Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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358 «tf einen Mißgriff betrachte», daß die >daß J»rael selche nicht adopkitt hat. vergeben» wird daher der Correspondent de» »Israelit' aas di« sogenannten Fromme« schelten, daß ste nicht sammt und sonder» die Heydereuter-Synagoge »erlasse«, weil vr. Geiger und Di. Aub dort predigen. Man nimmt eben letztere» al» ein einstweilen unvermeidliche» llebel mit. Jom Kippur mag e» sogar manchem al» eineWohlthat erschienen sein, da er '/»Stunde — sich ausruhen konnte. Will die Adaß Israel in der That all« religiös Gesinnten der hiesigen Gemeinde in sich vereinigen, und sie muß e», wenn sie lebensfähige Institutionen schaffen will, so wird sie sich ander» «onstituiren müssen. Wenn e» auch sicher nicht zu billigen ist, daß in den meisten Gemeinden die Rabbiner nur al» Beamte de» Vorstände» sungiren, wie wir da» hier ja al» eine offene Wunde darzelegt, so muß andererseits aber auch die Stellung de» Rabbiner» nicht unbeschränkt sein. Selbst bei hoher Intelligenz, tiefem Wissen, unermüdlicher Thatkraft kann sonst Etnseitigkeit nicht vermieden werden, und e» tritt der Fall ein, daß die Theilnahme erlahmt, weil eben die Thätigkeit der Mitglieder nicht in Anspruch genommen wird. A. Au» der Hfrovinz Hfose«. (Orig.-Corresp.) Eine betrübende Erscheinung bildet in sehr viele« Punkten da» Gebühren der jüdischen Presse. Natürlich sehen wir dabei ab von den Gott Lob außerhalb Deutschland» erscheinenden Schmutz- und Ekaudalblättern, für die Nicht» zu roh und unfläthig ist, da nur durch solche Kost sie ihrem dickhäutigen, geschmacklosen Publikum genießbar sich erhalten. Auch die nach wenig Nummern selig entschlafenen Zeitungen, die ihr ephemere» Bestehen der Schriftsteller-Eitelkeit oder der Existenzfrage eine» oder mehrerer — wie sagte doch BiSmarck? — jugendlicher Genie» (!) zu verdankm halt«, lassen wir dabei außer Acht. Unsere Klage bleibt leider «in, berechtigte, wenn wir auch nur die wirklich leben-fähigen, d. h. «in Prinzip und eine Partei vertretenden und in der Hauptsache auch mit ernstem Streben redigitten Journale Revue pas» siren lassen. Al» Hauptübelstand erscheint dabei, daß Correspondenzen über jede» beliebige Thema — wissenschaftliche Fragen, cultuelle Streitigkeiten, BeurtHeilung hervorragender Männer — au» der Feder von Menschen ausgenommen «erden, die unter geordneten Verhältnissen mit der Declinatton von men,» sich beschäfttgen würden, oder höchsten» — und da» wäre wirklich dt« höchste Stufe — für irgend ein Lokalblatt über weiße Sperling« und Unglücksfälle referirten. In anderer Weise da» Ge« bahren de» »J-raelit' z. L. zu erkläre», wäre un» fast unmöglich, da wir sonst die Redaction de» gedachten Blatte» wissenschaftlicher Fälschung beschuldigen müßte«. Nehmen wir ein Beispiel: Da hat Dir. Bambergor in Königsberg eine Orgel zu» gelassm. Nun die »Wochenschrift' und wohl der größte Thetl der von ihr vertretenen Partei ist für Orgel durchaus nicht eingenommen. Also auch wir hätten vr. B. nicht gerade applaudtrt. Doch der Correspondent de» »Israeliten' vom 29. September ergreift die Gelegenheit, um nun in einem ttüben Allerlei Gift und Galle gegen vr. B. zu speie«. Zuerst wird von König»- berg gesagt, daß dt« Noblesse dn dottigeu Judenschaft da« jüdisch« Gesetz nicht mehr al» zeitgemäß erachtet — aber, so lange der Oberrabbiuer Mecklenburg gelebt, wäre ttotzdem Alle» t« beste» Zustande gewesen — die dott angewandte Phrase ist gu schwülstig, al» daß wir sie auch nur abschreibe« möchten. — Rn» aber sei mit der Berufung de» vr. V. plötzlich Alle» außer Rand und Band gerathen. »Statt der rfao bum «in Kino eingewetht, statt der rra» *o kan» ein Knabe etngesegnet werden.' Wirklich? Nur schade, daß die Lüge nicht einmal mehr originell ist. Dasselbe hat vor Jahren der .Jtraeltt' auch de« vr. Joöl in Bretlau «acherzählt. Sa» aber war de« Pudel« Kern? Daß -er Rabbiner den Segen für eine nach de« Wochenbette wieder in die Synagoge geführte Frau gesprochen, ohne zu wisse», daß an dem von ihr geborenen Knaben nta nns nicht vollzog« worden. Auf einen einmal vorzekommenen Jrrthum asso stützte sich damals, und wohl auch jetzt wieder, de, ganze Bombast von Geschimpfe, lleber ms» 12 möchten wir un» erst die nähere Erklärung erbitten, ob denn unter Mecklenburg ohne »Einsegnung' e» nicht vorgekommen, daß ein Knabe die H212 nicht gekannt Hab«?! »Talmud zu lehren und zu lernen ist unpassend.' Natürlich, noch vor 10 Jahren drängten sich in Königsberg die jungm Leute zum Schiur? Nicht!? Worin also liegt die Veränderung? Kinder betrauern ihre Eltern nur durch .Umstecken eine» schwarzen Flor»'! Nun sind diese Kinder schon njn 12, wie e» den Anschein hat, dann haben sie ihre religiöse (?) Erziehung und Bildung in einer Zeit erhalten, in welcher vr. B. wohl noch in Breslau wellte! Alle» Andere, Einsegnung von Mischehen rc., wird von Andern gethan, und da hat der Correspondent de» »JSrarlst' ebensoviel Macht, da» zu verbieten und zu verhindern, al» vr. B.» trotz seine» Einkommen», da» wohl hauptsächlich den Herrn Correspoadentm so gallig macht! Daß aber die Zustände in Königsberg schon vor sehr vielen Jahren in religiöser Beziehung sehr desolat, ja vielleicht schlimmer al» jetzt gewesen, dafür verweisen wir auf da» in Fanny Lewald» Schilderung ihre» Elternhauses enthaltene Zeugntß, sowie auf die vielen dort geborenen hervorragenden Apostaten. Nur di« stet» fluctuirende Zahl polnischer Juden vertritt dort da» conservative Element, doch ohne die Berechtigung oder Befähigung zu haben, auf die Gemeinde - Verhältnisse bestimmend einzuwirken. Daher konnte e» dort schon vor vielen Jahren geschehen, daß der erste Vorsteher G. am 2"* vor der Synagoge in seiner Equipage vorfuhr, nachsah, ob Alle» i» Ordnung sek, und dann wieder seine» Wege» — fuhr. Auch noch au» der Zeit de» Rabbiner Mecklenburg 71 stammt die AeußmmG de» braue» vr. Kosch, mit welcher er die Einführung der Orgel abwtes r »Un». meine Herren, bringt man dadurch nicht öfter in die Synagoge und die wenigen Besucher derselben vertreibt man dadurch.' Ja dieser selbe vr. Bamberger, den der ,J»raeltt' aide« schrecklichsten ic. auzuschwärzen beliebt — der Correspondent glaubte sich vielleicht noch in der Zeit — schmähliche« Angedenken« — der Ketzerriecherei gegen Frankel, und daher da» kortiter oaluuwinrol? — erschien den Königsbergern, wie e» Referenten von dott Wohnenden mllgttheilt wurde: al» «ine sehr gute Akquisition, nur daß er zu fromm sei und in seiner Predigt zu viel hebräische Sätze anführe! Da» Ueberhandnehmen solcher Verlogenheit in der jüdischen Presse ist nur dazu angethan, alle anständigen Männer von einer B-thelligung an derselben zurückzuschrecken, sie zum Tummelplatz« unreifer oder unreiner Elemente zu machen. Saget aber nicht: Gott besser'» l sondern bessert e» selbst, sichttt eure Correspondenten, verfahrtt auch bei der Redaction in jüdischem Geiste, daß nicht ferner 122» nSpan pn non 12m*, daß rt von der jüdischen Tage»-Literatur nicht ftei» mit Recht heiß«: »De« Frieden» Weg kennt ste nicht, in ihren Spalten ist keine Gerechtigkttt — Ihre Pfade leiten zur Verdrehung — Alle, dt, an ihr Antheil haben, ettennen nicht der Eintracht Wetth!' bl. L. Hfl»« (bet Posen), im Ottober. (Ottg. - Eorresp.) Auch unsere kleine Gemeinde hat einen verhältnißmäßtg nicht gering« Antheil an der bluttgen Saat de« .Kttege». Denn schon habe« drei hoffnungsvolle junge Männer au» unserer Mitte ihre Ehrenschuld dem Baterlande mit dem Leben gezahlt. Zwei von ihnen starben den schnellen Tod auf dem Schlachtgefilde; dem dritten war ein schmerzvollere» Loo» beschiedm. Wir entnehmen die näheren Date» einem hnmanen Schreibe« de» Geh. Medicinal- Rath» Professor Vr. Ebert an ein« nah«» Anverwandte» de» DahiUgeschiedeuen. Dieser, der Unteroffizier Juli»« Rofenthal, war am 16. August bet Gorze durch den rechte« Unterschenkel