Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 40 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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N2 40. -1870. 1. Jahrgang. WkpGeMrsekr ochen-SchriM für die religtSsen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint jede» Mitia-och. Prri« vierteljährlich L0 Silbergrosche». -»s«rtt»»«q«0ayr I», M« dttispaltige Pktitzeile rtn bmn Raum!v.vv »V» e«r. vera»t»orrUcher Rctattcnr »vd Her,u»g«ber Rabbiner vr. A. Areuenfets in Stettin. t Breslau, 5. Octobrr 1870. Zu bezieheu durch alle Buchhandluugea uod Postanstalteu. A»fer«rte» - v.■.« i . •* J Schlettnlch« B»S . "»"*»!.»--»äbl-Ul guhalt. NetteuderAÄkel: De» Herr» ist da» Reich und er herrsch» über die Völker. KriegS-Rachrichten. Feuilletost: Iaauita. VdRette mud Torrrsp»»de>ze»: Deutschlaud: Au« Ostpreußen. Emden. Schwaneberg. Au« Würtnubrrg. Oesterreich: Wien. Lipto St. Millo«. Vermischt« ««d amtfc R«chrichte«: vretlau. Mannheim. Pose». Au« Fraulrerch. Pest. R«w>V»rk. Liacinnali. Literalurbericht. Vrstst«n«u. Vertchttguug. vaeanzen-List«. Zuserute. Der Feftt«ge »egen erscheint «r. 41/42 al« LMeidl-tt a« IS. Octitrr. Ke» Herrn ist da» Reich und er herrscht über die Kölker.*) M Ps. 22, 39. In den Psalmworlen ver Ueberschrift ist der Grundgedanke de» israelitischen Neujahr-feste» ausgesprochen. Soweit wir die Geschichte unserer Liturgie hinauf verfolgen können, bildet der Ruf »Adonaj melech' den Grundton, der durch die Neujahr»« T welchem diese Lehre so kräftig, eindringlich und überzeugend hätte gepredigt werden können, wie a» dem eben gefeierten. Die Ereignisse selbst haben e» übernommen, den Beweis zu führen, daß Gott die Geschicke lenkt, er allein! In gleichförmig ruhigen, friedlichen Zeiten wird dieser Satz au» den Begebenheiten de» täglichen Einzelleben» erwiesen werden müssen; der Volkslehrer hat sich an da» Allgemeine zu halten, dem Individuum bleibt die Aufgabe, seine Lebenserfahrungen für die Erkenntniß zu verwerthrn. Auch die weltgeschichtlichen Ereignisse find zumeist so geartet, daß erst nach langer Frist da» Walten der Vorsehung in ihnen erkannt zu werden vermag. Die Begebenheiten der letzten zehn Wochen sind auch in dieser Beziehung, ja besonder» in dieser Beziehung, fast ohne Vorbild in der Weltgeschichte. Von den zahllosen Predigten, welche am Feste gehalten wor» dm sind, werden zwar nur äußerst wenige von einem Hinblicke auf die Zeitgeschichte ganz abgesehm haben, aber ein Eingehen auf bestimmte Ereignisse und Persönlichkeiten ist mit dem Tone, der Haltung und Würde einer gottesdienstlichen Rede schwer zu vereinbaren; wir sind hier von diesen Rücksichten, von dieser Fessel frei. Andererseits haben unsere Leser der politischen Leitartikel über den Krieg genug zu Gesichte bekommen, wir wollen auch heute nicht in da» Gebiet der politischen Zeitungen hinüber greife», aber einer religiö r-polittschen Betrachtung können wir nicht au» dem Wege gef«». Gott regiert die Völker; Könige, Feldherren und Staatsmänner find die Wertzeuge in feiner Hand, find lediglich die Figuren de» weltgeschichtlich««! Spiel», die mtt oder gegen ihre» Will« (sittlicher Freiheit unbeschadet) von der Vorsehung Hand *) De» Schl»» M AittdiM« „Ursicheu «w SMangtn“ »ird die nächste Nr. trt»ge». geschoben werden. Das beweisen die Ereignisse, die sich vor unfern Augen abwickeln. Wir blicken in dieser Betrachtung zwar nur auf Deutschland, aber unsere Auffassung wird ganz gewiß keine einseitige, patriotisch befangene sein. Der Krieg, beklazenSwerth und jammervoll, wird in seinem Gesammterfolge für die Fortentwickelung Deutschland» heilsam sein; die,en Satz haben unsere Leser alle, vom Anfänge de» Gebet«, vom «chofaetm-chm^ettet und gettagen, hiadurchklingtr ^Üge« an. in den Blättern aller Farben ausgesprochen zefun- Die jetzige Generation hat noch kein Neujahr erlebt, an "" ";‘*t "r'w,rÄ den; wir brauchen ihn nicht nochmals zu orweisen. Der erste große Erfolg, den schon die Kriegs-Erklärung brachte, ist die Einigung Deutschlands, daS blitzschnelle Verschwinden der armseligen Eifersüchteleien und »deutschen Zänkereien', welche seit undenklichen Zeiten die Volksstämme aus einander gehalten haben. Haben da» Menschen gethan? Haben sie es gewollt? DaS haben diejenigen gethan, welche da» Gegentheil gewollt, auf da» Gezentheil fest gerechnet haben! Ob Napoleon, ob Frankreich den Krieg entfesselt haben, gleichviel; sie haben die Schwächung Deutschland», seine Vieltheiligkeit, wenigstens die Zwcitheilunz gewollt, seine Zusammenfassung in eine Hand sollte mit Gewalt verhindert werden; sie haben bewirkt, haben herbeiführen müssen, was sie wehren wollten. Gott regiert über die Völker! Die Einheit Deutschlands ist lange, lange der Traum, die Hoffnung der edelsten und besten Männer gewesen. Man hat diese vor einem halben Jahrhundert und noch viel später verfolgt, eingekerkert, über da» Meer getrieben. Wer bringt jetzt den Traum zur Verwirklichung? Sind es nicht diejenigen, welche die Träumer einst verfolgt, ihre Symbole geächtet haben? Dieselben Personen kaum mehr, die Verfolg«« und die Verfolgten ruhen meist im Grabe — aber doch noch dieselben, die Nachfolger im Geiste, im System. Wiederum vor 22 Jahren-sollte jene Hoffnung in Erfüllung gehen, man bot die Kaiserkrone dem Könige von Preußen; die Bezeistertm und Kühnsten wollten da» beschlossene Werk mit Gewalt durchführen. Wer hat die Aufständischen, wie man sie nannte, niedergeschlagen? wer zog an der Spitze der Krieger, welche sie zersprengten? E» ist derselbe al» Prinz gewesm, der jetzt al» König da» Streben jener verwirklicht. Gott herrscht über die Völker! Und warum sollte die Einigung Deutschland« nicht zu Standr kommen? Im Interesse derjenigen, die für ihre Selbst-