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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-26 · 43 (26.10.1870) · p. Seite 355

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
43 (26.10.1870)
Date
1870-10-26
Page
Seite 355 (sequence 7)
Language
German
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855 Vermischte und neueste Nachrichten. 8twict|. Dn hiesige f3lrodti' macht darauf aufmerksam, daß viele jüdische Familien ihre Töchter in dt« Schule der Benedictiner - Nonnen schicke», wo die Mädchen »um ihre« Glaubens willen' mancherlei Beleidigungen auögesetzt find. Da die Schule der Nonnen durch««» nicht mehr leistet als dt« jüdisch« Semetadeschulen, so ist nicht abzuseheu, warum «an die Kinder gerade dahin schickt. .Den Eltern rufen wir darum zur Derjenige verdient keine Achtung, der sich selbst nicht achtet! und {«tat ihnen auch zu bedmke», daß sie selbst für die Folgen der Erziehung ihrer Kinder durch Nonnen verantwortlich zu machen find.' — Prag. Am verflossenen VersShaungttage hat Herr Josef Pollak, Fabrikant, trotz seine» hohen Alter» von 101 Jahren von Eingang bi» zum Au»gange de» hohen Feste» gefastet und fich temohngeachtrt recht wohl gefühlt. (Gegeuw.) Der frühere Eantor der Neusynagoge in Prag, Hr. Landau, der auf Grund seine» Engagement» im Stadttheater zu Leipzig daselbst weilt, um noch vor seinem Auftreten operistische AuS» dtldung zu genießen, wurde vom Leipziger Syonagogenvorstand mit dem Bordeten am B«rsöhnung»tage beim Muffaphgotteüdienste beehrt. Herr Landau kam in Berücksichtigung de» Krankheitsfälle» de» in Leipzig fungirendeu Cantor» der Einladung entgegen und unterzog fich, unter großem Beifall von Seiten de» Publikum», seiner Aufgabe. (Wegcuw.) Stockholm. Die Sängerin Henriette Riffen (J»r.) von hier erthellt der Kronprinzessin Dagmar von Rußland Gesang- Unterricht. New-Park lReligi»»«hasi i» »er Politik.) g» einige» hie- Gge» Zeitungen hat sich eine eigen thümliche Ditarfft»» darüber emspoaum, »d Herr Sigismund Kansmauu, de» die republikanische Partei all ihren Skaadidate» für da» Amt de» Lieateuant-Goveruor ausgestellt hat, «ehr ei» Vertreter der Jude», »der der Deutsche» ist, da Kaufmann i» Süddeutschlaad gebar«» ood der mosaische» Religio» augehört. E» anrd behauptet, daß, da mit dieser (onbibatur den Deutschen rau Louceffioa gemacht werde» sollt«, Ka»furaa» all Jude kein geeigneter Vertreter derselben sei. Abgesehen da- Dv», daß di« deutsche» Republilaner, de»«» diese verhälmtff« wohlbekanut find, sei»« Laadidatur acceptirt habe» «ud sie uotersiatze», ist «< i« höchste» Grad« gefährlich, solch« Rückfichbru, di« selbst t» de» frömmelnden politische» Regionen Deutschland« beinah« glücklich übenouudeu sind, i» »nser Stoat«- eben «iuzuführeu. Di« Religio» ist Jedermann« Privatsach« und hat mit per Politik uichl« zu th«n; sie ist ««der au eine Rationalität gebundeu, noch «in Hiuderaij »der ei» vesördenmggmtttel für freiheitliche oder rractionäre Anschauungen, Ganz besonder« in ei arm Laude, welch«« sich der Gleichheit »ud Freiheit aller sei»« Bürg« rühmt, utüssea wir gegea da« Aufkomme» «wer derartig« Richtung, als dem Geiste unserer Loustitutiou total widerspreche»», «arrxtsch protestirr». War der verstarb«»« Waldeck de«Wege» w«»iger «t» Käalpfer für die Baufreiheit, weil er ei» treuer Katholik war? Ist 3bIc« Favre, ein eifriger Besucher der katholische» Kirche, etwa reactionär? Hat >d»lf Crömirup, da« Mitglied der repr^likauifcheu Regieruugeu in Frankreich von 1818 »ud vom heutige» Dag«, de»wegen aufgehört ei» Jude zu sei»? Sind etwa Lalker, der et»sl»ßr«ichfte und begabteste Führer der national-liberalen Partei i» Deutschland, vr. Kosch, da« alt« »ud hochverdiente Mitglied der Fortschrittspartei, selbst Jo hau» goeoby keine Jude»? Gehört nicht Rigra, der tale»tvollr italienische Diplomat, sowie Glstädter, der badisch« Fiuaagmioister, derselbe» religiöse» Gemeinschaft au? Ist etwa der große Philosoph Fichte, gewiß der wärmst« Bertheidiger der Freiheit de« Judi- Nidmmi« wie der Gesammtheit, deswegen au» der evangelischen Kirche aut- Petrrte»? Bedarf e« noch mehr Beispiel«, so stehe» uuzählige zur Verfügung. Hat ferner Jemand in dem Kampfe de« Norden« gegea de» Süden, wie ia de» gegemoärtige» zwischen Frankreich u»d Deutschl-ud, zu frage» gewagt, nt die gefalle»«» Krieger Lhristr» oder J»deu find? Oder glaubt «a» vielleicht, daß di« Personen ein« beffere Garauti« für ihre Gestuuaug geben, die mn« der eine» Religionsgemeinschaft in ei« andere übertrete»? Die Zeiten i» welch» mau, wie Hei« sich sarkastisch e»tsch»ldigt, al» Mitglird eiuer b> vorzagw» Religion .»»gesirnst silberne Löffel stehle» darf», siud glücklichecweise sch«, längst überumude»; i» de» verriuigte» Staate» habe» sie üter- Hmcht »ie «zipirt. «« ist «tat Schwach «w Schmwe, daß ei« Dilcufsiou Kber ei» solche« Lhema i» nufere« >!a»d« sich überhaupt noch a» di« Oeffeatlichöck» wagt, »hm für immer verurthetll ,» »erd«». I» der amertka»ische» Prrste kam, «i» solcher Geist »ich» aufkommia, da di« Pnyt» — wir erimur» a» de» General Sali«»«, setzt Governor dm Montana — seit Jahr» bereit« gelehrt hat, »aß »et der Besetzmtg der Remter «mf dt« Roltgi», »et« Rücksicht geuomwe» wird. I» eiaem Dheil« der »««tsche» Zeitungen sind dergleichm vmkimmmiss« leider »ichi \ J nu M giebt t» drrselben eine Sorte »au »Fretheivhelde» wider Wille»., die ,»« de« Iah«, 1848 »er da« Maß» «ami'sch» .siumps« Rllcheu und Klumpfüßcheu», sowie di« damall i» gewisse» Kreise» z»r Keanzeichumrg der srriheittiche» Idee» für ,»thw«»di, gehaltene schmutzige Wäsch« »ad de« Kamme» spottende« Haar, »edsi «wer Füll« M» religiöse» und soeiale» Zöpfe» i» »»fee Lau» herüber^ bracht «ud couservtr« habe» »ad jetzt »»» de« Fette der B.wegu»g lebe», t» welch« sie zu jener Zell durch eia« Ironie des Schtckfal« hiueingezogea wurde». Ei»« dieser Ritter glaubt et»«« anderen Journale keine größer« Schmach anthn» zu können, alt daß er mit Rücksicht darauf, daß t» der Redaktion deffelbe» ein Jude «hätig ist, da« Redaktion«personal mü de« Autdrucke »Saohedri», beehrt «ud höchst gelehrt hiazusügt, unter diese« Autdrucke werde der Gerichtshof det alten jüdischen Reiche« verstandeil. (»Re« Zeit, tu Rew-Avrk.) Literaturbericht. $(Im Grabrede» für alle Wochenabschnitte de« JahreS. lGelegenheitSpredigten jüdischer Kanzelredner. Dritter Band.) BreSlau, Schletter'fche Buchhandlung, 1870. VIII und 205 S. wenn der verf. der vorliegenden Gradreden im Vorwort de» Wunsch autspricht: »sein Buch möge den Hinterbliebeaen der Betrauerten zum 2roste und sei»«» Amtlcollegeu zur Anregung gereichen,, so kann er darauf rechnen, daß sein Wunsch kein xium äomckerium im gewöhnlichen verstand« diese« Worte« bleiben wird. Denn nicht nur werden dir Hinterbliebenen der Betrauerten dies« Rede» al« eia «illkvüuaeae» Anmuten an di« thener» Heimgegangenen begrüßen, sondern e» werde» auch Fachmänner diese« Buch nicht »»befriedigt an« der Hand legen. Man wird ein« groß« Zahl von schön eu, geistvolle» vergleichen »ud Anwendungen von Midruschstelle» darin stade», für welche «ao de« verf. dankbar sei» wird, »tsn na» kh« auch »ichi tat Allem seine Zustimmung erthrilt. In manchen Rede», wie z. B. in der mit de» Titel: »Der Altar «in Lebrutbild,. wird man di« vergleiche etwa« hiukead und ia ander» — wenigsten« nach Ansicht de« Res. — die Moral etwa» allzustark ausgetragea finde». Mit dieser kleine» tadeludea Bemerkung verbiodeu wir keineswegs die Absicht, da« verdienst de» Bers. zu schmälern, wir wolltn ihm vielmehr einen Beweis fltfttn, «ie gewiffeahast wir sei» Buch gelesen, de« wir im Große» uud Ganzen unsere Anerkeumrag weder vorenthalteu können noch «olle». ». Im ,H«br. Lead." stude» wir eine längere Notiz über eine» junge» amerikanische» Gelehrte», vr. He»ry Schaeeberger, der wir Folgeade« riUnehmku. — Herr vr. S. ist geboreuer klourilamr »ad hatte hi» vor sech« Jahre» gar keine theologische» Studie» gemacht. Vr begab sich »och Deutschlaad und widmete fich »ater Leitung de» Herrn vr. Lehman» tat Mainz und später de« Herr» vr. Hildesheimer in Berlin mit eifrige« Fleiß« de» Studium de« Talmud uud der übrigen Zweige der jüdische» wiffeuschast, sowie der alten Sprachen. Herr S. ist soeben im Begriff »ach Amerika zurückzukehreu, nachdem er eine wissenschaftliche Arbeit unter de« Titel „Lebe» »ud Werke de» Rabbiner Jehuda hannast" ia englischer Sprach« veröffentlicht hat. Wenn «an bedenkt, daß Herr vr. S. erst hurje Zeit sich milder jüdischen wiffeuschast beschäsügt, s» ist diese erste Probe nicht genug anjiierkeune», obgleich za bedauern ist» daß er häufig nicht jene maßvolle wifleaschastlich« Enthaltsamkeit u»d Vorsicht beobachtet, welche Frankel'» Skizze i» „Darke hamischoeh" so sehr »»«zeichnet. — lvretla». sViagesandl.) vor einige» Jahre» bestaub hier ei» vereia ,4»r Beförderung der Niffeuschast de« Judeathmu«"» »er aber seitdem, »h»e daß die «sfUfnae beschloffeu worden wäre, eingeschlase» ist mrd »ohl auch nicht «chr zum Lebe» erwache» dürste. Da« «gesammelte V». pital von etwa 2U0 Thlr. ist aber uoch Vorhände», wö« »Mt jetzt Mcht die Zeit dazu da, daffelbe aagemeffe» u»d seiuem llrspr»»,« entspreche»« M verweude»? Jedmsall« dürste ei am Platz« sei», »aß ktt ehemalige» Varsieh« de« vrrein« eiue General-Versammlung drriest», »m üb« diese Sache »» beschließe». - E. (Die Sach« würde bester darch die vresl. Locoldlätt« a»g»egt. Red.)

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