Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 41/42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935224--0445-5370154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
If2 41-42.-r*i#?0. 1. Jahrgang. ochen-Zchrifl für die religiösen md soeialen Interessen des Judenthums. Erschei« jedm Mittwoch. Preis vierteljährlich 20 SilberPwsche». ffti Ml dreispaltig» Petiyeile »der derni Raum!*/■ «0t. BerauNvorllicher Redakteur mb HerauZgtber Rabbiner Dr. A. Irenenfets in Stettin. Breslau, 19. Octobcr 1870. Zu beziehen durch alle Buchhandlun,;« und Postaustalten. tzufaateu.Auuu-m« » dir Schlettrr'sche« Buchhandlung (H. S lutsch) in Breslau. Auhalt. Uetteudn Artikel: Ursache« »ud Wirkung««. lTchluß.) KrtegS-Nuchrtchtm. Feuilleton: Juanita. «egenfätze. verichte »ud Eorresdoudeugen: Deutschlaud: Posen. Schueidemthl. Boa der Steife. Stein hach. Alt-Sirelitz. Hamburg. Altona.-Au» Güddemschlaud. Aus würtrmberg. Hagenau. Oesterreich: Wie». Prag. Aus Rieder-Uagaru. Italien: Floren». Türkei: verlad, vermtscht, und neueste Nachrichten: Berlin. Lhemnih. Prag. Wien. Wien. Amsterdam. Warschau. Notizen, Literaturbericht. Berichtigung. Briefkastr«. vaeonzeu-Liste. Inserate. Ursachen und MirKungen. < Schluß von Nr. SV.) Wir «oll« Mlder Betrachtung der Ursachen und Wirtnag« in den Krieg-ereigniff« die Frage von dem Berhältniß der Religion, specieü de>t Iudmthum», zur Humanität beleuchten und zu beantwort« such«. Humanität und Lirilisation habe» nicht «ur nicht dm Krisg selbst» sondern auch nicht einmal dt« AuSschreituug« verhindert. '-«Ache tzl, «E«» r>««chilfl."M»Sugk»u» 'Ml da» Borwärtsdränam der Stqja nach sich ziehe». Aber «ich dir Stimme der herrschend« RMgton verhallt «achtlos, und wa» sie auf der etnm Sette durch Pflege der Verwundet« und Hülfe für die Verarmten und Entblößt« leistet, dawird durch len FaarttSuüi», dm die Priester, wmtg« stendie katholtfchm, von Tag zu Tage wild« und wüthmder schür«, ausgewogen und annuüirt. ES hindern und lindern dm Krieg «bmsowenig dtejenig«, welche aufrichtig«fromme Christen find, wie e« diejmigev thun, welche die GlaubmSlehrm de- ShristmthumS verwerfm und statt derfelbm »Humanität, Eivi« ltfation, Fortschritt^ u.' s.«. auf ihre Fahne geschrieben habm. 1 Go geht für un» zunächst da- Eine klar hervor, und e» 'find alle Partei«-im Jüdeuthum über da» Eine einig, daß » dm» Judeachum noch eine große Aufgabe und Bestimmung bleibt, > nämlich durch seine göttlich« reinm Lchrm die echte Humanität vor Untergang und Verschüttung zu schütz«, und daß eS so tanze fortbestehm muß, bi» diese fei»: Lehr« endlich dm Sieg erlangt, dm'Völkerhaß und jeden Fanatismus getilgt habm. Run fragt sich aber: wie soll da» Iudmthum in der Gegenwart und von jetzt cd feiner Ausgabe genüg«? Zu einem thttig«, mtfcheiomdm Etngreifm in dm Gang der Dinge find »ir viel z» ohnmächtig, und solche» ist auch durchaus nicht unser Beruf; die Aufgabe ist vielmehr eine doppelte: da» Iudmthum soll sich selbst t» fein« gebovmm Bekennern erhalt« und befestige», und e» soll für seine Lehr« diejsuige Propaganda »nach«, welche in sei»«» Geist,: liegt, also »Acht st» Proselytm- «acheret besteht, sonder» i» de« Feftstehm 4»f dm» eigenen vodm und in dm» unnschttterlich« Festhast» der «agefälschtm Lehre, bi» diese durch den Wahrheit etgeue Macht sich Bah« bricht. Hier steh« nun pari Anfiihtm' einander gegmüber *). Die _ _ *) wir res»«lrt» hier, der fang«, Zwischenzeit »cgta, da» tu Rr. 39 eine geht dahin, das Iudmthum müsse den allergrößten Theil (»der'daS Ganze) seiner »Ceremonialgesetz«' aufgebm, damit seine Bekmner ungehindert dem socialen Leb« sich anschließm, damit sie, von jenen Schranken nicht longa beengr, dem Judm» thum verbleib« uud so zugleich die Humanität fördem. Die Andern behaupt«: nur durch da» Festhalten am Gesetze kaim da» Iudmthum bestehen und sich für die Menschheit erhalten. Die Thatsachel» sprechm laut. und deutlich für die letztere Ansicht. Wem» di» Menschheit bereit» au ihr Ziel gekommen, »oder ihm auch' nur nabe genug gekommen wäre, d. h. wenn di« Hu« mantkät au» der Sphäre der RedmSartm herauSgetret« und zur thatfächlichm Wahrheit zewordm wäre, nenn die Civilifation mehr als eine sogenannte wäre, d. h. wenn sie nur ein Be» glücken und Aufbauen erstreben und erziel«, aber nicht auch zerstören würde, und zwar in noch viel coloffalerem Maße zerstör« würde, als sie aufbaut, wmn also daS erreicht wäre, dann könnte da» Iudmthum aufhörm al» Besonderheit fortzubesteben. (Wir können diese Ansicht wmizstml hier gelt« lasten.) Die Thatsachen haben aber unumstößlich bewies«, daß jmeS Ziel noch durchaus nicht erreicht ist. Wmn ferner die Lehren der Humanität al» solche ge* uügten, so sind diese Lehr«, wie sie da» Judenthum feit Jahrtausmdm Verkünder hat, in Aller Mund; daS Iudmthum könnte also zur Ruhe gehen. Die Thatsachen habm unumstößlich bewies«. daß diese Lehre» allein ganz und gar machtlos find. Weder die christliche Religionslehre, noch die vom Christ«» thum losgelöste, oder ihm opponirmde HumanitätSreligion hat irgmdwie Probe gehalten. Wenn also viele Judm geglaubt, ehrlich geglaubt habm. da» Iudmthum habe seine Mstsion im Älesentlichm erfüllt, «S könne seine Besonderheit ablegm, e« sei genug, wenn der Jude sein Schema jiSroel behalte, der „reine Monotheismus" genüge — so hat zwar der EutwickelungSgang derjmigen Judm, der« jentgm Famllim, welche nach dieser Ansicht gehandelt und ihre Kinder erzog« haben, schon fest Jahrzehnt« gezeigt, daß mit der Besonderheit auch da» „Allgemeine" im Iudmthum fchwiudet, daß, wo die llebuug der „Crreawnialgesetze" aufhört, auch da» Schema jiSroel sagest« wird; aba Me Geschichte der letzt« Wochm -hat «och mehr gezeigt: die reine nackte Lehre ist für die Rettung der Menschheit und di« Förderung da Menschlich« keil untuirksa«. Und «er» da» Judenthuv» in sein« Bekäme«