Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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807 «iffnksfreihet hat wohl eine» Sieg errungen. Fließe wird vwhü ^>rr[i|iii {2 0/itmtinhm’ g((t lial t>»liiiit|itiii ßgß h««h diese Zweith^luflg ein« Schlag erhalte», wifl — »i licet eomp*r«re — bat jüdische Reich bei seiner' Lhetluag^ Vermischte und neueste Nachrichtm. Paris. ,Univ. Jsr.' beginnt «it dem ersten September» hosts de» 26. Jahrgang. Wir bringe» de« Redakteur» Herr« Sd- Bloch, ß» diese» Jubilsn» sei»» publieiftischen Lhttigleit »fern bestgemeinten Glückwunsch dar und sprechen ihm zugleich für die vielfachen Aeußermigen des Wohlwollens und der Anerkennung, deren wir von seiner Seite theilhast geworden find» »fern Dank aus. Möge Herr Bloch seine Thätigkeit bl völlig »iederhergestellter Gesundheit und in Frieden fvrtfetzm! Wegen seiner Auslassungen in Betreff des Krieges und alles deffm, was »st dm Begebenheiten der letzten Wochm resp. mit dm über dieselben in Frankreich verbreiieten Lügm zusammmhängt, hätten tsir mst ihm wohl viel zn rechten; wir wollm jedoch ein weiteres Heft abwarten. Vielleicht fällt di« Binde vo» seinen Augm. Herr Bl. hat in dm Wochen, welche die Ereignisse mtstehm fahm, außerhalb Parts — d. h. nach dm französtschm Zuständm außerhalb der Welt — gelebt, zurückgekehrt, hat er nur di« Pariser Joumale gelesm, welche auf uns Deutsche von Woche z» Woche «ehr dm Eindruck macht«, als sei« fk von Irrsinnigen geschrieben. Herr Bl. wird sich z. B. jetzt überzeugt habm, daß der „gtalrol Morenou-Rab“ (deffm Blatt, »Hamagid/ ja eine Zeitung ist, also über di« Kriegsereigutffe berichten muß) in der Hauptsache ganz correct erzählt hat. Wir bittm ihn daher dringend, sich Jes. 26, 20 und Amos 15, IS zur Richtschnur zu nehmm; in Beziehung auf die hochgestellte Person, der er piötö b/poorit« verwirft, erinnern wir ihn an die allgemein gültige Warnung gegm ÜHB03 *®n — seine Meinung ist unbegründet. Somit wünschen wir ihm und allen theueren Brüdern an allm Ort« bicmn bfj Di^Bn. »m"3 Mözm nicht noch weitere» neue, ganz zwecklose Differmzen da» Baud lockem, welche» un» einigt! Pari». Wir berichteten nachträglich aber eine Lonversafion, «orlch» am 19. Juli im gesetzgebenden Körper »wischen Lremienx und dem Justizminister (inzwischen hat bekanntlich ein Rollenwechsel stattgesuudea) gepflogen Word«» ist. Erümieux verlangt die Naturalisatiou der algerischen Jsrae«! liten. Der Justiznnnister antwortete: »Die Regierung wüuscht diese Ratu- , ralisation zn vollziehen, e« handelt sich nur um eine Rechtsfrage, ob nämlich ei» Dekret genüge, oder ob rin Ersetz erforderlich sei. Weuu der geehrte Herr Lrömteux glaubt, dag ein Dekret genügt, so wird seine rechttgelehrte Ansicht auch für unsere Entscheidung von großem Gewicht sein. Ich wiederhole, daß das, war uns aushält, nur eine Formfrage ist.» Lrömienz bejaht die Frage und begründet seine Ansicht unter lebhaftem Beifall. Lissabon. Ein Israelit, allgemein geachtet und von der Regierung unterstützt, ist für eine» Sitz in der Drputirteukammer vorgeschlageu worden. L» liegt jedoch ein Hiaderniß vor, jeder portugiesische Deputirte hat nämlich in dem vorgcschriebeuer Eide zn beschwören, »daß er der katholischen Religion treu fein wolle.» Man hofft, daß Portugal, nach dem Borgauge England», diesen Religion», id abschaffeu «erd«. Xe«-Port. »Hebr. Leader« bemerkt, bei Mittheilung unsere» Berich»» über die letzte Expedition russischer Inden: »Wir wollen hoffen, daß die Einwanderer einer beffere» und arbeiffamere» Klaffe angehüren, al» eiu Theil derjenigen, welche ihnen vocaargegangen sind. Einer unserer Freunde bemerkt an» nämlich, daß hauptsächlich Pari» unter dem Deckmantel russischer >u»wa»d«r«r — vielleicht ohne r» jft wissen — un» die verworseastrn Personen sendet, darunter literarische Al>enteurer, welch«, nachdem sie hier Wohlthaten genoffeu, sich al» zur Hefe de» Menschengeschlecht» gehörig erweisen.« Wir wollen keinen vorwnrs gegen 1*ie Pariser erheben (betrogen werde» ist keine Schande), ater da» Köuig»b«rger Eomitö erhält hier eine glänzend« Rechtfertig»»-, und die von mc» (Nr. 3», S. 249») «^gesprochene Bcrumthang, daß da» Gesindel, über welche« di« Amerikaner geklagt haben, nicht von dm deutschen Eomitö» eppchirt worden wären, bestätigt sich. Lileraturbericht. Miß Sefatai«. Dreißig Predigt«, gehaltm während de» Kalenderjahres 5620 im israelitischen Tempel zn Hamburg von vr. H. Jonas. Deutschen Gelehrten wird e» bekanntlich zum vorwnrs gemacht, »aß sie, sobald sie einen neuen guten Gedanken habe», sich nicht damit begnügen, diesen kur, und bündig «wgedrückt in di» Welt zu schicke», nein, sie Wickel» ihn in die Emballage eine« ganzen Luche», und die Kritik soll dann um diese» eine» Gerechten Willen an dem ganzen Werke Gnade üben. Die Herau»geber von Predigrsammkungen, jüdischen und christliche», legen gewshm-' kich einen »och mildern Woßst,» an ihre sieistnngen; dieselbe beschick »kW homiletisch« Phraseologi», derselbe kärgliche Gedankeainhalt mir einigen «enderuugeu, di« selbst dem aufmerksamen kefer entgeht», kehrt in den meiste« derartigen Werke» wieder, die sich hauptsächlich nur durch den Name« der Aniore» aus dem Titelblatt unterscheiden. Da» »Rib Sefataim« steh» hierin aus eine« Niveau «it den meisten seiner Lollegen. Einer sucht i» der gedruckte« Predigt (denn nur an diese, zumal wenn sie in der anspruch»volle» Form eine» Glied» einer großen Sammkuug austritt, kann eia strenger Maßflab gelegt werden) die philosophische Bertiesnng eine« ethischen »der religiöse» Bedanken«, ei» zweiter die geistreiche Pointe, den blendende» Witzstrahl, ein dritter läßt sich gern trage» von der majestätisch wogenden Strömnng einer erhabene» Rhetorik; wer solche« sucht, der laffe beim «intritt in dies» Sammlung all« Hoffnung draußen; »er Stil, noch da» Veste am Buche, plätschert dahin wie et» seichte» Bächlein, und wa» die Originalität der Ideen anbetrifft, da könitten wir dem Verleger al« Vignette da» Bild empfehlen, wie ein Lhernb mtt flammende» Stbwert jedem originellen Gedanken de» Eingang wehrt. Wenn freilich Herr vr. Jona« da« Won der Hagar »- V. m nr* um ehn Bll ,,©o habe ich denn auch hier gesehen nach dem Sehen" übersetzt und hierauf eine ganze Predigt aufbaut, so ist dies« Uebersetzung allerding« demselben wahrscheinlich gar^ ureigenrhflmlich, aber weniger originell, al« ungereimt und falsch. An diesen Predigten ist nur ein» originell: Im» ist btt Gemeind«, vor der sie gehalte» worden find. E« ist die« «in« Gemeind«, „in der," nach der Schilderung de» Redner«, „da» jüdische «stesetz, wie es durch den Dalmud sestgestellt ist, bi» aus die letzte Spur vernichtet ist, ganz allgemein von na» unbeachtet gelaffen wird", und der Prediger beeilt sich hinzuzufügen, daß eine spätere Zeit auch über die letzten Rest« der alten religiösen Ai'chauuicg hinwegschreiten wird. Die Juden de« Hambnrger Dempel» find e« demnach nur noch nominell, sie find nur noch Namen«»Mer» unserer großen Glaubeulgenoffenschaft. Und dennoch ist e» der Talmud, der vielgeschmähte und bei Seite geschobene, ist e» seine einfache Spiilch- und Parabelwei»heii, dem diese Predigten da» Wenige an Geschmack und Würze, da» ihnen tnnewohnt, verdanken. Daß wir 242 Seiten allbekannter Redenierten durchgelesen haben, daß wir nicht mit einem durch Gähnen erstickten „Alle« schon dagewesen" unserer Recensentenpflicht mitten in der Lektüre untreu geworden sind, da» hat der über den Talmud hocherhabene Hr. Dr. Jona« nicht sich, sondern den urffinnigen talmndischen Sätzen zu verdanken, di« er hin und wieder in die Sandwllste seiner trostlosen Phraseologie hineivgestreut hat. Der Talmud ist der Rettungsanker, der den unnützen Ballast de« Resormprediger« über Wasser hält. Wohl sind diese Talmudsätz«, zumal Hr. vr. Jona» nur von der Oberfläche schöpft, allbekannt; aber in ihrer tiefsinnigen Naivität und Zartheit nnttheu sie au wie der jugendftische Frühling, und die welke Phrase zu ihren Seilen, da» Sandmeer zur rechten und zur linken erhöht uur ihre» Reiz. Erst au-gebeutet, dann gescholten und geringgrschätz» werden, diese» Loo» theilt der Talmud mit den bestrn Erzeugnissen de» menschlichen Geiste». Herr l)r. Jona» wird sich nie üher solchen Undank zu beklagen haben. Sein Buch wird höchsten» dem „Kikajon Jona'«" gleichen, von dem es in der Bibel heißt, daß er in einer Nacht entstanden, in der folgenden wieder verschwunden sei. Kaum ist ihm noch diese» EintagSleben sicher. 2. Briefkasten der Rsdaction. IS. Bon Oktober ab werde ich so thun. — vr. A. Ich kann wohl thaffächliche Mittheilungen gebrauchen, die Sie auch andern Blätter» z» melden gut finden, aber nicht Ablhuidlungen und dergl., zumal Au»züge. — Rabb. 8. Der Abdruck de» Schreibe^» ist unverfänglich, die Sache selbst nicht unvertä »glich, Beweis der Wahrheit der Thatsache nach de« Wor.ea de« Eorr. Vorhand«». «7777 Da» im Feuill. mirgetheilte Gedicht „Der Sieger"' ist au« einer Sammlung von Rabb. vr. Plarzek in Brünn, „Jvr. Ern«" Wien 1869. Berichtig«»-. In vor. Rr. S. 299 » soll der vorletzte Satz heißen: Die amerikanische» Blätter haben ihre» nächste» Lesern gegenüber sich ans di» Jouruale bezieh«» töuneu. 11*1 *