Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
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821 Preußen sagen? O». ihr seid noch 1000 Meilen davon ent« fernt!" — Die Juden in Elsaß —! Reden wir »och nicht davon, aber wenn die Zeit da sein wird, dann werden wir wie ein Schofar die Stimmen erheben, dann gilt et «ine Recht-verwahrung etnzulegen, die da dröhnend «iaherschreitet, dann gilt e» „zu reden vor Königen und Völkern ohne Scheu." — Die für die Ackerbauschule in Jaffa disponiblen Fond» der „Alliance I. U." find erschöpft; damft nicht Reservefonds angegriffen werden müsse«, hatHr. S. H. Goldschmidt50,000FrcS. disponibel gestellt, um die angefangenen Bauten vollenden zu können. Er schreibt: „Belasten Sie mich mit dieser Summe unter dem Titel eines GffchmkeS, ich werde einzahlea nach den Bedürfnissen und verzinse die Summe mit 5 pCt. von heute au." Wmn wir diese Notiz unter die Krieg-Nachrichten ein« reihen, so geschieht da-, weil auch derjenige Leser, der von Geld» Angelegenheitm nicht mehr versteht al» wir selbst, doch ein» sehen wird, daß eine so großherzige Handlung im Kriege, da £0,000 FrcS. wer weiß wie viel FriedenSftancS repräfentiren, erst recht anerkennenSwerch erscheint. Der „J-raelit" hat mitzethellt, daß die orthodoxe Gemeinde ln Mainz für Koscherbeköstigung der jüdischen Soldaten dortiger Garnison gesorgt hat, und daß ttehuliche» an einigen ander« Orten auf Anregung der Rabbiner u. s. w. geschehen sei. In jüngster Nummer desselben Blattei ist erwähnt, daß fich in Ulm «in Verein zu diesem Zwecke gebildrt hat. Die» ist erwähnen-« Werth, da Ulm eine kleine, neue Gemeinde ist, die denn auch in der Thal auf Leihülfe auswärtiger Juden rechnet. Sonst aber wollen wir constatiren, daß man wohl viel eher die Gemeinden aufzählm könnte, wo man den jüdischen Soldaten nicht zu Kofcherkost verhilst. Wett und breit geschieht da», meinen wir,' überall, und kein Mensch spricht ein Wort darüber. Wo die Soldaten in einer Kehilla stehen, koscher essen wollen und mittellos find, finden fich auch Juden, die ihnen zu essen geben. Gott wolle verhüten, daß da» ander» werde, man dazu erst durch Predig« und dergl. auffordern und Aufhebm» davon mach« müsse. Wir hoff«, Herr vr. Lehmann wird un» nicht miß» versteh« und un» Recht gebm, wenn wir ihm sag«, daß eS nicht Zeit fei Vergleich« al» ein “Ol hinzustellen, e» soll sich vielmehr »ach wie vor von selbst verstehen, daß man Jud«, einheimischen wie fremd« Soldat« oder Ctvllistm, zu ess« gibt. Wird die Zahl der Berla»g«d« einmal groß, so nehmm ein paar Männer oder Frau« die Sache in die Hand» der Rabbiner thut natürlich da- Seinize dazu, da» Alle» darf nicht der Rede werth sei». Dem „J-raeltt" «Mehmen wir schließlich noch eine KriegS« Anekdote: „Bei einem hier in Mainz durchziehend« Gefangmm« Transporte sagte ein ftanzöfifcher Capttän zu einem am Bahnhof befindlich«, dem GanitätScorpS angehörigm GlaubenSgenossm, der ihm von früherher bekannt war: „C’eat nne „Cfaarpo ubnscboh“, qne von» me voyez ici en captif“ (ES ist eine Schande und eine Schmach, daß Sie mich hier al» Gesang«« sehen). „Für die Charpo ubuscho", «tgegnere der Angeredete, „kann Frankreich nicht einmal Revanche nehmm; dmn im ganz« deutschen Heere gibt e» kein« jüdisch« Capttän." Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Zn» der Provinz Kann»»er, 12. Sept. (Orig.-Corresp.) Herr Redacteur! Ihre mehrfach« Hinweisung« auf die unwürdige Stellung, die unserer Religion nicht bloß im preußisch« Staate, sondern auch im preußische» Heere aagewiesm wird, habm dm Gefühlen Ausdruck gegeben, die auch in un» längst rege gewesen sind, und die wir vielleicht lebhafter empfund« Hab«, alS unsere altprmßischm GlaubenSgenossm, weil unter hannoverschem Regimmte seit langer Zeit unsere Religion über Zurücksetzung nicht zu klag« hatte. So möchtm wir Ihn« für Alle» dank«, waS von Ihn« in dieser Sache gethan Word« ist. Aber soll denn die gure Sache aufgegeb« werdm, well Herr v. Mühler — wie eS in Ihrem Blatte heißt — seine Schrullen nicht aufgebm will? Die hohen Feiertage nahm heran. Ist e» nicht himmelschreimd, daß an nswi und *nC3 ov kein Rabbiner, kein Lehrer oder Prediger bei dm jüdischen Soldat« zu find« sein wird, der an dies« Tagen ein« Gottesdienst abhält, drr ihn«, zumal d« Krank« und Verwundet«, die Mahnung« und Tröstung« unserer Religion näher bringt? Wmdm wir un» en masse beständige» offensive» Auftreten Femando gegmüber führt« mit Leichtigkeit, oyne da» geringste Zulhun von jmer Sette, Händel herbei; und von Händeln zum Duell war nur rin kleiner Schritt. Und da» ebm wollte Fernando. Er hätte Tausmd gezm Ein» wett« köan«, daß er nicht nur l>er Angegriffene sei», sondern daß Ramira ihn auch herauSfordera würde; dazu kam noch, daß da» Ungestüm de» letzter« ihn für Femaado, der selbstbeherrschend, geschickt im Gebrauch der iSaffm und gewöhnt war, sich kaltblütig mtttm unter Gefahr« zu beweg«, zu einem viel weniger furchtbar« Gegner mach»! mußte. Und ein glückliche- Duell mit Ramira war daS einzige Mittel, sich deS Dmunciantm zu entledigen; man mußte e» unbedingt versuche», ja sogar e» herbeifübrm, wenn sich die Gelegenheit dazu nicht von selbst darliot. Al» der Plan einmal gefaßt ivar, erwartete Fernando mit Ungeduld d« Moment zu seiner Ausführung. Am folgmdm Morg« also stattete der junge Man« Diego ein« kurz« Bericht über die gestttgm Ereignisse in der Tiefe der »Ruin«' ab und begab sich dann sofort auf dm Weg nach der Herberge zur ,la Bum Ventura'. Er durste gleichwohl nicht zu zeitig kommen, wmn er nicht wenigsten» den leis« Verdacht auf fich lad« wollte, als habe er mtt Vorbedacht da» Duell herdeigeführt. Andererseits aber konnte fich Ramfta mtt feiner Anzeige beeil«, und er durfte ihn nicht ungestört vorübergehm lassen. Fernando nahm deshalb dm Weg, dm Ramira zur Aljaferia hätte einschlagm müffm, und ging, scheinbar in tiefe Gedanken versunken, eine kurze Sttecke vor der Stadt auf und ab, bi» er einige junge Lmte in die! Herberge zur »la Bum Ventura' hatte eintretm sehen. Dann kehrte er plötzlich kurz um und ging ebenfalls hinein. Noch war er nicht ganz sicher. Konnte Ramiro nicht schon früher, vor seiner Ankunft, vorbeigegangp, sein? Er hätte da» so gut vom Wirthe, Meister BargaS, oder von dm übrigen jungen Herren, die bereit» am Kneiptisch saß«, erfahr« könnm; aber er wagte nicht zu fragen. (Fortsetz«», folgt.) Aeimattzoüttnß,. Die Kathedrale von Rheim» hat ein Slockeospiel. Da« ist nicht ans. fallend; denn dergleichen gwbt e» in sehr vielen andern Städte». Für eine» an» vreölau gebürtigen preußiichea Soldaten, den der Sieg der deutschen Arme« bi» nach Rheim» geführt hat, war e» aber -llerding» wunderbar zu hören, daß di« alle Viertelstunde» wiederholt« Melodie durchan« coaform mit einer Melodie war. die man an den Feiertag« in der — vre«lauer Synagoge hört. (Ist e» aber eine alte tüdifche, »der eine modern« Melodie? g» letztere« Fall« hätte die Sache nicht» «nfsallende«, wir habe» auch »lim in einer Synagoge Jigdal nach der Melodie o «anctieaitn» vom Ihor singen gehört. Red.) _