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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-09-21 · 38 (21.9.1870) · p. Seite 311

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
38 (21.9.1870)
Date
1870-09-21
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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- 811 Vernichtung trab Verdammung •cttfnbraf Furcht trab Schrecke» »erd«», wen» sie e» veriuög«, au» Menschen höchsten» nur zitternde Sklaven bilden. alter keine sittlich starken Gottesverehrer/ Kriegs -Nachrichten. E» ist tra» höchst erfteulich, nnsern heutigm Bericht mit der Meldung wohlverdienter Ehren, welche jüdischen Goldatm zu Lheil gewordm find, beginnen zu können. Da» eiserne Krenz habm erhaltm: der Gardefüsilier Dorn, Sohn unsere» früherm langjährigm Gemeindemitglied» Herrn Jos. Dom, jetzt in Berlin wohnhaft, und Isidor Bötzel» Sohn de» hier verstorbmm El. Bötzel. Ersterer ha', wie un» dessm Later mündlich er» .zählte, sich in der Schlacht bei Mar» la Tour ausgezeichnet, ist unverwllndet gebltebm und e» hat sich an ihm der BerS erfüllt: »Mögen Taufmde zu deiner Seite fallm rc.', da feine Compagnie furchtbar gelichtet vordm ist. Letzterer hat nur da» Factum seinem hiesigm Vormunde mitgetheilt, ist ebmfall» unverwundet; Tag und Ort ist tra» nicht bekannt. Mündlich ist un» ein Zug »jüdischer Rache' erzählt wordm. Ein jüdischer Reservist eine» Garde-Regiment» (Warschauer au» Schlochau, wir könnm für den Ramm jedoch nicht bürgm) hatte lange al» einziger Jude in seiner Compagnie gedimt und war von dem Capitain nicht ebm frmndlich behandelt worden. Bei der Mobilmachung wurde er wieder derselbe» Compagnie zugeiheilt und von dem Hauptmann mit dm Wortm begrüßt: »Habe ich schon wieder dm ver)— Juden! * Unser Mann, groß und stärkt war Flügelmann t«r Compagnie und stand so dicht nebm dem Hauptmann in der Linie (in welcher Schlacht können wft nicht angebm). Da schlug eine Granate zwischm beide, zerschmetterte dem Offizier dm linken Fuß, dem Flügelmann dm rechten Unterarm, da» Treffen stürmte vorwärt«. Lergebm» suchte der Capitain sich aufzurtchtm, fortzubewegm, und der Jude mühte sich vergebm« ihn zu stützen. »Laffm Sie mich,' sprach der Capitain, »Sie sind ja selbst verwundet.' Aber der Soldat »ahm ihn mit dem unversehrten Arm auf und trug ihn fort, bi» er Hülfe fand. Al» der Hauptmann «ehrend wiederholte: ,E» ist genug, Sie körnen ja nicht weiter', sagte der Mann: »Herr Hauptmann, da» ist bloß, well Sie mich immer dm Judm gmannt habm.' Jetzt liegen beide im Lazareth, der Offizier hat darauf beftandm, daß sein ttmer Helfer in demselbm Zimmer, dicht an seinem Bette verpflegt werde, und hat die Thatsache selbst dm Angehörigm de» Manne» geschriebm. Au» Darmstadt berichtet der ,J»raelit': »Siegmund Neustadt von hier wurde bei AuSbruch de» Kriege» zum Licutmant ernannt. Sowie ihn früher seine Borgefetztm geschätzt hatten, so hing nun seine Mannschaft an ihm mit Leib wid Seele. Vor dem Abmarsch in» Feld werdm die Soldaten mit neuer Uniform, Munition und Proviant ausgerüstet. Ein Mann au» seiner Compagnie, dm die schmerzvolle Trennung von Frau und Kind über die Zeit hinaus aufgehaltm hatte, fehlte bei jmer Vertheilung. Damit er der gefetzlichm Strafe nicht verfalle, ließ der edeldenkende Offizier die Effecten zu sich bringen, um sie in seinem Hause dem Manne zu überliefern.') Gerührt von diesem bei Vorgesetzten feltenm Acte' liebevoller Fürsorge eilten die marschbereiten Soldaten zu den Eltern de» bravm Offizier» und schwurm begeistert: »Kein Haar soll unserm Lieutenant gekrümmt werdm, so lange noch ein Tropfen Blut in unfern Adern rinnt.' — Wohl meinten sie'» redlich, di« treum Seelm; aber eia Höherer hat den Braven geschützt. Der Tag, da der Tod an siebzig der glänzendstm Namen au» den Reihen der Heften blutig durchstrichm, er ist an ihm glücklich vcrübergezangen. Acht volle Stunden stand seine Compagnie im wüthmdstm Äranatmfeuer. gezm Abend war sie auf 35 Mann zusammengeschmolzen, alle Offiziere todt oder verwundet, bi» auf dm Oberlieutmant Sartoriu» und Lieutenant Neustadt. Da erhaltm diese Beidm Ordre, mit den Trümmern ihrer Compagnie nochmal» loSzustürmen, e» fallm wiederum fünf Mann, der Oberlieutmant erhält einen'Schuß durch den Fuß; aber unversehrt kehrt unser Held auch au» dieser Gefahr zurück. Einer Nachricht zufolge hat er sofort auf dem Schlachtfelde die Ober- LieutenantSstelle erhalten.' Wir habm noch eine Bemerkung zu machen. Die heute gmannten Dorn und Neustadt, die früher erwähntm ruhmvoll gefallmen Jaffö und König»be«ger gehörm jüdisch-frommm *) Man erkennt den Inden sonst leicht an körperlichen charakteristischen Besonderheiten. Die« ist «in Charakterzug de« Herzen«, an de« wir einen Jude» erk-nne«. (Red. d. I. Wach.) lesung de» GotteSworte» gedient hatte, frmte man sich so zu sagm über da» schöne Lebensende drsselbm, daß r» friedlich, ohne jede Gewalt, ohne jeden Unfall von hinnen schied; hier aber drückte diese schon au fiih feierlich« Ceremoute den Verhältnissen einm Charakter tiefer und grausamer Bitterkeit' auf. Für die Marannm, di« schon so lange in fortwährendem Kampfe ihrm Glanbm gegm die Allinacht der Inquisition vertheidigtm, bedmtete di« erhaben« Handlung, die sie so ebm vollführt hatten, da» Verschwtndm jeglicher Hoffnung und die sichere Aussicht auf einm gewaltsamm Untergang innerhalb der Grenz« de» spani- ■(V sch« Vater lande». Sie mtsagtm nicht ihrem Glaubm, wohl ^»ber diesem fchönm Lande, an da» sie durch so viele Bande der *W«be gefesselt waren. Alle Anwesend« warm ttef gerührt, die Meist« vergoffm bittere Thränm, und selbst Enrtquez, der Mann de» eisern« Willen», konnte keine Wort« zu ihrem Tröste stndm. -r begnügte sich daratt, ihn« di« Haud zu drück« und ihnm noch einmal durch ei» rleichm Vorsicht und verschlofsmheit anzuempfehlen. 7. Währmd diese Ereignisse fem ab von jedem entheüigendm Blick in der Tiefe der „Ruin«" vor sich ging«, fand ganz in der Nähe eine andere nächtlich« Unterredung statt, im Schutze der dicht« Gebüsche, welch« dm Zugang zu diesem vom Volk»- aberglaub« allgemein gefürchtet« Orje abschntttm. Die beidm i Männer, welche diesen Platz zu ihrer Zusammmkvuft gewählt hattm, waren Matteo, der Provinzralhauptmann in der Gardunja, und Alonzo, der Sohn de» Grafen von Ramira. Waste sich zu sagen hattm, mußte geheim bleiben, und gerade dort hatten sie, vollend» bei Nacht, am wmigstrn unberufene Zeug« zu befürchten. ,,Wa» wollt Ihr von mir?" fragte der Capatoz, nachdem er sich die Ueberzeugung verschafft hatte, daß er wirklich den jungm Mann vor sich habe, der ihn hierher bestellt hatte. „In Satazoffa lebt ein Mann, der mir im höchstm Grade unangmehm ist..." „Nun, also?" „Und deffm Tod für meine Pläne nothivmdig ist." „Eine Verdunklung," murmelte der Cap ttoz in der Gaunersprache der Gardunja, in welcher man hierunter den Meuchel» mord verstand, „da» ist thmrr!" Der junge Graf glaubte in dielen Wortm eine Anspielung auf die zerrüttet« Vermögen-Verhältnisse seine» Later» zu erblicken. „Ich bezahle baar," antwortete er. „Wie vielf" Der Capatoz flüsterte dem jungm Manne die Summe, die er forderte, leis« in» Ohr, al» ob dadurch die Höhe der Ziffer gemildert würde. „Gut," antwortete der junge Mann, „ich habe noch mehr bet mir. Nehmt, Ihr könnt morgen nachzählm, e» fehtt kein Deut."

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