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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-05 · 40 (5.10.1870) · p. Seite 328

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
40 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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328 viele Israeliten. Herr Rabbiner Astrvc hat beim Ministerium Schritte gethan, daß fie Koscher essen dürfen. Im Hinblick auf diese beiden Nachrichten ist rt sehr auffallend, daß hier in Stettin unter ca. 10,000 Kriegsgefangenen nur vier Juden (darunter ein Offizier) sich befinden. E» wmde auf unser Ansuchen von der Commandantur recherchirt und Jfl Z~W un» mitzethellt, daß ohne den Offizier nur zwei Juden (aber auch nur etwa 30 Protestanten) sich unter der ganzen Maffe befänden, e» sei jedoch von einigen noch nicht vollständig formirten Compagnien der Rapport noch nicht da. ES wird behauptet, daß noch mehr Juden anwesend wären, daß fie sich aber nicht alS solche melden wollten. Wir schreiben die» unter allem Vorbehalt nieder, können eS selbst nicht glauben und hoffen e» berichtigen zu können. Thatsache ist jedoch, daß am ersten Abend des Festes nur zwei französische Soldaten in der Synagoge waren, am andern Morgen drei. Der dritte, ein Unteroffizier, hatte in der Frühe den zweiten gefragt, wohin er gehe, und auf die Antwort: »zum Tempel,' hatte jener gesagt: »so geh« ich mit.' Der Soldat hatte bi» dahin nicht gewußt, daß der Unteroffizier Jude fei. Sie hatte» freilich früher nicht demselben Truppentheil angehört. Erst in amerikanischen Blättern finden wir folgende, dem ,Soir' entnommene Notiz: Edm. About schreibt unS auS Zabern, 11. August, daß ein preußischer Soldat do :t nach einer fruchtlosen Amputatt'on gestorben ist. Man suchte einm Geistlichen, um ihm in der letzten Stunde Trost zu gewähren, fand jedoch nur den Rabbiner, welcher sich bereitwillig dem traurigen Liebesdienste unterzog. Im Lager von Chalon» hat eine große Anzahl jüdischer Soldaten von der Pariser Mobil »Garde Freitag Abend, den 19. August, im Hause deS Herrn Lang zu Mourmelon Gottesdienst gehalten. Allen sah man den lZrnst der Zeit an, Bielen flösse» die Thränen herab und von Dielen wurden Seufzer gehött. Manche unter ihnen hatten vielleicht in ihrem ganzen Leben nicht zweimal eine Synagoge betteten; aber der Gedanke an den Krieg vereint, mit dem der Religion, bewegte alle Herze«. An einem Sabbath Sude August erschien im Tempel in Pari» ein jüdischer Soldat Namen« Lazard Worm», um für seine LebenSrettnag teun nro zu sprechen (Somel benschen, wie »Jew. Ree.', dem wtt diese« entnehmen, schreibt). Er hatte dem 2. Kürassier-Regiment angehört, welche» in der Schlacht bei Wötth den Rückzug zu decken hatte, und war einer von dm siebzehn Kriegern, welche von dem ganzm Rezimmt übrig geblieben warm. Er war decorirt und zum Wachtmeister befördert wordm. Wie wir s. Z. mitzethellt haben, daß die KriegSerklämng in dm Synagogm Amerika« die Redner und Hörer an demfelbm Sabbat wie in Deutschland bewegt hat, so ist auch am 3. September die Nachricht von Sedan nach Amerika während de» Gottesdienste», also (relattv) zu derselbm Stund« wie in zahllosen dmtschm Städtm, gelangt. »Hebr. Leader' hat darüber folgmdm Bericht: »New-Haven, Conn. Am letzten Sabbat während de» Gottesdienste» wurde dem funzirendrn, für alle» Gute sehr empfänglichm Rev. I. Gabriel die SiegeSnachricht der Dmtschm bei Sedan und die Gefangennahme Napoleon» und de» Mac Mahon'schm CorpS mitgetheilt. Rach dem Schluß der Thora- Borlefung setzte er seine Gemeinde von diesem merkwürdigm Er» eigniß in sehr mssprechmdm,' der Sache angemeffmen Wortm in Kmntniß und sprach von dm wohlthättgen Folgm, dm dieser Sieg, der zu einem dauemdm Friedm führen werde, auf Deutschlands große Zukunft habm würde, worauf er dann dm Chor da» schöne Hallelujah von Sulzer austimmen ließ. So viel un» bekannt, ist die« die erst« deussche Siegesfeier, welche in einer israelitischen Synagoge begangm wurde.' »Jndusttiel Alsacim' erzählt ausführlich die Flucht eine» jüdischen Zuavcn au» der Festung Ingolstadt. Derselbe, Strauß au» Straßburg, war bei Weißt nburg gefangen und hatte sich bleibm können. Zu dm ernstm Besorgniffm, die ihm diese unglückselige Angelegmheit einflößte, kam bald der Hintergedanke, der sich eigentlich unter allm Umständen für einm Marannm von selbst ergab. Das Duell zwischen dm beidm jungm Leutm mußte einm andem Grund habm, als dm die Welt ihm unterschob; Diego kannte Femando; der junge Mann war, wie alle seine Glaubensgenossen, zu vorsichtig, zu sehr gewöhnt, bei jeder Sache alle mözlichm Consequmzm vorher zu erwägm, als daß er sich wegm einer närrifchm Wortklauberei eine solche Extra» vazanz hätte zu Schuldm kommm laffm. Um sofott die reine Wahrhell zu erfahrm, die ihm aus dm Uebertteibunzm und widcrsprechmdm Erzählunzm seiner Umgebung nicht klar werdm konnte, begab er sich üi aller Eile in die Herberge zur „la Bum Ventura". Dort erzählten ihm Meister VargaS und einige zurückgebliebme junge Lmte den Zusammenhang der Ereignisse. AlS Augmzeugm stimmten sie alle darin überein, daß sich Fernando im Standgese)lich erlaubter Nothwehr befundm habe; daß Ramira ihn nicht nur zuerst beleidigt und herausgefordert habe, icndem daß er ihn auch, fo zu fagm, mit dem Schwerte in der Hand zum Kampfe gezwungen habe, daß in Folge deffm Fernando auch nicht für die Folgm deS KimpfeS, so emst fie auch sein mözm, verantwortlich gemacht wei dm könne. Nun war aber in Aragonim die GerechttgkeitSpflege, dieses erste Erfordrrniß jedes geordnetm StaatSorganiSmuS, viel besser und sicherer geordnet, c lS in dm andern Staaten der damaligm Zeit. Wie in dm andere» Provinzen der spanischm Monarchie gab e» geistliche und n eltliche Richter; aber diese einzelnm Gerichte standm unter der Oberaufsicht de» ObergerichtSrathe», der zur Wahrung der Rechte deS Volke» au>l der zweitm Adel»- klaffe gewählt wmde. Jeder magonssche Bürger konnte an ihn appellirm. Sofort wmde die Macht der anderm Gerichtshöfe fuSpmdirt, der ObergerichtSrath ließ die Ausführung de» von ihnm gefälltm UrtheilS auSfetzm, rmiditte dasselbe mit Hülfe seiner fünf Unterbeamtm, vemichtete eS, wenn e» seiner Ansicht nach dm Privilegien deS Königreich» zuwiderlief, und sprach die Angeklagten von der über sie verhängtm Sttafe frei. DaS Derfahrm diese« Gerichtshofes war öffentlich, feine Bemehmung schloß Folter und jede» Gewaltmittel zur Erpressung einer Aussage auS; sein Gefängniß hatte dm schönm Namen »Manifestation' oder »Freiheit', und seine UrtheilSsprüche mußten von Jedermann als rechtsgültig anzmommm werdm.") Unter dem Schutze dieses Gerichtshofes hatte ein Angeklagter alle nur denkbaren Garantier»; auch hattm die Erkundigungen, die Diego eingezogm hatte, viel dazu beigetragen, ihn mehr und mehr zu beruhizm; aber eS drängte ihn Femando zu sehen, um von ihm Aufklärung über dm wahrm Beweggmnd seiner Handlung zu erhaltm. Jndeffm beeilte er sich nach Hause zu» rückzukehrm, um Juanlla so schonend al» möglich von dem Un» glücksfall, der sich foebm ereignet hatte, in Kenntniß zu setzm Aber da» arme Kind hatte e» bereits erfahrm, und Diego fand sie in einem Zustande wahrhafter Verzweiflung. Er versuchte fie wenigftmS einigermaßm zu bemhigm» und nach und nach gelang es seinem liebevollm Zuredm ihr eine Sorglofigkell einzuflößm, die er selber nicht zu thellm im Stande w«, denn er mußte hinter dieser blutigm Affaire immer wieder eine größere unbekannte Gefahr erblickm. Außerdem konnte sich der Prozeß in die Länge zieh«; die öffmlltche Hochzett der jungm Lmtt wurde dadurch wett hinan» aufgefchobm; alle seine Fluchtpkäne, •) vgl. Mignrt, tntom# Perq mW Philsttz IL’

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