Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
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aal Mannheim. Die Leich« des Letztgenannten wurde nach Mannheim gebracht, woselbst sie mit «llitärische» Ehren bestattet wurde. Unsere jüdijchm Nachbarn im Elsaß scheinen derart fanatifirt zu sein, das, ihnen jede Humanität abhandm gekommen ist. All einer der oimgmanntm in einem Orte unweit Straßbürg begraben werde,! sollte, verweigerten unsere GlaubenIbrüder dal nöthige Holz zur: Sarge, dal erst durch die Kameraden des Gefallenen requirirt werden mußte. So weit treibt blinder Haß! Die Juden im Elsaß find sehr schlecht auf Deutschland refp. Preußen zu spnihe», well fie von diesem in Betreff der Gleichstellung wenig Gutel hoffen. Der Gegensatz ist in der Thal auch zu groß, all daß die Elsässer nicht delhalb für ihre Zukunft fürchtm soll len. Der Großherzoz von Baden, in desie» Hauptquartier Berthild Auerbach sich befand, richtete an diesen die Frage, warum lxau gerade die Juden so furchtbare Franzosen seien, worauf A aerbach erwiderte: Weil die Juden im Elsaß sich ganz derselben liechte erfreuen wie die Bekenner anderer Confessioneu und sie die ersten waren, welche die Fruchte einer vorurtheillfreien, gleichmäßigen Gesetzgebung genossen, im Hinblick auf Preußen feite jedoch die Sache sehr trüb aul. — Zum Schluffe will ich Ihnen für heute noch mitthellen, daß in den Lazaretheu der rheinischen Städte eine nicht unbedeutende Anzahl jüdischer Verwr adeter liegt, bei denen die Geistlichkeit Pro» setytenmacherei versucht, weshalb es dringend nöthig ist, daß auch Rabbiner, wie eS in Mannheim geschieht, die Lazarethe besuchen. Als in eiuem Lazaretl-e ein Geistlicher vor einm jüdischen Kranken trat, der gerade in sehr heftigen Schmerzen lag, soll jener dem Leidenden daS Kreuz gezeigt haben, um ihn damit zu trösten. Mü abweisender Hmdbewezunz sagte der Arme in seinen Schmerzen, er Hab« jetzt keine Zell, einen Rebus zu löse»! Faetnm non est (Die THatsache ist wahr!) Sesterreich. ISie». Hiesige Blätter berichten: »Bor einigen Tagen kaud hier der lleberlritt des Fräulein Hlldegarde Eibensteia zum mosaische» Glauben statt, um Herrn Girolamo Lewi, Großhändler, zu heirathen.' Wir geben diese Notiz nur, um daran eine Bemerkung zu knüpfen. Familie Eibenstein ist uns unbekannt. und ist vielleicht reich. Aber es wäre dann daS erste uns vorzekommene Beispiel, daß ein Jude eine reiche Christin heirathet. Daß ein reicher Jude ein armes Christenmädchen, oder ein Christ, auch ein Adliger, eine reiche Jüdin heirathet und daß dabei Uebertrllte stottfindeu, ist etwas Alltägliche!. Daß aber ein armer Jude die Hand einer reichen christlichen Erbin erlange, oder ein reicher Chi,ist ein armes Judenmädchea heirathet, dal ist unS noch nie zu Ohren gekommen. Bei wem ist nun dal Geld Alles? Temlerg, S. Sept. (Orig.Eorresp.) Wie eine Sonne strahlt der Dichter l)r. M. Letteril am Horizont der hebräffchm Literatur. Seine Zierdienste all Poet find allgemein bekannt, die hebräische Spraih« hat ihm sehr viel zu danken ucd mll seinen meisterhaften iVerken hat er fie aus dem Staube erhoben. Sein berorsteheudeS 70. Geburtsfest bietet Gelegenheil, ihm zu zeigen, wie hochgeschätzt er bei dm gebildeten Leutm ist, und da Herr Letteril, wie Mannt, fich jetzt i« einem schlimmm Zustande befindet, so habm!>ie gebildeten Männer Lembergs beschloffen, ihn mll eiuem Präsmt zu seiner Jubelfeier zu ehrm. Die Herrm vr. Löwmstein, Buber u. Ä. haben einm Aufruf geschickt, die Herrm Rosmthal iehrer, Domzwerg, Samuely habm sich in dieser Angelegmheit sehr bethelligt, diee Männer verdienm Dank und Lob. Mögm alle Gelehrte Ga izims dal Beispiel nachahmen und unsere Glaubmszmossm im Lande an dieser Angelegenhell thellnehmen. El »erdm auch noch nach dem 13. d. M. Gabm angenommen. x, "&tß. Eett dc m 1. Septbr. ersä eint hier ein neues Blatt: »Dal traditionelle Judmthum. Organ der autonom« jüdischorthodoxm Religtoulgmoffmschast Ungarns und Siebmbürgml.' Daflelbe tritt an die Stelle des »Mag.Zfids', welcher aufhört, und ist ganz deutsch geschriebm. Dal Organisationlstatnt der jüdisch-orthodoxm Religioalzenoffmschaft ist im Separatabdruck, mll Dorbemerkungm versehm, erschienen. Wir müffm uni ei« Referat darüber Vorbehalten. Aste«. Aakentta. (Aul einem Privaffchreibm im »Jewisch. Meff.'> Unter der beinah« eine Million betragend« Zahl von Etnwohnem mag sich die unserer Glaubenlgenoff« auf etwa büv Familim bclaufm. Sie find meistml aul Arabim und im Allge» meinm sehr geachtet. Die Häuser David Saffun, Gubby, Esra Soleiman & Sühne habm fast dm ganz« Handel vom persisch« Meerbusm, Bagdad u. s. w. in Händen. Die Judm zu Madras» Bombay und Calcutta kleidm fich sehr eigmthümlich. Sie trag« ein langes Kleid, gewöhnlich von dunkelblauer Farbe» mit Knöpf« an der Brust bis zu dm Knöcheln (folgt ausführliche Beschreibung). Ihre Unterhaltung unter einander wird stets nur hebräisch, und ihre Geschäftsbücher und Rechnung« werdm in derselbm Sprache geführt. Sie Hab« in Calcutta zwei Synagogm, von dm« die eine, wie mich dünft, noch schöner all die in Bombay ist; der Fußbodm ist sehr schön mit Marmor belegt, der aus Italien gebracht und ei» Geschenk des verstor» bmm David Saffun ist. Ich brauche nicht zu sag«, daß die Judm von Calmtta streng orthodox im wahren Sinne des Wortes find, indem sie ihre Lädm von Frettag bis Sonnabend Abmd geschloffen halt«. Vermischte und neueste Nachrichten. Moskau. »Maggid' mthält einm ausführlich« Bericht über die Einweihung der nmm Synagoge, über der« erst untersagte, dann gestattete Erbauung wir im Januar berichtet habm. Die Feier würde nichtl bemerkmSwerthel bietm, wenn sie in Dmtschland u. s. w. in der Weise stattgefund« hätte, wie fie dort geschildert ist. Daß fie in Moskau so abgehaltm wordm ist, ist merkwürdig genug. Unter dm all anwesend gmanntm hohm Würdmttägem heben wir besonders dm Rector der Universität hervor. Daß dal Ganze dm Epilog del Berichterstatters »DTO wo fra * vollständig und herzerfreumd rechtsmttgt, braucht nicht gesagt zu werdm — aber gehört auch der Umstand unter diese nro, daß, wie er erzählt, »alle Anwesmdm nach Schluß der Feier Mincha betetm, auch diejenigm, weich« dasselbe schon lange verzeffen hatten'? In Moskau Judm, die nicht mehr Mincha beim könnm!! Galacz. »Libanon' berichtet von »mm Quälereien. Bom Primär ist eine Berordnunz aulgezangm, nach welcher dm jüdischen Metzgem verbot« ist Lieh zu schlachten, da fie dal nono Fleisch dm Christ« verkaufm; wer es doch thut, verfällt in eine große Sttafe. Ferner hat unter dm Rumänm eine Liste cftmlirt, worin sich die Hauscigmthümer mll Namensunterfchrift verpflichtm, ihre Wohnunzm nicht mehr an Judm zu vermiethm, und wenn diese auch noch so hohe Miethe zahl« wollt«. Bukarest, Lin in Diensten Sri Minister« Logolniceano stehende» Blatt drohr dm Jndm mit Ansrottnng, weil derm Glanbmsgmoffm in «äuropa bewirt» habm. daß die Stronßberglchm Bahn«»» anf SO Pmemt gefallm, nnd sie e« dämm auf einm Staat« bankerott abgesehm hätte», m» s, die Rnmäam z» zwingen, di« Jndm zu emancipirm. Eiucinnati. Wise's »Israelit«' mthäll einm lang« Bericht aus Ncrwalk in Ohio über die Hinrichtung eines einge»