Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
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breite». Sie pflegt die Verwundeten, verbindet sie, tröstet fie »»d heilt fie. — Exifttrt nicht ein geheimer Zander in diese» Frauenhänden?— Mad. Ea!>ea ist die Witt»« eine« Arzte«, fie hat praktische Kenntnisse, u»elche in ihrem Verlangen Ante« z» thun fich erst recht entwickeln. — Sie ist eine jung« Fra» «»d, wie B scheint, nicht allzukräftig. Zn ihrem Gefichte vermißt man die Schönheit regelmäßiger Züge, aber man liest darauf eine unendliche Saastmuth mit Muth gepaart." Möge mm zum Schluffe dem vielen Ernste, Traurigen auch »och eine erheiternde Episode folg«: Man schreibt dem „Libanon" an« London: tan Beginn de» gegimwärtig» Kriege« gab ei hier Streitigkeiten zwischen nnsern deutschen, inssischen und polnischen Glaubensgenossen, dir hier wohnen. Di» Polen beten für den Triumph Frankreich», die Deutschen ersieh» vom Himmel den Sieg der Preußen. Letzten Sonnabend hatten fie sich ob dieser Meinung» oerschiedenheiten hrrnmgeschlagen und erschienen endlich vor dem Richter. Dieser sagt« ihnen: »Ich kam, hier nicht entscheiden; warte«, bi« der Krieg zn Sude ist, dann wird fich zeigen, wer von Euch Recht hat.» — In der That find die russischen nnd polnischen Inden sehr betrübt, wenn sie eine für Preußen günstige Rachricht erhalten. Bor einig» Tag« lam ich in tat Han« de« Rabbi Saul Sopher nnd sah ans seine« Tische eine große waä»»kerze brenn«, »ns «eine Frag«, mn» da« bedeute, erhielt ich di« Antwort: »Da« Licht brennt zu Ehr» der Seel« de« 08 bvs “nun — damit Frankreich siegreich sei!!» — Biel» Israeliten spend« reiche »lmosen in derselben Absicht." Berichte und (Korrespondenzen. Deutschland. II. Werk«, 5. September. (Orig.-Eorr.) Auf Anregung de« Herrn vr. Hilde-heimer ist hier ein Eomitö zusammenge» treten, um israelitische Verwundete, welche e« wünsche«, mit geistiger Unterstützung und rituell zubereiteter Nahrung zu versehen. Bo« der Verwaltung der Lazareth« ist dem Ecmitö bereitwillige« Entgegenkommen zu Thell geworden, auch von der allgemetne« HUsßkaffe ihm die uöthize Summe zur Verfügung gestellt. Jlrnnüfnrt «. M., 31. August. Die Wissenschaft hat wieder einen schweren Verlust erlitten. Gestern Morgen starb (wie schon gemeldet) im 4L Lebensjahre Lazar Beiger, der mit der König selber ohnmächtig ist. Da e« an überführende» Brweisen gegen Perez fehlt, wird er entlaffen werdm. Philipp weiß da« wohl; er hat auch Befehl gegeben, Perez der Jnquifition zu überliefern, die ihn der Ketzerei anklagt und täglich ein Mittel findet, die Leute zu verurtheile». Man sagt, daß da» Au«lieferung»decret, kraft dessen Perez au« dem weltlichen Gefängniß in da« de« hellizen Officium« übergehen soll, bereit» unterzeichnet ist; da» wird aber eine offenbare Verletzung der Verfassung sei», und der größte Thell de« Adel» und der Bürgerschaft ist fest entschlossen, fich der Ausführung, sogar mit den Waffen in der Hand, zu widersetzen. Alle Leidenschaften find rege und e« bedarf nur eine« Funken», damit der Brand zum Außbruch komme." ,,E« genügt auch," antwortete der Mönch, „daß ein Neuchrtst diese» Funk« hinetvwerfe, um die ganze Sachlage zu ändern. Habt Ihr schon die Beschichte von Peter von Arbue» vergesse», und wißt Ihr nicht mehr, wie dieser grausame, verhake und vom Volke verwünfchte Priester fast sein Abgott wurde, well ihn di« Reuchriste» ntedergestoche» hatte«? Nein, nein, glaubet «tri Ich habe dies, Frage sorgfältig überlegt; bleibe» wir dem Streite, der vorberettet wird, gänzlich fern. Mir ist da» Resultat nicht im mindeste« zweifelhaft, der Sieg wird de» König nnd der Inquisition verbleibe»; wir können höchsten« daranf rechne», daß noa; na« in der Aufregung vergessen wird dem im 1.1868 im Eotta'schen Verlag erschienenen ersten Band seine» bedeutenden Berkeü »Ursprung und Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft' dm Grund zu einem gewaltigm und geaialm sprachphilosophi'chm Gebäude gelegt hat, nämlich zu einer »Beschichte der Begriffe'. Leider ist nur der erste Band im Druck erschienen; der zwelle Baud liegt zwar druckferttg da, allein e» ließ fich bei hem rastlos» Eifer de« Verfasser» erwartm, daß er dmselbm noch mü zahlreichen, sein eminente» Wiffm bekundmdm Anmerkungm versehm haben würde, wie er ja da» Manuskript seü neun Zähren fortwährend umarbeitete. Zum »ritte» Bande, der namentlich die Entwickelung der Begriffe auf dem Gebiete de« Mythu« und der Religion behandeln sollte, lieg« nur Vorarbeiten vor. Einen populären lleberblick über die ganz« Aufgabe, die er fich gestellt hatte, gab Geiger in dem 1869 gleichfalls im Cotta'fcheu Verlag erschienen« »Ursprung der Sprache'. Seine letzte Arbeit war da» Schulprogramm der iSraelit. Real- und Volksschule in Frank» futt a. M., an welcher er neun Jahre lang al» Lehrer thätig gewesen ist. Diese höchst originelle Abhandlung bespricht die »Deutsche Grammatik al« Lehrgegenstand an deutschen Schul«'. Druckferttg find, so viel ich weiß, imch neun Abhandlung«, unter andern der im verflossenen Winter gehaltene MusemnSvorttaz über »Die Entstehung de» Feuer»', der ebenso große« Aufsehen erregte al« der im Zahre 1867 in der Raturforscherversammlung mit seltmem Beifall aufgenommene Vortrag über den »Färb«, sinn im Stterthum.' Geiger erlag einem Hetzleidm mtt beginnender Wassersucht. Er starb in d« Arm« seine« treu« Arzte» und Zug«dft«ndeS, de« vr. Theodor Neubürger, dem auch fein Hauptwerk gewidmet ist. Die wtff«schaftlich« Bedeutung diese» genial« Manne« habm diese Blätter schon öfter« hervorgehoben, und eine competmtere Feder wird wohl kund thun, wa» die Wissenschaft an Lazar Beiger gewonnm und unwiederbttnglich verlor« hat. Ich will nur de« fast unbegreiflich« Fleiß«» gedenken, mst dem Geiger den riefigen Arbeittstoff überwältigt hat, so daß er oft wochmlang fast uuunterbrochm studierte, der rührmd« Kindlichkett und LiebmSwürdigkeit. der Tr«e gegm feine Freunde, der seit«« Sittmremhftt und ttefm Bescheidenheit. Auch mich «bermannt der Schmerz vor diesem Sarge, au dem betagte Eltern und eine 96 jährige Großmutter wein«. (*. *. 3.) Mvrm», 6. September. (Orig.-Eonefp.) Da« Centtiu- und daß e» leichter sein wird, unbemerft zu entkomm«. Da« ist meine Anficht, ist e« nicht auch die Eure?" (Fortsetzung folgt.) — Au» Gmunden wird dem „R. Fremdenbl." geschrieben: Sie wist« bereit», daß hier und in der Gegend von Ebenser und Ischl allgemein der Glauben verbreitet war, Samstag «erd« di« Welt «uergrhen. Der Berggeist vom „Jainzen" soll einer alten Frau in Ebensre erschiennl sein nnd ihr prophezeit haben, daß am Samstag alle Seen de« Salzkammrrgnte» austreten, die Berge eiupürzen werben rc. Als Grund soll er, nach einer Version, der Einslnß der Inden, die hier rech« zahlreich find, angegeben haben. Ich brauche Sie wohl nicht erst zn versichern, daß die hochwllrdige Geistlichkeit, die jetzt mü Agitationen und Wühlerei« so beschäftigt tll, nicht da» Geringste gethan hat, um diesen Unsinn zn de» kämpsru. Aber es kam noch bester. Samstag Früh ging wa» Füße hatte mtter der ländlichen Bevilkernng beichten, nm nur ja noch vor Weltuntergang — der Beginn war ans i Uhr Nachmittag angrsagt — der Sünden los zn werden. In banger Erwartung sah Alles den Dingen, die da kommen «erden, entgegen, aber schon gegen mittag verbreitete sich dt» Rachricht, der Weünntergang sei — wahrscheinlich „mg« plötzlicher Heiserkeit de» Maschinisten" — ans acht Tage verschob« worden. So lange hält« wir als» noch Zettl