Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
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318 krieg, alle Leidenschaft, aller liefe, durch lange, heilig ernste Geistesarbeit besiegte Haß würde entfesselt, alle Band«, welche segmSvoller Wetteifer deS Fortschrittes in Kunst, Wissenschaft, Handel und LebenSv-wschönemng um die beiden Böller geschlungen haben, würden zerrissen werden, wir würden — Gott verhüte es! nicht nur grauenvolle Echlachtberichte vernehme«, sondern wieder von Gräuelthatm früherer Jahrhunderte lesen— der Allerbarmer schone unS! — sie sehen. Ein bekanntes Psalmwort (146) würde in anderer Wendung wahr wnden: TOHJO nexi hu vertraut nicht auf den Edelmuth viri «Ni; geht erst der GotteS» geist, der Geist der Religion, der Gesittung, dem Menschen aus, so wird er zum rohen Erdeufohn, zum — Thier, au dem Tage gehen unter alle Gedanken an Zortschiitt, Bildung, Sitte und Sittlichkett. Ihr habt bereitgelesen, wie man drüben die Menschlichkeit, die .Humanität', kür eine bloß« lächerlich« Em» pfindsamkeit, für eine .alberne Phrase' erstatt hat.' I» den Schlußfolgerungen aus diesem Satze aber scheiden sich die Wege, die Suffassunzsweisen. Die Einen sagen: die Menschheit muh darum einig und ernst zur Religio« sich wenden, die allein die Bürgschaft bietet, daß die Humanität nicht bloße Redensatt bleibe, sondern Probe halte; die Andern sagen: die Religion muh Hum,inüät werden. ES ist nun Tbatsache, daß der KatholiciSmus in einer erheblichen Anzahl seiner legitimen Bettrtter, also nickt der Beuillot und Genoffen, welche man, wenn eS paßt, deSr.vouiren kann, sondern geweihtter Priester, sich in hohem Grade antihuman, d. h. auf gut Deutsch unmenschlich gezeigt hat. Wir wollen gern manches, was man von den infamen, blutdürstigen Hetzereien katholischer Geistlicher im Elsaß und im Anfänge des Krieges bekanntlich auch in der Pfalz und in Heffen erzählt hat, auf Rechnung der in KriegSzetteu unvermeidlichen Uetereilungea und Lügen setzen; aber es bleibt genug übrig, um auf katholische Priester einen Schandfleck zq heften. Aber wtt sprechen hier nur von einer verschiedenen Auffassung der llrsacher und Wirkungen innerhalb der Judeuheit. Daß die Lehren des Judenthums und die Forderung« reinster Humanität einander decken, wird hier von allen Parteien fteudiz und stolz anerkannt; aber soll und muß das Judenthum, um seine Msfion für die Humanttät zu erfüllen, seinem Gesetze rreu bleiben, sich fest (fester) an seine.Ceremonien' aufchließen, oder umgekehrt mit immer wett.'r gehender Ablegung dieser „Formen «nd Aeußerlichkeiten" nur die Humanität alt feinen Inhalt nnd seine Aufgabe festhaltm? (Schloß f-lgl.) Kriegs-Nachrichten. Nachstehender Brief eines jüdischen Soldaten im 3. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 79 ist unS freundlichst mitge» theilt worden: Bivouak vor MSzisres bei Metz. 12. Sept. 1870. -Die immer näher rückenden hohen Festtage ziehe» meine Gedanken mit verstärster Kraft zur Heimat, zu Euch, meine Lieben. Bei unS haben freilich die 0*101] D’O’ schon früher begonnen. ü’tnu DB* waren die heißen Tage bei Mars la Tour und Gravelotte, die wir durch Gottes Gnade so glücklich überftande» haben, und kaum einen andern Namen verdienen die im regendurchweichten, sturmgepeitschten Bivouak zugebrachteu Wochen. Ueber diese allein kann ich Euch bericht«, denn über die neueste» großen Begebenheiten auf dem KriegStheater werdet Ihr Genaueres als wir durch die Zeitungen erfahre» haben. Man erzählt von Julius Cäsar, daß er gleichzeitig, indem er selbst geschrieben, seinen Secrttairen dittitt habe; ob er aber im Stande war, wie ich jetzt im Augenblicke, zu kochen, zu effe» und dabei zu schreiben, daS muß die Geschichte noch aufstären. Unser Bataillon liegt mit den Füsilieren der 56 er und deuGos« larer Jägern unmittelbar am Dorfe. DaS Leben selbst ist ei» sehr wechselvolles, oft heiteres, ja tief gemüthllche», in anderen Augenblicken vom ernstesten Charakter. Am Meisten haben wir von dem Regen zu leiden, und fattifch haben die Wenigsten von un« fett 8 Tag« einen trockenen Faden auf dem Leibe gehabt. Unsere Compagnie hat es noch ziemlich getroffen, da wir Bretterbuden haben. Ich zumal bin so glücklich, von «userm brave» Feldwebel eine wollene Decke erhalte» zu haben, und durch d«> selben werden mir auch noch manchettei sonstige Bequemlichkeit« und Erleichterungen zu Theil. Freitag Abend wurdm wtt etwa um die Zett, da ihr Tn rch sänget, allarmitt und nach der Anrede des Majors ließ sich Ernsteermatten. Unsere Artillerie Feuilleton. I u a u i t a. (Fortsetzung.) Die Ruinen waren ein ziemliches Ende von der Stadt entfernt. Fernando rrrließ seinen Bersteck und folgte dem jungen Ramira, immer eine gewiffe Entfernung innehatteud. Sein Herz klopfte stark; Furcht, Zweifel und Hoffnung erfüllten abwechselnd seine Seele. ES war ein furchtbarer Weg. Zwanzig Mal war Fernando entschlossen, sich arck Fernando zu stürzen und chu mit seinem Degen zu durchbohren, um die Snneu vom unvermeidlichen Untergang zu retten; aber jedeSmal hielt ihn eine andere Erwägung zurück. (iS widerstrebte fettem stolzen und edlen Charatter, seinen Feintfeige und plötzlich hinterrücks zu überfall«; daS war schon ein ausreichender Grund sein« Arm zu fesseln. Und außerdem hätte er nicht eine viel größere und wttkliche Gefahr dadurch geschissen, daß er eine vielleicht eiugebildtte durch ein solches Mittck zu beseitig« strebte? In der That hatte Femaudo, als er ich auS der Stadt entfernte, um, wtt er sagte, einig» Frmudm oas Geleit zu geben, seine Rückkehr während der Nacht anmeld-m muff«, damit man ihm die Thore öffne;' Ramira hatte eS ohne Zweifel ebenso gemacht. Man wußte also, daß beide junge Männer in derselbm Nacht durch daffelbe Thor wiederkommm mußt«, folglich auch dmselbm Weg zu verfolg« hatten. W«n Fernando Ramtta niederstach, fiel der Verdacht unfehlbar auf ihn, ob er nun in dtt Stadt zurückkehtte oder nicht, und er mußte daun dm Gericht« Rechenschaft darüber geb«, wtt er die Zett während der Nacht zugebracht hatte; er mußte aussag«, welche Freunde er begletttt und wo er sie verlaffm hätte; dtt letzter« wärm ebenfalls geftagt worden. Wtt konnte mau ohne vorzängiges Einverstäudniß dem Berrath entgeh«? Und dennoch bedeuttte Fernando- Entkomm« eine vielleicht noch sicherere Gefahr. So nahte von all« Seit« ein drohende- und furchtbares Geschick. Die Lage FemandoS war schrecklich; alle diese verschieden« Gedaukm kreuzt« sich in seiner glühend« Phantasie, während er Alouzo immer in derselb« Entfernung folgte. Bald erschttum ihm alle seine Befürchtung« nur als AuS» gebuttm seineerhitzt« Gemüthe«, bald kam« sie ihm nur z» begründtt vor; in Mitten dieser fürchtettichm Aufregung äudertt er jedm Augenblick sein« Plan, ohne ein« bestimmt« Entschluß fass« zu köun«; und Alonzo ging immer weiter. Plötzlich erblickte Femaudo im Hintergründe, an der link« Sette der Straße, dtt Aljaferia oder dm Juquisitiouspalaft.' l