Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 41/42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Ist. Such hätte man eine Thora viel näher haben kämen, wenn anch nicht ans französischem Boden, doch an der Grenze. — Heber den bei St. Barbe von Herrn vr. Blumenstein ab-chalten« Gottesdienst finden wir Authentische« in Nachstehendem in der „Danz. Ztg.": Danzig, 12. Oktober. Wir werden von einigen unserer Landsleute, die gegeuwärtig vor Metz stehen, um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: „So reich unS die Ost« und West» Preußen mit Liebesgaben bedenken, so hat doch ooch keiner unserer GlaubenSbrüder daran gedacht, etwas für unsere Seelsorge zu thun, waS doch unter den obwaltenden Derhältniffen für jeden Einzelnen und Namentlich bei dm hohm Festtagm ein sehr wichtiger Gegmstand. Eine süddeutsche Gemeinde und zwar der großherzogliche Stadt«Rabbinat-»Verweser, Herr Rabbiner Dr. Frtedmann in Mannheim, hat fich darum bemüht und mit großm Opfern errungm, daß am DersöhnungStage für die jüdischm Soldatm de- 1. Armee «CorpS, ein gemeinschaftlicher Gotte-dimst abgehaltm wurde. Der commandirmde Gmeral v. Manteuffel gmehmigte per Telegramm die Entsendung eine« 'Predigers; Herr vr. Blumenstein auS Mannheim, ein junger Theologe, unterzog sich freiwillig diesem schwerm Amte und trat seine Reise nach St. Barbe, Hauptquartier de- Gmeral«Kommando« deS 1. Armee »CorpS, an und hat bei dm sämmtlichm GmeralstabS-Offizieren eine sehr liebevolle Aufnahme gefundm. Gin Beilokal wurde Herrn vr. Blummstein zur Verfügung gestellt und die nächst gelegme jüdische Mannschaft wurde am 4. und 5. Oktober zum Gottesdienst nach St. Barbe commandirt. Der Gottesdienst am 4. währte von 5 bis 7 Uhr, am 5. von 7 bis 11 Uhr und von '/, 5 bis 61/, Uhr AbmdS. Herr vr. Blummstein hat die Feier deS für unS so wichtigm Tage« auf «ine sehr würdige Weise eingeleitet und der Gottesdienst hat auf unS Alle eium sehr tiefe« Eindruck gemacht. Eine herrlich auSgearbeitete Predigt hat un» in dieser emstm Zeit auf'S Tiefste «rbaut und uns Allen nmm Muth eingeflöht. Die Function eines LorbeterS übernahm Unteroffizier Wolff vom 5. Regiment auS Thorn, und wir giaubtm unS Alle in die Heimat versetzt. Da« ist wohl der erste GotteSdtmst, der im Felde für jüdische Sokdatm abgehaltm, and verbtmt umsomehr die Beachtung. Schließlich sprechm wir dem großherzoglichen Stadt-Rabbiner zu Mannheim und besonder» dem Herm vr. Blumenstein unfem innigsten Dank au» und hoffm, daß sich ein derartiger Gottesdienst im Felde wiederholen wird. Mehrere jüdische Unteroffiztere und Mannschaften de» 1. Armee-Corp»." — In dm deutschen Garnisonen habm die jüdischm Soldatm, sowie die in Festungsplätzen detinirten jüdischm Franzosm überall an den Festtagm Urlaub erhalten. Wir lesm von besonderm Derwmdungm und Bkttm mancher Rabbiner zu diesem Behufe; dies ist ganz überflüssig, eS gmügt eine einfache Anzeige, daß auf den und dm ein Feiertag fällt. Wrr werdm zum Nutzen mancher Rabbiner und RelizionSlehrer, dmm die Berhältnisie unbekannt sind» und die nur ihrem Anfehm und der Sache schaden, wenn sie, etwa gar persönlich und mündlich, um etwa» bitten, wa» unS zu steht, demnächst eine Darstellung der Sachlage geben. Etwas Anderes ist eS, wenn jüdische Solj datm außerhalb der Gamison Gottesdienst besuchm sollen, [ hier muß allerdings eine besondere Vergünstigung cintretm und! nachgesucht werden. — Ueber die Franzosen ist in dm uaten folzmdm Correspondmzm einigeberichtet; wir mtnehmen anderen Zeitunzm noch, daß in Hamburg und Altona je zwei, in Ulm zehn, worunter drei TurkoS, Brüder, am Gottesdienst besucht habm. Hier sind unter den von Straßburg eingebrachtm Franzosen noch weiter zwei Judm (ein Offizier); mit Bestimmtheit wird behauptet, daß noch einige Judm hier seim, welche sich nicht als solche gemeldet haben.— Die im Kriege gefallmen Judm nach den Angabm der! Zeitungm namhaft zu machen, ist unnütz, weil jede annähemde I Vollständigkeit fehlt; wir fahrm jedoch fort diejenigen zu nmnm, Diego und seine Tochter wurden durch diese» Geräusch aus allen ihrm fchönm Zukunftsträumen aofgeschreckt. Juanita rückte ihrem Vater näher; eine unbestimmte Unruhe bemächtigte fich beider; ein unseliges Mißgeschick hatte so lange über ihrm Häuptem geschwebt, daß die nichtigste Ursache sie erzittem machte. Aber schon war Jago über dm Hof gezanzm, um nachzufehm, wer seinm Herm in so später Stunde noch zu sprechm wünsche. Bald kam er mit der Meldung wieder, daß der Mann, -er an die Thür geklopft, vom Alcalden abgeschickr sei; der Alcalde lasse Diego bitten, sich sofort in Femando» eizmem Interesse zu ihm zu bemühen.! Diego fand diese Botschaft im erstm Augmblick ein wenig; ausfallend; indessen e» war ja nicht unmöglich, daß der junge Mann seiner bedurfte. Er bereitete fich demgemäß vor, dem Botm Le» Alcaldm zu folgen, und Juanita begleitete ihn bis zur Thür. | „Auf baldiges Wiedersehen, mein Kind," sagte er, ihr einen j Kuß auf die Stim drückend, „habe keine Angst, ich werde Dir hoffentlich gute Nachricht bringm." „Gott gebe eS," sagte da» junge Mädchen beflommm. Sie blieb auf der Schwelle de» Hause», als Diego hinauSging. Da» Knarrm de« ThorwegS, der schallend hinter ihrem Bater in« Schloß fiel, hallte schmerzlich in ihrem Herzm wider, rmd von einer dunkeln Vorahnung überwältigt, sank sie unbewußt auf die Kniee, ihre Hände saltetm fich und sie betete i leise: „Mein Gott, mein Gott, erbarme Dich imfnr!" 10. Indessen war Diego in» Freie hinauSgetveten und schritt an der Seite de» Bot« dicht», Lei in einm weitm Mantel gehüllt war und die Kapuze tief inS Gesicht gezogm hatte. In Gedanken versunkm ging er mechanisch nebm ihm her, als er sich an einer Wendung der Sttaße plötzlich von andern Männem umringt fab, die ebmso wie sein Begleiter weite Mäntel und große Kapuzm trugen. Diego schauderte; er kannte zu genau das geheimuißvolle Gebahrm der Diener der Inquisition und die nächtlichm lleberraschungm, mit Hülfe deren sie sich ihrer Opfer bemächtigtm. Er blieb nicht lange im Zweifel, denn kauni hatte er den schreck« lichm Gedanken gefaßt, als einer von den Männern an ihn herantrat und ihm in« Ohr flüstette: „Im Namen der allerheiligstm Inquisition, folgt uns!" So vorbereitet er auf dm furchtbarm Siblaz war, und die Marannm warm e» immer, blieb Diego einen Moment wie angedonnert vor Schreck. Die Jnquisitton! Alle» ungeahnte Elmd, der ganze grausige Schmerz, der sich an diese» Wort knüpfte, stand glühend vor ^seiner Seele, und danebm da» Bild seine» theuren Kinde«, s^ner Juanita. Jndeffm suchte er sich zu sammeln, um seinm Schreck« nicht zu verrathm. Vielleicht war er nur al« Zeuge vorgeladen, oder ein Mitglied der Inquisition verlangte ihn privatim zu sprechm; innerhalb der Mauern de» dunkeln Gebäude» ging so viel Eigenthümliche» vor. Schrecke» zeigen hieß die Schuld eingestehen, und da» heilige Officium kanute keine Gnade. An Flucht war nicht zu dmkm, wer konnte der Inquisition entfliehen! Und für dm Unschuldigst« rvar ein Fluchtversuch der vollgüttigste Beweis für feine Schuld. Diego wußte da» wohl, er antwortet« möglichst ruhige mtt einem neu« Versuch seiner Aufregung Herr zu werdm: