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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-28 · 39 (28.9.1870) · p. Seite 322

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
39 (28.9.1870)
Date
1870-09-28
Page
Seite 322 (sequence 6)
Language
German
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322 an den König selbst! Sr, der wahrhaft religiösen Sinne» ist, wird und muh auch uns gerecht werden! Entwerfen Sie, Herr Redakteur, eine Bittschrift an ihn, die, durch die öffentlichen Blätter bekannt gemacht, in acht Tagen Tausende von Unterschriften finden wird. Und ist die Zeit bi» Neujahr zu kurz, so reicht sie doch bi» 2“' zu einem günstigen Bescheid hin. Und erlangen wir einen solchen bi» Z1' nicht, so doch bi» MIO. Thun wir aber jetzt Nicht», wird nimmer Etwa» geschehen, so find die Opfer, die wir Juden in diesem thränenreichen Kriege bringen, für rm» umsonst gebracht. M. F. Wir veröffentlichen diese« Schreiben, um dem Linsender sein Verdienst zu lassen. Der Borschlag s-'bst ist unausführbar, die Zeit reicht nicht an». Petitionen an den König sollen nicht «orher veröffentlicht «erden, einer Maffenpettion bedarf e« nicht. G« ist uu» auch von einem schlichten Solbaren im Feld« ein in seiner Einfachheit rührender, ergreifender Brief zugegangen, welcher uns bittet, doch «egen der Feiertag« »an den König zn schreiben«. Wir haben die« gethar., haben in wenigen Zeilen an de« König« eigene«, gottelsürchrige» Herz appellirt, er möge, soweit H irgend angeht, geftauen, daß die jüdischen Soldaten neben König und Vaterland auch Go« an den heiligsten Festen dienen. Wir hoffen auf guten Erfolg. Ferner bat Herr Landrabbiner Or. Meyer in Hannover, zugleich im Namen der Nrbbiuer zu Danzig, Königtberg und Stettin, an den General- Gouverneur der Kvftenlaude, Vogel v. Falkeustei», die Bitte gerichtet, zu verfügen, daß den drölocirten, wen zerstreuten jüdischen Soldaten, welch« zum Küstenschutz beordert waren und zum Tbeil in C rten liegen, wo e« gar keine Synagogen giebt, Beiheiligung am Gotte«dienst ermöglicht werde. Die Bescheide werden wir mittheilen. (Red.) 6. 16. Septbr. (Ong-Corresp.) Die Einweihung der neuen Synagoge hat gestern stattgefundeiz. Ich sende Ihne« die Berichte au» drei hiesigen Zeitungen, Sie werden daran» den gewastigeu geistigen und erhebenden Eindruck ersehe», den die Feier hervorgerufen hat; doch kann ich in Wahrheit verfichern, daß in denselben noch zu weuig gesagt, und alle Erwartungen mehr al» befriedigt sind. Da» Programm ist Jhnm bekannt, bietet auch nicht- Außergewöhnliche-. AbschiedSzotte»- dienst mit ergreifender kurzer Rede (rm xxn JTOC 1) in der alten Synagoge, feierlicher Zug mit den Thorarollen in die neue, Umzug, die üblichen Gesänge, Predigt und Schlußzesänge. Ich hebe also nur das Bemerkenswerth« hervor. ES warm etwa 66 Ehrmgäste erschimm. Graf Stolberz, der Landdrost, Polizei- Präsident, Contte-Admiral Prinz von Hessen, und weiter die Spitzm der Staats- und Stadtbehörden, die evangelische Geistlichkeit, der katholische Pastor. In die Ehre der Feier theilm sich die Predigt und die Chorzesänze, abzesehm natürlich von dm impo'antm Eindruck des herrlichm Tempels. Die Predigt knüpfte an die dm letztm Sonnatmd gehaltme Abschiedspredigt über »gesegnet sei dein Ausgangs an und sprach demgemäß über »gesegnet sei dein Eingangs. Sie zerfiel in vier Theile nach dm in der Kuppel befindlichm Inschriften: »Du sollst liebm dm Ewigen' u. s. w., »Liebe deinm Nächst»' u. s. w., »Liebet dm Fremdling', »Liebet Wahrhett und Friedm'. Der Landrabbiner gedachte dankmd der vorizm Regierung, welche fteigebig dm Bau unterstützt habe, in ihrer unverbrüchlichen Treue sei eS dm Hannoveranem schwer gewordm sich an neue Zustände zu gewöhnen, dann aber und vollmdS mit dm Thatm der neuestm Zeit habe der greise Heldmköniz die Herzm gleichsam im Sturm erobert; keiner und der deutschm Heere wurde auch im Schlußgebet sezmwünschmd gedacht. Der Redner ließ einfließm, daß der EinweihungStaz gerade dasselbe Datum trage, an welchem er vor fünfundzwanzig Jahrm zum Rabbiner gewählt wordm fei. Die von dem überaus gut einzeübtm Synazozmchor (63 Personm) vcrgettazmen Festzefänge leitete Hof-Kapellmeister Fischer persönlich. Gesang, Begleitung (Harfe) und Borttaz des neum Cantors Berggrün fandm ungetheilte Bewunderung. — Auch die früheren Fürsprecher der Orgel erklärm jetzt laut, daß sie nicht mehr an derm Einführung dmkm. Die ganze Feier ist eine Verherrlichung deS JudmthumS gewesen und wird allm Theilnehmem unvergeßlich bleibm. Anmerkung. Der Donnerstag der vorig» Woche ist ein > wahrer Synagogenwethe-Tag gewesm. In Hannover, d» j Raab in Ungar» (durch Rabb. Löw-Szegedin undvr. Nascher! an» Berlin-vaja), in Wien »unter dm Weißgärbem' und in! unserer Nachbargemeinde Pyritz find Synagogm geweiht «or- J dm. ES ist un» natürlich unmöglich, die darüber etngegangmea Berichte abzudrucken. (Red.)! Kempen a. Hl-, 14- September. (Orig.-Corresp.) Die wichtigm Ereigniffe der Zett drängtm kn unserer Gemeinde ein j Ereizmß in dm Hintergrund, dader Erwähnung an dieser j Stelle wohl würdig. Herr Jsaac Kounm, Mitglied deder»! einstizm TonsistortumS zu Crefeld und Borsteher der Kreis» Synazogm-Gemeinde Kempm, hat in letzterer Eigmfchaft nunmehr 25 Jahre höchst fezmSreich gewirkt. Seinem Verwaltung»- fystem verdankt die kaum 30 Mitglieder zählmde Gemeinde ein würdige», vollständig unbelastete- Gotte-Haunebst dem dazu gehörig» Schulgebäude. In nächster Zeit wftd dieser Herr auch die 25 jährige Mitgliedschaft deS hiesig» StadtrathS, wie die deS Crefelder Gewerbegerichts erreicht habm. Wir wollen hoffen, daß bi» dahin der Friede wieder eingetreten, und werdm die Mitglieder der hiesigm jüdisch» Gemeinde dmm der Commune, die eine Ovation vorbereiten, nachttäglich gewiß nicht nachstehm. 6. A. Kamtnrg, 18. September. (Oriz -Corr.) Berschiedme hiesige Wohlthätigkeit»-Vereine sind unter dm gegmwärttgm Zeitverhälwiffm rühmlicher Weise audem mgem Kreise ihrer Wirksamkeit herauSzettetm, um auch pattiottfchm Zweck» zu dimm. So auch der iSraelittfche Fraumverein zur Bekleidung armer Knaben, welcher sich zunächst damit beschäfttzt, bedürftige Zöglinge der israelitischen Stiftungsschule von 1815 mst der erforderlichm Kleidung zu versehm. Durch günstige Umstände hat derselbe im vorig» Jahre 600 Mark erspart, welche Summe der Vorstand nun zur Bekleidung solcher Schulkinder bestimmt hat, derm Versorger durch Einberufung zum Heere dazu außer Stande oder durch die Einwirkung der KriegSverhältniffe arbeitslos geworden sind. — Um eine richtige Auswahl zu tteffm und nutzmbriugmd zu wirkm, habm sich die Damm deS Vorstände» mit dem »Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege' in Verbindung gesetzt, da deffm Dorsteherinnm eine ausgedehnte Kenutniß von der hiesigen Armuth und Noth besitzen. Auf deren Empfehlung wird der iSraelittfche Fraumverein sodann die Verhältnisse der vorgeschlagmm Familim selbst prüfm. ... h. München, 13. Sept. (Oriz.-Corr.) Im bayerisch» OffiziercorpS findm Juden Aufnahme. So giebt eS zwei mir bekannte jüdische Offiziere in der Linie, Hauptmann Hmle au» Münch» in einem Münchener Infanterie-Regiment, Lieutenant Marx, aus der Pfalz, bei der Artillerie. Landwehr-Offiziere giebt eS mehrere, in diesem Jahre avancirte, well die Freiwilligen- Jnstitution hier noch nicht lange besteht. Carl, Löwmbach, Reustätter sind mtweder schon kreirte oder defignirte Offiziere. — liebet die vom Pöbel in Nürnberg gegm ein» dorttgm JSrae» litm, B., verüdtm Rohheitm kann ich Jhnm, theil» nach dem „Nümb. Corr.", theil» nach eigmm Erkundigung», erzählen. Diesem B. wurde nämlich Einquartterung angesagt und am Tage, da sie eintteffm sollte, wieder abgesagt. Nachmittags erhielt er aber noch viel mehr Solöatm, al» ursprünglich angesagt wurden. Er nahm sie ftmndlich auf, und da er nicht vorbereitet war, wollte er einige von ihn» auswärts auSmkethm. Diese erzählte» eS zufälligerweise auf der Straße, wahrscheinlich mißvergnügten Gesichte-. Da B. wohl nicht beliebt ist» wollte der Pöbel da» HauS stürm» und konnte erst am Abmd durch Chevauxleger» auSeinanderzetriebm werdm. B. will in Folge deffm «ach der Schweiz übersiedeln.

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