Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 41/42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- Seite 341 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israelitische Wochen-Schrist. Beilage zu N' 41-42* Breslau, 19. Oktober 1870. I. Jahrgang. bat Lehrer» an der Talmud Tora -Schule, der. . )erren Munk »ad Berlin, rin au» mehrere» Abtheiluugeu bestrpmder Religions- Cnrfu» für israelitische Mädch« eröffnet. E» besteht bereit» seit Mai d. 3ein solcher Eurfu» für Knaben unter derselben Leitung. — Ende Oktober wird in der BerlagShandlung von 8ilh. Mauke eine Schrift, betitelt »Hamburger Orientalist«', von dem bekannten Bibliographen und früheren Cenfor vr. F. 8. Hoffmann hier erfcheium und wird solche auch die Namen vieler Äden, deren LebmSabriß, literarische Thätigkeit u. s. w. enthalten. Ueber die jetzt zu Ende geführte Restaurirung der Synagoge zu Altona berichtm die »Altonaer Nachr.' Folgende»: Der Tempel der hochdeutsch »israelitischen Gemeinde in der Breümstraße zu Altona ist einer Renovirunz unterzogen, die vier Monate Zeit erforderte und jetzt der Synagoge einen glänzeaden Schmuck verleiht. Die giüroffeneu Neugestaltungen und Dekorationen begeznm jeder bewährten Coocurrmz und bieten besonder» am Abend durch die äusierst elegante Beleuchtung einen überraschenden Eindruck. In zwei Jahren feiert da» genannte AudachtShau» den Tag, au welchem daffelbe vor 200 Jahren errichtet worden. Der Grundstein wurde 1672 gelegt und wenn da» Gebäude 1711 der Wuth de» Feuer», welche» am 1. November diese» Jahre» in Altona auSbrach und in der Breiten- und Langenstraße über 200 Häuser in Schutthaufen legte, zum größten Theil Widerstand leistete und den erlittenen Schaden berest» ersetzt hatte, al» der unerbittliche Graf Magnu» Stenbock 1713 in der Nacht vom 8. bi» 9. Januar die offene Stadt mit Fackeln und Pechkränzen bi» fast auf 30 Häuser den Flammen preiSgab, fo entging da» Bethau» auch dieser Gefahr, und zwar, «i« e» ü> der üeberlieferung heißt, weil «» der schwedischen Generalität — gleich der braunschweigisch - lüneburgischen Salzfactorei in de: Elbstraße und dem de Ruyter'schen Hof auf Eisler'» Feld (JohanniSsttaße) — »Brandschatzung dafür bezahiete'. — Von Interesse dürften auch heute noch sein die an der Ostsette der Synagoge eingemauerten Schwedenkugeln, welche von den SchreckenStazen damaliger Zeit hinlängliches Zeugniß ablegen. Di« Erwerbung einer eigenen Begräbnißstätte seiten» der iSraeliti>chm Gemeinde in Altona auf dem sogenannten Central- Kirchhof, worüber ich mehrfach berichtet, führte bisher zu verschiedenen Verhandlungen mit dem Vorstand der evangelischlntherischen Kirche, ohne zu einem eigentlichen Abschluß zu gelangen. Diese Verhandlungen oiüffen wohl jetzt abseiten der genannten Gemeinden abgebrochen worden sein, da sie zu beregtem Zweck einen Platz auf der Ottensener Feldmark gekauft hat und der Ankauf am 19. Seprember vorbehältlich der Genehmigung der Behörde abgeschlossen wurde. W. Akts»«, 2. Oktober. Der im Jahre 1865 von einem au» der Mitte der Gemeinde erwählten Ausschuß von sieben Mitgliedern, auf Grund einer deniselben vom Aeltesten-Collezium unterbreiteten Vorlage, ausgearbeitete Entwurf eim5 Regulativ» für die Gemeinde-Verhältniffe ist vor einigen Wochen von der königlichen Regierung an da» Aeltesten-Collegium, auf desieu wiederholte dringlich« Vorstellungen, wieder zurückgelaagt. Die königliche Regierung hat den Entwurf in vielen wesenttichm Punkten abgeändert und dabei einige dieser Aenderungen al« unbedingt nothwendig, andere al» höhere» Orte« wenigsten» erwünscht bezeichnet. Unter letzteren ist beisptel»w«ts« da» Aufhören einer gesonderten Armenverwaltung angeregt. In dieser Veranlassung hat da» Collegium, um die Ansichten und Wünsche der Gemeindemitglieder in dieser hochwichtig« Frag« thunlichst zur Geltung $k bringen, beschlossen, für di« Abfassung «ine» neuen Entwurf» abermal» einen Ausschuß von sieben Gemeinde- Mitgliedern zusammm zu beruf«. Die Wahl findet Ende diese» Monat» statt. .X Jau Siiddentschkand, 7. Oktober. (Oriz.-Corresp) Der Vorwurf de» KotmopolttiSmu» ist un» Juden so oft schon gemacht und eben so oft auch gründlich widerlegt worden, daß eine nochmalige Beleuchtung desselben um so überflüssiger erscheinen müßte, al» die unparteiisch Denkenden und die Wahrheit gern Hörenden und Annehmend en von der Böswilligkeit jene» Vorwurf» längst überzeugt find: diejenigen hingegen, die gegen ihr beffere» Wissen nach Vorwand« und Gelegenhetten suchen, um gegen da» Judmthum und seine Bekenner zu Hetzen, werden sich niemals überzeugen lassen, mag die Wahrheit noch so offen und klar dargelegt werden. Nun, abgesehen von den ganz bettächtlichen Opfern an Gut und Blut, die die deutsche wie die ftanzüsische Judenheit, in früherm Kriegen sowohl al» in dem letzten, ihrem Baterlande gebracht, legen unsere benachbarten Glaubensgenossen im Elsaß einm Patriotismus an den Tag, der de» Guten etwa» zu viel thut, und vor lauter Vaterlandsliebe alle» menschliche Gefühl, alle Gastfteundschaft und Nächstenliebe und alle jüdische Gesinnung über den Haufen wtttt. Im Elsaß wird, seit seiner Occupation durch unsere Heere, der preußische, bayerische, badische und würtembergische Glauben»- bkkder, deren sich daselbst massenhaft, geschäftlicher Drehungen mit den Armeen wegen, hcrumtummeln, mit der eben so schlichten als zarten Titulirung »deutscher Hund' näher bezeichnet! Geschähe die» blo« den jüdischen Soldaten gegenüber, so hätte der fürchterliche Deutschenhaß von Setten unserer elsäßischen Glaubensbräder keinen Sinn und keine Berichtigung zwar, aber doch eine gewisse Grenze: fftl JN5 *W. Die »natürlichen Grenzen' fiud aber einmal, und hoffentlich für in,mer, im Sinne der Franzosen, verrückt, und mit ihnen leider Alle», wa» fest Jahrtausenden in unserer Mitte al» gute» jüdische» Herkommen, dem un» aufiuchenden Fremden gegenüber gegolten hatte. Und so wird dem jüdischen Kaufmann-, der ncch niemals verbotme Speisen versucht und der, nach mehrtägigen Strapazen und Entbehrungen, so glücklich ist nach einer jüdischen Wirthschast in Hagenau zu kommen, der Bissen Brot oder eine erwärmende Speise verläuznet und vorenthalten, wenn solches nur irgendwie sich ermöglichen läßt — wenn er eben ein Deutscher ist! So weit aber wäre der PattictiSmu» doch noch immer so zu sagen in ein System gebracht, wenn diese» auch al» ein hohle» und durchlöcherte« bezeichnet werden müßte. Man ist eben Franzose mit Leib und Seele und haßt dm Deutschen gründlich, ob er Glauben»gmoffe ist oder nicht. Man ist dort zwar zumeist sehr, sehr ungebildet; braucht man aber Bildung, um pattiottsch gesinnt zu sein? Sind Chauvinismus und gebildeter Sinn nicht überhaupt au»gebtldete Gegensätze? Und ist etwa jeder Deutsche, der den Mund voll mit patriotischm KrastauSdrückm nimmt (man braucht blo» an unsere bayerischm »Patriot«' und derm Organe, da» lieb« »Vaterland' und »die Rheinvfalz', zu denken), .gebildet'? Da»tt hat'« al'o gute Wege. Daß aber '» Dprn prw Oman ihren Deutschenhaß auch auf dm tobten GlaubmSbruder «uSzudehnm im Stande sein möchtm, davon will ich Ihnen in meinem nächst« Schreib« n"* eine wahre, auf der ein« Seite äußerst rührmde, auf der andern hingegm widerliche Geschichte mittheüm. »(Wir bring« vorstehend« Correfpondenz nicht ohne Widerstreb«, nicht ehne tiefe vrhmitth zu« Abt^uck. Aber vahrhett unterdrück« geh« -nicht au. Für die vahrhett aber bürgt sowohl unser Herr Corvespondent, wie andere un» (»gegangene Mttthei-