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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-19 · 41/42 (19.10.1870) · p. Seite 344

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
41/42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 344 (sequence 12)
Language
German
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344 unS an nichts Anderes erinnern, nichts Andere» sein, alS Italiener und Römer. Majestät! Schwer uad tief find die Wuuden, welche uns iu der Vergangenheit in ökonomischer, moralischer und intellettueller Beziehung geschlagen wurde«. Wir dürfen eS nicht verheimlichen. Unsere katholische« Mitbürger wiffeu eS und sehen eS ein, daß es nicht unsere <Lchuld ist, und haben bisher, mit wenig« Ausnahmen, unS mit ihren Sympathien begleitet, lebhaft, wenn auch ohnmächtig, gegen die unS bisher gewordene Behandlung protestirt. Bon nun an werden sie gewiß unsere Bemühungen unterstützen, diese Wunden zu heilen und dem gemeinsamen Vateriande den Tribut schuldiger Pflichten und nützlicher Opfer zu bringen. Genehmig« Eure Majestät die heißen Glückwünsche, die wir Ihnen, Ihrem erlauchten Hause und unserem stalienischen Vaterland« entgegenbringm. Rom, den 25. September 1870. Die Israeliten von Rom. (Man übersehe daS Datum, WH B'm 3TP, nicht! So hat denn das Jahr, dem man so vielfach ein rmbbp) fW r6an (»möge eS mit allen seinen Leiden «d«') Nachrufen mußte, noch den Israeliten RomS, der einzigen Gemeinde der Culturländer, welche noch ganz das mittelalterliche Elend getragen hatte, Befreiung und Segen gebracht. Red.) Türkei. Aerkad, 25. September. (Orig.-Curresp., hebräisch.) Der Minister Eman. Epureano, gebürtig aus unserer Stadt und ein alter Bekannter von mir, ist gestern v»n Jassy zurückgekrhrt, uud ich war Abends bei ihm. Er erzählte mir, daß man ihm in Jassy das Budget für 1871 vorgelegt uud ihn um dessen Genehmigung gebeten habe. Er habe gefunden, daß man in einem Paragraphen eine Steuer aus daS Schlacht« von Geflügel gelegt hatte, worauf er die Vollziehung des Budget verweigert und die Behörde genöthigt habe, diese Position zu streichen. Ich sagte ihm, daß ilb eben gekommen sei, um ihm hierfür zu danken, da ich in der »Gazetta de Jassy' bereits die Erörterungen, die er über jene Anzelezenhett mit den Behörden gehabt, gelesen habe. Die Haupträdelsführer aller Verfolgungen und Anfeindungen, welche über die Ji.den in Rumänien ergangen sind, gehören zur Pattei der »Rothen', an ihrer Spitze stand Johann Bratiano; jetzt sind sie fast inSgesammt seit dem 25. August wegen des in Plojeschtt entdeckten Complotts (Ausrufung der Republik) hinter Schloß und Riegel gebracht. Auch Rosetti, Redacteur des »Romanul', ist von Bukarest nach Wim entslohm. Wir jubeln nicht über dm Fall unserer Feinde, ab,.7 wir dankm Gott für seine Hülse und bittm um seinm femerm Beistand. E. T., Rabb. (Auch der, hoffmtlich definitive, Sturz der Pattei Bratiano hängt mtt dem Erfolge der dmtfchm Waffen zusammen. Auf dm Siez Frankreichs habm offenbar die Gegner des Fürst« Earl, die zugleich Feinde der Judm warm (wenn sie auch in dieser Beziehung nicht von Frankreich unterstützt wurdm), gerechnet, und ihre Schilderhebung in Plcjeschti hing ohne Zweifel mit dm Gerüchtm über ftanzösische Siege zusammen. Wir dürfm von der nunmehr ziemlich sicher« Befestigung der Regierung deS Fürsten, welcher bisher offmbar ganz machttoS dagestandm hatte, eine Beffergeftaltung deS Looses der mmänischm JSraelirm hoffen, da nach allem, waS über die persönlich« Jntmtionm deS Fürstm Carl verlautete (und nach dm bekanntm Versicherungm seines Vater») an fein« gut« Willm geglaubt werden kann. Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Nach 12 jährigem Assefforat ist «dlich Herr LaSker zum Rechtsanwalt beim hiesig« Stadtgericht und zum Notar im Depattement de» Kammergerichts mtt dem Wohnsitz in Berlin emannt. Die Kanzel in der groß« Synagoge ist probeweise nach der Mitte vettegt wordm; e» find nun Zettel verthellt worden, um durch ein »PlebiSctt' darüber abstimmm zu lassen« ob diese Einrichtung besteh« bleib« solle; di« Zuhörer soll« angebm, ob sie dm Prediger von der Mitte au» verstandm habm. Ein ftecher Einbruch geschah in der Nacht vom erst« auf dm zweüm NeujahrStag in der Synagoge der Katserstraße Hierselbst. Die Diebe habm die Schlösser der Synagogmthüre erbrochen, in der Absicht, die silbemm Omammte an dm Thorarollm zu raubm, fandm sich jedoch in ihrm Hoffnung« getäuscht, da man vorsichttgerweise am Abmd zuvor alle» Silber anderweitig verschloss« hatte. In ihrem Unmuth über die» unmlante Bmehmm der Synagogmbeamtm riss« die erzümtm Diebe alle Thorarollm auS dem Schranke, warfm sie zerstrmt au dm Bodm und verübtm noch außerdem allerlei Unfug, ohne jedoch großm Schadm zu thun. Eheutvitz, 3. Oktober. sToleranz im Kriege.) Beim Begräbnisse der im hiefigm Lazareth in voriger Woche verstorbmm Franzosm kam der nicht uninteressante Fall vor, daß Protestanten (Soldatm der hiefigm Gamison) Katholiken zu Grabe tmzm und ein Jude die EScorte commanditte, welche dm Geschiedenm die milttärischm Ehrenerweisungen brachte. Rach Aussage einer barmherzigen Schwester habm die ftanzöfischm Kamerad« der zwei Verstorbmm ihr unter Thräum mitgetheüt, daß sie eine so sorgfältige Krankenpflege, wie die deS hiefigm LazarethS sei, in der Hekmath nimmermehr gesund« habm würdm. (D.». g.) Prag. Die »Gegmwatt' polemifitt mit vollem Rechte gegm die Prager jüdisch« Deputitt« zum böhmischm Landtage, welche am VersöhnungStage dm Sitzung« deigewohnt Hab«. Sie sagt: »AlS man schon im Vorjahre daran Anstand gmommm hatte, wußten sttmg verfassungSfteundliche Juden dm Besuch de» Landtages durch jüdische Abgeordnete am VersöhnungStage damit zu entschuldigm, daß mit dem Wegbleibm eines oder deS andem der Beschlußfähigkeit ein Abbruch geschehm könnte. Heuer war die» anders. Die Dmtfchm warm bekanntlich in der Minotttät, wichtiger Debatten gab eS bekanntlich an diesem Tage keine, zur Erzielung eines Abstimmungsresultate» bedurfte eS auch nicht der Judm und dennoch' fanden sich alle jüdisch« Landtagsabgeordnete pünttlich ein. Es liegt keineswegs in unserer Absicht, die jüdisch« Deputitteu, die am VersöhnungStage wmiger gesprochm, mehr geschrieben habm, für ihre religiöse Demonstratton zur Rechmschast zu ziehen, daß aber vr. TedeSco alS Vorsitzender der jüdisch« EultuSrepräsmtanz, vr. Wiener alS Mitglied derfelbm an einem Tage, der dem Judm als der heiligste gilt, im LandtagSfaale erschein«, kann und darf unS nicht gleichglltig lass«. Beide Herrm. die sonst vor Wahlm dem jüdischm Wähler Religion heucheln, habm ausschließlich dm Ä»dm ihr Mandat zu danken, man mußte demnach erwattm, daß beide Herren, wen« schon in Ermangelung jede» religiös« Sinne», wmigstm» auf ihre Wähler Rücksicht nehmm und an diesem etnm Tage vom Landtage fem bleib« sollt«. Während jüdische Combattantm Alles aufbittm, um selbst auf dem Schlachtfeld« dm DersöhnungStag durch einm improvifittm GotteSdimft zu feiem, feiern unsere jüdischm Verfassung»«Combattatüm tu der LaudtagSstube am Fünfkirchenplatz« dm VerföhnungStag in überströmmdem Dankgefühle, daß keine Versöhnung zu Stande gekommm ist.' Ja, da» ist der Jammer! Unsere hochgestellt«, Intelligent«" ttetm die Religion mtt Füßm; wie soll« dann Nichtjudm ihr Berücksichttgung und Achtung schmk«?! Wie». Einem Wimer Fmtlleton entlehn« wtt folgende Skizze:

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