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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-19 · 41/42 (19.10.1870) · p. Seite 335

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
41/42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 335 (sequence 3)
Language
German
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335 von der Ettanbntß» Gottesdienst zu -halten, würde» Gebrauch mache» können, wird sich kaum erfüllt habe». Der Eommandant dieser Armee, v. Werder, bisher Division«»General Hierselbst, wird jedoch gewiß jede thimliche Vergünstigung gewährt haben; man kennt fein Wohlwollen. Auf Befehl de« König« ist de» Juden in der Gesammt» Armee für die drei Lage DiSpenS vom Dienste ertheilt worden, insofem die betreffende« Trnppentheile nicht gerade in Action ge» zogen würde», doch scheinen schon vorher einzelne CorpS»Com» Mandanten den Urlaub bewilligt zu haben. (S. unten die Cor« respondeaz au« Steinbach und unsere Bemerkung zu derselben.) Au« Arf. Moselle, den 28. Sept., schreibt ein Artillerie- Sergeant vom 9. Armeen CorpS: »Ich berichte Dir gleich» wie e« unS ergangen ist. Daß wir unS hierher begeben würde«, habe ich Dir schon mügetheilt. Sonntag Mittag ging B. von Gravelotte hierh-.-r, um Quittier zu bestellen, ich ttrt später herüber. ES wohn« hin fünf jüdische Familien, sie haben jedoch keine Synagoge (sie gehen sonst nach Metz), auch ein Sepher oder Schofar gab eS nicht. Aber auch unsere Hoffnung, bei und mtt ihnen in einer Stube beten zu können, wurde vereitelt. Die Leute wollten von MS nchtS wissen, niemand wollte ein Zimmer hergeb«», Ouattier schaffte man unS, auch erhielt« wir für Geld «nd gute Wotte etwazu esien, ziemlich schlecht. Ich habe durchaus nicht da» gefunden, wa« sonst Juden, wenn sie auch verschiedener Nationalität stad, für einander zu empfinden pflegen. Diese Leute find zuerst nur Franzosen, ebenso heißblütig und ungläubig wie alle ihre LandSleme, sie glauben nicht an unsere Erfolge, sie bleiben dabei, daß ihre Heere nach Berlin unterwegs feim «. f. w. Endlich fanden wir bei zwei Berliner Kaufleuten, Brüder« Groß, gute Aufnahme, sie gabm M« ein Zimmer zum Bete», Md fo machten wir baut Minjan. S« warm lauter Soldaten, Preußen wmige, meift Heffm; Jnfantette, Jäger, Cavallette, Artillett«, Trat», Lozattthpersonal, alle» 'ttN^vertretm »nd an Chargm alle« bi» zum Lieutenant. Auch die jüdischm Rangklasim oder Chargm, und alle», wa» sonst zu einer ttchttgm Gemeir.de gehött, war vettrttm: Kohanim, Levttm, JiS» tok md Awelim zutn .Kaddisch. Dm erstm Tag Schachari» und zweitm Mufsaf bettte ein Infanterist vom 30. Reg., Kaufmann a»S Mainz, vor, erstm Musiaf Md zwettm Schachatts ein Train-Grfretter vom 7. Armee-CorpS, ein Chasan auS Anhalt- Dessau. Dieser hat wirklich ganz ausgezeichnet nach deutscher Att vergebet et. Die Franzos«, obgleich sie wußten, daß wir Minjan machtm, habm sich nicht bttheilizt. Al. A.' Auch der .JSraelit' mthält einm Bettcht über GotteSdimft am Neujahr in Ar» s. M.. dem zufolge die jüdischm OttS-Ein- «ohner mit dm Soldaten zusammm .sich zu einer Gemeinde constituirt' hätten. Solltm zwei Versamnilungen dott stattgefunden habm? Unser Bnef ist von einem durchaus glaubwürdigm Mvnne; wir ersuchen Herrn vr. Lehmann sich noch einmal Auskunft zu verschaffe». Die Sache ist an sich wohl unwesmtlich, aber doch nicht gleichgülttg; da« von unserm GewährSmaM geschilderte Benehmen französischer Juden stimmt leider nur zu gut zu. anderweitigen Nachrichtm. (S. unten .Aus Eüddeutschland.') Wmiger gut hatte eS ein Soldat des 3. Armee-CorpS, dessen Brief in all seiner Einfachheit wohl dm Abdruck verlohnt: »Roncourt, 29. September. Roschhaschono-Abmd hatte ich mir ein Talglicht angesteckt und dabei mein Gebtt verrichttt, wobei ich, wie Ihr Euch wohl dmkm könnt, oft an Euch zu Hause gedacht habe. Zum Abendbrot habe ich Commißbrot, Butter und Käse gegessm, weil ich kein TrefeS ttfm wollte. Dm erstm Tag Roschhafchono habe ich hinter dem Dorfe hinter einer Mauer gebtttt, um dott ungestört zu sein, denn im Ouattier konnte ich es nicht, well ich dott mit zu Birlm im Ouattier bin. Wie mir zu Muth war, als ich die Mussaf Schemone e»ra betete, brauch« ich Euch wohl nicht zu schildern; unwillkürlich qüollm mik bie Thränm au« meinen Augm, doch ich fühlte, wie wohl e« mir that;"ich hatte wahrlich inbrünstig gebtttt. Kau« Stäuber selber straftm olsne Erbarmm die geringste Verletzung der Statutm der Gesellschaft, und unter dtesm Umständm hatte er kttne Vergebung zu «warten. Da« nmlich« Duell komte dem Capatoz zu Hülfe kommm und die Ausführung sttn>< Plane» unnöthig machm. Er verfolgte also, wie gesagt, mtt derselbm Aufmerksamkeit, wie die unmittelbar bethttligtm Personen, die verschiedmm Phasm diese« Erttgnifle«, vergaß aber dabtt nicht, jedm Augmblick auf die Ausführung seine« Plane« gefaßt zu sein. So vergtngm ttnige Tage, mdlich besiegte Llonzr« Jugmd und kräftige Constttutton die Gefahr der Krankhttt, nachdem er lmge zwtschm Tod und Lebm geschwebt hatte: der junge Mann war gerettet. Diego sttt btt dieser Nachttcht ttne Cmtnerlast von der Sette, obwohl er noch iinmer einer gewiflm Unruhe darüber, daß er »och nicht Alle« wisse,, nicht Herr werdm konnte; Juantta» blttche« und traurige« Antlitz begam sich wieder zu erhtttem, währmd Fernando« Schrrcken nur noch größer wurde. Al« der Letztere in seinem Gttängniß die Nachttcht erhielt, daß Alonzo in der Lesierung begriff« stt» hielt er sich Md die Sein«, sowie alle Marannm, die damal« in dm Rainen ge- «esm «arm, für verlor«. Jedm Morgm erwattete er au» dem Gefingniß der Mantfestacion in da« der Inquisition üiergefühtt zu «erde». Jndeffm Tag« verging«, sein Prozeß nahte dem End«; Alonzo lebte, er ging sogar au», aber nicht« von dem, wa» Fernando gefürchttt hatte, trat ein. Die Urberrashung des simgm Manne« war groß. Wa« hatte Alonzo am Abend der versammlnng btt d» Ruin« gemacht? und was bedaitttm die vorle, die er gefproch« hatte? Jndessm hatte der Graf, «I» fei» Sohn ttnmal «rßer Gefahr war, daran gedacht, sttn Borhabm mdlich auszuführm. Die Gefangmschaft Fernando« kam ihm sehr gelegen; denn auf bitte Wttse war Juantta, nach der Ermordung Diego«, ohne jedm Beschützer und fiel noch bedmtmd leichter in sttne Hand. Aber der Graf beeilte sich nicht; er wollte so viel wie möglich Zttt zwischm dem Duell, dem fein Sohn fast zum Opfer gefall« wäre, und Diego« Ermordung vettttttchm lassen, um jedm Verdacht zu zerstreuen. Uebttgen« hatte er nichts zu vettäumm, vorauSgttetzt daß Femando in Anbttracht seiner Untersuchung noch im Gttängniß blieb. Dazu kam noch, daß er, der Femando niemals aageklagt hatte, jetzt, da sttn Sqhn gerettet war, noch viel wmiger an die Rache dmkm durfte. Der Capatoz sttnettell« erwatttte täglich daS LofungSworr, welchefür die Stunde der Auöfühmng festgesetzt war, Md war fest mtschlofsm das Berbrechm zu hindem. Im Geheim« hoffte er nämlich immer noch auf eine Wendung der Berhältnisie, die dm Mord unnöthig machte. Aber ttne« Abend«, als der Capatoz wie gewöhnlich in der »rothm Herberge' vor dem ftaazöfischm Thore saß, nahm et» Mann ihm gegmüber Platz. Mal« bttrachtete dm Neuangekommenen, dm er nicht kannte. ,,E« ist Zttt," sagte bitter kalt und trocken. Wie man sich ettnnem wird, war die« da« au-gemachte LoftmgSwott. Der Capatoz bebte; «tum Lugmbltck glaubte er falsch ge« hött zu Hab«; de«wegm blieb er, ohne zu cmtworten, unbeweglich fitz«. „Eß ist Zttt," wiederholte der llnbttamüe in demselbm To«, sich«, er dabtt dm Gattmnja - Hauptmium scharf fittrtr.

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