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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-19 · 41/42 (19.10.1870) · p. Seite 342

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
41/42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 342 (sequence 10)
Language
German
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342 lungcn. Za jedem Falle find wir fest überzeugt, daß kein nvii in Deutschland au Racheüben denkt. Man wird, wie hier in Stettin, so überall, die französtschen B.-fangenm mit glauben»« brüderlicher thätiger Liebe behandeln. Red ) E An» Mürtemlerg, 1. Oktober. (Orig.-Corrrsp.) Der »Schwäbische Merkur' bringt folgenden Artikel: Ludwigtburz. 25. September. Eine seltene Feier hat heute hier stattgefunden. Die hiesigen Israeliten hatten bisher ihre Todten auf der.» Friedhofe ihrer Glaubensgenossen in Höchberg begraben, in neuester Zeit aber habr« sie einen eigene» Begräbnißplatz in unmittelbarer Nähe de» christlichen Friedhof» gegründet, und derselbe ist heute, am Vorabend de» jüdischen Neujahrsfeste», durch den Rabbiner Kirchenrath vr. v. Maier au» Stuttgart feierlich eingeweiht worden. Den nächsten Anlaß gab der frühe Tod :ine» kriegerischen Sohne» Israel», Heinrich Heidemann, der in der Nähe von Frankfurt a. d. O. heimatlich, Gefreiter eine» branrenburgifchen Infanterie- Regiment», in der Schlacht bei Gravelotte in tapferem Kampfe mehrere schwere Schußwunden erhalt« hatte, denen er in einem hiesigen Lazarethe, der sorgfältigsten pflege ungeachtet, erlegen ist, ein junger Mann von 26 Jahren, fett einem Jahre verheirathel, seit vierzehn Tagen Vater eine» Kinde»! Die hiesigen iSraelit. Vorsteher hatten zu der Feier Einladungen erlaffen, welchen die hiesigen Geistlich« beider christl. Confessionen, die königlichen und städtischen Behörde« und eine große Menge sonstiger hiesiger Einwohner, auch viele Israeliten au» Stuttgart, Cannstatt ic. gefolgt sind. Die üblichen Salve« wurden von einer Militär-Abthetlung gegeben und ein Männerchor fang paffende Lieder, al» man den ersten Sarg auf dem neuen Friedhofe unter den Segensworten de» Geistlichen in die mütterliche Erde senkte. Der »Staat»-Anzeige'' (für Würtemberg) berichtet ferner: ,Au» Anlaß de» hohe« iSraelittschen Feiertag» (Neujahrsfest) wurde den Kriegsgefangenen diese» Glauben» vom Gouvernement in Ulm die Erlaubniß zum Besuche der Synagoge ertheilt. Davon mochten zehn Mann, darunter drei Turko», welche Brüder sind, Gebrauch.' Die Kriegsgefangene» wurden mit Erlaubniß de» Gouvernement» von Israeliten gemeinschaftlich in einer israelitischen Restauration über die Festtage gespeist. Die Turko» konnten die hebräische Quadratschrist nicht lesen; dagegen die sogen. Raschischrist war ihnen bekannt. Kagena». (Nach Schluß de» vor. Blatte» einzezanzen.) Die »Amtl. Nachrichten' für da» Gouvernement Elsaß veröffentlichen eine Bekanntmachung, welche Gott Lob höchst erfreulich klingt und, bei der nun al» beschloffen anzusehenden LoSttennung de» Elsaß von Frankreich, vorläufig die Besorgnisse hebt, denen wir jüngst Ausdruck gegeben haben. Die Hauptstellen lauten: »In dem Erlaß vom 36. v. Mt», höbe ich mich an die sämmtlichen Beamten jeder Kategorie gewrndet und dieselben in ihren Functionen und ihrem Diensteinkommen bestättzt. Ich wende mich heute «in die Geistlichkeit aller Confessionen in der lebendigen Ueberzeugung, daß die Ziele, welche Staat und Kirche verftl.en, keinen Gegensatz bilden, vielmehr nur Hand in Hand zu er, e«chen sind. In der vollsten Anerkennung de» Rechte» der Kirchcn auf die ihnen in den Gesetzm de» Lande» verbriefte Unabhängigkett und Selbstständigkeit bin ich mir bewußt, daß der Schutz, den ihnen die Staatsgewalt zu gewähren hat, eine heilige Pflicht ist, deren Erfüllung getragen wird von der Erkenntniß der hohen Bedeutung de» geistlichen Amte». Die an Stelle der früheren Staatsgewalt von Sr. Majestät dem Köniz von Preußen, al» Oberbesehl«hab«r der deutsch«, Armee, für die drei Departement» de» Elsaß »iederzesetzte Regierung bringt der Kirche und ihren Organe» Wohlwollen und Bettrauea entgegen, erwartet aber auch von ihnen, daß sie in Ausübung ihre» wichtigen Amte» fortfahren werde«, den Frieden «ach alle« Sett« und den Gehorsam zu lehre«, welcher der Obrigkdit gebührt. Uebergriffe der geistlichen Gewalt in die weltlich« «erde« nicht geduldet. Al» kettende Grundsätze der Verwaltung bringe ich hierdurch zur öffentliche« Kenntniß: 1) Die Bersaffnng der katholischen und protestanti'chm Kirche bleibt ohne jegliche An» tastung bestehen. Im Gleichen bleiben dem iSraelittschen Cultu» alle gesetzlichen Rechte und Einrichtungen ungeschmälert. 2) Alle Geistlichen und Diener der verschiedene« religiösen Bekenntnisse bleibe» in ihren Aemtrrn und Functtone«; e» wird aber darauf gehatten werden, daß dieselben die Pflicht« ihre» Amte», vorzüglich auch in Bezug auf dm öffmtltchm Cultu», erfüllen. 5) Die von den Geistlichen au» der Staatskasse bisher bezogenen Gehälter werden auch ferner gewährt. 6) Die laufmdm Geschäfte der kirchlich« Verwaltung, vorzüglich die sich auf da» kirchliche Lermögm beziehenden, sind durch die dazu bestellt« Organe nach d« bestehenden Gesetzm fortzuführm. Wo die Gesetze und Verordnung« di« Mitwirkung der Ministerien in Anspruch nehmm, werden diese Function« durch d« Civtlcommiffär wahrgmommen. Hagmau, dm 12. Sept. 1876. Der Civtlcommiffär im Elsaß, v. K.ühlwetter, Regierung-Präsident.' Oesterreich. Mir«. Vor einizm Tag« kam zum hlesizm israelitisch« Prediger vr. Jellinek «ine Frau mit ihrer Tochter und verlangte ihre und der Letzteren Aufnahme in'« Judmthum. Der Prediger willfahrte. Die Frau — eine Wtttwe — verehelichte sich vor einig« Tagen mit einem hiesizm renommirten Arzte jüdischer Confessio». Die« bewog ihre Mutter — eine hochbetagte Fra« — gleichfalls Jüdin zu werdm; so ist nun der gewiß seltme Fall eingetteten, daß Großmutter, Tochter und Enkelin sich dem Judmthume zugewendet. — In diese Woche fällt auch die Convertirung eine» k. k. Offizier«, der den rituellm Act der Beschneidung an sich vollziehen ließ. — Mittwoch wurde ein Brunnen» machrr mit seiner Frau im jüdischm Tempel in der Innern Stadt nochmal« getraut. Da» Ehepaar war mit seinm Kinde« dem Christmthum untreu gewordm, da die Frau, die früher Jüdtu war, nun Reue fühlte und ihre Angehörigm ebmfall» bewog, Judm zu werden. Nach beendigter Ceremonie wurde von vr. Jellinek für die armm Brautleute eine Sammlung eingeleitet, die ein befriedigende» Resultat hatte. — Zurückgewiesm wurde ein nach dem Judmthume sich sehnmder Tischlergeselle, der al» Grund seine ärmlich« Berhältniffe angab, von vr. Jellinek mtt dm Worten: »Bleiben Sie Katholik und ich werde Sie unterstütz«, aber glauben Sie ja nicht, daß wir darauf zahl«, wen« Einer Jude wird.'— Der in verflossener Woche vollzogene lleber» tritt eine« getauft« ehemaligen Soldatm zum Judenthum verdimt die Aufmerksamkeit durch dm Grund, warum der Soldat sich taufen ließ. Vor mehrerm Jahrm, al» er noch aetiv war, wurde er eine» Tage» von einer GreiSlerin beschuldigt, Aepfel mtwendet zu haben. Obwohl er seine Unschuld bethmerte, wurde er verhaftet und zum Profoßm geführt, der ihm versprach, die Strafe zu erlaffen, wenn er dem Judmthum Valet sag« wollte, wa» auch geschah. (Ocanw.) Hkrng. Mit Vergnügen registrirm wir, daß an der hiesig« Universität da» österreichische Sttafrecht wieder in einem Juden (früher Prof. Weflely) seinm Mann gefundm hat. Im LectionS-Cataloge der Prager Universität find« wir nebst Herrn vr. Gundling auch Herrn vr. Zucker (ISraelit) verzeichnet, der über österreichische» Strafrecht in böhmischer Sprache lesm wird. (»tgm.) L. Zu» Weber-A»ß«r«, 2v. September. (Orig-Corr.) Sie hadm in der vor. Nummer Ihre« Blatte« eine Besprechung de» orthodoxe« Statut» versprochm und ich gesteh« Ihnen, daß

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