Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Kriegs - Nachrichten. Zn den BreSlauer Zeitung« find« wir die Notiz, daß gegm Ende September bei einer nächtlich« Recogno«cirung der Cüraffier Henfchel (2. E«c. deS dort. Leib-Cüraffier Regmt».) sich besonder« ausgezeichnet, indem er mit seinem Lieutenant (LierS) trotz dicht« Kuzelregm» durch die feindlich« Vorposten dr» französtfä-e Lager fprmgte, dasselbe allarmirte und glücklich wieder zu feiner Patrouille zurückgelangte. Beide wurden für ihre muthige Thal mit dem eise«« Kreuze decorirt und Hmschel zum Getteiten emannt. — Auch ein Herr Bial auS LreSlau hat da» eifeme Kreuz erhalt«. — Nachstehende» Schreib« an Her« Stadtrabbiner vr. Friedmann in Mannheim ist uns zum Abdmck überlass« Word«: E.-O. Libavill», «. Ocwber. Hochehrwitrvi-cr Herr! Im Kamen meiner Lameraden de« I. Lrmee- Cerps sehe ich mich veranlaßt, hiermit tiefgefühlte» Dank für den an» durch Ihre gütige vennittelnag vorgefera und gestern veranstalteten Gottesdienst auSjllfprechen. Schon längst fühlte» »vir da» vedürfniß »ach einem gemeinsamen Gottesdienste, und so Mauher fragte fich mit schwerem Herzen: Wie «erde ich hier i« Felde vereben? — Ta»send Dank Ihnen und besonder» Herr» Dt. Blumenstein, der mit großen Opfer» uns ein« sehr würdige Andacht bereitet. Seine gewürzte Predigt hat uns Alle tief ergriffen und wird nn» ewig unvergeblich bleilien. Wir trag>m da» Bewußtsein in un», den heilige» yi so gut alt e» nur ging verlebt zu habe», und hoffen, der Allmächtige wird unsere inbrünstige» Gebete erhört haben und rn» recht bald durch einen ruhmvollen Friede» »nvrrsehrt in die Heimat zmückkehren kaffen. — Besondere Freude gewährt e< un», daß unser verehrter Herr vr. Bl., de« wir in dm paar Stunden Alle sehr lieb gewonnen, beim Tommaadirrudm so überau» liebevolle Aufnahme gefunden.- Erstatten Sie gef. der Gerieinde Mannheim unfern Gruß und nehmm Sie, hochgeehrter Herr, nochmals dm innigstm Dank und die Versicherung hin» daß da» vollbrachte na» Linderung und Balsam in unserer »«drängten Lage verschafft und wir jetzt aus» Neue ermuntert der Zukunft entgegensetzen. — Mit der größt« Hochachtung zeichne im Ramm unserer Glaub en». brüder de« I. Lorp» D. Wolfs an» Thorn, z. Z. Reserve-Unteroffizier der 10. Eomp. 4. Ostpr. Gren.-Reg. Kr. 5. Anzeige beim Hermana mayor gedroht. Dieser war bereitwilligst darauf eingegangm, dmn der Wunsch de» Graf« gab ihm eine »och bessere Handhabe, auch dm geringsten Verdacht zu zerstreuen. Jndeffm war Diego unter dem Schutze der drei DiebeSgefell« gebliebm. Diese Männer behandelt« ihn mit außer- »rdmtlicher Aufmerksamkeit, sogar mit einer Art von Unterwürfigkeit, ohne ihn abor einen Augenblick au» dm Augen zu verlier«. Sie löst« fich von Zeit zu Zeit in ihrem Dienst ab »ud hielt« fich streng an die Vorschriften, die fie erhalten hatten. Uebrigm» sah Diego ein, daß er von sein« Wächtern im Falle eine» Fluchtversuchs da» Aeußerste zu befürchten habe. Er war einmal in Gerank«, ohne an Flucht zu denken, auf und ab zegangm und hatte dabei zufälliger Weise einige Schritte weiter vorwärt» gemacht, al» ihm »erstattet war. Da hörte er hinter sich ein knackmde» Geräusch, und al» er dm Kopf »«wandte, sah er, wie ein Floreador ebm sein Gewehr auf ihn abdrück« wollte. Alle» um ihn her war ttefe» Geheimniß. Er wußte nicht mehr, worin sein Untergang, worin seine Rettung lag. Er hatte darüber noch viel wmiger von seiner Umgebung Aufklärung zu erhalt« versucht; ihr Anführer hatte ihm an- «npfohle», ihn« unter keincr Bedingung zu sag«, wer er wäre, »ud seine Frag« könnt« sein« Na mm verrathm; übrig«» hättm ihm dies« 8«te auch nicht» sag« könnm. Sie waren, wie wir gesagt Hab«, in Saragossa vollständig ftemd und kanntm die Ursachm der Expedition nicht. Nichtsdestoweniger komcke Diego nicht länger der Ungewißheit, in der er fich über di« Lage seiner theur« Juanita befand, »versteh«, und er entschloß fich, alle nur möglich« Anstrmg»ngea zu mach«, «m wenigsten» einige Nachricht« zu erhalt«. Von einem hier in Stettin al» krieg»gefangen befindlich« jung« Zngmieur» Offizier Namen» Auchcr (J»r.), au» Sttaß» bürg gebürtig, wurde un» erzählt, daß eine in Nancy verheiratete Tochter de» Gr. Rabb. Aron in Sttaßburg bei General v. Werder für ihr« Vater die Erlaubniß erwirtt hatte, Sttaß» bürg zu verlass«. Aron hat fich aber geweigett feine Gemeinde zu verlass«. (Aucher ist von frommer Familie und besuchte gleich nach seiner Ankunft von Sttaßburg tS”’ 'K20D die hiesige Synagoge.) — Au» Pfalzburg meldet der ,J»r. Lehrer': Rabb. Bigard ist bei Gelezmheit der Beerdigung eines preuß. Offizier», der er beiwohnte, getödtet Word«. (Diese Nachricht ist bi» jetzt nicht anderweittg bestättgt.) — Bei dm Kämpfen vor Pari» ist die Synagoge von Versailles hart mitgmommm worden. Nachdem sich daselbst 1200 Mobilgardisten an die 14. Cavalleriibrigade ergeben hattm, setzte ein Offizier mit etwa 50 Mann den Kampf hartnäckig fort und verbarrikadttte sich in der Synagoge. Nach einer halb« Stunde drang« die Preoßm in den Tempel ein und drängten dort die Franzos« bi» vor und in die 1 heilige Lade zurück. — Die Meisten fielen todt oder verwmidet nieder, 16 Mann gab« sich gefangm, der Offizier fiel, von vier Kugeln getrost«, bei der heiligen Lade nieder, dm Kopf auf einer umgefallmm, ebmfall» von Kugeln durchlöcherten Gesichroll«!. Die hübsche Synagoge ist schrecklich verwüstet. — Ein« neuen Beweis für die uujüdische, übertrieb« patriotische Gesinnung der fran,^fischen Jaden entnehmen wir einem Briefe eines jüdischen Soldat« au» Oberschlesien. Derselbe besuchte mit mrhrer« Kameraden am m die Synagoge von St. Cloud, wo sie von dm ftanzöfischm Glaubmsgmossm auf die rücksichtsloseste Weise ignoritt wurdm. Einer von ihn« wurde, al» er eine ,i"vbv kaufte', bi» auf 5 Franc» gesteigert, währmd alle übrig« für wmiz- Sou» abgegebm wurde». Koschere Speisen wurd« ihn« barsch und rundweg verweigett. Die Sache war nicht leicht, besonders da er eS nicht wagen durfte, einzuzestehen, daß Juanita feine Tochter fei. Er fand jedoch ein Mittel, durch welches ihm Alles gelang. Er plaudette oft mit sein« Wächtern über gleichgülttge Dinge; eines TazeS sagte er, wie zufällig, mitten in der Unterhaltung, daß er Alle», was er bei sich habe, darum gebm würde, «mn er Nachrichten aus Saragossa bekomm« könnte. Die FloreadoreS hatten die wohlgepickte Börse deS Gefangmen gesehm, die sie ihm auf Befehl de» HauptmannS hattm lassen müssen, als man ihn gezwungen hatte seine Kleidung zu wechseln. Bei dm erst« Worten DiegoS spitzt« alle Drei die Ohr«. „Ohne zu zähl«," setzte er hccherfcmt über den glänzmdm Erfolg seiner leis« Andeutung hinzu, „und ich würde sogar noch viel mehr geben, wenn ich eines Tage» meine Freihett wieder habe, und da» kann ja auch nicht mehr lange dauern." „Wir wärm schon ganz zufried«, nenn wir jeder nur ein Paar Piaster verdienen könnten," sagte einer der drei Gesell«, „dmn da» Geschäft ist schwer und bringt wenig ein, aber die gemessen« Befehle deS Hauptmanns ..." „Ich schwöre Euch bei allen Heilig«, daß ich kein« Fluchtversuch mach« werde. Uebrigm» könnm ja zwei von Euch hier bleib«, und der Dritte geht allein nach Saragossa!" „Nach Saragossa gehen!" erwidert der andere Spitzbube, „d»S ist unmöglich. Der Capatoz verläßt niemals die Stadt, und wenn er d« ein« oca un» sehm möchte, ja wenn er nur hörte, daß er d« Dienst vernachlässigt habe, so ließe er ihm einfach dm Kopf abhauen, und kein Hahn ttäht dann danach. Rein, nach Saragossa geh« ist unmöglich."