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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-10-05 · 40 (5.10.1870) · p. Seite 326

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
40 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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Herrlichkeit fürchtete». Jetzt stad dieselben eifrig zusammengetreten, lege» Hand in Hand und stell« Schulter an Schulter, um — den Boden der Delbstherrlichkett unter ihren eigenen Fähen wegzuzieheu. Nit oder gegen ihren Willen fährt Gott die Mensche», wie er will. Warum hat man die Einheit Deutschlandso lange im Inner» bekämpft? Man fürchtete die Erstarkung der volk-staatlichea Ideen. Ist e« nicht derselbe Mann, deffeu Partei diese Idem bekämpft hat. der seinersett» Jahre lang der mtschie» denste, furchtloseste Wortführer und da» gefeierte Haupt, der Partei gewesm ist — ist e» nicht derselbe Mann, der jetzt, al- Berather des Köniz- und Gewichtigster nächst ihm, jme Idem, eine uach der andrrn, in- Lebm treten läßt und in sein Werk, dm PwXftoit Ms freiheitlich« Recht« einsährm muh — oder »ül —- di« «t Jahrzehnte hindurch bekämpft hat? Gott regiert; hie Eml-niffz die er schasst, sie zerbrechm mit gewalttgm Schlägm dm Mann — oder schmieden ihn um. De» Herm ist da» Reich! Welche» ist da» oberste Princip derjenigm gewesen, welche mit aller Macht der Einigung Deutschland» mtzegengettetm sind? Der Grundsatz, daß Land und Vclk dem angestammten Herrn zu eigm gehörm, daß darum der Wille de» Bolke» nur in beftimmtm mzm Grenzm zur Geltung und Bedeutung kom» mm dürfe. Die Ereignisse habm dieselbe» Männer" hahin geführt, daß sie angestammte Throne stürzm, da» Princip, welches sie fs lange verfochtm habm, mit dem eigenm Schwert zerschlag« mußtm und jetzt wieder offm bekmnm, dah sie auch dem feindlich« Volke da» Recht, sich selbst zu leitm, nicht streitig machm. Ob da» Alle» willig, oder widerwillig geschehen. — Gott regiert und fühtt, sein Werkzeug ist der Mmsch. Wir habm die Einigung Deutschland» al» vollzogen besprochm. Roch ist sie nicht vollmdet. Die Zukunft kmnm wir nicht. Aber e» ändert an allem Gesagt« offmbar nicht», wmn wir um dm Schritt, dm wir in die Zukunft gethan habm, 326 - wieder zurücktretm und bei der Thatfache stehm bleibe», daß die Einigung bi» zu einem Punkte geführt, oorberettet wordm ist, dm fl« »och nie erreicht hatte. Aber diese Einigung Deutschland« selbst ist nicht nur für unser Vaterland und Wetter für Europa von hoher Wichtigkeit. Wichtiger für dm Gang der Weltgeschichte, für die Menschheit, ist die zerschmettemde Niederlage, welche da» Papstthum in Folge der Krieg»«reignisse erlitt« hat. Haben Menschen sie bewirkt, mit ihrem Willen herbeigeführt? Nicht die Napoleonifche oder ftanzösisch« Politik allein ist e», die dm Papst in Rom gehaltm und ihm dm Muth gegebm hat, sich nicht etwa nur zur Anbetung für die an ihn Glaubenden der Gottheit gleichzustellen» sonder» mit dem Fortfchreitm seine» unbedingtm Einflüsse» ans die Katholisch-Gläubigen un» fast mit Grauen zu erfüll«. Nicht Napoleon allein, nicht die katholischm Reiche» nein, auch dt» nicht-katholisch-gläubigen Machthaber haben e» für klug gehalten im vermeintlichm Jntereffe der Religion, der Verbindung PUh Gemeinsamkeit der conservattvm Grundsätze, de» Papste» Herrschaft und Herrlichkeit zu stütz«. Nun haben die gegen einander kämpfmdm Fürst« und Völker, mit einander, nach Gotte» Führung, auf einen Punkt hin zusammenwtrkend, dm unfehlbarm Hohepriester-König gestürzt. Werkzeuge in der Hand de» Herm, denn Sein ist da» Reich und Er herrscht über die Völker. Kriegs-Nachrichtm. Die Nachrichtm und Notiz«, welche wir hmte (28. Sept.) zusammmstellm, find (al» brächte e» die Woche so «tt sich) bi» auf zwei, an dm Schluß zu stellende, so zu sag« religiöskriegerischer Art: sie bezieh« sich auf jüdisch-religiöse» Lebm, Thun und Wirken im Felde. Feuilleton. A u a n i t a. (Fortsetzung.) Jndeffm kam« Alonzo» Freunde nach und nach an; die Stundm verging« und der ftöhliche Cirkel wurde immer größer, aber Alonzo selber erschim nicht. Femando begann von Nmem zu fürchten und seine Unmhe erreichte ihr« Höhepunkt, al» plötzlich einzelne Accorde einer Canzonette, die von einer wohlbekannt« Stimme gesungm «urdm, an sein Ohr schlugen und einige der versammelten Gäste ihr« Kopf nach der Gegend, au» der sie kam«, umwmdm ließ«. „Da» ist Alonzo," sagt« mehrere Stimmm auf ein Mal. Fernando schim diese Worte ganz zu überhör«; er setzte uubefangm die mit seinem Nachbar aageknüpfte Unterhaltung fort, nur seine Augm wandt« sich schnell nach der Sttaße. In diesem Augmblick bemerkte er Ramira» Gestalt am Fmster; ein« Mommt fürchtete er, der Letztere könnte nur vorbeigehm, um sich geradezu zum heiligm Officium zu begebm; glücklicherweise ttat er ein. Ramira» Frmnde umringt« ihn, drückt« ihm die Hand und überhäuft« ihn mit einer Unmasse von Frag«, und die ohnehin schon durch dm Wein l^hast gewordme Unterhaltung wurde durch seine Ankunft noch bedeutend reger. Fernando sagt« nicht»; er begnügte sich damtt, Ramira zn beobacht«; dieser sah noch viel fröhlicher au» al» gewöhnlich; die Genogthuung einer nah« bevorstehend« Rach« glänzte in sein« Zügm, und dieser Auldmck der Befriedigung prophezeite Femando nicht» Gute». 8» war ohne Zweifel die Freude darüber, daß er sich durch einm Schlag de» verhaßtm Nebmbuhler» und de» Mädchm», da» ihm dm Korb gegebm hatte, mtledigm konnte. Ramira hatte Fernando noch nicht gesehen. „Bei alledem," sagte mittm in dem allgemeinm Lärm einer der jung« Leute, der hinter Alonzo saß, „wiffm wir noch nicht, wamm Du un» hmte so lange hast wart« lassen." Der junge Mann wandte sich um, um zu antwortm; offmbar fühlte er sich durch die Bemerkung geschmeichelt, daß er der Gezmstand allgemeiner Aufmerksamkett gewordm war; bet dieser Bewegung bemerkte er dm Lerlobtm Juanita». Bei diesem Anblick verfinsterte sich sein soebm durch da» Gefühl befriedigter Ettelkeit erheiterte» Antlitz. Femando, der diese Veränderung bewerft hatte, war darüber höchlichst erfteut. Da» Ungewitter begann sich zusammenzuziehm. „Da» ist sehr einfach," antwortete Ramtta, „ich bin spät aufgestandm, wett ich spät schlaf« gegangen bin." „Du hast gewiß wichtige Geschäfte gehabt," sagte ei« Anderer mit einem Tone, der gegm dm Emst der letzt« Worte Ramira» sehr abstach. „Sehr wichtige Geschäfte," antwortete Ramira lächelnd. Femando glaubte zu sehm, daß Ramira bei dies« Wort« einm stechmdm Blick auf ihn geworfm hatte. ,^OHne Zweifel ttgmd eine Serenade unt» hohem Balkon," fuhr ein Anderer fort. „Glücklicher Sterblicher! Er hat überall Aussichten." ,4>ia auf Erd« muß Jeder wenigsten» etwa» haben," sagte Ramira, sich selbstgefällig i« Sessel zurücklehomd. „Richtig," bemerkte ein Anderer, „die Einm Hab« Verstand."

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