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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-19 · 41/42 (19.10.1870) · p. Seite 334

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
41/42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 334 (sequence 2)
Language
German
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384 echte Humanität fördert, weckt, so bewirkt e< dienicht durch seine Lehre — wo gäbe e» den» noch ein« MoraloderHumauitälSfatz oder Gemeinplatz, der nicht längst zu allen Andern übergegangen wäre? — sondern durch sei» Gesetz. Werdaherda» Judenthmn auf einige Lehrsätze reduciren will, der erklärt da», selbe für überflüssig; und wer eS für überflüssig erklärt, der ist durch die Thatsachen widerlegt. Es zeigt sich vielmehr jetzt thatsächlich, w-S theoretisch von unfern Lehrern stets al» da» Richtige erkannt worden ist, daß nämlich da» Judenthmn in feinen Bekenner» durch da» Gesetz lebendig erhalten wird, und daß diese Bekenner dadurch der Aufgabe genügen können, die Lehre des Judenthmn» für bie Menschheit zu bewahren. Ob daun in der Gesammt-Menschheit die Lehre je ohne daS Gesetz eine Erlösung bewirken köimeu wird, da» steht dahin; so viel aber steht thatsächlich fest, daß sie eS bis jetzt nicht bewirkt hat. Aber auch für die Wirksamkeit und unvergleichliche Kraft de» jüdischen Gesetzeslebens haben die jüngsten Wochen Belege geliefert, die unter gewöhnliche» Umständen gar nicht so deutlich zu Tage treten können. Da haben unsere Soldaten an Jahrzeittagen und an den heiligen Festen zusammen gebetet. Wie haben sie gebetet? Mü tiefere'- Innigkeit als sonst irgendwo und irgendwann gebetet werden kann. Wer hat gebetet, wer vorgebetet? Juden, die al» Juden erzogen worden sind, beten gelernt haben und dem jüdischen Gebete und der Gewohnheit de« Beten» nicht entfremdet find. Und wer unter ihnm hat sich danach gesehnt, wenigsten» Neujahr und Berföhnung»tag „mit Minjan zu beten" oder wenigsten» Waffenruhe zu haben? Diejenigen, denen Rosch hafchanah und Jom Aippnt noch wirklich jomim noroim find — nicht diejenigen, di« zu Hau» -losch haschanah einmal eine Stunde und Jom Kippur zwei Stunden eine Visite im Tempel abstatten. In Wahrheit, ihr richttgen Reformhelden und Reformnarren — et» solcher Feld gölte» dienst ist »ach eure» Anstchte» kein richtiger Gottesdienst; da btttt ei« Soldat, vielleicht seine» Zeichen» ein Schneider, vor, nicht nach Rote», nicht' nach Siegel» der Kunst, ohne richtigen Tik und ohne Takt, keine Orgel, keine Musik, kein Shorgesang, kein „EultuSbramter", kein Mäntelchen und Barett, alle Requisite eine» Gottesdienste» in eure« Sin« fehle» — und doch der tiefste helligste Dienst im jüdische» Stnnel, ein Kiddusch haschem wie er (Gott gebe e»l) so nicht wieder gefordett werden möge alle Tage der Belt. Ein Stück echte», lebendig« und beleben, den Judenthum», unvergleichlich und alle» anderen Religion« unbekannt. Wärm hundett reformjüdische Soldat« zusammen, gewefm am Neujahr, wa» hättm sie gethan? wa» veranstaltet? was thun könnm? wa» thun wollen? Nicht»! Nicht»! Da» aste Judenthum wäre ihnm fremd gewesm und da» „tunt“ hättm sie nicht bei sich, nicht zm Hand gehabt! Kriegs-Nachrichtm. Heber die Feier der Bußfeste bei dm deutsch« Truppe» im Felde lieg« un» viele dirette Berichte und mttgttheiv« Soldatmbriefe vor. Sogar die politisch« Blätter Hab« einige Notiz« darüber gebracht. Unsere Nachrichtm bezieh« sich jedoch nur auf die vor Metz liegmdm Trupp«; von d« tiefer in Frankreich disloctrtm und von der CernirungSarmee um Part- Hab« wir bi» hmte <12. Ottober) noch nicht« Bezügliche» er» fahr«, au«genommm folgende in verschied«« Blättem enthaltene Notiz: »Im Schlosse zu Ferriöre», da» dem Baron v. Rothschild gehört, befindet sich eine Synagoge, in welcher ans Befehl de« König» an dm hohen jüdisch« Festtag« für die Soldat« mosasschm Glauben» ein Gottesdimst stattgefundm haL* Bor Straßdurg Hab« gerade die betdm Nmjahr-tage di« Entscheidung gebracht; die in der »Jüdisch« Presse' ansgesprochme Hoffnung, daß die Jud« in der Belagerung»arm«e *) D«t darin» Mt R»gß4Mt, tbu Predig M «fern, tn CMtatt doch sehr wiwschawwerch sei» nttttte, ist tzierdnrch nicht «s-eschwff«. FeuMeton. A u a n i t a. (Fortsetzung.) Der Mönch Enriquez, der vettrautest« Freund der Famllie Diego», war ebmfall» dem plötzlich« Semmwechsel aufmerksam gefolgt. Juantta» Vater hatte dmr Mönch in einer geheim« . Unterredung seine Bermuthungm, die noch durch einige Worte r Fernando» bestärkt wurden, unumwunden mitgetheilt. Aber Enriquez hatte sein« Frmnd beruhigt. Die Inquisition war augmblicklich iwch zu sehr mit dm luthersschm Ketzern beschäftigt; alle Gefängnisse der Aljaferia warm mit ihnm angesüllt und zahlreiche Prozesse schwebt«. Seit einiger Zeü war von Marannen nicht mehr die Rede gewesen;'offenbar hatte man anderweitig zu viel zu thun, um unter solch« Umständm noch an sie zu dmkm. Aber nebm diesen Person«, die mehr oder wmiger an Alonzo» Schicksal, dessm Leb« noch immer in Gefahr schwebte, betheiligt warm, verfolgte auch ein Anderer mit größter Aufmerksamkeit die Krankheit-phasm de» jung« Graf« von Ramira. Dieser Mann war der Gardunja-Eapatoz Mateo. Mateo war in die Verhältnisse zu sehr eingeweiht, al» daß er nicht dm Zusammmhaag zwischen dem Duell in der Herberge zur ,la Bum Dmtura' und der Unterredung, die er neulich mit Alonzo bei dm Ruin« gehabt hatte, hätte ahn« soll«; und er war gewissermaßm darüber erfrmt, daß diese» nme Ereigniß di« ganze Sachlage mtt einem Schlage ände« mußte. Zum erst« Mal während seiner Amtsthättgkett widerstrebte e» hier dem Eapatoz, ein« ihm aufgttragmm Mord ausführ« zu lass«, zum erst« Mal dacht« er daran, ein Leb« zu retten, für welche» ihm der Kaufpreis bereit» ««»gezahlt war. Mehrere Gründe ließ« ihn dies« für ein« Gardunja-Hauptmann gewiß höchst befremdend« Entschluß fass«. Vor allem fühlte er sich durch dm befehlmdm To«, in dem man ihm dm Mord avfgegebm hatte, und durch di« Drohung mtt der Appellation bei« Hermana mayor in seiner »Spitzbubmehre' ungemein gekränkt. Für Mateo war diese Beleidigung die hättest«, die mau ihm überhaupt anthun konnte, da sich jeder Eapatoz für dm und«, schränkt« Beherrscher seiner Provinz hielt und sich nur insofe« vom Oberhaupt de» ganzen Bunde» abhängig fühlte, al» er verpfiichttt war, diesem ein« verhältnißmäßig größer« Anthell von jedem Geschäft»gewinn zukommm zu lass«. Dazu kam noch die Berechnung der Verluste, die ihm Diego» Tod unfehlbar bring« würde; der letztere zahlte in der That regelmäßige Abgabm an die Gardunja, um, wie Er sagte, da» Leb« seiner Freunde zu siche«, oder in Wirklichkeit, um der Geheimhaltung seiner Geschäfte sicher zu sein. Ein dritter und mächtiger Beweggrund befestigte dm Eapatoz in seinem Entschluß: nämlich die Erkenntlichkeit, die er Diego für die Wohlthatm und dm Schutz schuldtte, dm der würdige Mann ttnst seiner Fra« und seinem Kinde hatte angedeth« lass«. Diese» Gefühl hatte in der Brust de» Räuber» mit einer Zähigkeit Wurzel geschlagen, der« nur solche verwlldette Charaktere fähig sind, «mn ein guter Gedanke ihre unbezähmbar« Leidmschaftm zu besieg« vermocht hat. Der Eapatoz war also »tschloffm, Diego der Rache de» Graf« zu mtztehm; da» llnteruehmm war für ih» schwierig: er riskitte dabei seine so einträgliche Stellung und vielleicht auch sei» Leb«, den» der Hermana mayor und dt« gewöhnlich«

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