Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- Seite 313 (sequence 5)
- Language
- German
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818 > Lage» gemacht worden, ata: vergebend. In dem Repräsentanten- Eollegim» stellt« ein Mitglied den Antrag, in der alte» Syna» goge eine« Gotteödimst in unveränderter Weife neben dem in der neuen fortbestehen zn lasse». Der Antrag wurde gegen die eine Stimme de» Antragsteller» abgelehnt. Sie kennen die.Reform«', welch« unsere neue Eultudordnung etngesührt hat, Sie wissen und haben Ihren Lesern mitgetheilt, wie ängstlich Alle» vermieden ist, wa» in da» Listehende schärfer einschneiden würde; folgerichtig auch, wie nachgiebig und versöhnlich sich diejmizm gezeigt haben, welche gern noch da» Sine und da» Andere abgeändert gesehen hätten. Aber e» gibt .Unversöhnliche'. E« sind ihrer jedoch hier sehr wmige, der ganze Zwischenfall würde kaum der Erwähnung werth fein, wenn fich nicht darin eine Richtung charakterifirte, und die Wahrheit de» Gap,» »Vernunft wttd Unsinn' ein« Bestätigung fände. K» kann nicht leicht Jemand ein abgesagterer Feind jeden Gewissenszwang»» und de» Majorisiren» in religiösen Dingen sein, al» ich. Lasse man Jeden nach seinen lleberzeugungen leben, bete« «. s. da» ist .Vernunft'; aber wenn nun jeder Einzelne von der Ma» jorttät, ja von der Besam mthett verlangt, daß sie fich in seine Marotten füge, vor seine» Drohungen mit Absonderung sich beuge und, um mit ihm Frieden zu halten, ihre» Ansichten, Wünschen und dem, wa» sie für rtchttg hält, entsage, so wird die Vernunft .Unsinn'» oder, ehrlich und offen gesagt, solche» Bebahren streift an nvtM. (Dem Anttagsteller selbst, dessen Verfahren zu verdächtigen mir nicht beikommt, will ich damtt nicht zu nahe tteten, id> lasse ihm seine Ueberzeugung, er lasse «n» aber auch die unsrige!) Diesem entsprach auch die Mott« virung de» Anttage». Ehre dem Altehrwürdigen, heilige Scheu vor dem von frommen Vorfahren Ueberliefertea — da» ist »Vernunft', aber wenn man nun dreist mtt einer ,100V jährige» Ltturgtt' um fich wirft und dabei nicht die Pflichtgebete — an denen keine Silbe geändert worden — meint, sondern Pijutim, deren ätteste lange nicht 1000 Jahre alt sind, deren jüngste Anwüchse kaum 400 Jahre zählen: dann tritt der .Unsinn' ein. Jeder, der nur eine Ahnung von der Beschichte de» Machsor hat, sagt sich: wirk ist denn die Einführung der Pijutim etwa nicht eine Neuerung, eine Aenderung de» Mtnhag gewesen? Und wer etwa» mehr von der Sache versteht, setzt hinzu: ist nicht diese Neuerung von wahren und allerort» anerkannten Autori- „In der „rothen Hertage". In der Dunkelstunde wird ein Mann zu Euch sagen: Nun ist e» Zettl Da» bedeutet dann de« Tag später." ,.E» ist gut." „Ich zähle auf Euch." »Habt kein« Angst; die Bardunja hält immer Wort!" Mtt dies« ziemlich laut gesprochen« Wort« mtsernte sich Mateo. Alonzo, der mit dem tkapatoz nicht zusammm geh« mochte, »erfolgte ihn mtt dm Blick«, so wett e» di« Dunkelheit der Nacht verftattete, und ttat dann ebmfall» dm Heimweg an. In diesem Augmblick wollte Femando au» dem dicht« Gebüsch, da« di« Ruin« umgab, hervorttetm. Die Marannm, di« sich hier versammelt hatt«, mtfernten fich nach verschied«« Richtung«; der Mönch kehtte entweder in sein Kloster oder in dm Jnqutstttoalpalast — beide Gebäude lag« außerhalb der Stadt — zurück; Femando allein mußte dm Weg nach Saragossa einschlag«. Er ging mit der dm Marannm eigmm Vorsicht vonvärt», zerthellte so geräuschlo» wie möglich da» dichte Gezweig uud blieb bet jtbirra Schritt, aufmerksam auf da» ge» ringst« Geräusch lauschend, stehen. Plötzlich, al» er geralre ini> Freie herau»ttetm wollte, sah er «in« Gestalt unbeweglich vor sich steh«. Der Mond war noch nicht aufgegangm, ata in dm Rächt« tät« bekämpft wordm? — Dm will man denn täuschm? Da» Hamanklopfm ist im Schulchan aruch vorgefchrieb«, 8t. Mose Jfferle» bat die Abstellung diese» Brauche» untersagt, ttotzdem giebt e« in Deuttchland wohl schwerlich eine Synagoge, in der e» noch geschähe; wenn nun ein Einzelner über Majorifirung und Gewissenlzwanz schreit und gezm dm Beschluß der Gemeinde klopf« will, so wird man ihm die Thür weis«! Die Pijutim vollständig zu sag« wird keinem J»raelitm verwehrt, wer jedoch von der Gemeinde verlangt, daß sie einm Gotte»dtenst einrichte, damit er dieselben mit Mtnjan sazm könne, oder wer e» »reli» gionöwidriz' findet, daß man erst um '/«6 mtt nur*» beginne, und von der Gemeinde fordert, daß man, um ihm kein« Ge» wiffmözwang anzuthun, vor Tagesanbruch anfange, der verlangt Unbillige«. Gmug davon. Ich ftme mich, diese» großmtheil» wohl unerquickliche Schreibm mit einer angmehmm Nachricht schließ« zu können. Herr Georg Rosmthal in Amsterdam, Sohn de» hier verstorbmen, durch seine au»erlesme und groß« Bibliothek berühmt« Stist»gelehttm R., hat zur Erinnerung an seine sel. Eitem eine Stiftung gemacht, welche am 18. Juni d. I. die königliche Bestätigung erhalt« hat. Zweck der Stiftung ist, jung« Männe«, welche die polytechnische Schule in Hannover besuch«, Stipendim zu gewähr«. Grundkapital 5000 Thlr. Berechtigte Bewerber sind in erster Linie verwandte de» Stifter», die sich zur jüdisch« Religion bekmnm, dann Judm au» der Stadt oder drm früheren Königreiche Hannover, endlich Hannoveraner ohne Rücksicht auf Confesston. Zum Vorstände der Stiftung gehör« der jedesmalige Landrabbiner und der Director der Schule, außer dies« noch drei Person«, worunter für jetzt der sehr bekannte Pastor, Smior Bödeker. -st.- Kettzekterg, 12. September. (Ortg.»Eorr.) Zur Vervollständigung Ihrer Statistik über die Theilnahme jüdischer Soldat« an dem Kriege theüe ich Ihn« mit, daß vergangme Woche drei badische Soldat« jüdisch« Glauben» vor Sttaßburg bet dm Ausfall« de» Feinde» d« Tod für» Vaterland erlitten. Sollt« vielleicht Wagen« und Confort« die Betheiligung unserer Glaubentzmossm an dem Kriege zu schmäle« such«, wmn wir ,Tr«e um Tr«e' oder Recht um Treue beanspruch«, so will ich Ihn« auch die Ramm der Gefallen« mittheilm: Hirsch au» Ladmburg, Jacobt au» Leimen (Heidelberg) und Joseph de» Süd«», und namentlich Spanien« r.'gmthümlichem Halbdunkel, konnte man mit ziemlicher Gmauizkeit alle Gegmstände ring»umher erkenn«. Femando blieb überrascht und besorgt steh«. Der war dieser Mann? Da» wollte er hier zu so später Stunde? Im erst« Augenblicke glaubte er, e» sei ein Maranne, der fich verirrt habe; aber al» er die vor ihm stehende Gestalt genauer prüfte, unterschied er bald die wohlbekannt« Züge. E» war Graf Alonzo von Ramira. Diese Entdeckung verdoppelte Femando» Schrecken. Wa» konnte dm jung« Edelmann um Mitternacht an dies« verrufmm Ort führ«? Plötzlich machte jmer eine wllde Bewegung: „Jetzt," sprach er laut zu sich selbst, „werden sie mtt nicht mehr entschlüpfen!" Und er emsernte fich, indem er die Richtung nach der Stadt zu einschlug. Eine unsägliche Angst bemächttgte sich Fernando», al» er diese Worte vernahm. Offenbar hatte Ramtro ihn uitt seine Glauben», genoss« in dm Ruin« belauscht und wollte sie jetzt alle der Inquisition überltefem. Wa» hätte er andere» ari diesem Orte zu thun gehabt, und welch« ander» Sinn ko.mten fisine letzt« Sorte haben? (Fortsetzung folgt.)