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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-28 · 39 (28.9.1870) · p. Seite 320

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
39 (28.9.1870)
Date
1870-09-28
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 nach dem israelitischen Friedhofe statt. Dem Leichmzuge, welchem die Orden deS Dahingeschiedenen voranzettagen wurden, hatte sich eine Anzahl Offiziere, Collegm und Freunde desselben angeschloffen. Eine Ruhe Equipagen beschloß den Zug. Am Grabe hielt der Rabbiner llr. Joöl eine ergreifende Trauerrede. — lieber einen andern jüdischen Arzt finden wir in verschiedenen Zeitungen die Notiz: Unter denjenigen, wellben im gegenwärtigen Kriege daS Eiserne Kreuz verliehen worden ist, bemerken wir auch »inen Arzt, vr. Korn in BreSlau, bei der 2. Abtheiluug Riederschlef. Feld -Artillerie- Regiments Nr. 5 al» Stabsarzt fungirenii. Derselbe erhielt die Auszeichnung am 10. d. M., damals vielleicht der erste Arzt der Armee, dem sie verliehe« wurdet — Der »Franks Ztg.' wird ans Appenweier, 12.Sept., geschrieben: »Die nach dem Oberelsaß marschirenden deutschen Truppe«, deren Zahl ich auf 40,000 Mann beziffern hotte» sollen, glaubwürdiger Versicherung nach, einem Theil der städtischen Bevölkerung daselbst «iS Erlöser auS Len Schrecken deS PöbelterroriSmuS sehr erwünscht kommen. Zn Mühlhausen ziehe» fortwährend Schaar« umher, welche Fahnen mit den Inschriften: „Hott «vx Proteste.nts!" und „Mort anx franc-mafons!“ tragen, — Devisen, deren Urheberschaft sich leicht errathen läßt. Vor Kurzem soll ar ch vorübergehend ein Plakat: „Mott anx jnifs!“ ausgetaucht, aber als doch zu mittelalterlich wieder beseitigt worden sein. Auch ein unblutiges KriegSereigniß, die bekannte Erbeutuog französischen Regittabaks, hat heute viele Leute in Bewegung gesetzt. ES wurden nämlich auf Veranlassung de» großh. badischen Etavpen-CommandoS in Dinglingen heute Nachmittag 600 Ett. jenctt Tabaks, welche am Bahnhof Lahr lagertm, am sagerotte vcrsteigett. Das Resultat war ein unverhofft günstiges. Während man sich auf einen Erlös von höchsten» 5000 fl. gefaßt gemacht hatte, ersteigette ein Mannheimer Co»-, fortium da» Ganze um 8500 fl. und vettaufte da» Quantum unmittelbar darauf um 9000 fl. wieder. Die Betteffenden (meist ZSraelüen) waren vcitriottfch genug, ihren Gewinn von 500 fl. einem HülfSverein für die deutschen Krieger zuzuwenden. Eintausend Gulden, welche die Anzahlung auf den Kaustrrei» bildeten, sollen sofott zur LöhnungS-AuSzahlung verwendtt werden.' — Don dem im erftm Absätze dieser Correspondenz durchschimmerndeu katholischen Fanatismus giebt »Univ. i»r.' au» dem »Akhbar' von Algier ein bemerkenSwerthe» Pröbchen. »Eia Geistlich« nahm di« Beichte bei Ordensschwestern in unserer Stadt ab. Am Schluffe seiner Ermahnmrg fordert« « sie auf für den Erfolg uns«« Waffe» zu bete». Einige Schwester» antwottttewihm: »Wir könne« da» nicht, wir sind Preußinnea.' ,Ha,' rief d« würdige Priester, »hätte ich da» gewußt, so hätte ich euch keine Absolution «theilt.' D« »Temp»' theilt folgende »bezeichnende Worte' eine» Priest«» üi Rom mtt: »D« Köniz von Preußen wird begreif«, daß «seinen Sieg den Gebtten de» heil. Bat«» und dem Schutze, den « diesem «theilt, verdaukt; « wird katholffch w«de» und in Rom, au» de» Papste» Hand, die Krone Karl» de» Großen und Karl» V. empfangen.' Wir gebe» diese Stücke lediglich al» Illustration einiger Sätze im heutigen Leitattikel. — Jul. Favre, Minist« de« AuSwättigen, hat Ernst Heudöe, Advocaten beim Appellhose in Pari», Schwiegersohn de» Herr« Alb. Cohn, al» Geheimsecretair seine» Cabintt» angestellt. Die „francs-tireors“ von Pari» stehen unt« dem Commando eine» Herrn Jule» Aronsohn. Wir entnehme» diese Notizen dem noch angelangten Heft de» »Univ. i»r.' vom 15. d. M.') Wenn nur diese» Blatt un» deutschen Juden höhnend zuriefe, .daß wir umsonst, mehr al» umsonst, Opfer bringen, mit Niederwerfung Frankreich» w«de der letzte Hott d« Gleich b«echttgung z«stött sei» u. s. w., so ließe sich darübn leicht hinweggehen. Ab« »Jew. Chronitte' in London und der »Educatore Jtraeltte' in V«celli sprechen ebenso! Wir müffen die» unser» 8es«n mittheile». Da» letzt«e Blatt sagt: „Wenn Theile von Frankreich loSgettffea und mit Preußen—) vereinigt ««den sollte«, w«den dann unsere Glauben»- geaoffen d« fraglichen Provinz« Ersatz find«? Sage« wir e» off«: kein Land giebt so GewiffeuSfrtthett und Gleichhett wie Krankreich. Frankreich sorgt für die Rabbi»«, dm Cuttu», die Tempel d« J»raelitm, nach fein« Gesetz« giebt e» keine Unt«» schiede, Ausschließungen, Zurücksetzung«, Ungnechttgktttm gegm di« Bekmn« irg«d eine» Cult«». Kan» man da» auch von *) „Kemt 3<r." ist mrl scheu lauge nicht mehr zugegaugeu, st« scheint eiugegauge» zu sei». —) Der Jtalieaer hat als» die viel bestritten« Frage rasch gellst. Er leimt aur „Preußru"! Ab« e» war kerne Zeit zu verlinm; wenn d« junge Alonzo die Marannm nicht auf d« Stelle angeklagt hatte, so hatte « vielleicht dm Zeitpunkt dazu für unpaffend gehallm; ab« « würde e» unfehlbar ihun. Denn daran war nicht zu zweifeln: Alonzo war in den Ruinen gewesen, um die Nmchrist« auSzuspiontrm. Fernando hatte gut Vennuthungm aufstellm und Möglichkeit« auSklügeln; imm« trat ihm jme schreckliche, «- barmungSlose Wahrheit vor die S«le, die durch die letzt« Worte de» jungen Ramira al» klar und auSgrmacht zelten mußte. Er durste demnach nicht zaudern; eia günstige» Geschick hatte seit einig« Tag« dcn Graf« von Ramira von Saragoffa entfernt; sein Sohn hatte also Niemand«, dem « sein Geheimniß hätte anvnttaum können, bevor « e» d« Inquisition mittheüte. Dazu durfte ihm Femando keine Zeit laffm. Sei» Plan war bald gefaßt. 8. Jeden Morgm versammelt« sich die vomrhmm jung« Leute von Saragoffa in d« H«b«ge zu „la Bum Ventura", die in der Sttaße der Albardetta geleg« war. Dort bracht« sie die VormittagSstundm mü Trinken, Spiel« und gemüthlich« Unt«haltung zu. Fiwuando begab sich ebmfall« mitunter dorthin, um sich nicht zu sehr von Leut« seine» Stande» und Alter» zu unterscheiden, unt die Marannm warm ja imm« ungemein besorgt, d«gleichm Auffälligkeiten zu vermeid«. War « da, so drückte « sich gewöhnlich in eine Ecke und sprach tat Vorsicht halb« sehr wmig. So gab « auch, wie wir bereit» gesagt Hab«, stet» ausweichend« Antwottm, wen» man ihm üb« feine bevorstehende Ehe mit Juanita Complimmte machte. Diese» Bttragm hatte ihm d« Ruf d« Furchtsamkeit und Verstandesschwäche zugezogm, welchen Femando auch nicht zu besieg« suchte, obwohl « ein« der geübtest« und best« Fecht« in Saragoffa war. D« junge Ramira war imm« Fernando» Widerpatt. Durch angeborue» Fm«, Eitelkeit und vottaute» Wes« war « d« Mittelpunkt und die Seele d« stöhlich« Bormittag»»Versammlung« in der H«b«ge zu ,la Bum Vmtura'. Scho» manchmal hat « K«nando, dm « al» sein« vorgezogmm N-bmbuhln haßte, aufzuzteh« angesangm; ab« d« letzt«« hatte bi»h«, tt« seinem Vorfichtisystem, dttgletchm Angriffe stet» uubeachttt gelaffen, und diese grmzmlose Kälte und Geduld hatte nicht wmig dazu beigttragm, seine Genoffm in ihr« vorgefaßt« Meinung zu bestätig«. Die Sttaße dn Albardetta fühtte zu dem Thore oer Stadt, vor wttchem sich die Aljafetta befand. Wenn sich Alonzo also am folgend« Morgm zu dm Inquisitor« begebm wollte — und «ach Fernando» Berechnung konnte « ja nicht umhin die» zu thuu — mußte n uothwmdigerwttse an d« H«b«ge zur ,la Bum Ventura' vorbttkommm; « würde dann sich« herein» komm«. D« heftige Charatt« de» jung« Graf« und sein

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