Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 41/42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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hatte ich gebetet, so erscholl da» Signal zum Ausrücken, schon während de- Gebetehörte ich da- Donnern der Kanonen vor Metz. Jetzt machte ich mich marschbereit, fort ging e- «ach Metz zu. Der Kampf dauerte nicht lange, 8000 Mann waren au- Metz herau-gekommen und requirirte« 35 Fuhren Weizen in der Umgegend von Metz; ewährte jedoch, wie gesagt, nicht lange, und sie wurden zurückaefchlagm, nachher ginge» wir wieder in unsere alten Quartiere. In derselben Weise ging eS mir am zweiten Tage; wir wurden auch allarmirt, fernen aber nicht zum Gefecht.' Einen anderen G«sicht-punft eröffnet d.i nachstehende, von befreundeter Hand uns mitgetgeilte Brief: (Welchen Proviant unsere Soldaten verlangen.) Audem Briefe einejüdischen Soldaten vom 3. Hanncv. Infanterie- Regiment Nr. 79. * Bivouac vor MaizisreS bei Mey, 25. September. »Lieber I.! Ich schreibe Dir beute um einer ganz besonderen Beranlaffung willen. Wir haben unS von unterem Corp»- Eommandanten die Vergünstigung erbeten, für die Dauer der Festtage vom Dienst« befreit zu sein. Dieist unS gewährt worden. Wir werden daher nach Emery, einem etwa 3 Kilometer von unserm Bivouac entfernten Orte, zur Synagoge gehen. Einen großen Gefallen würdest Du unS nun erweisen, wenn Du uns zu TEE CT» ein Heft der herrlichen SachS'schen Predigten senden wolltest, die zu hören unS vorige- Jahr in B. eine so hohe Freude war. So schön die Festtag-gebete auch find, bei unS Laien findet das lebendige Wort unserer lieben Muttersprache den schnellsten Eingang in Herz und Gemüth, zumal, wenn eS in so erhebender Weise unS begegnet, wie in dielen prachtvollen Predigten. Sorgt Ihr aber in der Heimat für unser leiblich Wohl, so werdet Ihr unsere Bitte, unS nach langer Entbehrung an diesem Tage auch einmal wieder eine geistige Nahrung zu reichen, gern gewahren. M. 8.' Bon der »Division Kummer', speciell vom IS. Regiment (Posen), ist im ,J-rael.' berichte», «m erste« Tage haben die jüdischen Mannschaften auf freiem Felde mft Minjan gebetet, am zweiten machten di« Franzosen einen Ausfall; so war jener, der erste ein Feier-, der zweite ein Fenertag, wie der Briefsteller sagt. So haben wir noch verschiedene Berichte au» verschiede«« Standquattieren und Bivouacvor uns, welche jedoch nicht- Lemerken-wertheenthalten. Auf Jom Kippur ist nachstehende Note durch viele Blätter gegangen und unfern Lesern wohl zumeist bereitbekannt: Äudem Briefe einepreußischen Füsilieri-raelit. Religion, der mit der EernirungSarmee vor Metz steht, an feine hiesigen Verwandten entnehmen wir folgende Stelle: »Da der Berl'öhnungStaz auf Mittwoch den 5. Octbr. fällt, haben wir Schlesier und viele Posener unzusammengethan, um riefen unfern heiligsten Tag würdig zu begehen. Bijetzt find vir 1174 Mann zusammen, Unteroffizier Hirschberg ist unser erster, Füsilier Selizmann unser zweiter Cantor, die Thora haben wir von Thorn bekommen und werden, so Gott will und Bazatne unin Ruhe läßt, auf fteiem Felde unfern Gottesdienst verrichten; sonderbar genug werden wir unin Uniform, Pickelhaube und Gebetmantel auSnehmen. Unsere christlichen Kameraden werden einige hundert Schritt um un- Wache halten, damit wir nicht gestört werden.' Diese Mittheilunz wird auf Wahrheit beruhen, die Detail» leiden aber ohne Zweifel an Unzenauigkeiten. Da da- Gro» deS 5. und 6. Armeecorp- (Posen und Schlesien) gar nicht vor Metz steht, so ist nicht abzusehen, woher 1174 Schlesier und Posener oder überhaupt Juden sich bei der Cernirung«» Armee befinden, noch weniger, wie sie au» den mehrere Meilen au»- einanderlirzenden Cantonnement» znsammmkommen sollte«. Und eim Thora auS Thorn? Man weih, wie unthunlich die Versendung von Packereien über 15 Loth an die Truppen gewesen „ES ist gut," antwortete jener, der jetzt keinen Zweifel mehr über die Absichten deS Unbekannten hegte, „es ist gut." Der Unbekannte verbeugte sich leicht, leette langkam daS vor ihm stehende GlaS und schien sich um Mateo nicht mehr zu kümmern. " Dieser erhob sich, warf «nett schnellen Blick auf die Anwesenden und machte ein für den Uneingeweihten unmerkliches Zeichen. Einige Trinker, die in einer Ecke des Saales zusammen saßen, hatten wohl darauf geachtet. Dann entfernte sich der Hauptmann fchnell. Eine Viertelstunde später trafen die vier Personen, denen der stumme Ruf des Capatoz gegolten halte, ihren Vorgesetzte» in einer gewissen Entfernung von der Herberge, au dem gewöhnlichen VeriammlunzSplatze. Diese noch ganz jungen Leute nannte man in der Gardunja Floreadores d. h. Sttauchräuber. Sie waren gewandte Spitzbuben, die aus den Bagnovon Sevilla, Malaga oder Mellila entkommen waren. Sie trugen auch den Namen »Gesellen', weil sie erst das Noviciat als »ChivatoS' durchgemacht hatten. Sie mußten dann noch zwei Jahre der Gesellschaft »treu und redlicb' dienen, ehe sie zum Range einet »Guapo' oder wirklichen Mitglieds der Gardunja emporstiez«. Kein öffentliches oder heimliche- Umernebmen war io gefahrvoll, das ein Floreador auf Befehl deS Capawz nicht versucht hätte, um seinen Schutz zu erhalten und schneller den Ranz eine- Guapo zu erhalten. Diese Leute standen dem Provinztalhauptmann jederzeit unbedingt zur Disposition, und Mateo hatte auf ihre Ergebenheit gerechnet um daS RettungSwerk, welchechm die Dankbarkett gegen Diego einflößte, vollbringen zu können. Er letzte ihnen also auseinander, daß er ihrer z» einer geheimen Expedition bedürfe, die ihnen außer seiner besondere« Gunst eine bedeutende Belohnung einbringen würde, unter der Bedingung, daß sie das ttefste Sttllschweigen über die Sache inne hielten. Das war für die FloreadoreS rin doppelter Gewinn, da sie nicht, wie die andern Guapos, ein Anrecht an die Einnahmen der Gesellschaft hatten und nur von zufälligem Nebenverdienste leben mußten. Ebendeshalbverfehlten sie auch keinen Abend sich in der »rothen Herberge' einzusinden, um beständig der Befehle Mateos gewättig zu sein. Der Eapawz gab ihn« nun genaue Instructionen über Alles und schickte sie fott, nachdem er für den folgend« Tag Ott und Stunde zu einer n«m Zusammmkunft festgesetzt hatte. An demselb« Abend saß Diego in seinem Zimmer »eb« seiner lieb« Juanita. Jnmittm der Trauttgkett, die fett Fernandos Abwesmheit ringum sie herrschte, suchte der arme Later seine Tochter zu ttöstcn und über daS Schicksal dejunge» ManneS zu beruhige». Er setzte ihr auseinander, daß kein Grund zu ernstlich« Befürchtung« vorliege; da Alonzo geretttt war, war der Prozeß nur noch eim leere Formalität. Um sei« Tochter noch mehr zu überzeuge«, malte ihr Diego die Zukunft mtt de« glänzendst« Färb« au»; er sprach mit ihr von dem Leb«, dafie führ« würden, wenn sie, einst wieder vereint, Spani» verlast« hätten, wenn sie in eine« weniger grausam« Lande wohn« würden, wo ihn« keim Verfolgung weg» ihre- Glau» bens drohte. Durch solche beruhigend« Bilder gelang «- ih« «ach und nach, Juanita heiterer zu stimmen. , Diego hatte so viel Gefühl und Wärme in. sei« Wort« gelegt, daß er sich selbst merkwürdig dadurch ernmthigt fühlte, al» man plötzlich, >» die lttchera Thüre de»- H»f«» kl«pft«.