnlich« faubem Rüstkammern andere Dass« für die Borkämpfer der Humanität. E. An» Wirte«,»erg. (Orig.-Corr.) Der Staatsanzeiger Nr. 245 vom 14. Oktober d. I. bringt eine Bekanntmachung der ttraelit. Oberkirchenbehörde, betreffmd die RechnunzS-Erzebuiffe und dm LermözmSstand der iSraelttischm Central-Kirchenkaffe pro 1868/60, auS der wir folgmde Data hervorheb«. Da» Bermög« der Ceutral-Kirchmkaff e beträgt 76,230 fl. (—43,560 Thlr.) Die laufend« Ausgab« betrag«: Aufsicht»- und Verwaltung»- kost« 3150 fl, Rabbinat»-Besoldanzm 10,470 fl, QuieScmtm- Gehalte 575 fl, Turnu»kostm der Rabbiner 1041 fl, Kirchenkoftm 507 fl, Unterstützung« an Rabbinatü- und SchulamtS- Candidat« 500 fl, Unterstützung« an GewerbSlehrlinge 358 fl, Gehals- Aufbesserung« für Lehrir und Vorsänger 4000 fl. je. Der Zuschuß d«r königlich« Staatskasse betrug: 9600 fl. Per. fonal» oder Cnltstmer 5709 fl; Beiträge der Gemeind« zu dm Rabbinats-Besoldungen 3614 fl Au« dies« Zahl« wird sich «in Bild »nserer synagogalm Zustände, so wett sie von dem norm» «nun gerMitUram abhäng«, entwerfm lassen. Den» wir für dm national« Anschluß Süddeutschland» an dm Nord» bund find, so hoff« wir» daß durch d« Anschluß unsere wohl» geordnet« kirchlich« Zustände nicht berührt, sondern die nord» deutsch« dm unser« ähnlich werdm. K Ina Süddeutschst,«». (Orig.-Corresp.) Ich trag, hmte meine jüngst versprothme Geschichte nach. Zwei jüdssche Sol» datm in einem dmtschm Regimmte führ« kurz vor Beginn de» Kampfe» in einer der ruhmvoll« Schlacht« um Metz herum folgmdes Zwiegespräch: A. Ich möchte Dir gem etwa» anvertrau«, und auch eino innige Bttte an Dich richtm: gieb mir aber »p PIPpn, daß D« meine Bitte auch wirklich erfüll« willfl v. Da» kann und darf ich nicht; mein Ehrenwort aber verpfände ich Dir gem: daß, wmn es irgmdwie in meiner Kraft lieg« sollte, ich Deine Bitte mtt Frmdm erfüll« werde. - Ge» nügt Dir diese» mein Bersprech« nicht, dann behalte Deine An» gelezmheit ruhig für Dich. A. Dein Bersprech« gmüzt mir vollkcmmm; nun höre! Ich habe fünfzig Guld« bei mtt. Sollte ich nun in dem bald beginnmdm Gemetzel fall«, dann lasse mich rasch bei Sette schaff« und für mein Geld auf ein« jüdisch« Friedhof bringe». Versprichst Du mir da»? B. Dazu hätte e» durchaus nicht einer fo feierlich« Ein» leitung bedurft, und zwar um fo wmiger, als ich mich zufällig, in ganz gleicher Lage befind«, d. h. ebmfall» cttca fünfzig Guld« bei mtt habe und ein« gleich« Wunsch im Herz« ttage. — Da» Bersprech«, dies« nach Kräftm zu erfüll«, wurde nun zwischm dm Beiden gegmseittg ««»getauscht, indem der Eine dem Andem auf Ehrmwort dtt Versicherung gab, ihn nach jüdi» schem Ritu» und in ‘*08" "Op bestatt« zu lassen, fall« er selber am Leb« bleib« möchte. Bald daraus fiel A. von einer Kugel niedergestreckt. B. eilt sofort zu dem commandttmdm Haupt» mann, erzählt in kurz« Wort« dm Sachverhalt und erhält von diesem ohne Wettere» die Erlanbniß, sein« gefall«« Frmnd nach dem nächst« Otte, wo eine jüdische Gemeinde existitt, bringen und ein« Theil der fünfzig Guld« zum Honorirm der Leichenträger' verwmdm zu dürfen. B. eilt mit dm herbeigv» schafft« Mitgliedern der Ambulance nach dem vom Schlachtfetdeziemlich entfernt« Otte, sucht dm jüdisch« Gemeinde-Vorstand daselbst auf, hält ihm bittend sein Anliegen vor; dieser aber er» widett im höchsten Grimme: »So?! Und weiter Nicht»? Kauft Euch, die Ihr ihn herzettagm, für sein Geld lieber ein« Sttick und knüpft Euch Alle zusamm« damit auf!' Ist eine solche zrmzmlose Roheit unter Bekenne« de» Judmthum» jemals ge» hött word«?! — Erst nach beendigter siegreicher Schlacht wurden durch Entsmden einer'größer« Anzahl Soldat«, der betreffende Gemeinde-Borstand gezwungm, dem unglücklich« Glaubmsbmder eine letzte Ruhestätte in der Umgebung jüdischer Gräber (aber, wie ich höre, ohne vorgmommme rnno rc.) anzowessm. — Schließ« will ich mein« hmtigm Brief mtt einer Mttheilnng angmehmerm Inhalt» al» die obige. In Cleeberg nämlich lebt eine alte jüdische Frau, unter dem Ramm »die alte Lea' bekannt, für die, weil sie sehr arm, der dortige Pfarrvikar Bei» träge sammelt und über die einlaufmdm Gab« im »Frankfurter Journal' von Zett zu Zeit quittttt. 3n einer seiner letzte» Numme« veröffentlicht diese» Blatt nun: daß dtt »alte Lea' bei voller Gesundheit und einer für ihr Alter erstauamswetthe» Rüstizkett ihr 106. Lebensjahr zurückgelezt und, Dank der Opfer» frrodigkett ihrer Gönner in Nah und Fr«, einer Unterstätznng für diese» Jahr nicht mehr bedürfe. Ich habe dieser Rüthettung nicht» wetter hinzuzufngm al» dtt Wotte des Prophttm: NM oamn cm. — -~7~