Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- Seite 350 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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350 «- . Uag« Herr von Wähler am Ruder bleibt und die chriüttche Staatlidee mit seiner Austrrftät deckt, ist die Hoffnung liberale Amderuug unseres Zudmverhältniffe nur eine gerMr» und unsere au« dem ftautzi^fch« StaatSverbande gnSscheid^lmn GlanbenSbrüder könnte» nz» eine Einbuße an de» bisher vkbestrittenen Rechten erleiden^.Welche» Eindruck fall «S «Pt «Pf nufere Brüder in ^tfah urch Lothringen mache», wenn Hindurch ihre Rückkehr in die keutfch« Heimath « Gefahr käme», ihrer Rechte verlustig zu gehen k Eine weise StaatSv«o»altuug sollte dem bei Zell« Vorbeugen. Die Juden in Elsaß und Lothringen werdm in ihre» politischen Sympathie« mit der übrigen Bevölkerung übereinstimme». ES giebt iq der^Politik kein besonderes jüdisches Interesse, daS unsere GlaubmSgenoffm von ihre» Landsleuten unterscheiden würde. Dies« alberne Beschuldigung ist jetzt hoffentlich für alle Zeiten beseitigt. ^Man hat in der großen Bewegung, die unser Bolk ergriff«, fvohl hie und da, wenn auch seltm, «in specisisch katholsscheÜ'Viteresse. betonen hören; man hat in de» ultramontanen Lmtzar cheS Südens vereinzelte Amßerunger. deS Widerwillens veäaPP» lassen gegen eine Waffengemeinschaf.' mit den protestantisches Ketzern deS Nordens, nirgends abqj'ist eia »jüdischer^ GefichtSpn^kf ausgestellt worden bet derBeittMilnng unserer politisch« Lage. Die vjelen Taussd .unserer ÄlaubenSbräder, die in dw deutsch« Herr« sich befinde», He Hab« ihr Schwert gezog«Gfür ihre» deutschen LaterlarcheS Ehre und Hab« eS wie deutsch«: Männer auch zu schwia^«^ v^«-, den. 'Nicht anders wird eS sich mit d« Bewohne« der von An deutsch« Arme« occupirt« Provinz« verhalten. Ihre <Ähmpathie oder Abneigung unserem deutsch« Vaterland« gegmüber Wird dem Einflüsse der allgemein« BolkSstimmung uuterworfm sein. Allein Eine« unterscheidet ste dennoch von ihr« nichtjüdifch« LandSlent«, und daran müßte eine vernünftige Verwaltung auzukuüpfm such«, um durch ihr« Einfluß die Aussöhnung mit dem deutsch« Heimatlande zu beschleunigen. Wir mein« die Feuilleton. I u a n i t a. (Fortsetzung.) War Diego erst auS Sarazoffa verschwunden und in einer Höhle der Gardunja vor Aller Augm verborg«, so hatte Mateo dm Floreador entfernt, dem er, als dem Anführer der Expedition, so manches Detail, wie z. B. Diego« Losungswort und daS Verbot an dies«, fein« Ramm zu nenn«, hatte mittheil« müssm; dieser Mann wußte schon zu viel, als daß er ihn länger um dm Gesang«« hätte weil« lasten dürfen. Er gab ihm deshalb eine neue Smdunz, die ihn in einer ganz andern Gegend der Prorinz beschäftigte, und nur durch diese inS Einzelne gehende' Vorsicht konnte der Capatoz auf ein glückliches Ende seines RettungSwerkeS hoffen. Dieser Plan, dm der Capatoz gefaßt hatte, einzig um Diego zu rettm, beruhte auf Vermuthungm über die Ereignisse, die sich in Saragoffa «twickeltm. Der Prozeß de« Antonio Perez unterhielt beständig eine gewisse Aufregung in der Stadt und mußte unfehlbar einen Kampf herbeiführen. Man wird sich erinnern, daß Philipp II., der befürcht« mußte, daß Perez auf Grund der Constitution von Aragonim seiner Rache entgeh« könnte, alles vorbereitet hatte, um ihn durch die Inquisition aburtheilm zu lass«; die Einwohner warm entschloss« diese offmbare Verletzung ihres gut« Rechtes um kein« Preis zu duldm. Der Capatoz wir offenbar in dm Stand der Dinge eingeweiht. Dean beide Partei«, d. h. die Inquisition und die im Ramm de« Königs azirmdm EtaatS- Anhänglichkett an die deutsche Sprache, welche merkwürdiger Weise die Judm fast überallhin begleitet hat. Während et» großer Lheil der Bewohner der früher dentschm Lande«theile die Kenntnih seiner Muttersprache zu» Thell wirklich eingebüßt, zu« ander« Theile mÜ abfichtticher Ostentatioa verleugnet hat, wer» dm die Judm mit selten« Ausnahme» ihrer alt« deutsch« Sprache tt« gebliebm sein und sie höchste»« mit einigem verdorbenen Französisch untermischt haben. Man sollte die u»gw meine Wichttgkeit nicht verkenn«, die einem solch« geistig« Bindemittel innewohnt. Die Jud« find in dm zu annectirmdm Provinz« von nicht geringem Einfluß, sie zeichnm sich durch industriellen Sinn au« und rag« meist durch ihr« Wohlstand hervor. Man hüte sich also dies« Thell der Bevölkerung in der brüsk« Manier, wie wir sie leider oft genug erfahr« Hab«, vor d« Kopf zu stoßen. Schon vor einig« Wochm hat Berthold Auerbach in sein« Bericht« auS dem Elsaß, die eine sehr genaue Keuntniß der dorttgm Bevölkerung zur Unterlage hatten, darauf aufmerksam gemacht, welch' abschreckend« Eindruck eine Kränkung der Judm in ihr« Recht« auch auf die übrige Bevölkerung auSüb« würde. Möchte feine Warnung Gehör find ml DaS ganze Dmtfchland hat der attm Münsterstadt jüngst unter Thränm sein« Brudergruß zugerus«, die dentschm Städte Hab« rt für ihre Pflicht erkannt gemeinsam Sorge zu trag« für die Heilung der schwer« Wund«, die der Krieg dieser unglücklich« Stadt geschlag« hat. Mözm unser« dmtschm Landsleute auch bei Zell« darauf bedacht fein, daß ihre nach langer Trmnung zurückkehrmdm Brüder jüdisch« Bekenntnisse« nicht etwa beim Empfang bald zurückgeschreckt werdm und sich mit schmerzlichem Gefühle der Verluste erinnern, welche dir Schicksal«» Wendung ihn« gebracht hat. Lass« wir eia wenig von unser« attm Staatimarottm. G. beamt« einerseits, und der Adel AragonienS andererseits, hattm eS nicht unter ihrer Würde gefunden, dem Capatoz Vorschläge zu machen, um im Falle der Jusurrection die Gardunja auf ihrer Seite zu Hab«. Nun war aber Mateo, ebenso wie Enriquez, überzeugt, daß daS letzte Wort dem verschlagen« Phllipp und der Inquisition, seiner stet« dimstferttgm Helfershelferin, bleib« und daß die Edlm des Lande« unterlieg« würden. Der Graf von Ramtra war emer der entschiedenst« Vertheidiger de« StaatSzrundgesetzeS; sein heftiger und hochfahrmder Charakter gestattete eS ihm nicht, seine Absicht« lange zu verheimlich«, und er war natürlich zu einem der Anführer der Bewegung auSersehm Word«, an der selbstverständlich auch sein Sohn Thell nehmm würde. Hierin aber ließ der König ebeosowmig al« die Inquisition Gnade vor Recht ergeh«; diese Erfahrung hatte mau schon häufig genug gemacht. Für Mateo stand der Sturz deS Grafen und seine« Sohne« unzweifelhaft fest» denn der Ausbruch deS Aufstande« war leicht vorauSzufehen. Er hatte deshalb für dm Augmblick Diego verschwind« lassen; Ramira >md Alonzo warm die einzig« Mitwisser, daß der Capatoz für d« Mord bezahtt Word« war. Sobald diese beiden Männer der Rach« de« König- und der Inquisition ver» fall« war«, konnte Diego natürlich nach Saragossa znrückkehrm; man konnte auf tausenderlei Art seine Abwesmhett nud sogar seine Aufhebung erklär«. Aber für die Aussicht« de- Graf« von Rawtra genügte DiegoS Verschwind» nicht, sein Tod mußte ohne all« Zweifel festgestellt sei». Der Graf hatte dem Capatoz dies« »me Bedingung gestellt und ihm i» Weigerungsfälle wiederum «tt der