Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 41/42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- Seite 339 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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339 Icgnag ooat vormittag anf de» Nachmittag zu er« lauge»! 0K. Mngdttzurg, 23. September. (Orig^Eorresp.) Dem Rabbiner der hiesigen Gemeinde ist in diese» Tagen von Ihrer Majestät der Königin Lugusta et» anerkennende« Dankschreiben fftr seine an Bettage gehaltene patriotisch« Predigt »der heilige Krieg' zu Theil geworden, wak au« dem Grunde hervorgehoben zu werde» verdient, well diese Predigt ganz besonder« die nach einem siegreichen Kriege zu erhoffende volle Gleichstellung der JSraelttm scharf betont. Der jüdische Regimmttarzt Dr. Rosenthal von hier hat bei Leaumont da« eiserne Kreuz dafür erhalten, daß er trotz der einschlagend ea feindlichen Kugeln sein« mmschmframdliche ärztliche Hilfe Freund und Feind unau-gesetzt zu Theü werden ließ. Dem hiesigen Vorstände ist vom Rabbiner der Vorschlag gemacht wordm, bet de» kleineren Nachbargemeinden in Stadt und Land'genaue Erkundigungen über di« in diesem Kriege gefallenen Glaubensgenossen einzuziehen, da die Namen derselben auf einer im Tempel zu errichtenden Gedächtnißtafel zum ewigen Andenken verzeichnet werden solle». Ebenso die, denen da« »eiserne Kreuz' verliehen worden. — E« wäre wünschen«» werth, wenn dieser Vorschlag in allen größeren Gemeinden zur Auöführung käme, etwa so, daß die bedeutendste Gemeinde in jedem Regierung«bezirke diese Nachforschungen anstelle, und eine solche Gedächtnißtafel errichte, damit die vereinzelten Fälle gesammelt seien, und der statistische Nachwei« über die Menschenopfer, welche dieser.Krieg Israel« Gemeinden gekostet, geliefert werde» könne. Daß anch hierort« den unter den Kriegsgefangenen befindlichen 3«raelitm gestattet war an den hohen Festtagen dm Tempel zu besuch«, ist ebenso wie der Umstand, daß dieselbm an dies« Tag« auf Gemeindekostm gespeist wurdm, wohl überflüssig zu erwähnen, da die« sicherlich au allm Orten, in dmm jüdische KriegSgefangme sich befiudm, der Fall war. Man konnte im Tempel beobachten, wie mancher von dies« Leutm beim Gebet sei« NLZI JO** benützte 3. Au» Ut ’PfttaptMriK}, im Oktober. (Orig.-Eorr.) 3» Bielefeld ist eine Tochter de« Herrn Rabbiner Dr. Geiger in Berlin verheiratet. Ei» au« dieser Ehe hervorgegangme« Knäbchm ist bi« jetzt nicht beschnittm worden. — Die verwandt« forderten Herrn Dr. G. auf, durch sein« Einfluß die Leschueidung zu bewirk«; doch soll derselbe, wenn auch nicht ablehnmd, so doch ausweichend geantwortet Hab«, so daß die verwandt« jetzt in gespanntem Berhältniß zu Her« Dr. G. steh« soll«. — Daß die Entrüstung über dies« Fall in hiesiger Gegmd sehr groß ist, find« Sie begreiflich. Wer sich tndessm erinnert, in welcher Verbindung Herr Dr. G. in dm 4V er Jahr« mtt der Frankfurter Reformgmoffmschast stand, die bekanntlich »Abschaffung der Beschnetdung' in ihr Programm aufgenommm hatte, der wird sich da« verfahr« G.« wenigst«« al« »Eonse» qumz' eintgermaßm erklär« könn«. E« muß leider wett ge» komm« sei« mtt dem Judenthume, wenn Solche« von sein« Lehre« und verbreite« gescheh« kann! (Aum. d. Red.) Wtt erblick« in dem verfahr« de« Her« Dr. G. alle« Andere eher al« »Konsequenz'. Ausweichend autwortm ist wahrlich nicht confequmt. Aber wie dieser Herr fett 30 Jah-m in seiner Person dm »Schriftsteller' und dm »Rabbiner' auseinander grhaltm wiffm wollte, so jetzt auch wohl d« »Vater' und dm Rabbiner. Hat er doch ohne Zweifel oft genug bei Beschnetdungm dm Rabbiner gespiett, auch von dem »Bunde Abraham«' gepredigt — mtt reservatio mentalis? — spricht er doch femer laut dm Segen über die »Thorath emeth'» die er in klar« Wort« wiederum al» gefälschte und von Lüg« jeder Art mtstellte Thora bezeichnet hat; hat er doch unzählige Mal diese »Thorath Mosche' in feierlichem Zuge einhergetragm, die er ttu Herz« für ein durch und durch untergeschobme« Werk hätt, unzählige Mal gewiß von »unse« weis« Lehre«' gepredigt, die er im G«nde für Thor«, bornirte Geister hätt u. f. w. hett, die ihm fast jede« Selbstgefühl raubte. Er wußte nicht mehr, wa« er that, wa« er dachte, und er kam erst wieder zum Bewußtsein, al« seine Begleiter vor einer Höhle, einer Art geheim« versteck«, wie die Gardunja der« viele hatte, um daselbst ihre geraubt« Güter zu berge», Halt macht« und ihn auffordertm einzutretm. Diego brachte in diesem 8>>s, eine schreckliche Nacht zu; auSgestreckt auf einem Lager von MooS und dürr« Blatte«, da» ihm die Floreadore« in der Tiefe der Höhle angewiesm hattm, verfiel er in ein« fieberhaft« Halbschlaf. Sein Kopf brannte und die Gedankm ging« darin krmz und quer durcheinander. Die Inquisition, seine Tochter, der Graf Ramira, der Eapatoz, die Gardunja, Alonzo, Fernando, Enriquez, da« Alles verschwamm zu einem wirr« unklar« Bllde. Indessen schienen die Leute, die ihn aufgehobm hattm, ihm nicht feindlich gesinnt zu sein; sie hattm, als er seine Kleidung hatte wechseln müffeii. sein Geld und die Kleinodim, die e^ bei sich trug, ihm gelassen. Beim Scheine der Kienfackeln, die man für ein« Augmblick, um sich zurecht zu find«, angezündet hatte, bemerfte er, daß nur noch drei der Räuber bei ihm zurückgebliebm sei«. In der That war derjmige, der die Uebrigm zu befehlig« schim, an ihn herangetretm und hatte ihm leise die Wotte zugeflüstert: „In Eurem eigm« Interesse rathe ich Euch, nmnt Enrm Ramm nicht, erkundigt Euch nicht nach Eurm Angehörigm, wartet, seid verschwieg«, und Alle« wird gut enden." Daun war er weggegangm. Da« war eine neue Vorsichtsmaßregel de« Capatoz. Die drei Männer, die bei Diego zurückgeblieben, kanntm ihn nicht; dm« Mateo hatte dafür Sorge getragen, solche Floreadore» au»- zuwählm, die in Saragossa gänzlich unbekaimt waren. Es lag ihm viel daran, daß sie nicht einmal dm Ramm des Gefangnen erfuhr«. Ein anderer der Begleiter war schon früher unsichtbar geworden. ES war Mateo selber. (Fortsetzung folgt.) Gegensätze. Welchen seltsamen Lontrastcn begegnet man nicht in großen und kleinen Begebenheiten der jüngsten -eh» Wochen! Das deutsch« Heer siegreich im Herzen Frankreichs — die Truppen der gnade n»tion mit Tnrkos und Zubehör kriegsgefanaen in Deutschland; da» vielgetheilte Deutschland geeinigt und seine Grenzen erweitert — der Kirchenstaat als solcher verschwanden und die ewige Stadt » I» Japan in welUiches und geistliches Gebiet getheüt; Rom verliert endlich den mittelalterlichen Ghetto — im freisinnigen Lande des cioilisatorischen Fortschrittes mach« sich plötzlich -villejuisdekaunt; Minister Lremieup refidirt zu Tour» im erz. bischöflichen Palaste — in jener Posen-r Schale ist für einen jüdischen »Hospitanten» kein Platz. Hört nun gar rin aus Breslau gebürtiger Soipat in der Kathedrale zu Rheims bekannte Riguuim, hätte mau in den tinesauue Totes statt der nicht mehr ganz zeitgemäßen Worte rfrpc und npri jetzt eiurückra müssen ,,mi bamitnüllease umi bechanepot“, und wird Vtmher israel. Landwehr» mauu im Bivouak da» nächste Sukkochsest in einer srlbftgezimmerreu Hütte wohueu und damit unfreiwillig ein Gebot erfüllen, da» ihm früher »für die Gegenwart nicht augemeffeu und uuthuulich» erschien-wa» noch mehr? «—z. C — n.