Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- Seite 319 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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319 sandte dem französische« Vager zu n3P nbap ihre ersten deutschen Grüße, vollwichtig und gut, indeß die Herren Franzosen hielte« sich ruhig. Wir waren in unserer Pofitiou unter fürchterlichem Platzregen aufmarschirt und hielten L Stunden au». Al» wir V«10 Ahr in» Lager zurück>!ehrtm, waren wir bi» auf die Haut durchnäßt. Wir niußten un» so hinlege», da wir nicht» Trockene» aozuziehen hatten, glücklicher Weise hatte ich noch ei« Paar Strümpfe und ein Hemd; da» war mein Eabbatvergnügen. Ist da» Weiter gut und Alle» ruhig, dann sammelt fich Alle» in Gruppen, um von der Heimat oder von Erlebtem zu spreche». Gegen Abend bekommen wir darin Zeitungen, und ist abgegeffen, übernimmt Einer da» Vorlesen, und Alle» lauscht in andächtiger Stimmung den Nachrichten au» der Heimat, um später die Detail» bi» zum Schlafengehen durchzuspreche». Nachmittag» bet gutem Wetter giebt die Regimmt-mufik Eoncerte. Dann gleicht Alle» dem Leben im ttefsteu Frieden (nicht selten tanzen die Soldaten mit einander), -bi» da» Alarmsignal mit einem Schlage da» bunte Bild au-einanderreißl. Ein Nu — und die Soldaten stehen in den Gewehren, 5 Minuten später ist der Platz öde und verlaffen, da» Bataillon in seine verschanzte Pofitton abgerückt und zum Empfange de» Feinde» bereit. Da» Aergettichste dabei ist, daß wir häufig unser Essen fortgießen mußten. Die Verpflegung ist, da wir eben nicht im Vormarsch begriffen, die Kolonnen also herankommen können, regelmäßig und reichlich. Außerdem sorgen jetzt zahllose Marketender für unser leibliche» Wohl, natürlich gegen Bezahlung enormer Preise. Freitag Abend hatten wir lekowed Echabbe», nämlich M. L. und noch fünf andere Kameraden, eine Gan» auf französische Weise zubereitet und Kartoffelsalat dazu. Gestern rw zum Frühstück Chocolade und Mittag feine Supp« und Meisch. Wie schon gesagt, Alle» wäre gut, wenn nicht der Regen un» so fürchterlich znsetzte. E» ist zu bewundern, daß nicht all« Mann krank find. Ich könnte Euch noch viel erzählen, aber eil geht gleich wieder an die Gewehre zum Abendgebet, ta» ich, da die Zeit um anyu zu beten doch wohl zu kurz ist, zu einem innigen Wunsche für Euer und unser Aller Wohl benutzen will. Nächsten» erzähle ich weiter, am liebsten freilich, wenn nach völliger Niederwerfung de» Feinde» der goldene Frieden auch un» einmal wieder mü Gotte» Hilfe vereint. E. F. — Der Correspond ent der „3üd. Presse", 0r. Jar. Kohn, Da» allgemein gefürchtete Gebaut»« erhob seine drohenden Thürme und schrecklichen Mauern in die Lüste. Bei diesemAnblick durchrieselte Fernando eia kalter Scheuer, seine Angst verdoppelte fich »nd lebhafter folgte er dem jungen Ramira. Sein Entschluß war gefaßt. Wenn Alonzo, anstatt der: Weg nach der Stadt zu verfolgen, fein- Richtung nach dem Inquifition»palaft zu nahm, so war er entschlossen ihn zu tödten. Fernando wußte wohl, daß e» dann um ihn geschehen sei, aber er konnte vielleicht die Seinigm retten. Er beflügelte auf» Reue seine Schritte und beobachtete mit einer von Minute zu Minute steigenden fieberhaften Angst die Bewegungen Alonzo», jeinehr fich dieser dem Punste näherte, wo von der Sttaß« nach Saragossa link» ein Weg zum Gebäude de» heiligen Officiumabging. Endlich war der Erstere an dem Scheidewege angekommen; Fernando blieb keuchend, erschöpft stehen; einen Augenblick glaubte er zu sehen, wie Alonzo von der rechten Sette de» Wege» abbog und fich nach link» wandte. Er ergriff seinen Degen, berett, fich ans den Angeber zu stürzen und ihn zu tödten ohne Erbarmen; aber er hatte fich geint, Ramira setzte seinen Weg fort und war bald an den Küstern Mauern de» traurigen Gerichtshof»» vorüber. Femando athmrte tief auf, noch war nicht alle Gefahr ge» fchreibt derselben vom Kriez-schauplatze unter Andern,: .Einstweilen haben schon mehrere Juden Orden und Ernennungen zu Offizieren erhalten. Da- Uebrize wird wohl Nachfolgen. Ei» junger Mann au» Pommern, Arttllerist, der da» eiserne Kreuz erhalten hatte, wurde Tag» darauf bei einem kleinen Gefechte erschossen; ihn beweinen, wie mir sein Freund erzählt» eine junge Gattin und drei unmündige Kinder, sowie Vater und Mutter, deren einzige Stütze er gewesen. (Möchte doch der Name mitgetheilt werden!! Red. d. Woch.) »Auf meinem Zuge durch den Aidennemvald habe ich an einem Hügelabhange drei deutsche Juden in TodeSzuckungen nebeneinander liegen gesehen, die sich gegenseitig die Sterbestunde erleichterten. E» war ein grausige», Mark und Bein erschüttern» de» Bild, wie der eine dem anderen Schema Jisroel vorsagte und, plötzlich dm Kopf neigmd, selbst verblutete; ihm folgte bald der Andere und nur dem Drittm war mir vergönnt jmm großm Trost zu bringm, den die Religion dm Sterbmdm zuspricht.— Schon der Umstand, daß man im Kriege jedenfalls mehr fromm und gotteSfürchtiz, religiösen Ermahnungm weit zugänglicherist al» sonst, spricht für die Jnstttution von Frldpredigern. So hattm wtt am verflossmm rctP in unserem Bivouac einen interessantm Vorfall. Zwei jüdische Soldatm, Reserviftm au» einer Stadt, hattm dm zanzm Feldzug bi» jetzt zusammm gemacht und sich auch stet» gut vertragen. Da kommt an jmem r® der Eine in da» Bivpuac und sieht seinen Frmnd behaglich — ein Pfeifchen schmauchen. Du kannst dir die Wuth und da» Entsetzen de» Andem nun nicht dmken. In einer Fluth von Schmähunzm und Drohunzm erleichtert er sein gekränkte» religiöse» Gefühl, die der Andere nicht unbeantwortet ließ, so daß e» zwischm den beidm Hitzköpfm bald zum Handzemmge kam, da» ich jedoch mit bezüttzmdm Wortm verhinderte. Gestem traf ich dm Emm hier im Feldlazarethe schwer verwundet. Er hatte bei einem Vorpostmgefechte eine Kugel in die rechte Seite bekommm. »Wenn mir Gott da» Lebm schenkt' — sagte er mir wehmüthiz— .werde ich nicht mehr Sonnabend» rauchen.' — BreSlauer Zeitungen berichten unter dem 19. Septbr.: Gestem ftüh um 19 Uhr fand da» Leichmbezänzniß de» in der Schlacht bei Sedan gefallenen Stabsarztes Ör. Loui» Schistaa vom Bahnhofe der Niederschlefisch-Märkischm Eismbahn au» fchwunden; Alonzo konnte morzm leine Anklage verbringen, aber Femando gewann nun Zeit zur Uederlezung. Femando brachte dm Rest der Nacht damit zu, die verschiedmm Vermuthungen und Pläne, die ihn währmd der letztm Stundm, als er Alonzo auf der Straße nach Saragossa gefolgt war, ganz und gar beschäftigt hattm, hin und wieder zu über» lezm. Der junge Mann hatte von seiner schrecklichen Unruhe Diego nicht in Kmntniß gesetzt, und noch viel wmiger Juanita. Diego hatte sich bei der Versammlung in dm Ruinm nicht eingefundm, e» wäre einersett» eine Unklugheit gewesm, wärm beide hingezanzm, und anderersetts hatte er feine liebe Juanita nicht allein laffm wollen; wie groß auch der Muth de» jungm Mädchm» war, sie fühlte fich nicht» destowenizer seit dem Tage der Enthüllungm von Zeit zu Zeit von schverm Beänzsttgungen befangen, und zwar besonder», wenn Diego und Fernando nicht da waren. Der Letztere hatte also sein Geheimnis für fich behaltm. Wozu hätte er die Seinigm unnöthiger Weife erschreckm sollen? Sie hattm kein Mittel, in so kurzer Zeit der Inquisition zu entgehm, selbst wmn sie sofort bmachrichttzt wordm wärm; übrigen» warm sie immer auf eine Anklage gefaßt, ebenso wie die evmtuell erforderlichm Gegenmittel stet» vorberettet warm; wenn ttgmd Jemand da» Unzewitter jetzt noch beschwörm konnte, so befand Er allein fich in dieser Lage.