Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 40 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935223--0440-5370150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
wrgefcft zu fliehen oder zu sterben. Mit schwere» Mühe« ander Festnng gelangt, durchwanderte er Bayern, Vorarlberg und f«m glücklich nach Bregenz, von wo er durch die Schweiz in» Elsaß znrückkehrte. »Je«. 0t«.J berichtet, daß der Grand Rabbi» Aron von Straßburg sich an der Seite des Bischofs befunden habe, al» dieser mit der weißen Fahne auf der Plattform de» Münster» «schien, um mit den Belag«em die bekannte» llnterhandlungen etnzuletten. Berichte und Correspondenzm. Dtutschland. -g- An» HstprenKe«, 19. Sept. (Orig.-Co«.) Die von Jhum wiederholt gegebene Anr»;ung, daß wir Juden, zumal in Preuße», dahin trachten 'mfiffen, daß die Leistungen unserer Glaubensgenossen im Felde und zu Hause nicht übersehen und ignorirt «erden, und daß wir endlich thatsächltche Anerkmnung «ns«« Rechte «langen, nachdem wir der Pflicht gegen da» Vaterland »mit Gut und Blut' genügt haben, ist ohne Zweifel un» allen aud« Seele gesprochen. Wir »«spüren wirklich bei jedem Schritte die Fußfeffel, die un» einengt, und w«den nach dem Frieden ein lchw« Stück Arbeit haben, wenn wir — was wir muffen — diesen Zopf allmählig beseitigen wollen. ES ist dieS um so schwierig«, alS die unS in den Weg gelegten Hinderniffe nur von d« Verwaltung auSgehen, und uns die meistengesetzlich ausgesprochene Gleichheit in vielen Fällen den Recur» an die Kammern unmöglich macht. Die Kamm« konnte unS helfen, so lange esich um den Buchstaben deS Gesetze» handelte — gegenüber der Böswilligkeit in Anwendung de» einen od« and«en Gesetze» ist sie ohnmächtig. Wenn d« Minist« nachweist, daß « einen Juden al» Nicht« angestellt, so braucht n sich nicht zu entschuldigen, daß « so und so viele zurückgesetzt. ES wird ein« unermüdlichen Agitattou bedürfen, um endlich einmal die öffentlich«Aufmerksamkett auf alle Schüde» zu lenken. ES handelt sich ab«, wie Sie auch bem«kt haben» kett»SwegS nur um Anstellungen «. d«gl.; e» wird dah« geboten sein, einmal die Desiderieo zusamm.'nzustellen, die wtt in Syaagogen- und Schulsachen, für Civil» und Militairverhältniffe haben. -w- QwUtu, im September. (Orig.-Eorr.) Die Wochenschrift versprach vor läng«« Zeit ein Ref«at üb« die hannoverschen Armenverbände von sachkundig« Hand zu bringen. Da daffelbe noch imm« auf fich warte» läßt,' so möge folgende Notiz üb« dm OstfrieSland umfaffmdm größere« Armmv«band für jüdische Armenpflege als Vorläufer und Mahn« dimm: Im j 4 d« Bekanntmachung de» vormaligm kgl. Ministerium« de» Innern vom 19. Januar 1844 wurden die Landrab» bin« aufgefordert, Vorschläge in gedacht« Hinficht zu machen. Dem wurde unt« dem 12. Novemb« 1845 entsprochm, indem folgende Organisatton vorgeschlagm wurde. Die Provinz w«de in vi« Bezirke mit dm vorortm Le«, Aurich, Rordm und Emdm gejheilt; in jedem d«felbm werde ein BezirkSvorsteh« gewählt mit sechsjähriger AmtSdau«, doch mit d« Modifikation, daß alle drei Jahre zwei auSfcheidm. Diese Vertrauensmänner mtscheiden unt« Vorsitz deS LandrabbinerS, ob ein vorkommmd« Fall zum Einschreiten deS größ«u Armmv«bandeS geeignet und in welch« Höhe die jedesmalige Unterstützung zu bemeffm fei. Befond«» GemüthSkranke und langwierige Krankheiten, derm Kosten die Kräfte deS kleinm mit d« Synagogmgemeinde zufammenfallendm Armmv«bandeS übersteigen, fallm nach Abzug deffm, waS die HeimathSzemlinde aufzobringm vermag, dem größ«m Verbände zu. Zu«st, i. v. 1847, mtt dessen Beginne d« Verband in» Leben ttat, wurden die Einnahmen, die nach d« Zahl d« contribuircndm Gemeindemitglted« vertheilt werdm, auf 138 Thlr. festgesetzt; doch steigerte fich da» Bedürfniß d«art, daß 1852 186 Thlr., jetzt üb« 366 Thlr. v«auSgabt die fo lange vorb«eitet, mit so groß« Umsicht mtworfm warm, warm vorläufig vemichtet; und daS war für Diego in dn schwierigen Lage, in die « sich so plötzlich versetzt sah, eine» der größtm Besorgniffe. , Da» unvorh«gesehene Ereigniß, welche» in Dietzo» Pläne eine solche verwirmng brachte, durchkrmzte nicht wmizer die Entwürfe de» Grafm von Ramtta. Alonzo war sein einzig« Sohn; wenn d« junge Mann die Augm schloß, so war sein Spiel auf ewig v«lorm. Dazu kam, daß die Verwundung sehr schw« war und die Aerzte stark an seinem Aufkommm zweifelten. Im günstigstm Falle, wma Alonzo dem Tode entging, hatte diese» Duell dennoch einm andern Nachtheil; e» vnursachie einen ewigm Haß zwischen beidm Familim, und Diego» Ermordung, die für die Pläne de» Grafm durchaus erford«lich war, wäre diesem mit all« Wahrscheinlichkeit zur Last gelegt wordm. Mittm unt« seinm Befürchtungen um AlonzoS Lebm, und ttotz de» wildm ZorneS in seinem Jnn«n, verlor d« Graf sein Hauptziel nicht au» dem Auge und rermv» vorsichttg Alle», wa» die geringste Mißsttmmung bei Fernando und den Seinm hätte hervorrufm können. Er gab fich im Gezmtheil dm Anschein, alS ob « alle» Unrecht auf feinen Sohn schiebe, als ob dies« allein an allem Unheil schuld sei; ja « sagte sogar ausdrücklich, daß Femando für nicht» verantwortlich gemacht werdm dürfe. Diese« Bettazm setzte Diego nicht wmig in Erstaunen; ab« e» trug zu gleich« Zeit auch dazu bei, seine Unruhe zu vermehren und ihm nme Verlegenheiten zu b«eüm, obgleich diese» wied«holte Zmzniß au» dem Munde von AlonzoS Bat« , der beste Anwalt für Femando war. - Der Letzter« seinerseits war nicht weniger ängstlich; « fürch- > tetc wenig« für seine eigene Person, at» für di« Serngen. Diego > hatte die Erlaubnis «halten, ihn in seinem Gefängniß zu desuchm. Obgleich sie allein warm, hatte Diego nicht gewagt Femando üb« dm wirklichm Gmnd de» Duell» direct zu be» fragm; denn daS Mißtrauen der Marannen war unt« allm Umständm und zu jed« Zeit sehr groß und leid« nur allzu be» rechttgt. Ab« Fernanto hatte dm ftazmdm Blick vnftandm, dm sein Wohlthäter ihm beim Eintritt zugeworfm hatte. „Es war nöthig," sagte « leise, ... „Spät«" ... „Glücklicherweise," mtgegnrte Diego, der herannahendc Schritte hörte, „glücklicherweise ist Alonzo noch nicht vnlorm..." „Glücklicherweise!" wied«hotte Femando mechanisch, von - dies« Trauemachricht wie angedonnert; denn « glaubte seinm Gegn« gut getroffm und auf d« Stelle zetödtet zu habe». Jndeffm unterdrückte d« junge Mann diese «ste Aufwallung, mtschloffm, den Seinm vorläufig noch die großm Befürchtungen, die « hegte, vorzumthaltm. In dn That, wenn Alonzo dem Tode entging, wenn « nur so viel Kraft wird« gewann, um sprechm zu können, stand ja AlleS von Neuem auf dem Spiele; die Dmunciatton war dann nicht zu verhindern. Wie d« Graf von Ramira, wie sein Wohlthät« Diego, so hatte also auch Fernando seinm Sinn nur auf einen Gegmstand gnichtet, nämlich auf AlonzoS B««uodnng und dm Der« lauf seine« KrankenlagnS. I (Fortsetzung folgt.)