Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 306 (sequence 6)
- Language
- German
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906 Eomitö de- Hilfs-Verein» für verwundet,: Soldaten im Trotz, herzogthum Hessen zu Darmstadt hat die Rabbtuer des Landet ersuch« lassen» für die »Seelsorge^ der in den verschiedenen Lazarethe» befindlich« jüdisch« Soldat« Sorge zu trag«. Selbstverständlich find alle Rabbiner ge« dazu bereit. I. E. Wo« Wollt, 5. September. (Orig.-Corresp.) Ein neuer Hama» hat fich aufgtthan, dietmil aber «in Jude, «in neue« Exemplar einer laugst (leider) auch nicht mehr neu« Geltung. Ein Moser der Art war tndess« früher in der Regel vorher getauft mid dmvncirte dann frisch darauf los, ja wie weiland der Exjude und Ober-Demmeiaut Kraut »och nach dem Tode. Aber Herr Sigmuud Heu mann in Fürth treibt da« Geschäft ungetaust und zwar zunächst in der A. Z. d. I.— H. spricht über die besonnte Aeoßerung det bayerisch« Minister» o. Lutz über ,3ud,m und Wucherers Er berichtet zunächst, daß der Minister et nicht so Übel gemeint habe, daß er anderweitig alt et» Mann lckaant sei, der keine Loruttheile gegm Ach« hege. Da» ist ganz gut. Er bedauert daun, daß et «ine Kategorie von Jude» gcke, welch« die uachtheiltgm Aeutzerung« de« Minister» rechtfertig«, die, um <» kurz zu sag«, durch ihr geschiftltche» Treiben Kisch«» und EhiUul Haschem mache«. Such da» ist wahr, «ck wir habm gar nicht» dageg«, w«n «» mit aller Unumwuudmfett au»gesprochm und gebraudmarkt wird. Non aber heißt «» weiter «örtlich: „Die Ursache diese» beklag«Swerth« Umstande« ist leicht zu find«; bet solch« Leut« steckt eb« die gaaze Religion nur tu der unverbrüchlich« Uebung und Festhaltung selbst der gelingst« Ritualvorschttft" «. f.«. ES wird dann weiter mit deutlich« Wort« »«sagt, daß die „modern« jüd, £ tthodox« dm Lehr- und Stttmtuhalt de« Jndenthum» vernachlässige^' — kurz: die orthodox« Jud« find Betrüger und Wucherer» „mach« von dem Geld« d« unwürdigst« und verwerflichsten Gebrauch, «Shr«d sie sorgfältig vermeiden, Geld am Samstag au-zugebm", oder w«n man die» etwa» zu stark finden sollte, so sagte Herr H. wmigstm»; sucht d« Betrüger und Wucoerer unter b« Orthodox«. — Soll mau eia Wort geg« solch« niederträchtige Dmunciation sag«? Da» hief^ einem H. zu viel Ehre erweis«. Soll man ihn darüber belehr«, daß mit seiner Denuuciatiou nicht einmal für feine Couleur etwa» gcwour m sei, indem di« Judenfeinde durchweg kein« Unterschied mach« und d« grundsätzlich nur Schweineflessch essend« oder vor am Sabbat rauchmd« Jud« ebenso w«ig lieb« und ehr« wie den orthodoxen? (eher noch umgekehrt!» Aber Herrvi'. Philipps« nimmt da» Geschreibe wohlgefällig auf; natürlich — e» patzt für fein« neuerdings wieder mit grotzer Erbitterung aufgenomm«« Kampf geg« die „Neuorthodoxen"; eS ist auch in dieser Korrespondenz wieder hervorgehob«, daß der hochgeschätzte Red. der A. Z. d. I. das Gebahren der Orthodox« „sehr trefflich charakterisirt" habe. Nun ja, es charakterisirt trefflich Korrespondent« und Redakteur. „Wir beide, wir muff« unt, loben, eS lobt uns ja keiner als wir." Oesterreich. Ang. Die hiesige Jsraelitmgemeiude befindet fich in der unangenehm« Lage wie jener Professor iu Otmütz: „Biele reich« Gemeinbegenosfea zu sehen — die nicht da sind." ES domicilirm nämlkcb nach Ungarifch-Brod zuständige sehr wohlhabende Jöraeliten iu Wien. Da sie in Ungar.-Brod heimat»- berräiligt sind, sollten sie für diese Gemeinde auch die Cultu»- stmer entrichten. Si: find au» der dortig« CultuSgememde weder aut getreten, noch Hab« sie fich zum Au-tritte gemeldet — aber zahl« wollen fi e auch nicht! Manche von dies« Herr« reftirm bereit» seit mehreren Jahr« namhafte Beträge. Vergeblich wer« bisher die Bitten der CultuSgememde, welche da» Geld nothwendig braucht, um ihr« vielseitigen Verpflichtung« nachzukommen. Niemals eine Antwort. In feiner Noth hat fich nun der vorfimck der EultuSgemeinde Ungarssch-Brvb an dm Wi«er Magistrat mit der Bitte gewendet, mit aller Strenge, selbst i« ExocutionSweye die Etahebnng der restlrenb« Geldsnmm« vornehm« z» lass« Da die Eultu»st«er ein« gesetzliche ist, so wird auch diesem Anfuch« Folge gegeb« und dir Nam« der Restant« werd« 1» diese« Falle auch öffentlich b«- kaimt »erd«. (stk. JrM.) 2. Jts» Metzer-Wngnr«, Ende August. (Ong.-Corresp.) E» dürfte für die Leser Ihre» Blatte» nicht ohne Interesse sein, etwa» über die vielbesprochene und vielgeschmähte Versammlung der orthodox« Jladm Ungarn» »ick Siebenbürgen» zu erfahr«. Dieselbe tagte vom 10. bi» 23. August unter de« Präsidium de» Her« Skgm. Krauß in Pest. 386 theil» größer^ theil» kleinere Gemeind« war« durch 134 Vertrauensmänner vertreten. — Sie hat tu der knrzen Zeit von dreizehn Tag« ei» Gemeindeand Schulstatnt gefchaff«, welche» jedenfalls >N Freifinntgkest und wohl auch an Zweckmäßigkeit da» Congreßstatut bei Wette« überflügelu dürste. In diesem llrtheile stimmt die gesammte liberale vaterländische Press« — da» «mg. „Janeual de» Dübatt" mitgerechaet — überein und selbst Wiener Blätter steh« nicht an, der versmnmlung ihrer fteifinnigm Beschlüsse weg« Anerkmnung zu zollen. So der sonst eb« nicht orthodoxenfreundliche „Wanderer" u. A. m. Eine sktzzmhaste Zusammenstellung diese» Statut» und nur ein flüchtiger Vergleich mit dem de» Congreffe» zmügt, um obige» llttheil zu rechtfertig«. — Zunächst kau» die» Statut keiner Gemeinde aufoctroyitt werd«, tritt vielmehr erst dann in» Leb«, wenn sich die betteffmdm Gemeind«, den« dasselbe zur Prüfung vorgelegt wird, spontan zur Annahme deflelbm bereit erklär«. Da» Congreßstatut hingeg« wurde oft, besonder» in der etwa» hyperorthodoxm Hezyalja mit Hülfe bewaffneter Pandur« durchgeführt, wa» dmn doch — bei aller Achtung vor dm Herr« Distrikt»-Commiffär« — ans Liberalismus kein« Anspruch mach« kann. — Da» vorliegende Statut stellt e» kleiner« Gemeind« ftei, sich einer beliebig«, ihr« religiösen Anforderung« entsprechend« größeren Gemeinde anzuschließen, währmd da» Congreßstatut e» den kleiner« Gemeind« zur Pflicht macht, der nächst gelegm« größeren Gemeinde sich einzuverleib«, selbst wmn sie ihren rituellen Bedürfnissen nicht mtspricht, und zwingt überdies jeden Israeliten, einer Gemeinde anzuzehören.*) Da» Schiedsgericht wird hier durch die streitenden Parteien nach gegenseitiger Uebereinkunft au» Laim und Rabbine« gewählt, während dort da» Loo» Schiedsrichter wählt! — In Betreff der Schule wird hier auf da» Lande»-Schulgesetz verwies«, nach welchem jede Gemeinde nach eigenem Belieben eine konfessionelle oder Simultan-Schule erricht« kann, während dort jede Gemeinde gehalten wird, eine konfessionelle Schule zu erricht« »c. Wir haben hier einige Paragraph« auf'» Gerathewohl herauszegriffen und sie mit denen de» Conzreßstatute» verglich«. Wir sind davon überzeugt, daß jeder einzelne Punkt den Vergleich auShalten könnte. — Aber wa» wir ttotz alledem nicht verschmerzen köanm, ist, daß durch da» JnSlebentret« diese» Statut» der Riß unheilbar wird im unz. Israel, die Kluft unüberbrückbar, die eine Pattei von der andern ttennt. Die Ge- *) Air haben schon in W» ersten Blattern dieser Wochenschrift erklärt, datz »ir i« Prinzip gegen die voll« Freiheit de« J^ividnot», fich einer ReligioaSgesellschast aoznschließen »der nicht, gar nicht« einzuweade» haben. Wenn da» Prinzip für Alle dnrchgefithrt wird» kann gerade da« Indenthnm sehr »ohl dabei besteh«; aber für di« Jud« allein—!? Und 0b «»«besondere die »ngarische« Inden, «ach ihrer geschichtliche»‘Entwickelung, »ach de» staatliche» Verhütungen, denen Selsgedornment »ach ganz ftentd »der doch»«» ist, bei den».starke» vorwaften rtta pechckMchar Motive und Rücksichten n. s. »., ob also grade dir nvgarische Jndmhejt ftlr f»lche religiöse Ungebnndenheit „reif" sei, »a» «ick ««hl lehr fraglich sein. JNtNLchste» Blatte bilngeN »ir eine andere Raffaffnng dtr Bach«, ■%m dte llrchetke grzrniwer z» stellen, (ttck.) J!' ,T I J