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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-05 · 40 (5.10.1870) · p. Seite 330

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
40 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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880 jwrbra. Di« Erhebung der Beiträge liegt den Vorsteher» der Bezirke» da» Führe» der Rechnung dein hierortig« ob. Für die größeren Gemeinden tritt der Nutzen der Kaffe gewöhnlich wenig hervor (Emden erhält etwa 8V, zahlt SO Thlr. jährlich) — die kleineren Gemeinden dagegen würden ohne diese Beihilfe» die auch arbeitsunfähigen Wittwen und Minorenn« ertheilt wird, vie Steuerlast uicht erschwingen können. Die Frage, wie die etwaige Uebernahme der Armenpflege durch die Stadtcommune umgestaltend auf den Verein wirken dürste, sei zu wetterer Erwägung hiermit angeregt. scbw. Schwanenterg (Reg.-Bez Düffeldorf), 2. Scptbr. (Orig.-Corresp.) Zu den Nachrichten vom Kriegbschauplatze in ihrem geschätzt«,Dlatte bin ich in der Lage auch von hier einen Bericht zu geben. Mose» Wolff, Kanonier vom Rhein. Feld- Artillerie-Regiment, wurde in der Schlacht bei Wötth, wo er nach seiner Angabe von seiner Geschützmannschaft mtt seinem Offizier allein am Leben blieb, an der rechten Hand sehr erheblich verwundet, sollte dann nach Berlin in» Lazareth tran-pottirt werden, doch stieg er in Düsseldorf au(, wo er längere Zeit gepflegt wurde, und stellte später da» Ansuchen in seinem Elternhaus« verweilen zu können, damit er die Feiettage nach religiöser Vorschrift feiern, könne, welche« ihm arch gestattet wurde Zum Andenken brachte derselbe den Granatsplitter mst, durch welchen er verwundet wurde, und seinen Mantel voll von Löchern. Wie jener berichtet, wären die elsäßer JSraelite» sehr theilnehmend gegm ihre Glaubensgenossen; und so fand er auch bei einem dorttgen Israeliten die gastfreundlichste Aufnahme, ohne daß dieser irgend eine patt.-'tisch feindliche Gesinnung gezeigt hätte. v. An» Mürtemterg, 17. September. (Orig.-Eorresp.) Den ZeitungS-Nachrichten entnehmen wir, daß in Mühlhausen (Elsaß) fortwährend Schaar« umherzirhea, welche Fahnen mtt den Inschrift«: „Mort aoz proteitanta“ re. umhertragen. Vorübergehend soll auch ein „Mort nun juif»“ aufgetaucht sein. (Wir haben darüber im vor. Blatte berichtet. Red.) — Wir erinnern unt dabei, daß vor vier Jahren die Juden in Hohenzolle«, die im Uebrigea »preußischer al» BiSmarck' waren, die sogenannten würtembergischen Occupation»truppm sehnsüchtig erwarteten, da sie durch Drohungen stark geängstigt wurden. Man sieht, daß der Pöbel überall derselbe rst »ad überall dieselben zügellose« Wünsche hegt, wenn er uicht im Zaume gehalten wird. Doch scheint Frankreich wenigsten» den Vorzug zu haben, daß derartige Neigungen eben nur auftauchen; zu Thatsach« werden sie nicht. — Oesterreich. Wien, 14. September. Die »officielle Hofzeitung' meldet: »Seine k. k. Majestät haben dem Literaten vr. Max Letteri» in Würdigung seiner verdienstlichen Leistungen da» goldene Verdienst» kreuz mit der Krone zu verleihe« geruht.' (Wie wir früher berichtet haben, feierte L. am 13. Sept. seinen 70. Geburtstag.) ^ipt« St. Mtükos, 13. September. Sonntag feierte unsere Gemeinde, welche unter den für Bildung und Fortschritt thätigen einen hohen Ranz einnimmt, ein schöne» Fest. Sett einem Vierteljahrhundert chaben wir hier ein schöne» Tempel- und zwei Schulgebäude, und ebenso lange besteht ein Leseverein. Bi» vor 18 Jahren-wirkte hier al» Prediger und Schuldttector Herr vr. B. Löwenstein, jetzt in Lemberg. Vor 23 Jahr« hatte er hier feine Amtirung begonnen, und so wurde da» Jubiläum de» Vereine», der Schule und de» Herrn Löwenstetn gleichzeitig al» wahre» Gemeinde- und Schulfest begangen. Der geaamite Herr war in unserer Mitte erschienen, hielt am Sabbat eine Predigt, wort» er sei« Wiedersehen mit der Gemeinde feierte, und Abend» wurde ihm ein Fackelzug nebst Ständchen gebracht. Tag» darauf um 8 Uhr Morgen» bewegte sich ei» großer Zug, bestehend au» der Schulcommisfiou, dem Lehrkörper, der 800 Köpf« starke» Schuljugend und unzähligen Gemeindemitglieder«, durch da» Städtchen mtt klingende« Spiel und flatternde« Fahnen» unter denen di« groß« JubiläumSfahne «mporprangte mtt der Inschrift: »Durch Wissenschaft und Sittlichkeit zur Freihett' vor di« Wohnung de» Jubilar» und zum Tempel, der nebst dm zwei Echulhäuser« sich in einem geräumig« Hofe befindet. Hier leitete der gegmwärttge Schuldttector, vr. Grün, die Feier mtt einer länger» Red« über die Bedeutung de» Tage» ein. I» der Synagoge selbst sang der recht gut geschulte Knabmchor, unterstützt von dem hier bestehend« jüdisch« Gesangverein, da» Matobu und ein« Psalm, worauf unter erwartung»voller Stille der Kopf an Kopf gedrängt« Zuhörerschaft Herr Rabbiner Löwenstein durch mehr al» eine Strafe eine Predigt hielt, die mit vollem Rechte d« 8nthufia»mu» aller Hörer, zu den« auch der Obergespan de» Liptauer Eomitate« nebst zahlreich« höher« Beamt« gehörte, erregte. Mtt der erwähnt« Fahnmaufschrtft al» Text und an da» erste Stück de» Wochenabschuitte» (P. Bikkurim) anknüpfmd, wurd« dtt Aufgab« der Schule von höherem, echtjüdischem Gesichtspunkte auf die geistreichste, gemüthvollste Weise beleuchtet. Al» bletbmde» Denkmal der Feier empfahl der Redner die Sttftung eine» LehrerpmfioaSfond» und zwar in so ergreifmder und nachdr«ck»voller Weise, daß unmittelbar nach der Rede dem Vorsteher ein Schreib« zuging, worin ein höherer Beamter de» Comttat» zu jmem Zwecke 30 Guldm einsmdet mit der Bitte ungmanNt bleib« zu dürs«. Diese» Humanttät»- Beispiel eine» Nichtjudm bildete di« Einleitung zu einem großartig« Akte der Opferwilligkett, welcher den schönst« Mommt de» Abmd» abgehalten« Festeffm» bildete, indem die au» ungefähr 120 Theilnehmem bestehend« Gesellschaft nach dem Vorgänge de« Vorsteher», Herrn Moritz Diner, welcher 800 Gld. zeichnete, eine Summe von über 2000 Gulden subscrtbirte, die hoffentlich noch bettächtlich «»wachs« und unter dem Ramm »Löwmstetnstiftung' eia ewige« And«k« an dm schön« Tag btldm wttd. Möge diese» Beispiel auch in dm ander« größer« Gemeind« würdig« Nachfolge erweck« und so vielleicht da» bisher vom allgemein« «ng.-i»r. Lehrerveretn mtt schwach« Erfolg« angestrebte Ziel wirksamer und vollständiger erreicht werdm! (3- «•) Vermischte und neueste Nachrichtm. lvreSla«. Bon Herrn vr. P. Neustadt hier ist der dritte Jahresbericht über die hebr. lPrivat-)llnterricht»anstalt deffelbm, zur Herbstprüfung, erschienen. Voran geht ein Vortrag über »de» JSraelttm vorzüglichste Pflicht« zur Zeit der Gefahr de» Vaterlande»', gehaltm am 23. Juli, am Sabbat vor dem Bettage, in einer der Breslauer Synagogm. Der Text der Predigt ist Jer. 29, 7. Recht hübsch ist in derselb« dtt Anwendung der Synonym« iw, sw, Trat in ihrer verschiedenen vedmtung. Dagegm Hab« wir mit Verwunderung gesehen, daß in einem solch« Schriftchen, deffm Exemplare naturgemäß nicht sämmtlich in Ehr« gehaltm «erden, mehrmals VWl» Dvn gedruckt Word« ist. Dtt Anzahl der Zöglinge belief sich auf 70—72, davon wurd« 18 unentgeltlich, 18 für halbe» Schulgeld unterrichtet. Die Schüler der oberst« Klaff« «erd« bi» zum Erle«« von Mifchna, Ehaje Adam und Talmud geführt. Vielfache Geschmk« an Geld und Lüche« zur Unterstützung der Anstalt resp. bedürftiger Schüler «erd« dankbar aufgezählt» «nd bittet Herr vr. Neustadt Autor«, Besitzer von Bibliothek« und jüdische Buchhandlung« um Geschmke an brauchbar« hebräisch« und deutsch« Büchern. Die Schule soll demnüchß auch Mädchm aufuehmm. — Wir erhalt« soeb« die ,N. Bad. Landetz-Ztg.', »elch» von Mannheim, 28. September, berichtet:

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