Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- Seite 310 (sequence 2)
- Language
- German
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810 oder bestimmte Mahnung erforderlich gemacht. Daran« folgt: wer jetzt Derartigenidit als seine Meinung oder Dernmthung, sondern al» Gewißheit au-spricht und zur Geltung bringen will, der maßt sich Ungebührliche« an. Da« bezeichuete Bittahrm ist aber auch verfänglich und verderblich, derartige Mahnung« find zweischneidige Schwerter. Sie wirken, so lange gläubige Furcht ihnen entgegen kommt; sie schlage» in da« Gegmthttl um, sobald eine freie forschend« Richtung sich der Geisrer bemächtigt. Denn die Sttafe trifft nicht immer, tritt nicht immer sichtbar ein, vom Unglück wttd oft der Frömmste verfolgt, dem ReligionSverächt« lächelt oft dauernd da» Glück. Da« find uralte Erfahrungen, in der heil. Schrift an zahlreichen Stellen au«gesproä>«; diese Erfahrungen rufe« Zweifel wach, deren Lösung wieder zahlreiche Bibelstellen gewidmet sind. Die Religion warnt, daß wir un« nicht in unfern Ansichten und ll Überzeugung«, in unser« religiösen Leben von dem Hinblick auf äußern Erfolg leitm lassen; da« Jude», thum aber darf am wenigsten dem Erfolge huldige«, denn wie selten hat er seit Jahrhunderten ihm gelächelt. Wir wiflen nicht, ob ein Rabbiner in der gegenwärttgm Zeit nach der fragliche: Seite mehr gesagt hat, al« sich verantworten läßt. Die ob:n angedeuteten jüdischen Blätter habe» nur vage Beschuldigungen au-gei'prochen, Thatsachen, bestimmte Aeußerungen find nirgend« angeführt. Wir sprechen also aur bedingungsweise. Wer« etwa ein Rabbiner den Krieg al« Sttafe für lleberttetung von Sabbat» und Spersegesetz, versäumte« Anlegen von Zizi« und Tefillin bezeichnet haben sollte, so würde» wir ihm zurufen: »wer hat im Rath« Gotte« gestandenst und »seid vorfichttg in euren Worten!1 Bierden denn die Kugeln alle diejenigen verschonen, die da halten und beobachten? Wird nicht mancher unversehrt bleiben, der da nicht hält und nicht beobachtet? Hat ein vernünftiger orthodoxer Jude denn je daran gedacht, Zizi« und Trfillia alt Amulette zu bettachten?! Die Weisen aber haben clle« wohl erwogen und gesprochen: wenn da« Verderben einmal fteien kauf hat, so trifft e« unterschiedslos. (B. Kam. 80, a.) Welche« ist denn die rechte Art, nach den llrsachm der Leiden zu suchen? E« muß sich ein vernüaftigerZusammenhang zwischen Ursache und Wirkung Nachweisen lassen! Diesen zu suchen und danach zu Dorschen, ihn zur Mahnung klar darzulezeu, offen au»zusprechen, unbekümmert um de» Beifall de« Haufen«» um Lächeln oder Spotte», da» ist eine würdig«, echt religiöse Aufgabe. Wir wollen ihr in einem ander» SrtSel zu entspreche» suchem Zum Schluffe de« heutigen' wollen wir noch ein Beispiel anführen. Die Lehrer de« Talmud ftage» nach der Sünde, die den Untergang. de« zweiteu Tempel« 'verschuldet Hab«. Einige sagen: e« ist Ml ntor innerer Zwist gewesen. Da haben »Ir erstlich eine» klaren vernünftigen Zusammenhang zwischm Ursache und Wirkung, ja der Patteikampf kann wohl die Zerstörung her» bttgefühtt haben; zweiten« wird auch die« nur al« Ansicht und Meinung hingestellt, nicht al« Gewißheit. » » » Wir haben hier die beste Gelegenheit, - glttchsam al« Er» gänzung zu Vorstehendem, der un« nachträglich zugegangene». Btttagtpredigt von vr. I. Hamburger in Sttelitz: »Die Ovfer de« Heil«« zu erwähnen. E< ist dieser eine Einleitung »über den Buß- und Bettag nach seiner geschichtlichen Entwicke» lung und Bestimmung in der Bibel« vorausgeschickt. Wir laffm die Schlußsätze derselbe» hier folg«: »Frag« wir nach dem Eharafter und der Bestimmung dieser Btt- und Bußtage, so ergiebt sich schon au« den eben cititten Stellen, daß diefttben btt ihrem »och so starken Emst nicht da« Riederschmettem und Verdamm« alle« Weltlich«, glttchsam de« Quell« aller Sünde, zu ihrem Zttte Hab«, sondem mtgegm» gesetzt: die Rettung und Erhaltung deffelb«, aber durch die Macht eine» starken, wiedererwacht« Gotte»bewußtfttn«, einer gehobenen sittlich« Kraft. Diese Güter al« d« Bode» und d« Halt alle« Irdisch« dem Volke zuzuführen, damit e« im Auf» blick zu Gott sttne Kräfte verjüng» erhalle, sich mu gestärkt fühl«, ist die Aufgabe und di« Bestimmung de« Bet- und Bußtage«. Ich fühle mich zu dieser Darlegung veranlaßt, weil meine Predigt, die ich hiermit der Oeffmtlichkttt übergebe, von der» jmig« Anschauung abweicht, di« am liebst« an solch« Tag« von dem Gotte«gericht in seiner schwärzest« Gestalt, der Mmschen» Verdammung und dem Weltuntergänge sprechm hört. Wozu denn da« höchste Wesen, da» wir ja al« Quell der Liebe und Gnade verehr« und al» ttn« Vater aller Mmschm, der in Liebe über Alle wacht, lehr«, heute al« einen Gott der Rache, der Feuilleton. I u a n i t a. (A«ns« tzuug.) Alle Marannm nickt« al« Zeichen der Zustimmung leicht mit dem Kopfe. FranceSeo b'Ariza selber sah ein, daß da« Nr» thell de« Mönche« ichtiz stt und auf tiefer Sachkeuntniß beruhe. „Ihr habt Recht," sagte er, „Einiquez, man muß flieh« oder heucheln." „Da« blttbt un« allein übrig. Wtt könn« un» hier nicht mehr zum Gebtte versammttu, Brüder!" De« Mönche« Stimme zittette und sttne Erregung hatte alle Herz« ergriff«. Ei» Augmbltck feierlichen Schweigen« trat tt», in wttche« sich alle dies« Mämi« schwttgend die Hände drückt«, d«a man mußte sich trennen.». „Und nun," begann der Mönch wieder, ,,hab« wir »och eine letztt ttaurige 'Pflicht zu erfüll«. Diese Gebetbücher, diese httlige Rolle, die da« 8ott Gotte« enthalt, wttche« wir von hmtt ab nicht mehi an dies« Stell« »«erlesen w«d«, dürfm hi« nicht so bleibe», da wir nie mehr hi«h« zurückkehren. llebrt» gen« kann sie dn Zufall täglich «tdeckm und jed« möglich« Entweihung autsetz« laffm. Mach« wir e«, wie uns«« from» men Brüder in Palästina: wmn sie ihrd Büch« und httligm Gesetzroll« nicht mehr gebrauch« könn«, vettraum sie sie d« Erde an, wie'man ihr d« Ueberrest d«« anverttaut, die un« thru« sind und die wir nie mehr wiederseh« sollen." Nach ditt« Wottm zog d« Mönch ttn Grabschttt »nt« sttn« Kleide« hervor und bmutzte da» Werkzmg dazu, dm Lob« au«zuttefm. Einige Marannm thattn ei« Glttche« und bedtmtm sich dabtt d« Hände ob« d« Sch wett«, die fie al» Edelleute sttt« btt sich trug«; die Andem hattm sich um sie gruppitt und blieb« stumme Zuschau« d« ttgmthümlich« Seme. In kurz« Zttt hatte man eine ziemlich tiefe Grube hergestellt, d« Mönch legt« die Gebttbüch« auf die Erde und auf sie die fünf Büch« Most«, üb« alle« brettete « sodann da» weißwollme Tuch au« und bald war Alle« wird« mtt Erde bedeckt, die man vollkommm ebntte, um auch nicht durch die gertngste Spur di« Handlung, die «an eb« vorgenommm hatte, zu Mt» rathm. In Palästina war« diese Arten dn Beerdigung früh« ziemlich häufig und hattm nicht« Trauttge« an sich; der Bode«, dem man dies« Roll« anvettraute, war auch ohuedie« geweiht, und dann, wen» man sich dt« lange Rtthe d« Jahre in« Ge» dächtniß zurückrief, während welch« da« httlige Buch zur Der-